WR1231 Arbeiten im Impfzentrum

 

Wir kennen Gabriel Yoran aus Folge 1135: Klassik verstehen und es gab schonwieder Anlass, mit ihm zu reden.
Gabriel hatte nämlich Ende Dezember 2020 in einem Berliner Impfzentrum angeheuert und schon nach wenigen Tagen einen der optimistischsten Beiträge geschrieben, den ich in den letzten Monaten gelesen habe: “Und es klappt doch!“.

Die Soziologin, von der wir so geschwärmt haben, ist Zeynep Tufekci.

16 Gedanken zu „WR1231 Arbeiten im Impfzentrum

  1. Christopher

    Das war eine ganz wunderbare Folge! Dankeschön an Gabriel für seine Inneneinsicht. Gerne hätte ich vielleicht auch ein wenig mehr darüber gehört ob/was auch schiefgegangen ist an Prozessen und zwischenmenschlichen Konflikten (was man halt immer so hat bei Kundenkontakt), aber da spricht jetzt vielleicht auch zu sehr der Gaffer aus mir.

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  2. Richard Lippmann

    Danke dass du immer wieder solche Folgen machst die mich wieder auf den Boden der Tatsachen bringen. Toll dass du für uns immer wieder so tolle Gesprächspartner findest!

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  3. H aus aus dem Norden

    Das ist so anders als ich es aus Island kenne
    Hier bekommst du eine SMS mit dem Termin und los geht’s
    Daten von mir sind da Anamnese sind bekannt kein Gespräch nötig
    Schwestern setzen Spritzen
    Arzt im Hintergrund
    Sanitäter und Feuerwehr unterstützt
    Alles ruhig hier Wer noch will geht halt nicht basta
    Nach 20 min war ich wider zu Hause
    Reihenfolge nach dem Alter oder Beruf

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    1. Bastian

      So anders klingt das jetzt nicht zu dem wie es hier läuft. Auch ich war hier in Hamburg nach ca. 5 min (exklusive Beobachtungszeit nach der Impfung) fertig mit allem.
      Die Anamnese dauert ja keine 30 Sekunden, Wartezeiten gab es keine bei mir.
      Wirklich ein extrem beeindruckend organisierter Prozess der sich genau so angefühlt hat wie es in der Wrint-Folge beschrieben wurde.
      War selten so beeindruckt von etwas in Deutschland.

  4. DAT

    zur medialen Wahrnehmung als Totalversagen:

    Ich habe nie irgendwo den Eindruck gehabt “die Impfzentren sind das Problem”. Also klar habe ich gesehen dass es in vielen Regionen (also ländlicheres als ausgerechnet Berlin) zu wenige davon gibt. Wenn man vom Stadtzentrum Bautzen z.B. zum Impfzentrum für den Raum Bautzen will (Flugplatz Kamenz), braucht man per ÖPNV nur läppische 3h 45min.

    DAS ist doch das Problem aus dem viele Leute forderten mehr dezentral, über Hausärzte zu verimpfen… was wir inzwischen auch versuchen.

    Evtl. noch die Frage wie man Termine beantragt… das funktioniert auch heute noch nicht sinnvoll (und ich habe vor 2 Wochen noch einen Termin darüber bekommen – aber mit regelmäßigem Nachsehen auf einer unbedienbaren Webseite, die mir immer wieder sagt “überlastet, bitte kurz warten!”. Das ist für 80jährige Computer-Illiteraten auch nicht zumutbar.

    Aber das vorgehen in den Impfzentren vor Ort? Das negativste was ich darüber jemals bewusst wahrgenommen habe, war “da stehen Notärzte die ganze Zeit sinnlos daneben rum” – was offensichtlich kein ernstes Problem, sondern eine Vorbereitung auf Notfälle ist.

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  5. Patrick H.

