WR1094 Wildschweinvergrämung Baier

 

Darin: Socializing – Der Rand der Gesellschaft – Corona – Rassismus (Bücher: Deutschland Schwarz Weiß, Exit Racism)* – Wildschweine – Ruchmehl – Podcast Lutz Geißler – Rezept : SF Sourdough – Twitter – Schlagzeilen & Wetter

Tobys Wunschliste

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82 Gedanken zu „WR1094 Wildschweinvergrämung Baier

  1. Christian von Praun

    Hallo Holgi, was wäre denn ganz einfach mit “Dunkelhäutig”? Das würde doch einfach beschreiben ohne zu werten oder sehe ich das zu einfach?

    Antworten
    1. holgi Beitragsautor

      Dunkelhäutig bin ich jeden Sommer. Aber trotzdem bleibe ich weiß.

  2. Dnns01

    Ob sich Tom Buhrow dann auch bei den verstorbenen Omas entschuldigen würde, falls wir sie in ner zweiten Welle dann sterben lassen sollten?

    Antworten
  3. Richard Obermoser

    Moin Holgi
    Ich bin Frührentner mit Grundsicherung, gleicher Betrag wie HartzIV. Kann gern mal mit dir sprechen, sowohl über meine Erfahrung, als auch über die von anderen.

    Den perfekten Geldpool gibt es, @sorgeweniger bei Twitter Die vergeben Gutscheine für Supermärkte, haben während Corona massiv Lebensmittelpakete verschickt und PCs für Homeschooling organisiert. Natürlich auch Kleidung, Waschmaschinen, Kühlschränke, Kleidung und was man sonst so braucht. Nicht nur lebensnotwendige Sachen, sondern auch zB. eBook-Reader für einen Kuraufenthalt Sie gehen auf Bedürfnisse ein und handeln nicht nach dem Motto “sei froh, das du etwas bekommst”.

    Gruß
    Richard

    Antworten
  4. Sebastian

    Was sagst ch denke ich schonmal begriffen habe ist, dass ich ein Rassist bin. Ich Versuche mir dem bewusst zu sein und mich dabei zu ertappen bevor ich rassistisch handle.
    Was ich aber noch nicht verstehe ist wieso ich als weißer Mann nicht Opfer von Rassismus sein kann oder habe ich Holgi da falsch verstanden? Wenn ich als Alman mit meinem Türkischstämmigen Nachbar rede verhält der sich mir gegenüber meiner Meinung nach schon auch rassistisch. Mein Sohn darf zum Beispiel mit Sicherheit nicht an seine Tochter ran. Ich bin Spießer und will Sachen schriftlich und bin für ihn mega unentspannt. Ich hätte ja kein Gefühl dafür was Familienleben wirklich bedeutet usw. Wir kommen natürlich trotzdem super klar aber da existiert bei ihm schon so eine Grenze im Kopf nach der ich für ihn eingeteilt werde. Ist das jetzt kein Rassismus dem ich da ausgesetzt bin? Was ist das sonst? Wie grenzt man das logisch ab. Mir ist dabei am ende schon klar dass das alles keine gravierenden Vorurteile sind die vergleichbar mit dem sind womit sich bpoc auseinander setzen müssen. Aber wenn wir das alles los werden wollen muss sich doch jeder mit anstrengen. Rassismus gibt es doch in alle Richtungen oder warum gibt es den nicht weißen gegenüber?
    Oder ist es einfach so daß wir weißen die sind die am schlimmsten austeilen und wir deshalb jetzt erstmal kräftige vorlegen müssen wodurch sich der Rest hinterher einfach erübrigt? Ich will das wirklich verstehen. Hoffe das kommt jetzt nicht blöd rüber.

    Antworten
    1. Dnns01

      Ich glaube ein großes Problem bei Begriffen wie POC, BPOC und BIPOC ist, dass man nie so richtig allen gerecht wird. POC gejt nicht weit genug, um alle einzuschließen, BPOC scheinbar auch nicht. Schließt BIPOC aber alle ein? Im Gegensatz zu “Weißer”, scheint mir hier, als würde man durch solche Begriffe immer wieder versuchen dem ganzen einen passenden Namen zu geben, schafft es aber wohl nie so ganz. Ich hab keine Lösung dafür, glaube aber irgendwie nicht, dass wir hiermit wirklich passende Begriffe gefunden haben. Mal abgesehen davon, dass das ganze ein bisschen das Problem des Genderns hat. Es wirkt unbequem, es “stört” irgendwie beim Sprechen und Schreiben. Weswegen manch einer dann doch lieber beim N*** bleibt. Weil das einfach so viel griffiger ist, gut von der Hand geht. Und man hats ja schon immer gesagt.

    2. holgi Beitragsautor

      Ich finde, diese Akronyme treffen es sehr gut. Wenn BIPoC nicht alle einschließt: Wer wird denn ausgeschlossen? Und Gendern ist ja nun wirklich überhaupt kein Problem bei Black People & Indigenious People & People of Color. Es geht hier ja um Gruppenbezeichnungen, die Du nochmal nach Gender ausdifferenzieren kannst. “Women of Color”, “Black Women” etc. Ich sehe das Problem eher, dass diese Begrifflichkeiten noch nicht tief genug in den Alltag eingesickert sind, wie beispielsweise “Latte Macchiato” oder jeder andere Lehnbegriff, so dass man sie einfach beiläufig benutzen kann ohne dass der Bleppo aufm Campingplatz dir ein Ei an die Backe labert.
      Aber wenn wir mal ehrlich sind, ist das in vermutlich 99% aller Fälle sowieso weniger ein Problem, weil wir doch eher Dinge sagen, wie: “Da gehen drei Schwarze über die Straße, während zwei Asiaten im Auto warten”. Und das restliche Prozent sind Leute wie ich, die sich von Berufs wegen damit auseinandersetzen müssen, wie sie inludierend formulieren, während sie eine Öffentlichkeit adressieren. Im privaten Gespräch wird dir kaum eine PoC den Arsch aufreissen, wenn Du sie “farbig” nennst, weil Du es noch nicht besser verinnerlicht hast, sondern dich einfach drauf hinweisen.

    3. Sebastian

      Sorry es war schon spät und ich habe den Text auf dem Handy geschrieben. Trotzdem verstehe ich die Abgrenzung von Rassismus noch nicht.

    4. Eule

      @Sebastian:

      Es ist eine Kombination aus Gruppenmerkmalen und sozialem Status. Rassismus bedeutet in diesem Sinne die Abwertung aus einer Machtposition heraus. Es reicht also nicht, optisch/ethnisch verschieden zu sein und auf der Basis dieser Unterschiede zu werten, sondern es kommt noch eine Hierarchie dazu. Und da sind wir dann in einer Einbahnstraße, denn hier geht Abwertung nur in eine Richtung. Weiße können aufgrund ihrer im Durchschnitt sozioökonomisch privilegierten Position also auf Schwarze “herabblicken” und damit rassistisch sein, Schwarze sind umgekehrt aus ihrer im Durchschnitt benachteiligten Position heraus jedoch von Vorneherein in einer “Abwehrsituation”.

      Wie gesagt geht es dabei um durchschnittliche Gruppenpositionen, die auf Individuen übertragen werden. Der arbeitslose, überschuldete Weiße gehört dennoch einer vielfach privilegierten Gruppe an (er wird z.B. weniger Probleme haben, eine neue Wohnung oder wieder einen Job zu finden) und steht damit zwar nicht bei seinem Kontostand, wohl aber bei seinen sozialen Möglichkeiten “über” dem schwarzen Universitätsprofessor in dem Sinne, dass er mehr “eingebaute” Vorteile hat. Abwehr von oben nach unten ist Unterdrückung, Abwehr von unten nach oben ist Verteidigung. Ersteres ist falsch, letzteres wird je nach Situation als notwendig angesehen um das soziale Spielfeld zu ebnen.

    5. Dnns01

      @holgi bezog sich deine Antwort auf meinen Kommentar? Hab nämlich gerade erst festgestellt, dass ich versehentlich auf den anderen Kommentar geantwortet habe. Da ist WordPress auf dem Handy irgendwie ein bisschen unübersichtlich.

