10 Gedanken zu „KI (und Digitalisierung) in der Schule“
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Ist das Problem nicht „einfach“, dass der Anreiz zum Schummeln halt auch einfach super groß ist, weil da knallharte wirtschaftliche Konsequenzen, teilweise für das restliche Leben dran hängen? Wir haben halt in den letzten 25-30 Jahren ein Bildungssystem erschaffen und ein Mindset vermittelt, in dem Bildung an sich fast keinen eigenständigen Wert hat sondern ganz überwiegend wirtschaftlich aufgeladen ist. Und wenn, überspitzt gesagt, der Unterschied, ob 5000 oder 2000€ Brutto verdient an ein bisschen ChatGPT fragen hängt, darf man sich halt auch nicht wundern wenn das gemacht wird. Das ist ein gausgemachtes Problem.
Ne, das Bildungssystem war vor 30 Jahren in der Hinsicht nicht anders. Der Anreiz war auch damals schon da, aber LLMs machen es vergleichsweise extrem einfach zu schummeln. Früher brauchte man externe Helfer und eine Möglichkeit mit ihnen zu kommunizieren. Weil das durchaus schwierig war hat man sich auf den Spickzettel beschränkt.
Jetzt ist der Anreiz da und die Mittel sind einfach verfügbar. Da hält dann nur die Angst erwischt zu werden davon ab. Mit anderen Worten eine Hürde weniger.
Das sehe ich wirklich anders. Ich selbst habe z.B. während des Endes meiner Bildungslaufbahn diverse Umwälzungen mitbekommen (Einführung des Zentralabiturs in meinem Bundesland, Kürzung auf G12, paar Jahre nach meinem Abi, Zentrale Abschluss-Prüfungen, Einführung von Bachelor/Masterstudiengängen, etc.), die einzig darauf ausgerichtet waren, die Schüler:innen so schnell es geht „marktfähig“ zu bekommen. Schon als ich Abi gemacht habe, musste man sich die „der letzte Schein ist der Taxischein“-Sprüche anhören, wenn man auf die Frage, was man nach dem Abi machen möchte, nicht Jura, Medizin oder so etwas geantwortet hat. Und in den jüngeren Jahrgängen, die von Anfang an in diesem System ausgebildet worden sind und die das von Anfang an eingetrichtert bekommen haben, dass Bildung quasi nur dazu dient, dass man viel Kohle verdient, ist es meiner Beobachtung nicht besser geworden; anders als bei „uns“ wird das nicht mal mehr infrage gestellt. Klar, geschummelt wurde immer, auch bei uns. Aber die Schüler:innen und Student:innen wachsen jetzt halt in einem Klima auf, in denen ihnen eingetrichtert wird, dass eine schlechte Note in Reli im Zweifelsfall bedeuten kann, dass eben nie ein Eigentumswohnung besitzen wird. Da ist der Druck viel größer, sich das da zu trauen und die Technik macht es leider. Der Neoliberalismus hat hier wirklich seine hässlichen Spuren hinterlassen. Wenn man es schafft, den Schüler:innen zu vermitteln, dass Bildung an sich einen Wert hat, bekommt man denke ich auch genug dazu, dass die gar nicht schummeln wollen, obwohl es einfacher geworden ist.
Bei meiner Moped-Theorieprüfung hatte der TÜV das Problem der Smartphonenutzung mit einem passiven Scanner gelöst. Du musst ja nicht aktiv in den Funkverkehr eingreifen, um ihn zu erkennen – der IMSI-Catcher von Thomas ist da Overkill.
Hallo Holgi, hallo Thomas, das war wirklich wieder eine sehr wertvolle Sendung. ich bin selber Vater von zwei teenage Kindern. ich versuche als Elternteil mein bestes, meinen Kindern das mitdenken mitzugeben. Das ist aber durch diese ki-pest und social Media fast schon wie ein kämpfen gegen Windmühlen. Ein schwacher Trost ist es, dass es vielen Eltern auch so geht. Beste grüße aus dem Allgäu!. Erwin
Da ich selbst Lehrer bin, habe ich wie Thomas schon länger damit zu tun/kämpfen. Die Gedanken dazu kann ich fast alle unterschreiben. Allerdings habe ich eine Frage zum Podcast als Leistungsnachweis. Ich finde, dass die Aufnahme und der darauf folgende Schnitt bereits einen Wert an sich hat, allerdings wird bei der Planung, der Ideenfindung, der Erstellung eines Skripts etc. auch häufig KI genutzt. Wie kann man diese Leistung dann bewerten? Das Endprodukt müsste dann vielleicht in Form einer kleinen mündlichen Befragung überprüft werden. Oder gibt es noch andere Möglichkeiten?
