Mal eine ganz grundsätzliche Frage: gibt es Forschung, die diese ganzen Optimierungshypothesen in der Realität beweisen/zeigen kann?
In der Realität optimiert niemand ohne Family Office die Gehaltsstruktur nach irgendwelchen Grenzsteuersetzen und gerade in der Regel arbeitet man auch nicht eine Stunde mehr oder weniger, sondern 10, 20, 30, 40h, kaum was dazwischen.
Vielleicht kommt das im Aggregat dann trotzdem hin, aber mir kommt das alles sehr verkopft vor.
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holgiBeitragsautor
Das kommt vermutlich daher, dass man Wissenschaft überwiegend mit dem Kopf betreibt.
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holgiBeitragsautor
Das liest sich, als hättest Du noch nie im Leben näheren Kontakt mit irgendeiner Sozialwissenschaft gehabt.
Mach nicht alle anderen für deine schlechte Laune verantwortlich, es gibt auch von dir selbst diverse Tonaufnahmen, in denen du die Ökonomie exakt so kritisierst, wie ich gerade.
Im Übrigen ist gerade der Fakt, dass ich VWL im Studium hatte, der Grund, warum ich sowas hinterfrage. Keine andere Sozialwissenschaft behauptet von sich, prädiktiv zu sein.
holgiBeitragsautor
Ich hab keine schlechte Laune, sondern bin einfach nur gelangweilt von diesem Vorhersage-Vorwurf. Den Stuss höre ich seit Jahrzehnten, und halte ihn für einen Ausdruck von Ahnungslosigkeit oder Denkfaulheit. Ich habe übrigens auch VWL studiert und außerdem bin ich ein Hund.
Aber gerade dann solltest du gemerkt haben, dass die VWL oft genug mit Annahmen arbeitet, die in der Realität nicht so wirklich funktionieren.
Siehe oben, man kann Arbeitszeit nicht beliebig hoch- oder runterschrauben, sondern idR nur in größeren Schritten. Wenn man aber damit argumentiert, dass marginale Änderungen der Regeln zu marginalen Änderungen im Verhalten führen, muss man das auch belegen können.
Und allein die Annahme, dass sowas rational durchgerechnet wird, ist schwierig.
Natürlich kannst du gelangweilt von der Frage sein, aber die VWL liefert halt keine Antworten darauf.
Ja, VWL kann nützlich sein, aber ein bisschen Bescheidenheit wäre angesichts des Track Records dieser Wissenschaft halt schon angebracht.
holgiBeitragsautor
Nicht anderes behauptet die VWL von sich. Mir geht halt extrem auf den Keks, dass immer wieder einzelne Volkswirte – als Interessenvertreter einer bestimmten Politik – verwechselt werden mit einer ganzen Disziplin.
(Bemerkenswert finde ich, aus welcher Richtung solcherlei Verwechslungen mit absoluter Sicherheit, oft sogar Arroganz formuliert werden. Vermutlich werde ich deshalb schnell pampig. Das allerdings ist zu anekdotisch, um als Diskussionsgrundlage zu dienen, weil ich ja auch nur in bestimmten Kreisen verkehre.)
Gerade dann sollte man aber auch seine Aussagen vernünftig untermauern.
Was dieser Beitrag macht, ist ja eine extreme Verkürzung von sowas komplexem wie Lebensgestaltung. Wenn man sagt "Frauen sind bereit, ihre Karriere komplett wegzuwerfen, weil der Grenzsteuersatz 5 Prozentpunkte günstiger ist", dann muss man dafür halt schon Belege liefern.
Insbesondere, wenn du dir auch einen anderen Ökonomen hättest suchen können, der dir aus der hohlen Hand genau das Gegenteil erläutert.
Ich finde es generell sehr sehr fragwürdig, wenn dermaßen kontingente Entscheidungen mit irgendwelchen ökonomischen Theorien vorhergesagt werden. Letztlich gibt es hunderte Einflussfaktoren, auch kulturell, die überhaupt gar nicht abgebildet werden. Das dann auf eine Handvoll Optimierungsübungen zu reduzieren kann sinnvoll sein, aber wenn wir dermaßen rational wären, hätte niemand eine Riester-Rente gekauft.
@AdmSnackbar@mastodon.social @blog ich kenne derartige Fälle, keine Einzelfälle, aus der Praxis bereits seit meiner Ausbildung Mitte der 90er Jahre, als die Lohnsteuer noch aus dicken Büchern ausgelesen wurde. Da wurde drauf geachtet, das bei Arbeitern, Abrechnung auf Stundenbasis, nicht auf einmal eine Stufe höher zur Anwendung kam. Darauf haben beide Parteien geachtet. – Dabei ging es darum, das Monatsnetto zu optimieren. Der Jahressteuerausgleich war zu lange hin…
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Patrick
Ich habe früher auch gesagt, dass das Ehegatten splitting weg sollte. Mittlerweile habe ich aber die Realität dahinter verstanden. Eine Ehe ist halt mehr als eine wirtschaftliche Verbindung, sondern eben auch die Übernahme von Verantwortung, zum Beispiel im Krankheitsfall. Aber was meiner Meinung nach viel relevanter ist und vor allem in Akademikerkreisen/für Aufsteiger relevant ist: Ausbildungszeiten. Vielleicht ist das noch nicht am Anfang des lebens relevant, wenn beide eine klassische, duale Ausbildung oder ein Studium machen. In der Regel sind die Leute da heute nicht mehr verheiratet.