      Wer dabei ausgeschlossen wir kann ich dir nicht sagen. Ich hätte dir aus meiner Sicht aber auch nicht sagen können, dass bei PoC jemand ausgeschlossen wird. Das was du da beschrieben hast, dass es dann noch mal Abstufungen/Steigerungen gibt, war mir zum Beispiel davor nicht so klar. Meine Kritik bezog sich auch nicht darauf, dass man diese Begriffe nicht verwenden sollte, ich habe nur die Vermutung angestellt, dass wir wohl nie zu einem Begriff kommen werden, der ab dann quasi “für immer” gültig sein wird.
      Mein Bezug zum Gendern kam vielleicht etwas falsch rüber. Mir ist nur gerade jetzt im Rahmen meines Studiums (Informatik), wo das Thema auch das eine oder andere Mal aufkam (wir haben zum Beispiel einen Kurstext im Studium, da wird Konsequent der generische Feminin verwendet, das fällt einem beim ersten Lesen auf, dass es nicht der Gewohnheit entspricht, aber danach lese ich da zumindest einfach drüber, ohne mich irgendwie daran zu stören). Die Argumente beim Gendern sind ja unter anderem, dass es sich schwer liest oder spricht. Es wäre unnatürlich und würde die Sprache versauen (auf die Argumente will ich auch gar nicht eingehen). Am Ende kann man das darauf reduzieren: Wir haben das schon immer so gemacht und ich will meine Sprache jetzt nicht ändern. Und ich sehe hier eine Parallele. Die Leute, die sich am Gendern massiv stören, werden sicher auch kein PoC, oder weitere Stufen mitgehen. Da kann man wahrscheinlich wirklich froh sein, wenn Begriffe wie “Dunkelhäutig” verwendet werden, als kleiner Schritt.

      Es tut mir sehr leid, dass mein Kommentar so missverständlich war. Ich wollte wirklich nicht darauf hinaus, dass man PoC noch gendern müsste.

    6. Sebastian

      Ok @Eule
      Ich denke ich sortiere mir das dann ungefähr so ein. Mir als deutschem weißen Mann können zwar rassistische Äußerungen entgegengebracht werden, da wir aber in einer Gesellschaft leben die mich ideal bevorzugt kann ich nie Opfer von Rassismus werden.
      Dann passt noch dazu dass größtenteils Einwanderung entweder im die für weiße optimierte Welt stattfindet. Da sind dann die Opfer von Rassismus nie die weißen. Oder der weiße Mann ist irgendwo eingewandert und hat alle anderen zum Opfer seines Rassismuses gemacht. Dann fallen einem wirklich nur herbeikomstruirte Beispiele ein wo Rassismus für einen weißen zum Problem werden kann.

      Hoffe ich bin wieder etwas weiter gekommen.

    7. hilti

      Das was Eule ganz richtig beschrieben hat ist prinzipiell der strukturelle Rassismus in westlichen Gesellschaften. Davon können wir Weißen natürlich nicht betroffen sein, weil wir die Mehrheitsgesellschaft stellen und die Täter sind.

      Individuellen Rassismus gegenüber Weißen kanns hier nichtsdestotrotz auch geben. Nur sind das hier dann eben nur Einzelfälle (die uns evtl nichtmal auffallen). Das ist natürlich auch ein Problem über das man mal reden sollte. ABER der strukturelle Rassismus gegenüber POC ist ein Alltagsrassismus, den die Betroffenen ständig zu spüren kommen.

      Und um jetzt mal den Bogen zur derzeitigen Diskussion zu schließen. Der Alltagsrassismus bekommt derzeit endlich die nötige Aufmerksamkeit. Wenn man dann aber statt über das große Problem lieber über “Rassismus gegenüber Weißen” reden will dann hat man entweder das Problem nicht verstanden oder es ist Ablenkungstaktik oder pure Gehässigkeit. Kein Vorwurf gegen Dich Sebastian. Ich hab nur letztens den Fehler gemacht nen Link auf einen Tweet anzuklicken und sah dann “Rassismus gegenüber Weißen” trenden…

    8. Sebastian

      Ich wollte auch nicht über Rassismus gegen weiße reden.
      Holgi formuliert oft sehr absolut und setzt die Grenzen meiner Meinung nach etwas ungenau. Meist hat er dafür aber einen guten Grund. Das war schon so als ich ihn vor Jahren im Radio hörte und er davon redete, dass es eigentlich keinen Sinn macht nicht in einer Stadt zu leben. Da kannte ich ihn noch nicht. Hab ihn dann als Holgi hörengelernt und irgendwann herausgefunden, dass das ja der ist der mich damals im Radio so geärgert hat. Manche Aussagen gehen mir halt oft erstmal gegen den Strich, weil er so eine absolute Position bezieht, aber wenn man sich dann kurz die Mühe gibt das nachzuvollziehen lernt man oft, dass man sich die Spitzfindigkeiten sparen kann und er am Ende oft Recht hat. Ich will mir das trotzdem gerne herleiten und etwas mehr mit dem Drumherum unterfüttern.

  5. Stefan

    Zum Thema Wildschweinvergrämung.
    Was ganz gut wirkt das die Wildschweine wo anders Randalierern sind Menschen Haare (vom Friseur) Oder Buttersäure.
    Buttersäure am besten auf abschminkpads damit sie langsam verdunstet.
    Haare einfach eine kleine Hand voll oben auf den Müll

    Zu meiner Qualifikation:
    Ich bin Landwirt und muss jedes Jahr meinen Mais gegen Wildschweine schützen

    Antworten
    1. Toby

      Nee danke, ich möchte keine Buttersäure auf meiner Auffahrt 🙂 Aber Haare vielleicht, danke für den Tipp!

  6. Kay Sophia

    Zu meinen Erfahrungen zu Rassismus in Namibia da die Frage aufkam wies es zum Beispiel in Südafrika ist:
    Mein Vater wohnt seit mittlerweile 20 Jahren dort seit 13 Jahren, sogar mit Adoptivsohn(B) und Frau (B). Aufgrund dessen war ich des öfteren dort und habe einiges mitbekommen. Die Unterscheidung von Menschen in verschiedene Gruppen habe ich das erste Mal so bewusst mitbekommen als ich vor 19 Jahren das erste Mal dort war. Es ist bis heute ein Alltagsthema und auch für Smalltalk geeignet. Ich kann mich an etliche Situationen mit meiner Stiefmutter erinnern in denen sie mit wildfremden Menschen bespricht ob Sie Black oder Colored (mixed) sind oder (weiße) Deutsche oder (weiße) Buren. Zusätzlich spielt es dann noch eine Rolle was für ein B man ist; also welchem Stamm man angehört- so sollte man sich nicht mit Wambos anlegen, da die einen ‘verhexen’ können und praktisch alle parlamentarischen Sitze innehaben. Zu deutschen Kolonialzeiten wurden es zum Beispiel auch von den Wambos unterstützt das die Buschleute (B) in einer Art wie bei der Fuchsjagt gejagt wurden, sie betrifft bis heute das Problem der Entmenschlichung. Ihre Rechte werden nicht gesehen, ihr Land ihnen genommen. Was daran liegen mag das sie traditionell hauptsächlich normadisch leben. Normadische Völker haben es ja weltweit schwer.
    Andererseits gibt es eben auch Effekte die weiße betreffen, wobei ich sagen muss im kleinen sind die Vorurteile für Buren viel stärker als für zum Beispiel deutschstammige.
    Ein Effekt ist natürlich das du als weiße Person mehr bezahlen musst und zwar nicht nur in der Privatwirtschaft sondern auch bei Ämtern etc.
    Es wird automatisch davon ausgegangen das du Geld hast und nicht akzeptiert wenn dem nicht so ist. Bei offiziellen Stellen kommt es immer wieder vor das weiße Person Anträge nicht bewilligt bekommen und Blacks /Coloreds schon. Was dazu geführt hat das meine Vater mittlerweile immer seine Frau (B) für geschäftliche Anträge schicken muss.
    Eine andere Sache ist das weißen Personen wird automatisch eine Autorität zugesprochen wird; die Exfrau (W) meines Vaters ist Krankenschwester und hat damals in einem kleinen Krankenhaus am Caprivi gearbeitet, der leitende Oberarzt hat dann jedesmal wenn er mit ihr einen Fall hatte sie gefragt ob seine Behandlung so okay wäre.

    Mein Bruder ist 13 und geht auf eine deutsche Schule, vorher ging er auf eine andere deutsche Privatschule die er aber aus mehrere Gründen verlassen hat. Einer der Gründe war das die Schule ihn nicht zu einer Feier zugelassen hat wegen seiner Haare- eine Schule mit fast nur weißen Kindern. Er hatte damals vielleicht so 10 cm lange natürlich gelockte Haare. Die Aussage war er sei zu unordentliche aufgetreten.

    Ich denke das das rassistische Moment einfach viel schwerer zu beschreiben ist in einer Gesellschaft wie Namibia, da die Macht nicht so klar und eindeutig wie hierzulande nur bei den weißen verortet ist. Und auch weiß nicht gleich weiß ist; ich habe es des öfteren erlebt, das als bemerkt wurde das ich kein Bure bin, sondern Deutsche, mir auf einmal total nett begegnet wurde…

    @Holgi Danke für deine tollen Podcasts!
    Falls du mal einen Gesprächspartner fürs südliche Afrika suchst – mein Vater macht das sicher gern und kann das auch alles besser darstellen als ich 😉

    Antworten
  7. Florian

    Colonialrassismus können Chinesen und Japaner gut mitreden, wahrscheinlich auch die Koreaner, aber da geht meine Östliche Geschichtskunde nicht weit genug.
    Auf jedenfall haben sich China und Japan halt regelmäßig besetzt und gefetzt, zuletzt die Japaner halt die Chinesen um den 2 Weltkrieg rum, ordentlich Biochemiewaffenexperimente gabs oben drauf.