Ich würde selbst gerne Audioproduktionen noch mehr in den Unterricht integrieren und in manchen Lehrplänen taucht diese Form bereits also mögliche Prüfungsform auf. Allein die Umsetzung ist mir noch nicht ganz klar.
Da mir sonst noch Angst und Bange wird schau ich mal mit der Brille der außerschulischen Jugendarbeit drauf. Ich erlebe krass sprachfähige Jugendliche, die bei den Themen, die für sie wichtig sind, sich selbst Wissen in den Kopf holen, weil sie selbst von ihren Problemen, Wünschen und Forderungen erzählen wollen. Man kann eben keinen Standpunkt mit Argumenten vertreten, wenn man die nicht selbst durchdrungen hat.
Das bedeutet für mich: wenn es eine intrinsische Motivation gibt, sind Jugendliche in der Lage Texte zu erfassen, und die strukturelle Aufbereitung eines Problems zumindest nachzuvollziehen.
Das Problem ist natürlich, dass ich nie für alle Schülis für alle Bereiche und der schulischen Bildung so eine intrinsische Motivation werde herstellen können. Vor allem, wenn der Stoff dann irgendwann komplexer und voraussetzungsreicher wird. Interessant wäre es, wie Jugendliche an Herausforderungen rangehen, wenn sie von Kita und Grundschule an an ein intrinsisches Lernen gewöhnt wären.
Aber wie schon im Podcast gesagt, haben wir leider jetzt schon das Problem, dass es extrem vom Elternhaus abhängt, ob das Kind mit 10 Jahren überhaupt vernünftig lesen kann, geschweige denn freiwillig in seiner Freizeit mal ein Buch liest. Das Problem ist erkannt und es wird nach meinem Eindruck in der Schule intensiver versucht, das Lesen zu fördern, aber leider scheint das nicht zu reichen.
Vielleicht müssten wir die ganzen Rentner hier ins unserer Siedlung anstiften, im Schulhort Geschichten vorzulesen.
Da stellst du ein anderes Problem dar, das ich auch immer wieder erlebe. Und ich sehe das auch so, dass intrisische Motivation und das Erreichen dieser Gruppen von jungen Menschen eigentlich das Problem ist. Das kann Schule als Organisation nicht, und Jugendarbeit wird zusammengestrichen.
Ist das Problem nicht „einfach“, dass der Anreiz zum Schummeln halt auch einfach super groß ist, weil da knallharte wirtschaftliche Konsequenzen, teilweise für das restliche Leben dran hängen? Wir haben halt in den letzten 25-30 Jahren ein Bildungssystem erschaffen und ein Mindset vermittelt, in dem Bildung an sich fast keinen eigenständigen Wert hat sondern ganz überwiegend wirtschaftlich aufgeladen ist. Und wenn, überspitzt gesagt, der Unterschied, ob 5000 oder 2000€ Brutto verdient an ein bisschen ChatGPT fragen hängt, darf man sich halt auch nicht wundern wenn das gemacht wird. Das ist ein gausgemachtes Problem.
Ne, das Bildungssystem war vor 30 Jahren in der Hinsicht nicht anders. Der Anreiz war auch damals schon da, aber LLMs machen es vergleichsweise extrem einfach zu schummeln. Früher brauchte man externe Helfer und eine Möglichkeit mit ihnen zu kommunizieren. Weil das durchaus schwierig war hat man sich auf den Spickzettel beschränkt.
Jetzt ist der Anreiz da und die Mittel sind einfach verfügbar. Da hält dann nur die Angst erwischt zu werden davon ab. Mit anderen Worten eine Hürde weniger.
Das sehe ich wirklich anders. Ich selbst habe z.B. während des Endes meiner Bildungslaufbahn diverse Umwälzungen mitbekommen (Einführung des Zentralabiturs in meinem Bundesland, Kürzung auf G12, paar Jahre nach meinem Abi, Zentrale Abschluss-Prüfungen, Einführung von Bachelor/Masterstudiengängen, etc.), die einzig darauf ausgerichtet waren, die Schüler:innen so schnell es geht „marktfähig“ zu bekommen. Schon als ich Abi gemacht habe, musste man sich die „der letzte Schein ist der Taxischein“-Sprüche anhören, wenn man auf die Frage, was man nach dem Abi machen möchte, nicht Jura, Medizin oder so etwas geantwortet hat. Und in den jüngeren Jahrgängen, die von Anfang an in diesem System ausgebildet worden sind und die das von Anfang an eingetrichtert bekommen haben, dass Bildung quasi nur dazu dient, dass man viel Kohle verdient, ist es meiner Beobachtung nicht besser geworden; anders als bei „uns“ wird das nicht mal mehr infrage gestellt. Klar, geschummelt wurde immer, auch bei uns. Aber die Schüler:innen und Student:innen wachsen jetzt halt in einem Klima auf, in denen ihnen eingetrichtert wird, dass eine schlechte Note in Reli im Zweifelsfall bedeuten kann, dass eben nie ein Eigentumswohnung besitzen wird. Da ist der Druck viel größer, sich das da zu trauen und die Technik macht es leider. Der Neoliberalismus hat hier wirklich seine hässlichen Spuren hinterlassen. Wenn man es schafft, den Schüler:innen zu vermitteln, dass Bildung an sich einen Wert hat, bekommt man denke ich auch genug dazu, dass die gar nicht schummeln wollen, obwohl es einfacher geworden ist.