Unter dem Aspekt des lebenslangen Lernens verändert sich das aber schnell. So ist es möglich, dass ein Ehepartner den Großteil des Familienunterhalts übernimmt, während der andere Ehepartner eine Umschulung macht oder auf die bereits vorhandene Ausbildung ein Studium sattelt. Heute werden bestimmte Berufe nicht mehr gebraucht oder sind einfach nicht mehr so sehr gefragt, dass es sich lohnt dafür arbeiten zu gehen – dann macht eine Umschulung total Sinn.
Ich habe das in meinem Umfeld selbst erlebt. Ein paar, noch nicht so lange verheiratet, aber bereit, gemeinsam Risiken einzugehen: sie verdient ganz gut, aber sein Beruf ist nicht mehr sonderlich gefragt. Sie ermöglicht ihm also durch den innerehelichen Unterhalt einen neuen Beruf im Erwachsenen Leben zu erlernen, um nicht nur das Familieneinkommen zu verbessern, sondern auch die Zufriedenheit des geliebten Ehepartners zu erhöhen.
Gerade schüttelt die technische Revolution, den Arbeitsmarkt und die gefragten Qualifikationen dermaßen durcheinander, dass dies wohl auch weiter zunehmen wird.
All diese Fälle müssen berücksichtigt werden und diese kleine exemplarische Anekdote kann wahrscheinlich auch durch andere ersetzt werden. Es gibt zahlreiche Situationen, in denen Ehepartner für einander einstehen, sich umeinander kümmern und dazu ja auch verpflichtet sind. Das ist eine andere Dimension als bei lediglich informell liierten Menschen.
Jau. Du beschreibst hier letztlich das Spannungsverhältnis zwischen der Pflicht, eine ganze Bevölkerung auf – mehr oder weniger – einen Schlag zu steuern, und den Problemen, die das an den Rändern macht: die berühmten Einzelfälle. Die wirst Du niemals los werden, so dass die Frage vermutlich ist, ab wie vielen dieser Einzelfälle man global nachsteuern muss.
Ich glaube nicht, dass das so ein Einzelfall ist. Mit lebenslangem Lernen muss immer mal wieder sowas ausgeglichen werden. Sogar beim Arbeitsamt wird gefragt ob man Verheiratet ist. Das hatte zwei Gründe: Zum Einen will man sich absichern, dass Bildungsangebote vom Arbeitsamt auch durchgehalten werden können – und das ist in Partnerschaften und finanziellem Ausgleich leichter möglich. Zum anderen hat das knallharte Auswirkungen auf die ausgezahlte Versicherungsleistung im Arbeitslosengeld I (ALG I). Also ein Ausgleich muss irgendwie da sein und vielleicht ist das tausende Jahre alte Konzept „Ehe“ gar nicht so falsch. Und um die Leute in diese Gemeinschaften zu drängen ist dann vielleicht auch ein Anreiz / Ausgleich nötig.
Bleibt die Frage – Ist das ein Bereich in dem Ökonom*innen Expertise haben oder gibt es vielleicht Bereiche in denen Menschen in Kontakt mit den wirklich betroffenen Menschen kommen und aus diesen Einzelfällen tatsächliche Expertise generieren können. Sozialpsychologie, Soziologie, Soziale Arbeit, Pädagogik.
@blog soweit ich das überblicken kann, gäbe es doch mindestens eine Gruppe Menschen, die bei einer Mehrwertsteuer Erhöhung bei gleichzeitiger Senkung der Krankenkassen Beiträge draufzahlen (sogar prozentual vergleichsweise hoch), das wären die Bezieher von Grundsicherung (die nicht arbeiten KÖNNEN). Und die wird das richtig hart treffen, denn eine Anpassung der Sätze ist eher unwahrscheinlich. Werden solche Effekte mit bedacht?
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Chris
Hey Holgi,
vielen Dank für die gute Folge zu einem aktuellen Thema. Gerne mehr davon.
Ich würde mich noch für weniger wirtschaftliche Aspekte interessieren. Mich stört am Ehegattensplitting, dass es Menschen durch wirtschaftlichen Druck ein Lebenskonzept aufzwingt. Hier sehe ich auch außer der Abschaffung aufgrund zu vieler Sonderfälle (bspw. Familien die aus mehr als 2 Erwachsenen bestehen, Menschen die zwar gemeinsam Kinder großziehen, aber selbst jeweils eine eigene Beziehung führen, …) keine Alternative.
Eine Umverteilung könnte man bspw. über ein Kinder-Splitting erreichen, um den gesellschaftlichen Nutzen der Vermehrung zu fördern.
Vielleicht findest du dazu mal eine:n spannende:n Gesprächspartner:in
Ich tue mir schwer mit den Ökonomen, wenn da Argumentationslinien immer auf so Scheinwelten aufgebaut werden.
Da wird getan, als wäre der sogenannte Arbeitsmarkt ein totaler Bieter-Markt und alle können sie es sich aussuchen wie viele Stunden sie in der Woche arbeiten möchten.