    Lieber Gabriel,

    als jemand, der die Impfkampagne von außen halbwegs intensiv verfolgt hat möchte ich gerne ein paar Sätze zu der von dir angesprochenen Dissonanz los werden, die du zwischen der medialen Darstellung siehst und dem inneren Funktionieren der Impfzentren. Denn aus all deiner Kritik an der Kritik der Impfkampagne spricht in meinen Augen ein gigantischer Informationsvorsprung, den man den Menschen nicht unbedingt anlasten kann. Nicht einmal dem Journalismus. Die Perspektive, die du einnimmst, deren Zugriff auf Informationen du teilweise für weitgehend selbstverständlich hälst, war lange selbst für interessierte Menschen da draußen keineswegs so offensichtlich, wie du es scheinen lässt. Viele Informationen hat auch die Politik zunächst nicht transportieren wollen, wahrscheinlich weil sie selbst nicht wusste, wie gut das funktionieren würde. Das daraus resultierende Misstrauen hat die Politik sich durchaus selbst gezüchtet.

    Ich selbst habe die niedrigen Impfzahlen zu Beginn nie als wirkliches Problem gesehen. Im Gegenteil, ich war sogar positiv davon überrascht, wie viele Menschen im Januar bereits geimpft werden konnten. Ich hatte mit deutlich mehr Anlaufschwierigkeiten gerechnet und habe gegenüber allen, die die von dir zurecht angeprangerten Dreisatz-Rechnungen aufgestellt haben, versucht deutlich zu machen, wie solche logistischen Wachstumskurven aussehen dürften. Das hat sich für mich dann eher im März geändert, als mir nämlich der Zuwachs der Impfungen langsam zu flach wurde und wenn ich ehrlich bin, dann finde ich, sind wir erst jetzt, Anfang Mai, bei einem Tempo angelangt, das für alle noch Wartenden tatsächlich erträglich ist. Und mehr ginge immer noch.

    Was von außen einfach heraussticht, ist die *unglaublich* schlechte Kommunikation wie die Impfkampagne sich entwickeln wird, durch die Politik. Ich habe noch sehr genau das Versprechen im Ohr, das die Politik eine umfassende Aufklärungskampagne starten würde. Das ist in dieser Form nie wirklich sichtbar passiert. Dann hat es Wochen gedauert, bis die Menschen überhaupt mal verstanden haben, dass außerdem jedes Bundesland die Vergabe der Impftermine anders löst und man sich daher überhaupt nicht darauf verlassen konnte, dass das, was im einen Bundesland gilt, auch aufs andere übertragbar ist. Die Menschen standen Anfang des Jahres mit unendlich vielen Fragen da, niemand hat sie beantwortet, die Menschen haben sich Erklärungen gesucht und dann wurden diese womöglich als falsch zurückgewiesen, aber ohne dass es konkretere Aufklärung gegeben hat.

    Die Zahl der zu erwartenden Impfdosen, auf die du mehrmals verwiesen hast, wurde auch niemals prominent in die Öffentlichkeit getragen. Diese Zahlen kamen *definitiv nur* bei Menschen an, die sich ziemlich in diese Thematik “reingenerdet” haben und ich bin überzeugt, auch das wollte die Politik nicht offensiver transportieren, weil sie sich nicht hätte darauf festnageln lassen wollen. Dass die Menschen von außen keinen Grund hatten, wirklich daran zu glauben, dass das Versprechen der Erstimpfung bis zum Sommer unrealistisch ist, ist *absolut* nachvollziehbar!

    Der Part der Terminbuchung war von Anfang an scheiße gelöst und ist in vielen Bundesländern noch immer scheiße gelöst. Insbesondere dort, wo man sich nicht für einen Terminwunsch registrieren kann, sondern nur Termine buchen kann, die aktuell angeboten werden, sind Menschen ständig unter Strom, alle paar Tage prüfen zu müssen, ob sie denn nun in die Kategorien Menschen fallen, die geimpft werden und ob sie Termine buchen können.