Bei meiner Moped-Theorieprüfung hatte der TÜV das Problem der Smartphonenutzung mit einem passiven Scanner gelöst. Du musst ja nicht aktiv in den Funkverkehr eingreifen, um ihn zu erkennen – der IMSI-Catcher von Thomas ist da Overkill.
Hallo Holgi, hallo Thomas, das war wirklich wieder eine sehr wertvolle Sendung. ich bin selber Vater von zwei teenage Kindern. ich versuche als Elternteil mein bestes, meinen Kindern das mitdenken mitzugeben. Das ist aber durch diese ki-pest und social Media fast schon wie ein kämpfen gegen Windmühlen. Ein schwacher Trost ist es, dass es vielen Eltern auch so geht. Beste grüße aus dem Allgäu!. Erwin
Vielen Dank für diese wichtige Folge!
Da ich selbst Lehrer bin, habe ich wie Thomas schon länger damit zu tun/kämpfen. Die Gedanken dazu kann ich fast alle unterschreiben. Allerdings habe ich eine Frage zum Podcast als Leistungsnachweis. Ich finde, dass die Aufnahme und der darauf folgende Schnitt bereits einen Wert an sich hat, allerdings wird bei der Planung, der Ideenfindung, der Erstellung eines Skripts etc. auch häufig KI genutzt. Wie kann man diese Leistung dann bewerten? Das Endprodukt müsste dann vielleicht in Form einer kleinen mündlichen Befragung überprüft werden. Oder gibt es noch andere Möglichkeiten?
Ich würde selbst gerne Audioproduktionen noch mehr in den Unterricht integrieren und in manchen Lehrplänen taucht diese Form bereits also mögliche Prüfungsform auf. Allein die Umsetzung ist mir noch nicht ganz klar.
Hallo!
Schreibe mir mal eine Email, dann kann ich da im Detail antworten. Eine Adresse findest du oben unter den Link bei meinem Namen.
Da mir sonst noch Angst und Bange wird schau ich mal mit der Brille der außerschulischen Jugendarbeit drauf. Ich erlebe krass sprachfähige Jugendliche, die bei den Themen, die für sie wichtig sind, sich selbst Wissen in den Kopf holen, weil sie selbst von ihren Problemen, Wünschen und Forderungen erzählen wollen. Man kann eben keinen Standpunkt mit Argumenten vertreten, wenn man die nicht selbst durchdrungen hat.
Das bedeutet für mich: wenn es eine intrinsische Motivation gibt, sind Jugendliche in der Lage Texte zu erfassen, und die strukturelle Aufbereitung eines Problems zumindest nachzuvollziehen.
Das Problem ist natürlich, dass ich nie für alle Schülis für alle Bereiche und der schulischen Bildung so eine intrinsische Motivation werde herstellen können. Vor allem, wenn der Stoff dann irgendwann komplexer und voraussetzungsreicher wird. Interessant wäre es, wie Jugendliche an Herausforderungen rangehen, wenn sie von Kita und Grundschule an an ein intrinsisches Lernen gewöhnt wären.
Aber wie schon im Podcast gesagt, haben wir leider jetzt schon das Problem, dass es extrem vom Elternhaus abhängt, ob das Kind mit 10 Jahren überhaupt vernünftig lesen kann, geschweige denn freiwillig in seiner Freizeit mal ein Buch liest. Das Problem ist erkannt und es wird nach meinem Eindruck in der Schule intensiver versucht, das Lesen zu fördern, aber leider scheint das nicht zu reichen.
Vielleicht müssten wir die ganzen Rentner hier ins unserer Siedlung anstiften, im Schulhort Geschichten vorzulesen.
Da stellst du ein anderes Problem dar, das ich auch immer wieder erlebe. Und ich sehe das auch so, dass intrisische Motivation und das Erreichen dieser Gruppen von jungen Menschen eigentlich das Problem ist. Das kann Schule als Organisation nicht, und Jugendarbeit wird zusammengestrichen.
Macht ihr den Politikunterricht noch weiter oder seid ihr damit durch?