Die Leute alle entweder am Erwerbsarbeiten oder sie sitzen auf der Couch und ärgern sich, weil es sich aufgrund der furchtbaren Steuerlast nicht auszahlt mehr Zeit für Erwerbsarbeit aufzuwenden.
Das Leute neben der Erwerbsarbeit auch noch etwas zu tun haben könnten, wird erst mal verdrängt. Und wenn dann kommt sofort das Servicepersonal: Wenn nur die böse Steuerlast nicht wäre, dann hätten wir alle Personal das die Hausarbeit für uns erledigt und schon haben wir mehr Zeit – die wir natürlich mit mehr Erwerbsarbeit verbringen wollen. Und mehr Erwerbsarbeit ist ohnehin per Definition sinnvoll und wichtig.
Das die meisten Erwerbstätigen ihre Arbeitszeit von den Arbeitgebern diktiert bekommen, egal.
Das der Partner aus der Familie mit Spitzeneinkommen vielleicht weniger arbeitet weil eh genug Geld da ist? Kann gar nicht sein.
Was macht eigentlich das Reingungspersonal das bei mir daheim das WC putzt? Damit das aufgeht muss das ja weniger kosten als ich Netto verdiene. Und wer putzt deren WC?
Ist mehr Arbeiten überhaupt sinnvoll, wenn es doch eh so viele gibt die Arbeit suchen? Könnte man fehlende Mitteln für die Gesellschaft auch aufbringen, in dem man zB Kapitaleinkommen besteuert anstelle den Erwerbstätigen noch mehr aufzulasten?
Das Ressourcenverbrauch und Umweltverschmutzung aufgrund ständigen Wirtschaftswachstum uns mittlerweile in unserer Existenz bedrohen (Klimaerhitzung) darüber reden man al Ökonom auch lieber nicht. Bald kommt bestimmt das qualitative Wachstum und wird das alles in Ordnung bringen..
Ich bin jetzt über die Wochendämmerung wieder hier gelandet.
Ich habe deinen Feed im Oktober verloren! Hatte zwischenzeitlich auch mal gedacht du veröffentlichst wohl nichts mehr aber nicht weiter nachgeforscht.
Ich höre podcasts nicht immer zeitnah wenn es keine Nachrichten Podcasts sind. Bei Wrint bin ich sogar noch bei Makro am Mikro. Aber ich wollte mir jetzt diese Folge hier nach vorne holen und musste dabei feststellen, dass der Feed nur bis Oktober ging. 15.10.25 war da die letzte Episode. Die Sprache des Kapitalismus. vielleicht kommst du an den alten Feed ja noch dran und kannst das noch eine episode reinschicken, dass es jetzt woanders weiter geht. Beim Resonator hat das für mich super funktioniert. wrint habe ich nicht mitbekommen.
Ich nutze Pocketcasts und das war der alte feed https://pca.st/podcast/66be7610-712f-012e-30f6-00163e1b201c
Im Endeffekt super geil für mich dass ich jetzt so viel nachhören kann aber ich hoffe du verlierst dadurch keine Hörer
@blog Einerseits gute Sendung weil sie tiefer geht als die allermeiste Berichterstattung zu den Reformvorhaben. Andererseits stellenweise biased. So sind beim Anheben von Mehrwertsteuer und Absenken der KV-Beiträge nicht wie behauptet, die Ärmsten entschädigt. Wer Sozialhilfe bezieht, hat kein höheres Netto, zahlt aber trotzdem mehr MwSt. Dann: Das Setzen von Anreizen, mehr zu arbeiten, führt dazu, dass diejenigen bestraft werden, die aus gesundheitlichen Gründen nicht arbeiten können.
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@holgi@blog Das war zunächstmal Kritik an der Analyse deines Gastes, etwas zu oberflächlich zu sein. Bei Reformen bitte drauf achten, dass nicht ausgerechnet die Schwächsten unter die Räder kommen. Beispiel: Es gibt einen Gap zwischen Krankengeld und EM-Rente wo du u.U. monatelang ohne Einkommen dastehst. Die Abschaffung der Mitversicherung von Ehepartnern führt dazu, dass ausgerechnet einkommenslose berufsunfähig Kranke mit hunderten bis tausenden Euro zusätzlich „bestraft“ werden.
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@holgi@blog Nicht wenn bei der ökonomischen Analyse bestimmte Gruppen einfach ausgeblendet werden. Wenn also so getan wird, als wären alle berufstätig (KV-Beiträge/Mehrwertsteuer) oder als könnten alle arbeiten, die es nicht tun (Splitting/Familienversicherung). Die ökonomische Analyse hat dann blinde Flecken.
@ennopark@blog Gruppen, die sich nur kaum oder gar nicht auf die Gesamtrechnung auswirken, in eine ökonomische Betrachtung einzubeziehen, ist unsinnig. Das muss an anderer Stelle passieren (dass das möglicherweise nicht hinreichend passiert, ist eine andere Diskussion).
@holgi@blog Das ist dann halt keine Wissenschaft mehr, wenn Gruppen willkürlich raus- und reingenommen werden. Es ist ja z.B. nur ungefähr die Hälfte der Bevölkerung überhaupt berufstätig. Hat halt starke Homo-Ökonomikus-Vibes.
Außerdem hast du es ja selber mit deinem „also lieber nichts ändern“-Kommentar selber auf die politische Ebene geholt und ich dir dann deswegen auf beiden Ebenen geantwortet.