    Wie viel entspannter wäre es gewesen, hätten viele Menschen Zugriffe auf ein Online-Portal gehabt, in dem ihr Platz in der Warteschlange und der Fortschritt von Tag zu Tag gewissermaßen visualisiert worden wäre. Warum hat man es den Zeitungen überlassen, dubiose Impfprognose-Rechner zu entwerfen, anstatt selbst eine Aussage “bei derzeitiger Entwicklung der Impfkampagne können Sie in 3 bis 5 Monaten mit einem Termin rechnen”, was dann eben sukkzessive auf “35-55 Tage”, “14-25 Tage”, “Sie dürfen nun einen Termin in den kommenden Tagen buchen” verkürzt worden wäre? Das Know-How eures Crowd-Managements wurde für die Makro-Ebene eben nie zu Ende gedacht. Und genau in dem Punkt hat die Politik in meinen Augen noch viel mehr versagt als bei der Impfstoff-Bestellung (die man wahrscheinlich *nur* unsolidarisch weiter auf Kosten anderer Länder hätte weiter beschleunigen können).

    Dass die Impfzentren großartige Arbeit leisten, wurde mir bereits vor Monaten bewusst, in der Summe ist aber die Bezeichnung “Impfdesaster” spätestens ab dem Zeitpunkt der nicht eingehaltenen Liefermengen von AZ und kurz darauf den sofortigen Impfstopps einfach gerechtfertigt. Die Art und Weise, wie die Politik bei der Kommunikation versagt hat, verdient dieses scharfe Urteil auf jeden Fall, umso mehr, wenn ältere Menschen nun die Impfungen mit AZ ablehnen, was die Impfkampagne für die Jüngeren weiter verzögert.

    Es ist bedauerlich, wenn darunter die Wahrnehmung eurer Arbeit leidet, aber hier wäre so viel mehr denkbar und möglich gewesen – und den Ärger mit den digitalen Impfzertifikaten der wird ja erst noch kommen.

    Immerhin glaube ich, die positive Arbeit der Impfzentren wird bundesweit immer besser wahrgenommen. Und dass beispielsweise das größte deutsche Impfzentrum in Hamburg inzwischen mal mehr als 135% seiner ursprünglich angestrebten Kapazität wegimpfen kann, das macht wirklich Eindruck!

    Ich hoffe, du und deine Kolleg*innen haben sich trotzdem nicht den Spaß an der Arbeit verderben lassen, auch wenn viele Ungeimpfte noch verständlicherweise sehr viel Frust angestaut haben (gerade weil sie zunehmend das Gefühl vermittelt bekommen, wie sehr sie mit dem Erlangen eines Impftermins plötzlich auf sich gestellt sind).

    Allen noch im Einsatz befindlichen wünsche ich viel Erfolg noch bei der restlichen Kampagne!

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    1. Gabriel Yoran

      Hallo Patrick, danke für deine ausführlichen Gedanken. Nur kurz zu der Transparenz der Bundesregierung. Sie betreibt seit Januar das Impfdashboard (https://impfdashboard.de), aus dem sich viele der optimistischeren Szenarien ableiten lassen. Aber du hast sicher Recht, dass auch ein Informationsdefizit und die Probleme bei der Terminvergabe zu dem Eindruck des Scheiterns beigetragen haben.

  6. Mona

    Hallo, ich hab schon die 1. Impfung, weil Prio 2. Hab sehr aufmerksam zugehört! Danke für die Einblicke.

    Ich kann von meinem Termin in Braunschweig erzählen.

    Vorbereitung:
    – man weiß nicht, wann man überhaupt für die Anmeldung freigeschaltet wird, weswegen ich jeden Tag auf den ganzen Stadt und Niedersachsen-Seiten immer wieder nachgeschaut habe.
    – direkt am ersten Tag, wo meine Prio freigeschaltet wurde, habe ich mich online eingetragen, war kein Problem, mit sms bestätigt. Alle Wochentage und Uhrzeiten angeklickt und landete auf der Warteliste. Das Zentrum kann man in Niedersachsen nicht aussuchen.
    – ca. 2 bis 3 Wochen später kam eine Mail, dass ich noch auf der Warteliste stehe (obwohl vorher geschrieben stand, dass sie sich regelmäßig melden. Finde 2 bis 3 Wochen zu selten. Null Infos, wie viele noch vor mir sind.)
    – paar Tage später bekam ich einen Termin, der wiederum ca. 3 Wochen in der Zukunft lag.
    – Ich hab alles ausgedruckt, was da stand, was ich mitbringen soll.