    Antworten
    1. holgi Beitragsautor

      Ich habe mal einen Angehörigen der koreanischen Minderheit in Japan kennengelernt. Die scheinen dort ungefähr dasselbe zu erleben, was BPoC bei uns erleben.

    2. Norbert

      Ich bin mir nicht sicher, ob das tatsächlich so vergleichbar ist, da diese Koreaner von Japanern eigentlich nur zu unterscheiden sind, wenn sie ihren Namen nennen, oder ihren koreanischen Pass vorlegen.
      Ein paar Videos zu Rassismus in Japan: https://youtu.be/x-5sHglFbO8 (BBC anlässlich der Miss Japan Wahl vor 5 Jahren) und https://youtu.be/iZ5f_QokinY (Bericht eines in Japan lebenden Kanadiers über seine Wohnungssuche und die einiger ausländischer Freunde, untermauert mit ein paar offiziellen Berichten und Statistiken; könnte man über Deutschland wahrscheinlich ähnlich machen).

  8. Steffen Prey

    Hallo zusammen,

    in der aktuellen Folge hat mich das Kühlschrank-Thema doch sehr beschäftigt.

    Meines Erachtens habt ihr hier einen falschen Eindruck vermittelt, bei dem es sich tatsächlich lohnt, einmal genauer hinzusehen. Als ich die Episode gehört habe, entstand zumindest bei mir der Eindruck, als ließe der Staat Menschen, die ohnehin schon am Rande der Gesellschaft leben, insofern darben, als diese sogar ohne einen Kühlschrank leben müssten. Das konnte ich einfach nicht glauben und habe daraufhin recherchiert.

    Unter anderem habe ich dazu folgendes gefunden:
    ZITAT: “Bei Bezug von Hartz 4 gehört der Kühlschrank zu den Sonderleistungen (Innenausstattung, Haushaltsgeräte und laufende Haushaltsführung) und somit zum durchschnittlichen Bedarf. Als Sonderleistung bei Hartz 4 wird der Kühlschrank zusätzlich zum Regelbedarf gezahlt. Die Kosten für den Kühlschrank werden also nicht vom Regelsatz abgezogen.

    Gehört ein Kühlschrank zur Erstausstattung?
    Ja, bei Hartz-4-Bezug kann der Kühlschrank als Erstausstattung für eine neue Wohnung vom Jobcenter bezahlt werden.”

    Quelle: https://www.hartz4.org/kuehlschrank/

    Nach meinen Recherchen gelten ähnliche Bestimmungen übrigens auch bei dem Bezug anderer Sozialleistungen.

    Ihr seht also, dass es offensichtlich keineswegs so ist, dass viele Menschen aus finanziellen Gründen ohne einen Kühlschrank leben müssen. Natürlich verstehe ich, dass es viel Überwindung kostet, Sozialleistungen zu beantragen. Ferner kann ich nachvollziehen, dass dies selbstverständlich auch nicht jeder Mensch möchte. Trotzdem ist es mir sehr wichtig, diesen Sachverhalt klarzustellen, damit hier kein falscher Eindruck erweckt wird.

    Antworten
    1. holgi Beitragsautor

      Na, das ist ja nett vom Staat. Und wenn dein Kühlschrank kaputt geht, bekommst Du nen neuen auf Pump. Dann hast Du Hartz4 _und_ Schulden, von denen Du nicht weißt, ob und wann und wie Du sie zurückzahlen sollst.

    2. Knut

      Grundsätzlich müssen Reparaturen und Neuanschaffungen vom Regelsatz angespart werden, dass gilt auch für weisse Ware. Die entsprechenden Anteile im Regelsatz sind so absurd niedrig, dass ein Kühlschrank eben 30 Jahre halten muss und wenn zusätzlich auch noch andere Anschaffungen fällig werden, wars das eben. Aus diesem Grund hat das BverfG (imho im Zusammenhang mit dem Regelsatzturteil) angemahnt, dass solche Bedarfe als einmalige Bedarfe zu gewähren wären. Die Praxis sieht so aus, dass sich Betroffene mühsam und langwierig durch die Instanzen klagen müssen, weil die Ämter sich einen Scheiss um das BverfG scheren.
      Erstausstattungen sind genau das: einmalig beim Bezug einer neuen Wohnung. Die man als ALG2 Empfänger auch erst mal bekommen muss.
      Bei den Darlehen ist der Staat aber ganz großzügig: die Rückzahlungen werden nämlich meist im Bereich von 10 – 30 % direkt mit den laufenden Regelsatzzahlungen verrechnet, man bekommt also von Geld, das kaum zum Leben reicht, entsprechend weniger überwiesen.
      Aktuell wegen Corona ist die Problematik der Computer drängend. Die Kinder, die zuhause unterrichtet werden sollen, haben oft keine Computer und bekommen sie nach Gutsherrenart manchmal, in anderen Ländern eben nicht. (Vergleich dazu bspw bei Tacheles eV., tacheles-sozialhilfe.de, die haben da eine Kampagne, die nach meiner Erfahrung wenig bis kein Echo auslösen wird. Coronabedingte befristete Beihilfen für ALG2 Bezieher wurden im besten Sozialstaat aller Zeiten selbstverständlich abgelehnt.)
      Da wird seit vielen Jahren, aktuell beschleunigt, dafür gesorgt, dass diese Kinder garantiert keine Chance haben, aus dieser Scheisse rauszukommen. Das ganze Gelaber von “jeder hat die Chance” etc pp treibt mir regelmäßig das Blut in den Schädel, sorry für meine Ausdrucksweise.

    3. Knut

      Aso, falls der Eindruck entsteht, dass Erstausstattungen immer gewährt würden: das ist natürlich nicht so.

      Erstausstattung gibts natürlich nur, wenn der Betreffende vorher NICHTS hat und zusätzlich auch auf keine anderen Bezugsmöglichkeiten verwiesen werden kann.

      In der Praxis bekommt man vom Sachbearbeiter auch gern einen Zettel mit den ebay-Kleinanzeigen in die Hand und kann sich kümmern.

      Die Geräte, die dann dort verkauft werden, sind manchmal ganz in Ordnung, normalerweise aber alte, abgeranzte Teile, die der Besitzer ja nicht aus Langeweile loswerden will.
      Kosten dann auch ordentlich Strom – den der ALG2 Empfänger aus der Regelleistung zahlt, und gehen schnell kaputt. Wer rechnen kann, verzichtet dann evtl auf solchen Luxus.

      Das führt dann aber dazu, dass die Hilfeempfänger aus Mangel an Möglichkeiten für die Vorratshaltung auf tägliche Einkäufe angewiesen sind und so natürlich jede Preisschwankung mitnehmen müssen.
      Das als Anmerkung für die Leute, die der Meinung sind, man könne sich als ALG2 Empfänger ja auch ausgewogen ernähren. Kann man nicht.
      Generell würde ich es ja begrüßen, dass die ganzen Gestalten, die Hartz4 für etwas “soziales” halten, mal ein halbes Jahr oder so mit dem Scheiss über die Runden kommen müssen. Möglicherweise würde sich dann ganz schnell etwas ändern.
      Und abschliessend, weil es immer wieder gern verdrängt wird: es waren SPD und GRÜNE, die die dieses menschenverachtende Armutspaket über uns ausgerollt haben. Aktuell (Mai 2020) sind davon in Deutschland offiziell 5.667.000 Menschen betroffen,Tendenz steigend..

    4. Steffen Prey

      Hallo zusammen,

      ich habe gerade gesehen, dass mein bei Amazon bereits einen neuen Kühlschrank der stromsparenden Energieeffizienzklasse A++ für nur 187,00 € bekommt. Wer die Ratenzahlung in Anspruch nimmt, zahlt unterm Strich offensichtlich denselben Preis.

      Diesen Aspekt finde ich zwecks der monetären Einordnung doch sehr interessant.

      Quelle: https://www.amazon.de/Bomann-VS-2185-K%C3%BChlschrank-Temperatureinstellung/dp/B06Y2WJF4D/ref=sxin_7?__mk_de_DE=%C3%85M%C3%85%C5%BD%C3%95%C3%91&ascsubtag=amzn1.osa.81108651-5057-44e1-8016-22ad2e488d19.A1PA6795UKMFR9.de_DE&creativeASIN=B06Y2WJF4D&crid=3NK7HZG00KVSC&cv_ct_cx=k%C3%BChlschrank&cv_ct_id=amzn1.osa.81108651-5057-44e1-8016-22ad2e488d19.A1PA6795UKMFR9.de_DE&cv_ct_pg=search&cv_ct_wn=osp-single-source&dchild=1&keywords=k%C3%BChlschrank&linkCode=oas&pd_rd_i=B06Y2WJF4D&pd_rd_r=0bd76917-ed58-45a3-bf14-3af44e540b59&pd_rd_w=e8GjO&pd_rd_wg=PAt46&pf_rd_p=7ee93b35-41d3-4b06-8747-a4a330acf808&pf_rd_r=7295HYCTDNADZ01R8K18&qid=1591904377&sprefix=k%C3%BChlsch%2Caps%2C164&sr=1-2-32235bf8-c8dc-423d-b49a-58af94d8b862&tag=focus-osp-21

    5. Knut

      Ich finde es immer wieder “interessant”, wenn Menschen, die sich mutmaßlich in auskömmlicher Situation befinden, den Armen vorrechnen wollen, was sie sich alles vom üppigen Regelsatz kaufen können.