@ennopark@blog Ich hatte eher den Eindruck, dass du das Ding auf eine politische Frage gedreht hattest. Und deine Prämisse widerspricht halt der politischen Realität. Und natürlich ist es Wissenschaft, aber ausgerechnet der Ökonomie diesen Status abzusprechen, ist hier ja sehr beliebt und leider auch sehr anschlussfähig.
@holgi@blog Uff. Wow. Nochmal, du stellst im Podcast die politische(!) Frage, ob MwSt erhöhen nicht ungerecht sei. Dein Gast sagt aufgrund seiner ökonomischen Analyse, dass das OK gehe, weil niedrige Einkommen durch geringere KV-Beiträge entschädigt würden. Und ich kritisiere, dass diese Analyse übersieht, dass Grundsicherungsempfänger höhere MwSt zahlen ohne von den niedrigeren KV-Beiträgen zu profitieren, was immerhin ~5 Mio Menschen betrifft. Also hat die ökonomische Analyse hier einen >>
@ennopark@blog Die Prämisse ist, die Einnahmen zu erhöhen, und Transferleistungen sind Kosten. Moralisch bin ich ja auch bei dir, aber diese Kosten einzubeziehen in die Frage, wie man die Einnahmen erhöht, ist halt sinnlos. Die Frage nach dem Verbleib der Transferleistungsempfänger kann nur politisch diskutiert werden.
@holgi@blog Es ging aber bei meiner Kritik nunmal nicht um die Frage, die Einnahmen zu erhöhen, sondern um die von dir im Podcast gestellte politische Frage, ob eine Erhöhung der MwSt gerecht ist und der ökonomisch begründeten Antwort darauf.
@blog Eine Frage, die mir bei den beiden Sendungen (Wirtschaftskunde und hier) durch den Kopf ging – was passiert eigentlich, wenn das angestrebte Mehr an angebotener Arbeitsleistung gar nicht gebraucht wird. Blick aus dem Osten: Wir haben eine überalterte aussterbende Bevölkerung, eine kollabierende Industrie, massive Stellenkürzungen im öffentlichen Dienst und auch die gepriesenen Großinvestitionen kommen in der Regel mit viel weniger Personal aus als von der Politik erhofft. Führt ein mehr an Arbeitsangebot dann nicht automatisch zu einem sinkenden Gehaltsniveau? Kann das nicht das eigentliche Ziel sein? Und was uns mit der Iran-Nummer blühen wird, will ich noch gar nicht wissen…
P.S.: und wenn ich meine Kollegen/Bekannten in Westdeutschland so höre, sieht es unter dem netten Häkeldeckchen mit der Aufschrift "Ist doch alles so schön hier!" auch nicht viel anders aus. Nur dass das Vermögensniveau und damit die Schmerztoleranz um einiges höher ist.
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Ok, nehmen wir mal an, das Ende des Ehegatensplittings würde für die Kindererziehenden Partner:innen Halbtagsstellen attraktiver machen als Minijobs.
Ich hatte in meinen 40ern mehrere Bekannte (alle weiblich), die während der Schulzeit ihrer Kinder wegen des Splittings nur Minijobs hatten. Alle hatten einen erlernten Beruf. Nehmen wir mal exemplarisch die Außenhandelskauffrau, die in der Filiale der angesehenen Drogeriekette mit Minijob an der Kasse saß.
Dann war das Kind aus dem Haus und sie fragte, ob sie nun halbtags arbeiten könne.
Ergebnis war: Nö. Denn Halbtagskräfte sind, anders als Minijobber:innen, tarifgebunden und mit ihrem erlernten Beruf und den 15 Jahren Erfahrung aus dem Minijob hätte sie tariflich Anspruch auf eine Vergütung analog zur stellvertretenden Filialleitung.
Im Einzelhandel sind derzeit die meisten Beschäftigten nicht in tarifgebundenen Minijobs und zugleich ist das einer der größten Arbeitgeber für die Mitverdienenden Partner:innen (warum gender ich das eigentlich? Sind ja fast nur Frauen).
Ich möchte mal in den Raum stellen, dass diese Abkehr von Minijobs und Anstellung nach Tarif (so sehr ich sie als ver.di-Mitglied wünsche) unrealistisch ist.
Moin Holgi,
schöne Sendung, aber mir stellt sich eine grundsätzliche Frage: Wozu braucht es Arbeitsanreize, wenn derzeit eh 3 Millionen Abreitslose (bzw. 3,7 Millionen Unterbeschaftigte) auf knapp 640 Tausend nacjgefragte Stellen kommen? Da scheinen eher Anreize zur Steigerung der Arbeitsnachfrage nötig zu sein.
Vielleicht wäre das mal eine Anregung um darüber mit deinen beiden Hausökonomen zu sprechen
Unseren schönen Niedriglohnsektor können wir aber viel besser verteidigen, wenn wir trotz dieser Situation
die Arbeitslosigkeit als möglichst unangenehme Drohkulisse erhalten.
Bei nachfragepolitischen Maßnahmen werden am Ende noch die Gewerkschaften frech und verlangen
höhere Löhne.
@blog
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Vielleicht kommt das im Aggregat dann trotzdem hin, aber mir kommt das alles sehr verkopft vor.