    Tag der Impfung:
    – Es gibt 2 getrennte Eingänge. Ein Security ist dort und alle fragen an welchem Eingang sie sich anstellen sollen. (Die Schlangen sind draußen fast bis zum Gehweg.) Ein Eingang für alte Leute (12 Wochen zwischen Impfungen) und ein Eingang für alle anderen.
    – Wenn man in seiner Schlange an der Gebäudetür angekommen ist, wird der Terminzettel angeschaut, QR-Code gescannt und die Körpertemperatur auf der Stirn gemessen.
    – Man desinfiziert sich die Hände und steht wieder Schlange.
    – An Ende dieser Schlange gibt es 2 Mitarbeiter*innen, die den Papierberg anschauen, ob er aktuell ist. Es stellte sich raus, dass mein ausgedrucktes Papier nicht ganz aktuell ist. Ich bekomme neues Papier und einen Stift und darf mich an einen Tisch setzen und das nochmal ausfüllen. (keine Computer weit und breit dort.)
    – ich stelle mich wieder in eine Schlange, an deren Ende 4 Mitarbeiter*innen die Papiere, Ausweis, Impfpass usw. ansehen.
    – ich stelle mich wieder in eine Schlange, an deren Ende man von einem Mitarbeiter zu einem Wartebereich mit Sitzmöglichkeiten durchgelassen wird. (der Mitarbeiter hat aber keine Ahnung wann und wie viele Leute er in den darauffolgenden Bereich durchlassen kann. Die Kommunikation zwischen den Ordnungskräften funktioniert nicht)
    – man wird zu einem weiteren Wartebereich mit Sitzmöglichkeiten durchgelassen. Hier seeeeeeeehr wichtig selbst zu schauen, wer vor einem war und wer nach einem war. Es wird einfach gesagt die Nächsten, aber das muss man ja selbst wissen, weil es durch die Stühle keine Reihenfolge mehr gibt.
    – dann wird man in 5er-Gruppen in einen weiteren Wartebereich mit Sitzmöglichkeiten durchgelassen.
    – nun wird man von einem Arzt abgeholt in einen kleinen Messebau-Raum. Dort geht es sehr schnell, Papiere werden angeschaut und unterschrieben. Man kann seine Fragen loswerden.
    – leider wieder Kommunikationsschwierigkeiten zwischen den Ordnungskräften, sodass sich ein riesiger Stau bildet, wo sich die ohne Arztgespräch und mit Arztgespräch mischen und nicht klar ist, wer als nächstes in der Schlange kommt und wer als nächstes zum Arzt kommt. (Am Ende dieser Schlange war das Problem, dass die Menschen nicht wussten, dass sie zu den Schalten durchgehen müssen und dann einfach stehen geblieben sind und gewartet haben.)
    – Ich bin zu einem Schalter gegangen. Da lagen die Spritzen lose in einer Papp-Nierenschale. Der Mensch dort war für den Impfpass zuständig. Er hat ihn genommen und hat händisch, also mit einem Stift die Daten in eine Liste (Anwesenheitsliste wegen Corona-Verordnung???) übertragen.
    – Eine Frau hat mich abgeholt und in einer Messebau-Kabine hab ich die Impfung bekommen. Danach holte ich mir am Schalter den Impfpass ab. Sie sagte, die hätten es gern, wenn ich 15 bis 30 Minuten im Wartebereich bleibe.
    – Ich stellte mich in die nächste Schlange, dort werden mir die Papiere abgenommen (Erklärungen, Einverständnis, Anamnese, also alles, was ich selbst unterschreiben musste. Das was ich ursprünglich ausgedruckt hatte, aber sich dann als veraltet herausstellte.)
    – Ich wollte meine Tram nicht verpassen, weswegen ich bisschen unruhig war. (Hab die Tram verpasst.) Einige haben sich gar nicht in den Wartebereich gesetzt, sind direkt weggegangen. Ich hab die Zeit genutzt, um zur Toilette zu gehen und am Telefon zu spielen und dabei Podcasts zu hören. Irgendwie war mir das alles zu doof und der Wartebereich wurde immer voller und voller. Ich hab da ca. 12 Minuten ausgehalten.