      Wer über Armut sprechen will, muss mit Menschen reden, die arm sind. Oder mit Menschen, die sich mit der Materie auskennen, weil sie langjährige Erfahrungen in der Sozialberatung haben, ehrenamtlich tätig sind oder dergleichen mehr.

      Dazu gibt es bei echtem Interesse auch genügend Möglichkeiten, ganz aktuell bspw hier: nachdenkseiten.de/?p=62096

    1. Okeo

      Jippiii, backen!!! \o/

      Ich könnte mir vorstellen, dass Tobys Begeisterung für das Brot bei mir nun endlich dazu führt, selbst zu backen, was ich seit 30 Jahren vor mir herschiebe.
      Vielleicht nutzen meine Notizen hier noch jemandem, dem es auch so geht:

      Dinkelsauerteig
      gefüttert mit 50g Mehl 38g Wasser

      10 Uhr:
      Vorteig anrühren
      40g Sauerteig
      40g Mehl
      32g-35g Wasser
      3,5h stehen lassen

      Kochstück herstellen
      150g Wasser in Topf,
      30g Mehl
      mit Schneebesen verrühren, heißmachen bis es dick wird
      abgedeckt (mit einem Stück Folie?) abkühlen lassen

      13:30 Uhr
      Autolyseteig anrühren
      578g Dinkelmehl 630er
      220g lauwarmes Wasser
      38g Osaft
      + Kochstück
      vermengen und eine halbe Stunde stehen lassen

      14 Uhr
      13g Salz dazu, Festigkeit prüfen
      und 3-3,5h stehen lassen (alle Viertelstunde dehnen und falten “== die Ohren umklappen”)

      17-17:30 Uhr
      Auf stark bemehlte Fläche (da ist Weizenmehl besser, weil es besser aufsaugt) geben und etwas in rechteckige Form bringen
      die äußeren Drittel auf das mittlere Drittel überfalten
      etwas auseinanderziehen und das Drittelfalten wiederholen
      von der Kurzseite aufrollen (dadurch kommt Spannung in den Teig)
      im bemehlten Tuch in einen länglichen Gärkorb legen
      15-20h mit Haube abgedeckt in Kühlschrank

      stürzen
      der Länge nach einschneiden

      max Hitze vorheizen
      Topf mit Edelstahlschrauben drin haben -> 60g Wasser rein
      auf 220°C runterdrehen
      42-45 Minuten backen

      Ploetz-Cast ist auch schon abonniert!

    2. holgi Beitragsautor

      Woo-hooo \o/

      Das ganze Referat lang hab ich gedacht: “Hoffentlich ist irgendwer irre genug, das alles nochmal auf- und irgendwohin zu schreiben”.

      Danke, danke, danke 😀

    3. Toby

      Alles richtig, bis auf das Bemehlen: lieber Roggenvollkornmehl als Weizenmehl. Und: Reihenfolge am Ende beachten: Aufheizen dauert ne halbe Stunde, muss nicht nur die Luft, sondern auch der Stein und die Schrauben voll aufgeheizt sein. Erst dann den Teig stürzen, einschneiden und reinschieben, sonst zerfließt er Dir.

      Üben üben üben 🙂

  9. Reiko

    wegen Twitter und Dorfdeppen.
    Merke auch schon lange, dass so technisches Grundverständnis bei vielen nicht mehr vorhanden ist.
    Kaum einer weiss mehr wie ein Chip produziert wird, das er eine Stromversorgung braucht wie er programmiert wird (zB Arduino). Klar das dann so ein Unsinn wie “Chip impfen” etc. rauskommt.

    Wir Techis sind halt davon gezogen, tun es immer mehr und haben viele nicht mehr mitgenommen.
    Früher waren wir die Nerds, jetzt übernehmen die Wissenschaftler und Technis immer mehr die Welt.
    Andererseits wurde durch Technik auch die Überwachung einfacher und Snowden zeigte, dass
    es auch genutzt wird. Dies hat auch viel Vertrauen verspielt.

    Wie man es wieder zum positiven ändert, hab ich auch keine Idee. Weil Technik halt mittlerweile sehr komplex und weil man eben auch nicht mal schnell in einen Chip schauen kann und auch kein Techi sofort weiss was eigentlich als Code reingeladen wurde.

    Antworten
    1. holgi Beitragsautor

      Ich dachte immer, dieses “Chippen” bezöge sich auf Einpflanzen eines winzigen Transponders. So würde es jedenfalls wenigstens Viertelsinn ergeben 😀

  10. hobi

    @holgi
    Viele glauben es, aber Zitronensäure ist was anderes als VitaminC (Ascorbinsäure). Also bitte nur zum Entkalken verwenden. Nicht fürs Brot. 🙂
    Grüße, Hobi

    Antworten
  11. Diese Menschen

    Lieber Holgi,

    es ist spannend, deine Wandlung zum Thema Smartphones und Armut zu erhören und vielleicht kann ich den Horizont noch ein wenig darüber hinaus erweitern:‎

    Stelle dir vor, es gibt Menschen, die weder Kühlschrank noch Smartphone‎ besitzen und dennoch nicht arm sind.
    Diese Menschen arbeiten genau so viel (oder wenig), um Miete und Essen (sogar bio regional) bezahlen zu können und gleichzeitig niemanden durch Bedürftigkeit zur Last zu fallen.
    Diese Menschen können sich nicht erinnern, wann sie zuletzt ein Ding, sei es Kleidung oder technisches Gerät, neu erworben haben.‎
    Diese Menschen haben keinen Internetanschluss oder Datentarif.
    Diese Menschen wüssten gar nicht, was sie in einen Kühlschrank hinein tun sollten (haben allerdings glücklicherweise einen recht kühlen Keller für Obst und Gemüse).
    Diese Menschen leben vegetarisch oder vegan.
    Diese Menschen besitzen kein Smartphone, weil, ähm wozu?‎
    Diese Menschen nutzen einen 10 Jahre alten Laptop, ab und zu.‎
    Diese Menschen haben einen sehr guten Studienabschluss.
    Diese Menschen könnten mit einer Beamtenlaufbahn das Vierfache verdienen.
    Diese Menschen fragen sich, was sie mit all dem dann angehäuften Geld anfangen sollten.‎
    Diese Menschen fragen sich, wie sie dann all die Bücher lesen oder die Zeit in der Natur verbringen könnten. 
    Diese Menschen besitzen kein Auto, weil, ähm wozu?
    Diese Menschen benutzen zu 90% ein Fahrrad und ganz zur Not Bus und Bahn.
    Diese Menschen sind nicht weltfremd und leben nicht am Rand der Gesellschaft. 
    Diese Menschen haben eine Jahreskarte für verschiedene Bibliotheken und verbringen dort viel Zeit.
    Diese Menschen informieren sich an öffentlichen Rechnern über Zeitgeschehen.
    Diese Menschen nehmen sich tatsächlich keine Zeit für Facebook oder Instagram Postings‎, weil ähm, wozu?
    Diese Menschen fallen nicht auf Verschwörungsmythen rein, weil sie genügend Zeit zum reflektieren und recherchieren haben.‎
    Diese Menschen verstehen sogar etwas von Tor und Linux, kennen das Chaosradio seit Urzeiten und bloggen.‎
    Diese Menschen meditieren täglich eine Stunde.‎
    Diese Menschen verzichten auf Nichts.
    Diese Menschen würden mit einem Grundeinkommen ihren bisherigen Brot-und-Miete Job für soziales Engagement aufgeben.‎

    Diese Menschen hören sogar seit sehr langem WRINT.
    Diese Menschen wundern sich ab und an über die anderen Menschen, weil sie sich doch manchmal ein kleines bisschen alleine fühlen. 

    Liebste Grüße von diesen Menschen.‎

    Antworten
    1. Dieser Mensch

      Diese Mensch bedankt sich für dein Interesse, ist jedoch zu schüchtern.

    2. Poster

      ok, aber diese Menschen verzichten freiwillig auf Teile der Errungenschaften der Zivilisation und müssen dann damit rechnen, dass sie nicht Zugang zu allen medizinischen etc. Fortschritten haben werden. Ist nicht als Wertung gemeint – jeder, wie er möchte.

