WR1394 Metropolis

Fritz Langs Film wird 95 Jahre alt. Matthias von Hellfeld erzählt.

Die passende Ausgabe “Eine Stunde History” läuft am 22. August 2022 auf DLFnova.

7 Gedanken zu „WR1394 Metropolis

  1. Thomas

    Der “Geschichtsunterricht” ist meine Liebllingskategorie von Wrint. Ich höre Euch wirklich super gerne zu. Aber hier muss ich leider ein bisschen einhaken, weil ein paar Fakten durcheinander geflogen sind. Mir gehts dabei nicht um Mecker, sondern alles konstruktiv gemeint (und mir liegt Film und seine Geschichte einfach sehr am Herzen)

    – “Das Kabinett des Dr. Caligari” ist nicht von Fritz Lang, sondern von Robert Wiene. Der Film handelt auch nicht von einem “Irrenarzt”, der ein Städtchen in Angst und Schrecken versetzt, sondern von einem Jahrmarktbudenbetreiber, der mithilfe seines Schlafwandlers Cesare eine Ortschaft terrorisiert. Erst im Epilog des Films erweist sich, dass die ganze Geschichte nur die Wahnvorstellung eines Insassen einer “Irrenanstalt” ist. Hier offenbart sich denn auch, dass der Jahrmarktbudenbetreiber aus der Wahnvorstellung in Wahrheit der (als gütig gezeichnete) Leiter dieser “Irrenanstalt” ist – ein entscheidendes Detail. Dieses Ende wurde auf Wunsch der Produktion angehängt und gilt als Makel des Films. Der Filmhistoriker Siegfried Kracauer (der in diesem Film bereits erste Anflüge eines sich ankündigenden Faschismus vernahm) kritisierte dieses angehängte Ende auch, weil es dem Film die subversive Kraft nimmt und sein Szenario zu einer bloßen Fantasie eines psychisch Kranken erklärte.

    – “Der letzte Mann” ist nicht “von Fritz Lang mit F.W. Murnau gefilmt”, sondern der Film ist von F.W. Murnau inszeniert. Eventuell wurde hier auch nur was durcheinander geworfen: Der Kameramann Karl Freund (der später den berühmten “Dracula”-Film mit Bela Lugosi fotografierte und zum Teil wohl auch mitinszenierte) stand sowohl für “Der letzte Mann” als auch für “Metropolis” hinter der Kamera. Vielleicht war der gemeint, dann macht die Aussage auch Sinn.

    Was allerdings nichts daran ändert, dass Fritz Lang bei “Metropolis” tatsächlich schon eine Berühmtheit des deutschen Films war. Mit Filmen wie “Die Spinnen” (eine Art Indiana-Jones-Vorläufer) und seinen “Mabuse”-Filmen war er so etwas wie der Quentin Tarantino des Kinos der Weimarer Republik, der unterhaltsame Kolportage/Genre-Stoffe mit filmkünstlerischen Ansprüchen verband. Direkt vor “Metropolis” war es seine aufwändige “Nibelungen”-Verfilmung, die ihn endgültig als “Blockbuster”-Filmer etablierte, der epische Stoffe mit erhöhtem filmischem Aufwand gut schultern konnte, was ihm den Weg zu “Metropolis” ebnete.

    – Ich weiß nicht, ob es bei “Metropolis” auch Matte Paintings gab. Das Special-Effect-Stilmittel, für das “Metropolis” aber vor allem berühmt wurde, war das Schüftan-Verfahren, für das man Bildelemente vor der Kameralinse einspiegelte. Dem Matte-Painting nicht unähnlich, aber prinzipell erstmal ein anderes Verfahren. Genaueres dazu findet sich bei Wikipedia.

    – Dass Fritz Lang nach Goebbels’ Angebot, den deutschen Film zu leiten, quasi über Nacht das Land verlassen hat, ist eine Legende, die Lang selbst gestrickt hat. Anhand seiner Reisedokumente aus dem Nachlass lässt sich diese Geschichte in dieser Zuspitzung nicht aufrecht erhalten

    – Billy Wilders “Eins, Zwei, Drei” war nicht vier Wochen vor Mauerbau fertiggedreht, sondern der Mauerbau fiel tatsächlich genau in die Produktionszeit. Für die Szenen am Brandenburger Tor musste daher tatsächlich nach München ausgewichen werden, wo das Brandenburger Tor auf einem Filmgelände rekonstruiert wurde.

    – “Eins, Zwei, Drei” wurde seinerzeit durchaus in den Kinos gezeigt. In den USA wurde er für diverse Oscars, etc nominiert. In Deutschland fiel er aus nachvollziehbaren Gründen auf ein schwieriges Publikum. Die Kritik verriss den Film, bzw. angesichts des Mauerbaus wollte natürlich niemand über diese Komödie lachen. In den 80ern kam der FIlm wieder in die Kinos und wurde dann auch in Deutschland zum Kultfilm

    Schöne Grüße!
    Thomas

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    1. holgi Beitragsautor

      Ich finde es total toll, dass es in der Hörerschaft immer Menschen gibt, die etwas besser wissen als ich/wir und das dann auch hier so freundlich kommentieren 🙂

      Vielen Dank!

  2. phantomias

    Vielleicht noch ein Detail: Der Film existierte lange Zeit nur in der genannten Kurzfassung. Erst vor ca. 15 Jahren sind irgendwo in Südamerika noch alte Filmrollen aufgetaucht, an derer man fehlende Teile rekonstruieren konnte. Eine (fast) vollständige Fassung des Films gibt es erst wieder seit 2010. Ich erinnere mich, dass es damals mit recht viel Brimborium eine “Neu”-Uraufführung gab, die auch auf Arte übertragen wurde; vielleicht hat das – entgegen eurer Aussage am Anfang – ja noch jemand aus der Hörerschaft gesehen und kannte den Film daher.

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  3. Dirk Moebius

    Ich finde ja – rein subjektiv – dass “Metropolis” ähnlich wie “Citizen Kane” zu den Filmen gehört, die man gesehen haben sollte. Es ist einfach ein Meilenstein.

    Das “Babylon” am Rosa-Luxemburg-Platz führt “Metropolis” übrigens regelmäßig auf, mit Live-Orgel-Begleitung wie zu seinen Ursprungszeiten.

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  4. Christine

    Wo wir ins Plaudern kommen… Wir hatten damals vom AStA der Fachhochschule aus eine Filmreihe im AStA-Kino gezeigt und all die Klassiker ins Programm genommen. “M – eine Stadt sucht einen Mörder”, “Metropolis” …. Damals, in den 90ern.

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