    Insgesamt war ich dort ca. 50 Minuten. Ich hatte die Besonderheit durch die neuen Papiere, die ich ausfüllen musste und durch das Schlangenordnungschaos, dass sich natürlich viele, die nach mir draußen in die Schlange stellten, vor mir geimpft wurden.

    Ich weiß nicht, wie das gehen soll, wenn man nicht so lang stehen kann. Die zweite Schlange war komplett auf einer Treppe. Was passiert mit den Leuten, die keine Treppe gehen können? Ich hoffe mal, dass die einfach mit Fahrstuhl hoch dürfen und vorgelassen werden, um nicht so lang zu stehen.

    Interessant am Podcast fand ich, dass es in dem Impfzentrum in Berlin Computer gab, die Ordnungskräfte Handzeichen hatten und wohl eine gute Kommunikation. Das erscheint mir eine praktische Sache.

    Im Impfzentrum Braunschweig werden pro Woche ca. 5000 bis 8000 Leute geimpft, wobei 8000 schon über der Maximalauslegung (ca. 7600) sind, so wie das Ding da geplant wurde. Es hat nur Montag bis Freitag von 8 bis 18 Uhr auf, soweit ich es gesehen habe. Aber mehr Impfstoff gibt es gar nicht, soweit ich das im Statusbericht richtig verstanden habe. ca. 1400 Menschen in einer Woche wurden noch zustätlich in den Arztpraxen geimpft.

    Ich finde es witzig, dass ausgerechnet Braunschweig mit der Technischen Hochschule komplett alles mit Papier und Stift macht. Stellt man sich doch irgendwie anders vor Ende April 2021. Aber solang es gut funktioniert und niemand sich beim Schleppen vom Papierbergen den Rücken bricht, ist es ok für mich.

    Viele Grüße und ich wünsche noch viele tolle Folgen WRINT-Podcast!

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    1. Mona

      Noch eine Ergänzung.
      Eine Freundin war im Mai im Impfzentrum Braunschweig geimpft und sie musste fast nirgendwo warten, das heißt die Schlange war sehr viel kürzer als bei meinem Termin. Sie war nach 15 minuten durch und hat dann noch 15 Minuten im “Nachwirkungsraum”(?? 🙂 ) gesessen.

      Impfling erinnert mich an Prüfling. Prüfling ist ein Objekt, dass man vermessen/prüfen soll. Wenn man an die Begriffe nicht gewöhnt ist, muss man nachdenken, ob Impfling, der ist, der die Impfung gibt oder bekommt, finde ich. Ich verwende selbst Umschreibungen, weil ja nicht jeder solche speziellen Wörter kennt. Wusste gar nicht, dass es irgendwas mit der Nazi-Deutschland-Sprache zu tun haben könnte.

  7. Dirk

    Vielen Dank für die Einblicke von der praktischen Seite. Ich mag es sehr wenn die allgemeine Hysterie mal runtergekocht wird.

    Allerdings habe ich einen Kritikpunkt: Gabriel hält die FDA für eine besonders gewissenhafte Zulassungsbehörde. Das ist die Behörde, die Opioide für den allgemeinen Gebrauch zugelassen hat und damit eine gerade zu biblische Katastrophe auslöste, die seit 20 Jahren andauert.

    Ansonsten natürlich weiter so, am besten für immer.

