7 Gedanken zu „Wachstum (trügt), Vermögen (zweckentfremdet), Stagflation (evtl. demnächst), SVR (Personalwechsel)

  1. Neo@NHNG

    Zu der Regulierung des Benzinpreismarktes:
    Im Moment gibt es folgende Probleme
    1) Der Verbraucher entscheidet sich anhand der App für eine Tankstelle aber wenn er dann ankommt ist der Preis höher (ist mir schon mehrfach passiert, ich würde sogar den Verdacht äußern dass teilweise absichtlich nicht der aktuelle Preis gemeldet wird). Wenn man auf den Preisverlauf an einem Tag schaut, dann sieht man auch, dass sich der Preis zusätzlich zu den Schwankungen wegen weniger elastischer Nachfrage wie ein Sägezahnmuster entwickelt. Es wird also in kleinen Schritten gesenkt bis man eine hohe Nachfrage generiert hat und dann werden die Preise erhöht um die Gewinne aus dieser Nachfrage abzuschöpfen. Der Preis ist also so volatil, dass die eigentlich vorhandene Markttransparenz wieder verschleiert wird. Außerdem kommt dazu dass so die Kunden unter Zeitdruck gesetzt werden weil der Preis ja in 15 Minuten schon wieder höher sein könnte, es wird also die Psychologie ausgenutzt dass Menschen unter Zeitdruck nicht die rationalsten Entscheidungen treffen.
    2) Wie ihr schon geschildert habt kann sich nicht jeder aussuchen wann er tankt, also werden die Preise in den Stoßzeiten deutlich erhöht. Rein von der Kostenseite gibt es ja gar keinen Grund dass der Preis in den Stunden teurer sein sollte, das ist rein dadurch getrieben dass die Kunden keine Ausweichmöglichkeit haben. Der Gewinn der dort entsteht kann im besten Fall genutzt werden um die Preise insgesamt zu senken, aber das wäre eine naive Annahme. Weitaus realistischer ist dass das einfach als Gewinn bleibt und die restlichen Stunden mit einer normalen Marge gearbeitet wird.
    3) Die hohe Markttransparenz befördert quasi-Preisabsprachen: die Betreiber sehen in Echtzeit die Preise der Mitbewerber und wenn die Mitbewerber ihre Preise erhöhen können sie direkt mitgehen. Für den Kunden ist der Effekt dass das Benzin fast überall gleich teuer ist, die Schwankungen im Tagesverlauf sind also größer als die Unterschiede zwischen den Wettbewerbern pro Zeitpunkt. Und das obwohl der Rohstoffpreis, die Lohnkosten, etc sich ja nicht minütlich ändern.
    4) in Deutschland gibt es eine hohe vertikale integration des Benzinmarktes und wenig horizontale Konkurrenz. Die meisten Tankstellen sind nicht frei sondern gehören zu einem Konzern sind also gebunden den Rohstoff dort abzunehmen. Bei anderen austauschbaren Gütern wie zum Beispiel Grundnahrungsmittel können sich die Händler den Lieferanten frei aussuchen und deshalb gibt es dort auf dem Zulieferermarkt viel Konkurrenz so dass die Margen sehr klein sind (vielleicht sogar zu klein im Moment). Die Lebensmittelhändler ändern ihre Preise nur einmal pro Woche. Das heißt die Kunden können in Ruhe entscheiden wo sie den Wocheneinkauf machen. Aber auch bei den Lebensmittelhändlern gibt es ja inzwischen die Kritik dass sich dort die Markmacht bei zu wenigen Unternehmen konzentriert hat. Bei Benzin ist es also nicht nur der Endverbraucher-Markt der nicht funktioniert, sondern schon im Zulieferermarkt gibt es Probleme.

    Aus meiner Sicht greift der Vorschlag, dass die Unternehmen nur einmal am Tag erhöhen aber immer senken können, zu kurz, da nur das erste Problem überhaupt adressiert wird. Aus meiner Sicht wäre es besser keine beliebigen Senkungen zuzulassen. Das klingt im ersten Moment vielleicht kontraproduktiv, denn man denkt wenn ich den Unternehmen erlaube die Preise zu senken dann ist der Preis ja niedriger als wenn ich das nicht erlaube. Aber hier kommt die Spieltheorie zum Zuge: wenn ich meinen Preis beliebig senken kann, dann mache ich um 12 Uhr erstmal einen hohen Preis, schaue mir an was meine Mitbewerber gemacht haben und dann senke ich meinen Preis gerade so weit dass meine Kunden nicht den Umweg zur Konkurrenz fahren, bzw dass ich gerade so viel unter dem Preis liege dass sie das tun. Einen hohen Anfangspreis festzulegen ist immer eine dominierende Strategie, denn ich kann mich ja immer nach unten anpassen.
    Wenn ich aber die Regeln des Spiels ändere, so dass die Tankstelle nur einmal am Tag, um 12 Uhr den Preis festlegen kann, dann ist die Strategie einen hohen Preis festlegen nicht mehr dominierend, denn dann habe ich an dem Tag deutlich weniger Kunden wenn mein Mitbewerber zu einem günstigeren Preis anbietet. Dann müsste sich der Preis also langfristig so einpendeln dass Durchsatz und Marge zusammenpassen.

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    1. Devid

      Die Regel muß beidseitig gelten. Es darf sich nur 1x der Preis ändern am Tag. In 1 Jahr auch gern nur 2x die Woche. Ist doch alles Schwachsinn so wie es ist.
      Und welche Tankstelle dann zu hoch gepokert hat, muß es halt den ganzen Tag oder die ganze Woche ausbaden durch weniger Kundschaft. Pech gehabt, das nächste Mal vielleicht nicht übertreiben.

      Welcher echte Grund kann denn für dieses volatile Geschäft als Pro-Argument gelten? Also abseits von „Weil wir das schon immer so machen“?
      Es war auch mal Mode, rothaarige Frauen zu verbrennen…
      Kommt darüber hinweg.

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  2. Fab Ataqe

    @blog Mal wieder eine tolle Folge, Rudi Bachmann und Christian Bayer.

    Aber mit der Aussprache von Namen hat der @holgi es nicht so. Der Wirtschaftsweise spricht sich natürlich Felbeemähr aus, klassisch hugenottischer Name!

  3. stef

    Achso. Schade. Auch wenn Matthias das gut gemacht hat und die Latte nun hoch hängt, vll. lässt sich ja jemand anderes für das Thema finden?

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