      Ich denke, das Smartphone (oder vielleicht: Internet überall) hat einfach mittlerweile den Status des Kühlschranks oder gar fliessend Wasser erreicht. Es ist einfach auch ein sehr nützliches Werkzeug.
      Somit kann ich in diesem Fall als Regierung m.M.n. schon davon ausgehen, dass die meisten Menschen dabei sind.

  12. till

    Die Frage ist nicht kein Smartphone haben, sonder ein Smartphone das jünger als 3 Jahre ist damit die Corona-App funktioniert. (Quelle WDR5)
    PS: der neue wrint-player läuft auch nicht auf meinem alten Smartphone, auf meinem alten Computer braucht er ca. 20 Sekunden um zu laden … in der Annahme der Player sei defekt, hab ich schon zig Folgen als download gehört

    Antworten
  13. Florian

    Wäre es nicht eine Möglichkeit in der Kommunikation einfach komplett auf die Hautfarbe zu Verzichten (es sei denn sie wäre tatsächlich relevant z.B. bei der Melanomhäufigkeit bei verschiedenen Hautfarben)? Immerhin trägt sie nicht dazu bei den Informationsgehalt zu erhöhen(in den allermeisten Fällen)
    Wenn es jetzt z.B. Übergriffe auf eine Gruppe von Menschen wegen ihrer Hautfarbe gibt, dann ist eben dies die Nachricht. Nicht aber welche Farbe diese Haut hat. Vielleicht wäre das ein erster Schritt dieses Merkmal als Unterscheidungskriterium im Kopf zu elemenieren.

    Antworten
  14. der Holger

    beim Stichwort, dass Rassismus wegn unveränderlicher merkmale geschieht (also nicht Körpergewicht, oder geschlecht) musste iczh spontan an Michael Jackson denken.

    https://www.aerztezeitung.de/Panorama/Michael-Jackson-Mit-Kaelte-wurde-seine-Haut-gebleicht-369095.html

    der hat sein Äusseres an das in seinem Geschäft geltende Normal angepasst.
    am Ergebnis sieht jeder , dass dies nicht zwingend gesund ist.

    Aber grundsätzlich möglich ist chirurgisch fast alles.
    auch Geschlecht, Körpergrösse Hautfarbe Körperform Stimmlage und sicherlioch Dinge an die ich gerade nicht denke.

    Antworten
  15. David

    Hallo holgi,

    ich möchte noch etwas zu deiner Argumentation “Aus Armut kann man sich (theoretisch) befreien” beitragen. Ich selber bin mit vielen Geschwistern und einer alleinerziehenden Mutter groß geworden, wir haben unter Hartz IV in Armut gelebt, und da die Sätze nicht an pubertierende Jungs mit einem Scheunendrescherhunger angepasst sind, hatte ich auch Hunger zu leiden. Ein Kilo weniger, und ich wäre wegen Untergewicht ausgemustert wurden.

    Nun sind viele Jahre vergangen, und ich habe ein Studium und eine Promotion gut abgeschlossen, und längere Zeit eine volle Stelle als wissenschaftlicher Mitarbeiter inne gehabt, mir geht es finanziell gut und durch viel Glück, durch Intelligenz und durch Fleiß bin ich nun finanziell gesehen nicht mehr arm. Ich sehe aber immer noch große Unterschiede im Verhalten zu meinen Kollegen, die normal aufgewachsen sind. Ich habe z.B. große Probleme in eine Gaststätte oder auch nur in einen Dönerladen essen zu gehen, da dass ja Geldverschwendung ist, und ich innerlich da eine Barriere habe, so viel Geld auszugeben. Nach außen lasse ich mir das nicht anmerken, damit ich sozial nicht auffalle. Auch wenn es um Urlaub geht, musste ich tatsächlich erst mal lernen, in den Urlaub zu fahren, und weit weg (z.B. Schweden, oder Griechenland, wie es einige Kollegen von mir machen) kann ich nicht, da ich wieder das innerliche Problem habe, Geld auszugeben. Ich bleibe daher bei Radtouren zum Zeltplatz, bzw. von Zeltplatz zu Zeltplatz. Zusammengefasst: Klar, der Kontostand kann sich erhöhen, aber eingeprägte Verhaltensweisen lösen sich nicht so schnell auf.

    Mir ist klar, dass im Vergleich zu Hautfarbe, dieses das wesentlich kleinere ist, aber existent trotzdem.

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    1. donot

      “Klar, der Kontostand kann sich erhöhen, aber eingeprägte Verhaltensweisen lösen sich nicht so schnell auf.”

      Bourdieu nennt das Habitus. Den wird man kaum los, egal wie viel ökonomisches Kapital man anhäuft.

      Meine “Laufbahn” ist übrigens sehr ähnlich und insb. das zum Geldausgeben und nicht auffallen Beschriebene geht mir ganz genau so. (Und ich wurde, lustigerweise, wegen Untergewicht ausgemustert; Essen war aber zum Glück immer genug da, daran lag es nicht. Ich hatte nur so keinen Hunger. 🙂 )

    2. David

      @donot

      „Bourdieu nennt das Habitus. Den wird man kaum los, egal wie viel ökonomisches Kapital man anhäuft.“

      Stimmt, ich meine mich an eine WRINT-Politikunterricht-Folge zu erinnern, in der das dran kam. Schön, wenn man Querverbindungen ziehen kann 🙂

  16. Nils

    Tolle Trollerei mit Tobis unendlichem Brotbackrezept, hat aber nicht geklappt, ich bin nicht wutschnaubend und trotzig davongestapft, sondern habe tapfer ohne Skippen zu Ende gehört. Nun ja, langweilig war’s trotzdem und das ist deine Schuld Holgi, denn Tobi wollte das ursprünglich gar nicht in epischer Breite erzählen, aber du hast ihn ja unbedingt dazu drängen müssen. Oh Mann, ich bin immer noch total sauer…
    Röschenhof! Himmelherrgottnochmal. Merkt euch das!

    Okay, das “hat aber nicht geklappt” war gelogen;)

    Antworten
    1. Hobi

      Das fand ich auch seltsam. Bei “Was fressen Wildschweine?” denkt man doch nicht an Schinken.

  17. UKSubss/Podseller

    Zu Tobys Twitterverdruss,

    mit FB hab ich schon vor Jahren abgeschlossen,
    in meiner Twitterapp schiebe ich den Schwachsinn direkt bei Seite.

    Warum..? Mir ging es vor ca. 5 Jahren genauso, die Tägliche Unmenschlichkeit, der Wahnsinn der in die Menschen immer mehr Einzug hält ist auf dauer nicht zu ertragen.

    Verstndissvoller Gruß:)

    Antworten
  18. rudi

    Hallo,
    Rassismus auf „Weiße“ zu beschränken wird dem Problem nicht gerecht. In Vietnam habe ich beobachten können wie sich Japaner den Vietnamesen gegenüber extrem herablassend verhalten haben. Mir wurde erklärt, dass sich Japaner als „Herrenrasse Asiens“ sehen. Diese eingebildete Überlegenheit ist auf andere Länder, Kulturen, Nationen, Religionen, Ideologien und ähnliches beliebig übertragbar und damit auch Rassismus. Auch, wenn es dafür andere Begriffe gibt, ist das Prinzip das Gleiche.
    Grundsätzlich geht es darum, dass die eingebildete Überlegenheit gegenüber „den Anderen“ in ein grundlegendes Weltbild gegossen wird. Wird dies breit, lang und tief genug gemacht, bildet sich der Rassismus in allen Systemen entsprechend aus. Durch die Verwendung ist er ähnlich unsichtbar wie das Bindemittel Zement im Beton. Was es natürlich erst ermöglicht ihn einfach zu ignorieren und nicht darüber zu sprechen. Und ähnlich der Analogie, fällt das Gedanken-Gebäude zusammen, sobald man den Zement entfernt.
    Begrenzt man Rassismus lediglich auf „Weiße“, so begrenzt man auch die Ausmaße des Problems.
    Mit Dank und Gruß
    rudi

    Antworten
  19. bcutter

    Also ich weiß ja nicht wem es in dieser ziemlich ernsthaften und im Rahmen der Möglichkeiten seriösen Episode noch aufgefallen ist, aber… ich finde ja die beiden haben diesmal ziemlichen Schweinskrams geredet! Ob den beiden das so bewusst war… 😂

    https://bit.ly/WRINT1094schweinkrams
    (Minute 57:18 bis 57:42)

    Und jetzt bitte Schluss mit dem Teig-Porn, wir teilen diesen Fetisch nicht haha 😉

    Antworten
  20. Frank Menzler

    1) Ist denn “Farbige” nicht eine 1:1 Übersetzung von “People of Color”?