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  8. Dirk Pfeiffer

    Das ist aber schon eine merkwürdige Organisation, wenn die Impfdosen nicht innerhalb von 90 Minuten verimpft werden können.
    In unserem Impfzentrum (Heinsberg, bzw. Erkelenz) bist du in der Regel ca. 30 Minuten nach Betreten des Eingangs hinten wieder raus.
    Wir haben ein Einbahnstraßensystem.
    Am Eingang wird kurz die Temperatur geprüft, danach zur Security, die die Personalien mit der Terminliste abgleicht.
    Dann durch zur Anmeldung, wo der Papierkram abgehandelt wird. Patienten, die noch eine ärztliche Beratung wünschen (oder im Falle einer Astra Zweitimpfung haben MÜSSEN) bekommen einen Vermerk “B” auf ihrer Dokumentenmappe. Astra wird mit einem gelben Aufkleber versehen.
    Als nächstes ins “Nummernzelt”. Hier wird von uns (DRK) besagter Papierkram geprüft (ob alles angekreuzt und ausgefüllt ist, alle Unterschriften vorhanden sind), dann bekommen BioNTech Patienten eine Wartenummer und Astra-Zeneca wird gleich in die Impfstraße geschickt. Anhand der Vermerke “B” und/oder des gelben Stickers kann man schon vorselektieren. Hier wird ebenfalls der leitende Impfarzt telefonisch informiert, falls Patienten mit Beratungswunsch da sind, die dann in einer der Beratungskabinen beraten werden.
    In der Impfstraße wird links Astra, rechts BioNTech verimpft. Rein, Spritze, raus.
    Dann geht’s ins Wartezelt wo man (je nach Gefährdung, Vorerkrankung) nochmal 15 Minuten absitzt.
    Fertig.
    Etwas langsamer wird es erst kurz vor Feierabend, so zwischen 19:15Uhr und 20:00Uhr. Dann wird der Impfstoff dann auch etwas konservativer aufgezogen, damit es nicht zu Überschüssen kommt und evtl. noch Leute nachgeordert werden müssen, was sich meist jedoch als schwierig erweist, weil eigentlich immer was “übrig bleibt” oder zusätzlich geöffnet werden muss.

    Als gestern EINE Dosis zu wenig war habe ich den Vorschlag gemacht, man könne ja den Leuten anbieten morgen einfach ohne Termin wieder zu kommen, wenn man heute verzichtet. Man bräuchte dann für EINE fehlende Dosis nicht wieder eine ganze Ampulle zu öffnen, was dann wiederum dazu führen würde, daß Leute nachgeordert werden müssten damit die nun zusätzlichen Dosen nicht verfallen.
    Offensichtlich kommt diese Variante im Beamtenuniversum gar nicht vor und man guckte mich an, als käme ich von einem anderen Stern. Mit den Worten: “Das kannst du ja mal versuchen. Das wird wohl keiner machen. Bescheuerte Idee.”. Machte dann doch einer. Erstaunte Gesichter. Abend gerettet.
    Die Dame, die verzichtet hat, bekam einen Wunschtermin für Freitag 15Uhr. Für mich eine Stunde nach Feierabend, aber ich habe ihr versprochen, daß es da keine Probleme geben wird und werde sie vom Eingang bis ins Wartezelt begleiten und das auch sicherstellen.

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  9. Icetwo

    Ich halte Impfling für ein sehr gutes Wort. Ich finde die Kombination Stamm +Ling auch für die beste Variante in der Genderdebatte. Man verschluckt sich nicht wie bei diesen Sternchen oder dem Doppelpunkt und es kommt ein echtes Wort dabei heraus. Im Singular und Plural ist das für mich die beste Lösung. Außerdem wird der Lehrer so zum Lehrling.

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  10. julia

    großartige folge, herzlichen dank vor allem an gabriel! spannend, dieser einblick ins backend. und wunderschön wie wohltuend, diese optimistische, ruhige, sachliche grundhaltung.

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