WR1111 Was in der Krise zählt: Echtzeitphilosophie

Nikil Mukerji ist Philosoph an der LMU München, Autor der10 Gebote des gesunden Menschenverstands* und Co-Autor des Buchs Covid-19: Was in der Krise zählt* und wir haben uns am Ende einer für uns beide langen und anstrengenden Woche hingesezt, seinen Essay als Anlass für ein Gespräch genommen, und sind dann teilweise fürchterlich abgeschweift – haben aber meistens einen Weg zurück zur Katastrophe gefunden.

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12 Gedanken zu „WR1111 Was in der Krise zählt: Echtzeitphilosophie

  1. Tobi

    Mein Gott, Holger, mach mit dem Mann einen monatlichen Podcast! Es ist so angenehm, Vernunft beim Denken zuzuhören.

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  2. Tarifkenner

    Der Witz mit den beiden Bahnfahrenden ist ein jüdischer Witz, den ich ein bisschen anders erzählen würde:
    Die Kaufleute Blau und Grün treffen sich am Bahnhof ihres kleinen Städtchens.
    Herr Blau: “Ah, guten Tag Herr Grün, na wohin solls gehen?”
    Herr Grün: “Ich fahre nach Minsk, um Holz zu kaufen.”
    Herr Blau: “Das sagen Sie doch nur, damit ich annehme, dass Sie in Wirklichkeit nach Pinsk fahren, um Stoffe zu kaufen. Zufällig weiß ich aber, dass Sie tatsächlich nach Minsk fahren, um Holz zu kaufen. Nun frage ich Sie: Warum diese Lüge?”

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  3. ThreeBodyProblem

    Also ich habe in einem Podcast gehört man solle nicht SARS als Warnung für COVID verstehen sondern eher COVID als Warnung für das nächste. Und entsprechend planen. Was wohl los wäre wenn nächstes Jahr was kommt so ansteckend wie Masern und gefährlich wie Ebola – nur mit 1-2 Wochen stiller Inkubation?
    Ich denke dann hätten wir weltweit einen Lockdown, gegen den Wuhan wie eine Raveparty aussehen wird.

    Und alle, die sich vorbereiten, kämpfen gegen zwei Fronten. Einmal gegen das was kommt, und keiner kennt – und gegen diejenigen, die es nicht sehen (wollen). Als der aktuelle Gouverneur von Kalifornien ins Amt kam, fand er ein paar Lagerhäuser voller Dinge, die ein Vorgänger eingelagert hatte. Sowas wie mobile Krankenhäuser, 20 Millionen Respiratoren, etcpp – was man halt so brauchen kann in einem Land in dem es manchmal heftig brennt und die Erde mal bebt. Aber das war ja totes Kapital, und als COVID kam war alles weg… [1] Ich denke bei unserem Katastrophenschutz ist es nicht besser.

    Und Tobi hat Recht. Es tut gut, der Vernunft zu zu hören.

    [1] : https://timharford.com/2020/07/cautionary-tales-that-turn-to-pascagoula/

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    1. Frank E.

      Zum Thema Fliegen: Ich habe mal in einem Konzern gearbeitet in dem es den Vorstandsmitgliedern und Geschäftsführern nicht erlaubt war in einem Flugzeug zusammen zu fliegen. Es könnte also was dran sein sn der Geschichte.
      Zu Covid fällt mir immer wieder auf das die Leugner oft eine gewisse Grundaggressivität haben. Oder anders: Sind aggressive Menschen anfälliger für Verschwörungstheorien?

  4. Nils

    Datenverarbeitung ist auch ohne Zustimmung erlaubt, wie in Artikel 6 Absatz 1 DSGVO nachzulesen ist:

    “Die Verarbeitung ist nur rechtmäßig, wenn mindestens eine der nachstehenden Bedingungen erfüllt ist:
    […]
    d) die Verarbeitung ist erforderlich, um lebenswichtige Interessen der betroffenen Person oder einer anderen natürlichen Person zu schützen;
    e) die Verarbeitung ist für die Wahrnehmung einer Aufgabe erforderlich, die im öffentlichen Interesse liegt oder in Ausübung öffentlicher Gewalt erfolgt, die dem Verantwortlichen übertragen wurde;
    f) die Verarbeitung ist zur Wahrung der berechtigten Interessen des Verantwortlichen oder eines Dritten erforderlich, sofern nicht die Interessen oder Grundrechte und Grundfreiheiten der betroffenen Person, die den Schutz personenbezogener Daten erfordern, überwiegen, insbesondere dann, wenn es sich bei der betroffenen Person um ein Kind handelt.”

    Gerade d) im Konkreten und e) im Abstrakten erlauben im Katastrophenfall ausdrücklich eine Datenverarbeitung. Somit macht uns die DSGVO in einer Katastrophensituation nicht handlungsunfähig, sondern die Menschen, die sich mit Datenschutz nicht auskennen.

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  5. Red Team

    “Es müsste Leute geben, die ständig über alle möglichen Katastrophen und Szenare nachdenken” so Holgi. Nikil bestätigte das (mit Verweis auf unzureichende Ressourcen und Personen). Als jemand, der sowas beruflich tut kann ich das bestätigen.

    Bekannt ist das vor allem unter dem Namen “Red Teaming”. Das gibt es nicht nur in der Cybersicherheit sondern auch im echten Leben. Von Fragen wie “Was wenn Russland morgen in Japan einmarschiert” (basierend auf “War Gaming” und preußischen Kriegsspielen) hin zu intellektuellem Advocatus Diaboli (bspw. Wie kann ich den Unternehmen/Land/Regierungschef am meisten Schaden).
    Das alles findet vermehrt in Nachrichtendiensten, Militär er Anwendung und fußt sehr stark auf Kreativem und kritischem Denken. Kahneman/Tversky kennen ja sicherlich viele.

    Wer das Thema interessant findet sollte sich das Buch “Red Team. How to think like the enemy” von Micah Zenko anschauen. Dazu gibts auch ne ausführliche Sammlung an Aufgaben, Links, Videos und weiteren hilfreichen Ressourcen.
    Siehe hierzu: https://www.cfr.org/teaching-notes/red-team-how-succeed-thinking-enemy

    Falls jemand Fragen hat, gerne drunter kommentieren. Ich darf zwar nichts erzählen, aber ein paar Tipps gebe ich gerne und Austausch schadet nie.

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  6. njorg

    Zu Richard David Prechts Ehrenrettung sollte man dazu erwähnen, dass er die politische Handlungsbereitsschaft angesichts der Covid19-Epidemie mit der angesichts des Klimawandels vergleicht. Und die Folgen des Klimawandels seien in ihrem Potenzial noch sehr viel weitreichender und verheerender als die von Covid19. Es sei rein logisch deshalb überhaupt nicht zu verstehen, dass jetzt bei Corona so weitreichende Maßnahmen ergriffen werden, bezüglich des Klimawandels ein Handeln immer noch weiter hinausgezögert wird.
    Und ich finde da hat er einen Punkt. Wenn man das Argument wohlwollend liest, heißt das nicht, dass die Maßnahmen gegen die Pandemie übertrieben sind, sondern die Maßnahmen in Bezug auf den Klimawandel haarsträubend geringfügig.

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