    2) Ich glaube diese verkopfte Diskussion über POC; BPOC usw. usf. erreicht max. eine “Großstadtelite” und wird das Problem noch nicht mal ansatzweise mindern. Mit diesen Diskussionen braucht man ausserhalb bestimmter Blasen keiner alten Sau zu kommen. Hier auf dem Dorf würde ich für so eine Diskussion für verrückt erklärt. Ernsthaft (Auch wenn ich in der Theorie bei euch bin).

    Antworten
  21. Frank Menzler

    Ich möchte noch anmerken, dass ich eure Diskussion über Gaststätten und 5.- Euro für’s kleine Bier maximal dekadent empfand. In den Dorfkneipen, und Biergärten in denen sich zwischen 18.00 und 20.00 Uhr noch Anwohner treffen die einen Wirt über Wasser halten, friert die Hölle zu wenn der Preis für’s kleine Bier von 1.80 auf 1.90 erhöht wird!

    Und leider ist es auch so, dass eine Dorfkneipe für viele ältere Anwohner der letze verbliebene Treffpunkt zur sozialen Interaktion ist.

    Antworten
    1. der Holger

      perfekter Einwand:

      je nach Lebensumfeld sind Kneipenpreise durchaus unterschiedlich.
      in der Provinz erscheint schon 2,50 für ne Halbe (oder Weizen) als üppig.
      ein “kleines Bier” ist ja ne Halbe

      akzeptiert sind aber durchaus 3EUR – aber nur in der nahegelegenen Stadt.

  22. Frank Hillebrand

    Felix Ekardt ist wohl der einzige Professor ohne Smartphone und Führerschein und wäre sicherlich ein außerordentlicher Interviewpartner.

    Antworten
  23. Christian

    BPOC, weil: “DIE Schwarzen haben noch einmal eine eigene Kolonialgeschichte” ist doch wieder genauso rassistisch verallgemeinernd wie “DIE Asiaten können kein R aussprechen” und dergleichen. Dahinter verbirgt sich auch die verbreitete Ignoranz gegenüber der Völkervielfalt Afrikas. Es haben nicht alle afrikanischen Länder dieselbe Geschichte und auch nicht alle europäischen. Immer schon gab es sowohl in Afrika wie in Europa auch innerkontinentale Konflikte mit Siegern und Verlierern. Es ist viel zu platt, die vielen Jahrhunderte Weltgeschichte in “DIE Weißen haben DIE Schwarzen unterdrückt” zusammenzufassen. Die Realität ist viel komplexer, die Simplifizierung ihrerseits rassistisch. Es sind auch nicht alle afrikastämmigen US-Bürger Nachfahren von Sklaven, man denke beispielsweise an Barack Obama. Und der Sammelbegriff “POC” in seiner Rolle als Synonym für “nicht-weiß” faßt ja sogar nochmal viel mehr pauschal zusammen. Das ist das Gegenteil von differenziert, das ist primitive, entindividualisierendes Schubladenmentalität.

    Ich halte es nicht für sonderlich progressiv, die eigentlich bereits weitgehend überwundenen inhumanen Muster vergangener Jahrhunderte zu perpetuieren, um heutige Menschen mit neuerdachten Begriffen in veraltete Kategorien zu unterteilen. Allein schon, weil die “Rassen” sich schon seit vielen Generationen weltweit stark vermischen und ein Individuum so viele Abstammungen haben kann, daß es sich gar nicht klar zuordnen ließe. Wozu auch? Man will doch Rassismus hinter sich lassen, oder? Die ganze POC/BPOC/BIPOC-Begrifflichkeit ist in seinem Wesen Rassenkunde im Neusprech-Gewand (vielleicht nicht ursprünglich so gemeint, aber inzwischen andauernd so gebraucht). Eigentlich verdient sie, als mindestens genauso anstößig wahrgenommen zu werden wie “Neger” (dessen Nichtaussprache sogar in distanzierter Verwendung aus Zitathaltung an die Vermeidung der Aussprache von “Voldemort” erinnert). Die Verbrechen der Vergangenheit lassen sich nicht einfach wegkompensieren, indem man einen neuen Rassismus mit umgekehrtem Vorzeichen als vermeintliches Gegengewicht forciert, wie es aktuell leider zu beobachten ist. Jeder Rassismus ist scheiße. Man sollte auch von Begriffen wie “schwarz” und “weiß” weg, die klare Rassenzugehörigkeiten implizieren. Menschen können rothaarig, hellblond, dunkelblond sein, blaue oder grüne oder braune Augen haben und eben helle oder dunklere oder noch dunklere Haut haben. Die äußere Gestalt zu beschreiben kann nützlich sein. Einen Menschen durch seine Abstammung zu definieren ist ein Relikt aus den Zeiten der Herrschaft durch Adelsgeschlechter und sollte gemeinhin als unanständig gelten.

    Antworten
    1. holgi Beitragsautor

      Schon beeindruckend, wie viele Worte manche Leute machen, bloß um Anderen das Recht abzusprechen, so bezeichnet zu werden, wie sie es gerne wollen.

    2. Christian

      @holgi “bloß um Anderen das Recht abzusprechen, so bezeichnet zu werden, wie sie es gerne wollen.” Die Unterstellung, alle diejenigen, die andere als PoC klassifizieren, würden gerne so bezeichnet werden, ist wieder eine strukturell rassistische. Und es geht auch gar nicht darum, jemandem irgendein Recht abzusprechen. Es geht darum, ob die Etablierung solcher Begrifflichkeiten nicht vielleicht total kontraproduktiv ist.

  24. gueldi

    @Christian, Ich nehme mal an, du bist keine BIPOC Person. Schau dich doch bitte in sozialen Medien um, informiere dich über BIPOC Personen, höre Ihnen zu. Was gibt dir das Recht und die Kompetenz über die Bezeichnung von BIPOC Personen zu urteilen. Darüber solltest du dir Gedanken machen und dann deine eigene Priviligiertheit hinterfragen, die dich glauben macht dazu eine legitime „rationale“ Meinung aus einer strukturellen Rassismus ausübenden Gruppe heraus zu haben. Zu dem Thema, ob es eine allgemeine Bezeichnung braucht: Ja, Differenzierung bringt nur dann etwas, wenn es um spezielle Probleme einzelner Gruppen geht. Rassismus ist aber ein Erfahrung, die alle BIPOC teilen, deshalb ist es wichtig diese Gruppe so einzuordnen. Rassismus gegen Weiße ist nicht existent.

    Antworten
    1. Christian

      @gueldi Wer gibt denn _überhaupt_ irgendeiner Person das Recht, solche Begriffe als die von nun an einzig würdevollen vorzuschreiben? Daß man jetzt BIPOC genannt werden müsse, ist nicht demokratisch von allen BIPOC beschlossen worden. So zu tun, als müßten die natürlich alle einer Meinung sein und sich diese Bezeichnung wünschen, ist genau die pauschalisierende, entindividualisierende Denke, die Grundlage des Rassismus ist.

      Es sollte völlig egal sein, ob ich ein BIPOC bin oder nicht. In einer rassismusfreien Ordnung hat _jeder_ das Recht, darüber mitzudiskutieren. Rassismus ist eine Erfahrung, die _jeden_ Menschen treffen kann. Die Behauptung, Rassismus gegen Weiße gebe es nicht, ist offenkundig selbst rassistisch. Es gibt unterschiedliche Gestalten von Rassismen. Wer nur “weiß diskriminiert schwarz” erkennt, betrachtet nur eine davon. Es sind auch Situation, Kontext, Soziotop zu bedenken. Wer äußere Merkmale einer Gruppe aufweist, die unterm Strich global weltgeschichtlich eher zu den Tätern des Rassismus gehört, kann in einer für ihn sehr relevanten persönlichen Situation in seinem eigenene Umfeld dennoch ein Opfer von Rassismus sein.

      @holgi Produktiver wäre, nicht die verschiedensten Abstammungen wieder mit einem an Hautfarbe orientierten Begriff in einen Topf zu werden und gleichzeitig noch zu implizieren, diese Abstammung definiere Menschen mehr als alles andere, denn das ist genau die weiß-kolonialistische Perspektive, die doch als unwürdig erkannt wird. Wie du schon im Podcast sagst, ist es weiß-normativ. Indem man so eine Kategorie als den neuen korrekten Begriff für all die Menschen, die sich damit kategorisieren lassen, in die Alltagssprache einführt, wird genau jenes Kategorisierungskriterium gefestigt, das überwunden werden soll. Produktiver wäre, Menschen nur nach individuellen Merkmalen einzuordnen, die wirklich als relevant gelten sollen. Produktiver wäre, vom Kurbeln an der Euphemismus-Tretmühle wegzukommen, Rassismen nicht gegeneinander aufzurechnen, nicht Bußrituale zu zelebrieren, sondern zukunftsgewandt — also wahrhaft progressiv — den rassismusfreien Umgang wirklich zu praktizieren, auch sprachlich.