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@blog
Ja natürlich, aber die Ökonomie ist jetzt nicht unbedingt unverdächtig, das zu übertreiben.
Oder um ähnlich schnippisch zu antworten: die meisten Menschen denken und handeln im Alltag nicht wissenschaftlich – inklusive aller anwesenden.
Remote-Antwort
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Das liest sich, als hättest Du noch nie im Leben näheren Kontakt mit irgendeiner Sozialwissenschaft gehabt.
@blog
Möchtest du heute nicht konstruktiv diskutieren?
Mach nicht alle anderen für deine schlechte Laune verantwortlich, es gibt auch von dir selbst diverse Tonaufnahmen, in denen du die Ökonomie exakt so kritisierst, wie ich gerade.
Im Übrigen ist gerade der Fakt, dass ich VWL im Studium hatte, der Grund, warum ich sowas hinterfrage. Keine andere Sozialwissenschaft behauptet von sich, prädiktiv zu sein.
Ich hab keine schlechte Laune, sondern bin einfach nur gelangweilt von diesem Vorhersage-Vorwurf. Den Stuss höre ich seit Jahrzehnten, und halte ihn für einen Ausdruck von Ahnungslosigkeit oder Denkfaulheit. Ich habe übrigens auch VWL studiert und außerdem bin ich ein Hund.
@blog
Aber gerade dann solltest du gemerkt haben, dass die VWL oft genug mit Annahmen arbeitet, die in der Realität nicht so wirklich funktionieren.
Siehe oben, man kann Arbeitszeit nicht beliebig hoch- oder runterschrauben, sondern idR nur in größeren Schritten. Wenn man aber damit argumentiert, dass marginale Änderungen der Regeln zu marginalen Änderungen im Verhalten führen, muss man das auch belegen können.
Und allein die Annahme, dass sowas rational durchgerechnet wird, ist schwierig.
@blog
Natürlich kannst du gelangweilt von der Frage sein, aber die VWL liefert halt keine Antworten darauf.
Ja, VWL kann nützlich sein, aber ein bisschen Bescheidenheit wäre angesichts des Track Records dieser Wissenschaft halt schon angebracht.
Nicht anderes behauptet die VWL von sich. Mir geht halt extrem auf den Keks, dass immer wieder einzelne Volkswirte – als Interessenvertreter einer bestimmten Politik – verwechselt werden mit einer ganzen Disziplin.
(Bemerkenswert finde ich, aus welcher Richtung solcherlei Verwechslungen mit absoluter Sicherheit, oft sogar Arroganz formuliert werden. Vermutlich werde ich deshalb schnell pampig. Das allerdings ist zu anekdotisch, um als Diskussionsgrundlage zu dienen, weil ich ja auch nur in bestimmten Kreisen verkehre.)
@blog
Gerade dann sollte man aber auch seine Aussagen vernünftig untermauern.
Was dieser Beitrag macht, ist ja eine extreme Verkürzung von sowas komplexem wie Lebensgestaltung. Wenn man sagt "Frauen sind bereit, ihre Karriere komplett wegzuwerfen, weil der Grenzsteuersatz 5 Prozentpunkte günstiger ist", dann muss man dafür halt schon Belege liefern.
Insbesondere, wenn du dir auch einen anderen Ökonomen hättest suchen können, der dir aus der hohlen Hand genau das Gegenteil erläutert.
@blog
Ich finde es generell sehr sehr fragwürdig, wenn dermaßen kontingente Entscheidungen mit irgendwelchen ökonomischen Theorien vorhergesagt werden. Letztlich gibt es hunderte Einflussfaktoren, auch kulturell, die überhaupt gar nicht abgebildet werden. Das dann auf eine Handvoll Optimierungsübungen zu reduzieren kann sinnvoll sein, aber wenn wir dermaßen rational wären, hätte niemand eine Riester-Rente gekauft.
@AdmSnackbar@mastodon.social @blog ich kenne derartige Fälle, keine Einzelfälle, aus der Praxis bereits seit meiner Ausbildung Mitte der 90er Jahre, als die Lohnsteuer noch aus dicken Büchern ausgelesen wurde. Da wurde drauf geachtet, das bei Arbeitern, Abrechnung auf Stundenbasis, nicht auf einmal eine Stufe höher zur Anwendung kam. Darauf haben beide Parteien geachtet. – Dabei ging es darum, das Monatsnetto zu optimieren. Der Jahressteuerausgleich war zu lange hin…
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Ich habe früher auch gesagt, dass das Ehegatten splitting weg sollte. Mittlerweile habe ich aber die Realität dahinter verstanden. Eine Ehe ist halt mehr als eine wirtschaftliche Verbindung, sondern eben auch die Übernahme von Verantwortung, zum Beispiel im Krankheitsfall. Aber was meiner Meinung nach viel relevanter ist und vor allem in Akademikerkreisen/für Aufsteiger relevant ist: Ausbildungszeiten. Vielleicht ist das noch nicht am Anfang des lebens relevant, wenn beide eine klassische, duale Ausbildung oder ein Studium machen. In der Regel sind die Leute da heute nicht mehr verheiratet.
Unter dem Aspekt des lebenslangen Lernens verändert sich das aber schnell. So ist es möglich, dass ein Ehepartner den Großteil des Familienunterhalts übernimmt, während der andere Ehepartner eine Umschulung macht oder auf die bereits vorhandene Ausbildung ein Studium sattelt. Heute werden bestimmte Berufe nicht mehr gebraucht oder sind einfach nicht mehr so sehr gefragt, dass es sich lohnt dafür arbeiten zu gehen – dann macht eine Umschulung total Sinn.
Ich habe das in meinem Umfeld selbst erlebt. Ein paar, noch nicht so lange verheiratet, aber bereit, gemeinsam Risiken einzugehen: sie verdient ganz gut, aber sein Beruf ist nicht mehr sonderlich gefragt. Sie ermöglicht ihm also durch den innerehelichen Unterhalt einen neuen Beruf im Erwachsenen Leben zu erlernen, um nicht nur das Familieneinkommen zu verbessern, sondern auch die Zufriedenheit des geliebten Ehepartners zu erhöhen.
Gerade schüttelt die technische Revolution, den Arbeitsmarkt und die gefragten Qualifikationen dermaßen durcheinander, dass dies wohl auch weiter zunehmen wird.
All diese Fälle müssen berücksichtigt werden und diese kleine exemplarische Anekdote kann wahrscheinlich auch durch andere ersetzt werden. Es gibt zahlreiche Situationen, in denen Ehepartner für einander einstehen, sich umeinander kümmern und dazu ja auch verpflichtet sind. Das ist eine andere Dimension als bei lediglich informell liierten Menschen.
Jau. Du beschreibst hier letztlich das Spannungsverhältnis zwischen der Pflicht, eine ganze Bevölkerung auf – mehr oder weniger – einen Schlag zu steuern, und den Problemen, die das an den Rändern macht: die berühmten Einzelfälle. Die wirst Du niemals los werden, so dass die Frage vermutlich ist, ab wie vielen dieser Einzelfälle man global nachsteuern muss.
Ich glaube nicht, dass das so ein Einzelfall ist. Mit lebenslangem Lernen muss immer mal wieder sowas ausgeglichen werden. Sogar beim Arbeitsamt wird gefragt ob man Verheiratet ist. Das hatte zwei Gründe: Zum Einen will man sich absichern, dass Bildungsangebote vom Arbeitsamt auch durchgehalten werden können – und das ist in Partnerschaften und finanziellem Ausgleich leichter möglich. Zum anderen hat das knallharte Auswirkungen auf die ausgezahlte Versicherungsleistung im Arbeitslosengeld I (ALG I). Also ein Ausgleich muss irgendwie da sein und vielleicht ist das tausende Jahre alte Konzept „Ehe“ gar nicht so falsch. Und um die Leute in diese Gemeinschaften zu drängen ist dann vielleicht auch ein Anreiz / Ausgleich nötig.
Bleibt die Frage – Ist das ein Bereich in dem Ökonom*innen Expertise haben oder gibt es vielleicht Bereiche in denen Menschen in Kontakt mit den wirklich betroffenen Menschen kommen und aus diesen Einzelfällen tatsächliche Expertise generieren können. Sozialpsychologie, Soziologie, Soziale Arbeit, Pädagogik.
@blog soweit ich das überblicken kann, gäbe es doch mindestens eine Gruppe Menschen, die bei einer Mehrwertsteuer Erhöhung bei gleichzeitiger Senkung der Krankenkassen Beiträge draufzahlen (sogar prozentual vergleichsweise hoch), das wären die Bezieher von Grundsicherung (die nicht arbeiten KÖNNEN). Und die wird das richtig hart treffen, denn eine Anpassung der Sätze ist eher unwahrscheinlich. Werden solche Effekte mit bedacht?
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Keine Ahnung. Mal das Gesetz abwarten.
@blog ok (Zynismus incoming), wir werden sehen…
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Hey Holgi,
vielen Dank für die gute Folge zu einem aktuellen Thema. Gerne mehr davon.
Ich würde mich noch für weniger wirtschaftliche Aspekte interessieren. Mich stört am Ehegattensplitting, dass es Menschen durch wirtschaftlichen Druck ein Lebenskonzept aufzwingt. Hier sehe ich auch außer der Abschaffung aufgrund zu vieler Sonderfälle (bspw. Familien die aus mehr als 2 Erwachsenen bestehen, Menschen die zwar gemeinsam Kinder großziehen, aber selbst jeweils eine eigene Beziehung führen, …) keine Alternative.
Eine Umverteilung könnte man bspw. über ein Kinder-Splitting erreichen, um den gesellschaftlichen Nutzen der Vermehrung zu fördern.
Vielleicht findest du dazu mal eine:n spannende:n Gesprächspartner:in
Ich tue mir schwer mit den Ökonomen, wenn da Argumentationslinien immer auf so Scheinwelten aufgebaut werden.
Da wird getan, als wäre der sogenannte Arbeitsmarkt ein totaler Bieter-Markt und alle können sie es sich aussuchen wie viele Stunden sie in der Woche arbeiten möchten.
Die Leute alle entweder am Erwerbsarbeiten oder sie sitzen auf der Couch und ärgern sich, weil es sich aufgrund der furchtbaren Steuerlast nicht auszahlt mehr Zeit für Erwerbsarbeit aufzuwenden.