    2. holgi Beitragsautor

      “Es sollte völlig egal sein, ob ich ein BIPOC bin oder nicht”

      Wenn die Gesellschaft irgendwann mal an diesem Punkt angekommen ist, mag sogar sinnvoll sein, was Du schreibst. Bis dahin gibt es aber gesellschaftliche Gruppen, die sehr klar nach Hautfarben und daraus erwachsenden Privilegien strukturell zu unterscheiden sind. Und wie diese Unterschiede benannt werden (sollen), wird halt gerade diskutiert – übrigens durchaus auch intersektional, wie Du am Begriff “BIPoC” auch gut erkennen kannst.

      Es ist übrigens dein gutes Recht, dich dieser Diskussion zu verweigern, genauso wie es dein gutes Recht ist, die Weiterentwicklung deiner Sprache zu verweigern. Das allerdings mit wahlweise unerfüllbaren Voraussetzungen (demokratische Legitimation von Begriffen) oder Ablenkungen (Rassismus gegen Weiße) zu begründen, lässt mich vermuten, dass Du noch nicht verstanden hast, was struktureller Rassismus ist. Ich empfehle dir die Lektüre von Tupoka Ogettes “Exit Racism”. Das ist sehr niederschwellig und aufgebaut wie ein Workshop, so dass man was dazulernen kann, egal auf welchem Stand der Debatte man einsteigt. Unterhalb des Kenntnisstands, den dieses Buch vermittelt, sollte man 2020 nicht mehr diskutieren müssen.

    3. Christian

      Hier nochmal ein Artikel auf WIRED über den Begriff “People of Color”, dessen Kritik ich teile:

      https://www.wired.com/story/rethinking-phrase-people-of-color/

      @holgi: Die Empfehlung von Tupoka Ogettes “Exit Racism” findet meine Zustimmung, da sie darin eine bestimmte Sichtweise gut wiedergibt. Es ist ein wertvoller Diskursbeitrag. Das weiße Erbschuld-Dogma, das sie darin ausbreitet, ist aber wirklich äußerst diskussionsbedürftig. Das Erweckungserlebnis, das man als “Weißer” nach Erwartung der Autorin haben sollte, hat sich bei mir persönlich nicht so eingestellt, ich war bereits vorher gut aufgeklärt über das Thema (ich hab in meiner Jugend viel Public Enemy gehört und mich daher schon seit langem dafür interessiert). Ich bin als Erwachsener nie in der “Happyland”-Traumblase gewesen.

    4. holgi Beitragsautor

      “Ich bin als Erwachsener nie in der “Happyland”-Traumblase gewesen.”

      Ich würde fast wetten, dass Du das trotzdem bist. Mein aktuellstes Beispiel ist die Erkenntnis, dass es bei DM Ladendetektive gibt. Das hätte ich im Leben nicht mitbekommen, wenn nicht eine Schwarze davon erzählt hätte, wie sie immer von denen verfolgt wird. Ich bin sicher, dass es etliche ähnliche Zusammenhänge gibt, die wir als Weiße schlicht nicht mitbekommen. Finde ich auch erstmal nicht problematisch – so lange wir nicht aufhören, uns einzubilden, wir hätten alles durchblickt (was mir auch immer wieder passiert).

  25. Nils

    Finde ich wirklich schön, dass du das Smartphone Thema hier noch einmal aufgreifst. Bis ende letzten Jahres gehörte ich zu denen, die sich kein Smartphone leisten konnte. Ich habe meins von dem Lebensgefährten meiner Mutter geschenkt bekommen.

    Was meine Wohnungseinrichtung angeht hatte ich das Glück, dass grundlegende Dinge wie Kühlschrank & Herd bereits vorhanden waren, ansonsten hätte ich sowas auch nicht.

    Um mal ein Beispiel zu nennen: Ich sitze als H4 Empgänger immer noch auf einer Rechnung von 100 € da ich letztes Jahr auf Grund einer Lungen & Rippenfehlentzündung im Krankenhaus lag.

    Ich möchte hier in der Kommentarspalte nicht zu sehr auf meine persönlichen Probleme eingehen, nur soviel sei gesagt: Ich bin durch Depression in diese Lage geraten (wobei das die Situation sehr simplifiziert), sitze auf einen Haufen Schulden da ich z.T. nicht in der Lage bin an den Briefkasten zu gehen. Das ganze beim Jobcenter zu verargumentieren ist ebenfalls nicht leicht. Ich habe das Glück, dass ich mich einigermaßen gut ausdrücken kann und nun im sog. Fallmanagement bin.

    An einer Beleuchtung der “Randgesellschaft” bin ich sehr interessiert und nicht nur wegen meiner eigenen Situation. Meiner Meinung nach gibt es darüber viel zu wenig Berichterstattung.

    Falls das hier gelesen wird bedanke ich mich für die Aufmerksamkeit.

    Liebe Grüße

    Antworten
  26. Clemens

    Ich hab mich schon so sehr an den Begriff »Amazon-Nazis« gewöhnt, dass ich diesen nunmehr um den Begriff »affiliate« zu »Affiliate-Amazon-Nazis« erweitert hab.

    Dieser Bezo lässt doch angeblich neuwertige Kühlschränke verschrotten, nur weil sie ausgepackt retourniert wurden. Die Zusammenhänge sind glaskalr …

    Antworten
    1. Michael Beer

      Hallo Holgi,

      was ich damit sagen will, ist, dass ich eine deiner Aussagen nicht verstehe:
      Kurz nach Minute 25 sagst du “Wenn ich das richtig verstanden habe, gibt es dieses Problem nur in weissen Gesellschaften” und soweit ich verstehe, beziehst du dich da auf Rassismus?

      Tobi wirft auch direkt ein: “Und was ist mit Indien?” Allerdings gehst du da nicht drauf ein, deswegen bleibt unklar, was du damit eigentlich meinst.

      Japan ist halt ein Beispiel, dass mir als ziemlich rassistische (vielleicht nennt man das dann anders? Natürlich sind nicht alle Japaner Rassisten ) , nicht-weisse Gesellschaft sofort eingefallen war.

    2. holgi Beitragsautor

      Das scheint sich auf den Begriff “PoC” zu beziehen. Den habe ich noch nicht in Zusammenhang mit Rassismus von PoC gegen PoC gesehen.

  27. Frank

    Hallo,

    ich möchte das Thema Kühlschrank noch mal aus einer anderen Perspektive beleuchten – und zwar aus meiner Sicht.
    Ich bin vor nunmehr jetzt doch exakt 10 Jahren in meine jetzige 1-Raumwohnung gezogen, in der ich auch alleine lebe. Da ich aus einem davor möblierten Wohnverhältnis auszog, besaß ich neben den Möbeln auch keinen eigenen Kühlschrank. Ich hatte zwar einen zur alleinigen Nutzung, er war aber dennoch nicht mein Eigentum. Ich hatte aber Glück dass die Vormieterin meiner jetzigen Wohnung von unmöbliert in ein bereits möbliertes Wohnverhältnis gezogen ist, so dass ich einen Teil ihrer Einrichtung gegen einen Abstand konnte. Dazu zählte auch ein durchschnittlicher Kühlschrank der etwa 135 Zentimeter hoch ist und für fünf Fächer ausgelegt ist. 2 als Tiefkühlschrank und 3 normale mit Gemüsefach etc.

    Im Februar 2015 habe ich eine insgesamt 3-jährige berufliche Rehamaßnahme im Raum Regensburg begonnen, wo ich finanziert durch meinem Kostenträger auch internatsmäßig am Schulcampus untergebracht und versorgt war. Für meine Wohnung hier in Frankfurt hätte es kein Sinn ergeben diese aufzugeben, denn ich bekam vom Kostenträger auch ein an meinem letzten Verdienst bemessenes Übergangsgeld. – Wo hätte ich auch hin gekonnt mit meinem Hausstand.? Einige Tage bevor ich den Vorkurs begonnen hatte, habe ich damals den Kühlschrank ausgeschaltet und das Gefrierfach abgetaut und dabei festgestellt, dass ehe fast keine Lebensmittel ich zum Kühlen in dem Kühlschrank war und ich auch nicht benötigte. Ich muss aber auch dazu sagen, dass ich sowieso kein großer Koch bin und Kochen allgemein mir auch keinen Spaß bereitet. Es erschien mir dadurch sowieso am sinnvollsten, dass wenn ich nur 5 Wochen im Jahr durch die Ferien in Frankfurt zu Hause bin, die restlichen 46 Wochen des Jahres ohne Anwesenheit der Kühlschrank nicht betrieben werden muss. Als ich nach den 3 Jahren fertig war mit meiner Umschulung, kam mir die Erinnerung des nahezu leeren Kühlschranks von davor zurück ins Bewusstsein und habe dann beschlossen, dass ich ja gar keinen Kühlschrank benötige. in meinen Jobs der letzten 2,5 Jahren habe ich immer die Möglichkeit gehabt, in einem Betriebsrestaurant eine einigermaßen vernünftig gesunde und warme Mahlzeit zu mir zu nehmen. Ich lebe im Frankfurter Stadtgebiet, wo ich in wenigen Minuten Fußweg diverse Supermärkte erreiche, wo ich mir immer stets frische Lebensmittel kaufen kann. – An Ende habe ich für mich alleine unnötige Energiekosten für die Möglichkeit zum Kühlen von frischen Lebensmitteln zu denen ich sowieso jederzeit Zugang habe. Wenn ich es möchte und ich Appetit habe, greife ich eben jeden Tag in die Kühltruhen und Kühlschränke der Supermärkte.

    Ähnlich verhält es sich bei mir auch bei den Kosten für das Festnetz-Internet. Mit Beginn meiner Umschulung hatte ich meinen Unitymedie Kabelvertrag zeitnah gekündigt. Abschaltung war dann im Herbst 2015. Für die 3 Jahre vor Beginn der beruflichen Reha war mir der 100 Mbit-Kabelanschluss zu Hause sehr wichtig. Denn in der Zeit davor war ich “Hobby-IT’ler”. Danach habe ich einen IHK-Abschluss in dem Bereich gemacht und bin nun beruflich IT’ler. Mit meinem Smartphone-Mobilvertrag komme ich inzwischen schon sehr weit.: E-Mails, Online-Banking, die wichtigsten Podcasts lassen sich mit 7 Gigabyte bestreiten. Für alles andere gibt es beispielsweise die Stadtbibliothek oder dem heimischen Hackerspace. Das permanente lesen des Twitter-Feed ist für mich verschwendete Zeit. – Wobei hier muss ich ehrlicherweise gestehen, dass monatlich Internetkosten für 2 eigene Server mit Domains bei zusätzlich anfallen. Außerdem komme ich durch die derzeitigen Pandemiemaßnahmen mit dem beschriebenen Internetmöglichkeiten an meine Grenzen. Meine eigenen IT-Hobby-Projekte musste ich wegen der Kontaktbeschränkungen auf Eis legen. Durch die selbige Krise habe ich aber auch mehr Stress und Aufgaben auf meiner Arbeit, wo ich dann weit über 8 Stunden am Tag vor dem Bildschirm sitze.

    Antworten
    1. Frank

      Kurzer Nachtrag:
      Ich werde meinen Kühlschrank erst dann wieder einschalten, wenn ich wieder Medikamente einnehmen muss, die nur in einem Kühlschrank gelagert werden dürfen.

    2. der Holger

      hmm?

      viel wichtiger als Kühlschrank (der ist in der Küche) ist die Gefriertruhe (die ist im Keller)

      gerade grosse Mengen Fleischprodukte (Metzger hat ja spontan je nach Wochentag immer anderes in grossen Mindestmengen verfügbar) oder bei selbstgeernteten Gemüse/Beeren/…müssen ja gefroren aufbewahrt werden. Nicht alles geht da (Kraut und Kartoffel usw. darf nicht gefroren werden)

      wenn ich unter Zwang wählen müsste : da fällt die Entscheidung zuerst auf Gefriertruhe und dann auf Kühlschrank.

  28. Norbert Schrank

    Hallo Holgi, hallo Toby,

    kleine Geschichte zum Rassismus auch in nichtweißen Gesellschaften: Eine töchterliche Freundin aus Indien wollte in Thailand einreisen. Eine chinesische Familie musste irgendwie länger warten und hat sich lautstark darüber aufgeregt, dass dieses “braune Weib” vor ihnen dran kam.
    Die Menschheit hat wohl insgesamt noch einen langen weg vor sich, auch wenn wir Weißbrote noch eine Extra-Meile gehen müssen.

    Gruß aus Ingolstadt
    Norbert

    Antworten
  29. Steve

    Zum Thema Smartphone:
    Meine Schwiegergroßeltern (beide um die 80 und damit Risikogruppe) Wohnen in nem Dorf im Erzgebirge. Der lokale Supermarkt ist auch in ihrem Tempo in maximal 5 min zu erreichen und der kleine Schrebergarten in 10-15 min. Sie haben zusammen ein “Seniorenhandy”, so nen Klapphandy mit Prepaid aber ohne Datenvolumen und auch zu Hause ohne Internet, um im Notfall von unterwegs wen anzurufen.
    Es würde nichts bringen, denen ein Smartphone zu besorgen, weil schon das jetzige, wenn es mal vergessen wurde aufzuladen, das Problem bringt “Komm mal vorbei, das Handy ist schon wieder aus”. Auch würde das mangels Zugang zu Internet (natürlich hat der lokale Supermark/Bäcker/Geschäft generell kein kostenloses WLAN -Neuland lässt grüßen-) nicht die empfangenen Codes überprüfen können.
    Daher bin ich da nicht ganz bei dir mit der App-Pflicht: Wir sollten doch eigentlich schlau genug sein, als Gesellschaft die App freiwillig zu benutzen um dann ähnlich wie beim Impfen, Leute die aus vernünftigen Gründen (nicht “brauche ein Statussymbol nicht”) kein Smartphone haben auch mit zu schützen.

    Grüße aus Freiberg
    Steve

    Antworten
  30. hellcow

    Hallo,
    nur kurz zu der Sache mit der Corona-App und Handy-Besitz: Ich sollte die App auf Mutters Telefon installieren – ein iPhone 6Plus – ging nicht.
    Glaube das Gerät ist 5? Jahre alt und seit 3-4 in ihrem Besitz, also irgendwie fühlen sich die Hürden bei dem App-Schutz-System mitzumachen sehr hoch an und ich weiß nichts kluges mehr :/

    Antworten
  31. Herbert

    Die Diskussion um die Verbindlichkeit der App, deren Zugänglichkeit (Nutzungsfähigkeit), den Besuch von Gaststätten, sonstiger Veranstaltungen sowie deren Preiserhöhung und den damit verbunden Ausschluss Mancher, lässt sich mit dem Begriff soziale Teilhabe zusammenfassen. Diese wird / hat sich durch die Corna-Kriese für einen größeren Teil der Gesellschaft als bisher verringert. Deswegen bin ich gespannt wie diesem Thema in nächster Zeit weiter begegnet wird.

    Antworten
  32. wolfgang

    eigentlich wollte ich im PLÖTZLICH BÄCKER podcast kommentieren, da ist die kommentarfunktion deaktiviert, aber vielleicht ist das ja auch hier interessant, da toby auch hier über‘s brotbacken spricht. in der sf-sourdough folge kam die frage auf, welche alternative es für die dampfstoß-apparatur gibt. da ich mir die angebotenen geräte nicht leisten kann, baute ich mir eine eigene vorrichtung. eine längliche weißblechdose, je größer um so besser. in diese füllte ich statt der edelstahlkugeln gereinigten aquariumkies (bekommt man beim tierbedarf), das ergibt auch eine ausreichend große oberfläche. den deckel der dose durchlöcherte ich im hinteren drittel, damit sich der dampfstoß möglichst von hinten ausbreitet und nicht gleich vorn entweicht. vorn im deckel, ein größeres loch, damit ich mit einer großen spritze das wasser schnell einfüllen kann.
    noch ein tipp: mein ofen hat eine abluftöffnung and der ofenrückwand. damit auch dort der dampf nicht zu schnell entweicht, habe ich mit einer großen unterlegscheibe und schraube mit großem kopf, ein art stopfen zum schließen eingesetzt. um später den dampf abzulassen, kurz einen spalt die ofentür öffnen. ich backe seit ca. 5 jahren brot und diese methode hat sich ganz gut bewährt.
    viele grüße und danke für eure podcasts, wolfgang

    Antworten
  33. Sascha

    Bzgl. Jäger und 1 km Abstand zu Siedlungen halten. Ich weiß nicht womit der entsprechende Jäger schießen würde (bei Wildschweinen nimmt man aber wohl ein größeres Kaliber), aber ist ist so, dass etwa das alte G3 der Bundeswehr die Patrone 7,62x51mm verwendet hat. Diese basiert auf der .308 Winchester, die in den 50ern durchaus für die kommerzielle Jagd vertrieben wurde. In ihrer militärischen Variante wird gesagt, dass die Patrone einen “dangerous space” von über 4 Kilometern hat (u.a. deshalb müssen die Schießstände und Übungsplätze des Militärs entsprechend groß sein).

    Die zivile Patrone unterscheidet sich zwar geringfügig von der militärischen Variante, aber auch die wird nicht entscheidend weniger gefährlich sein. So eine Kugel fliegt halt sehr lange und ist somit auch noch über weite Strecken gefährlich – auch bei kleineren Kalibern. Die Chance, das eine verirrte Kugel also Schaden an Personen oder Sachgegenständen anrichtet ist somit nicht null – selbst wenn der Jäger nicht absichtlich in eine entsprechende Richtung zielt.

    Antworten
    1. holgi Beitragsautor

      Jau, alleine Kleinkaliber hat schon einen Gefährdungsbereich von 1.500 Metern.

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