Das Leute neben der Erwerbsarbeit auch noch etwas zu tun haben könnten, wird erst mal verdrängt. Und wenn dann kommt sofort das Servicepersonal: Wenn nur die böse Steuerlast nicht wäre, dann hätten wir alle Personal das die Hausarbeit für uns erledigt und schon haben wir mehr Zeit – die wir natürlich mit mehr Erwerbsarbeit verbringen wollen. Und mehr Erwerbsarbeit ist ohnehin per Definition sinnvoll und wichtig.
Das die meisten Erwerbstätigen ihre Arbeitszeit von den Arbeitgebern diktiert bekommen, egal.
Das der Partner aus der Familie mit Spitzeneinkommen vielleicht weniger arbeitet weil eh genug Geld da ist? Kann gar nicht sein.
Was macht eigentlich das Reingungspersonal das bei mir daheim das WC putzt? Damit das aufgeht muss das ja weniger kosten als ich Netto verdiene. Und wer putzt deren WC?
Ist mehr Arbeiten überhaupt sinnvoll, wenn es doch eh so viele gibt die Arbeit suchen? Könnte man fehlende Mitteln für die Gesellschaft auch aufbringen, in dem man zB Kapitaleinkommen besteuert anstelle den Erwerbstätigen noch mehr aufzulasten?
Das Ressourcenverbrauch und Umweltverschmutzung aufgrund ständigen Wirtschaftswachstum uns mittlerweile in unserer Existenz bedrohen (Klimaerhitzung) darüber reden man al Ökonom auch lieber nicht. Bald kommt bestimmt das qualitative Wachstum und wird das alles in Ordnung bringen..
Ich bin jetzt über die Wochendämmerung wieder hier gelandet.
Ich habe deinen Feed im Oktober verloren! Hatte zwischenzeitlich auch mal gedacht du veröffentlichst wohl nichts mehr aber nicht weiter nachgeforscht.
Ich höre podcasts nicht immer zeitnah wenn es keine Nachrichten Podcasts sind. Bei Wrint bin ich sogar noch bei Makro am Mikro. Aber ich wollte mir jetzt diese Folge hier nach vorne holen und musste dabei feststellen, dass der Feed nur bis Oktober ging. 15.10.25 war da die letzte Episode. Die Sprache des Kapitalismus. vielleicht kommst du an den alten Feed ja noch dran und kannst das noch eine episode reinschicken, dass es jetzt woanders weiter geht. Beim Resonator hat das für mich super funktioniert. wrint habe ich nicht mitbekommen.
Ich nutze Pocketcasts und das war der alte feed
https://pca.st/podcast/66be7610-712f-012e-30f6-00163e1b201c
Im Endeffekt super geil für mich dass ich jetzt so viel nachhören kann aber ich hoffe du verlierst dadurch keine Hörer
@blog Einerseits gute Sendung weil sie tiefer geht als die allermeiste Berichterstattung zu den Reformvorhaben. Andererseits stellenweise biased. So sind beim Anheben von Mehrwertsteuer und Absenken der KV-Beiträge nicht wie behauptet, die Ärmsten entschädigt. Wer Sozialhilfe bezieht, hat kein höheres Netto, zahlt aber trotzdem mehr MwSt. Dann: Das Setzen von Anreizen, mehr zu arbeiten, führt dazu, dass diejenigen bestraft werden, die aus gesundheitlichen Gründen nicht arbeiten können.
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@ennopark @blog Also lieber alles so lassen, wie es ist.
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@holgi @blog Das war zunächstmal Kritik an der Analyse deines Gastes, etwas zu oberflächlich zu sein. Bei Reformen bitte drauf achten, dass nicht ausgerechnet die Schwächsten unter die Räder kommen. Beispiel: Es gibt einen Gap zwischen Krankengeld und EM-Rente wo du u.U. monatelang ohne Einkommen dastehst. Die Abschaffung der Mitversicherung von Ehepartnern führt dazu, dass ausgerechnet einkommenslose berufsunfähig Kranke mit hunderten bis tausenden Euro zusätzlich „bestraft“ werden.
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@ennopark @blog Was du beschreibst, ist kein ökonomisches, sondern ein politisches Problem.
@holgi @blog Nicht wenn bei der ökonomischen Analyse bestimmte Gruppen einfach ausgeblendet werden. Wenn also so getan wird, als wären alle berufstätig (KV-Beiträge/Mehrwertsteuer) oder als könnten alle arbeiten, die es nicht tun (Splitting/Familienversicherung). Die ökonomische Analyse hat dann blinde Flecken.
@ennopark @blog Gruppen, die sich nur kaum oder gar nicht auf die Gesamtrechnung auswirken, in eine ökonomische Betrachtung einzubeziehen, ist unsinnig. Das muss an anderer Stelle passieren (dass das möglicherweise nicht hinreichend passiert, ist eine andere Diskussion).
@holgi @blog Das ist dann halt keine Wissenschaft mehr, wenn Gruppen willkürlich raus- und reingenommen werden. Es ist ja z.B. nur ungefähr die Hälfte der Bevölkerung überhaupt berufstätig. Hat halt starke Homo-Ökonomikus-Vibes.
Außerdem hast du es ja selber mit deinem „also lieber nichts ändern“-Kommentar selber auf die politische Ebene geholt und ich dir dann deswegen auf beiden Ebenen geantwortet.
@ennopark @blog Ich hatte eher den Eindruck, dass du das Ding auf eine politische Frage gedreht hattest. Und deine Prämisse widerspricht halt der politischen Realität.
Und natürlich ist es Wissenschaft, aber ausgerechnet der Ökonomie diesen Status abzusprechen, ist hier ja sehr beliebt und leider auch sehr anschlussfähig.
@holgi @blog Uff. Wow. Nochmal, du stellst im Podcast die politische(!) Frage, ob MwSt erhöhen nicht ungerecht sei. Dein Gast sagt aufgrund seiner ökonomischen Analyse, dass das OK gehe, weil niedrige Einkommen durch geringere KV-Beiträge entschädigt würden. Und ich kritisiere, dass diese Analyse übersieht, dass Grundsicherungsempfänger höhere MwSt zahlen ohne von den niedrigeren KV-Beiträgen zu profitieren, was immerhin ~5 Mio Menschen betrifft. Also hat die ökonomische Analyse hier einen >>
@holgi @blog >> einen blinden Fleck.
@ennopark @blog Die Prämisse ist, die Einnahmen zu erhöhen, und Transferleistungen sind Kosten. Moralisch bin ich ja auch bei dir, aber diese Kosten einzubeziehen in die Frage, wie man die Einnahmen erhöht, ist halt sinnlos. Die Frage nach dem Verbleib der Transferleistungsempfänger kann nur politisch diskutiert werden.
@holgi @blog Es ging aber bei meiner Kritik nunmal nicht um die Frage, die Einnahmen zu erhöhen, sondern um die von dir im Podcast gestellte politische Frage, ob eine Erhöhung der MwSt gerecht ist und der ökonomisch begründeten Antwort darauf.
@blog Eine Frage, die mir bei den beiden Sendungen (Wirtschaftskunde und hier) durch den Kopf ging – was passiert eigentlich, wenn das angestrebte Mehr an angebotener Arbeitsleistung gar nicht gebraucht wird.
Blick aus dem Osten: Wir haben eine überalterte aussterbende Bevölkerung, eine kollabierende Industrie, massive Stellenkürzungen im öffentlichen Dienst und auch die gepriesenen Großinvestitionen kommen in der Regel mit viel weniger Personal aus als von der Politik erhofft. Führt ein mehr an Arbeitsangebot dann nicht automatisch zu einem sinkenden Gehaltsniveau? Kann das nicht das eigentliche Ziel sein? Und was uns mit der Iran-Nummer blühen wird, will ich noch gar nicht wissen…
P.S.: und wenn ich meine Kollegen/Bekannten in Westdeutschland so höre, sieht es unter dem netten Häkeldeckchen mit der Aufschrift "Ist doch alles so schön hier!" auch nicht viel anders aus. Nur dass das Vermögensniveau und damit die Schmerztoleranz um einiges höher ist.
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Ok, nehmen wir mal an, das Ende des Ehegatensplittings würde für die Kindererziehenden Partner:innen Halbtagsstellen attraktiver machen als Minijobs.
Ich hatte in meinen 40ern mehrere Bekannte (alle weiblich), die während der Schulzeit ihrer Kinder wegen des Splittings nur Minijobs hatten. Alle hatten einen erlernten Beruf. Nehmen wir mal exemplarisch die Außenhandelskauffrau, die in der Filiale der angesehenen Drogeriekette mit Minijob an der Kasse saß.
Dann war das Kind aus dem Haus und sie fragte, ob sie nun halbtags arbeiten könne.
Ergebnis war: Nö. Denn Halbtagskräfte sind, anders als Minijobber:innen, tarifgebunden und mit ihrem erlernten Beruf und den 15 Jahren Erfahrung aus dem Minijob hätte sie tariflich Anspruch auf eine Vergütung analog zur stellvertretenden Filialleitung.
Im Einzelhandel sind derzeit die meisten Beschäftigten nicht in tarifgebundenen Minijobs und zugleich ist das einer der größten Arbeitgeber für die Mitverdienenden Partner:innen (warum gender ich das eigentlich? Sind ja fast nur Frauen).
Ich möchte mal in den Raum stellen, dass diese Abkehr von Minijobs und Anstellung nach Tarif (so sehr ich sie als ver.di-Mitglied wünsche) unrealistisch ist.
Moin Holgi,
schöne Sendung, aber mir stellt sich eine grundsätzliche Frage: Wozu braucht es Arbeitsanreize, wenn derzeit eh 3 Millionen Abreitslose (bzw. 3,7 Millionen Unterbeschaftigte) auf knapp 640 Tausend nacjgefragte Stellen kommen? Da scheinen eher Anreize zur Steigerung der Arbeitsnachfrage nötig zu sein.
Vielleicht wäre das mal eine Anregung um darüber mit deinen beiden Hausökonomen zu sprechen
Unseren schönen Niedriglohnsektor können wir aber viel besser verteidigen, wenn wir trotz dieser Situation
die Arbeitslosigkeit als möglichst unangenehme Drohkulisse erhalten.
Bei nachfragepolitischen Maßnahmen werden am Ende noch die Gewerkschaften frech und verlangen
höhere Löhne.
War ne Antwort auf Johannes (sry ich bin zu doof um auf den richtigen Button zu Klicken)