7 Gedanken zu „Teilzeit, Zölle, State Capacity, Krieg

  1. Nils

    Hey, danke für den Podcast, aber natürlich kommentiere ich nicht nur um Danke zu sagen, obwohl das eigentlich Grund genug sein sollte. Ich habe mich an einem Nebensatz gestört (Klassiker) und zwar ganz am Anfang die Sache mit dem kommunistischen Quatsch.
    Ist der Kommunismus denn so offensichtlicher Quatsch? Ich fände es interessant mal zu hören, was Volkswirtschaftslehrende von Marx’ Ideen halten. Mein Eindruck von außen ist, das Marx nur noch in Soziologie und Philosophie behandelt wird. Liegt das nur an diesem quantitativen Modellierungsfokus in der modernen VWL oder gibt es da auch inhaltliche Gründe?

    Antworten
    1. aeiou

      Bei der Aussage habe ich auch kurz gezuckt.

      Ich finde, Rüdiger Bachmann gibt sich ja schon Mühe, das neoliberale Cliché seines Fachs nicht ganz so deutlich rauszukehren, aber am Ende des Tages ist eher dann halt doch immer noch ein in den USA lehrender VWL-Professor, an dem die „Doppelte Belastung“ aus kulturell-tief verankerter Red-Scare und Prägung durch den fachlichen Mainstream nicht ganz vorbei geht 🙂 Das thematisieren von Machstrukturen als „kommunistischen Quatsch“ zu bezeichnen ist aber, mit Verlaub, so pauschal auch „Quatsch“. War vielleicht an der Stelle auch nur „Geplänkel“ unter Freunden.

      Jedenfalls: Erstens Kommunismus ist nicht gleich Marxismus. Und zweites: Ja, es gibt auch VWL-er die mindestens teilweise vom Marxismus beeinflusst sind (bekanntes Beispiel: Yanis Varoufakis). In der VWL läuft das m.W.n. unter dem Oberbegriff „Heterodoxe Ökonomie“ (in Opposition zum Mainstream, den die beiden im Podcast vertreten), was auch mal in einer der ersten Folgen der Wirtschaftskunde (glaube, in der zweiten) kurz thematisiert wurde.

      Antworten
  2. dnns01

    Ich finde es sehr schade, dass das Thema der Teilzeit ähnlich einseitig diskutiert wurde, wie es schon von Seiten der Union aufgeworfen wurde und zwar vor dem Hintergrund, dass diejenigen, die in Teilzeit arbeiten, dies freiwillig tun, weil sie nicht mehr arbeiten wollen. Wie hoch ist denn der Anteil derer, die unfreiwillig in Teilzeit sind und eigentlich mehr arbeiten wollten, aber nicht können, weil sie Kinder zu betreuen oder Angehörige zu pflegen haben. Oder die in Teilzeit arbeiten, weil sie keine Vollzeit Stelle bekommen? Wäre es vielleicht auch volkswirtschaftlich betrachtet von Vorteil entsprechende Maßnahmen zu treffen, die dafür sorgen, dass diese Menschen in Vollzeit arbeiten könnten? Ich hätte mir gewünscht, wenn diese Aspekte ebenfalls betrachtet worden wären.

    Antworten
  3. Peter

    Muss mich da auch dnns01 anschließen: Fand es bisschen schade, dass ihr nicht auf die Frage eingegangen seid, ob denn überhaupt mehr Arbeitsstunden möglich sind?

    Als Elternteil einer Familie mit kleinen Kindern sehe ich einfach nicht, dass man als Paar mehr als 60h/Woche arbeiten kann, ohne dass darunter Eltern und Kinder leiden. Natürlich kann ich meine Kinder von 8h-17h betreuen lassen. Aber ich WILL das einfach nicht. Da verzichte ich lieber auf Gehalt, Urlaub und Wohlstand. Die Kinder sind nur einmal klein. Ich lebe auch nur einmal.

    Ich würde sogar behaupten, dass eher die fehlenden Teilzeitmöglichkeiten für Väter das Problem sind: Wir haben immer noch das Muster, dass der Vater voll und die Mutter in Teilzeit arbeitet. Meistens bedeutet das einen 40/20-Split. Dabei wäre vermutlich für beide Elternteile, die Arbeitgeber und die Wirtschaft ein 30/30-Split viel sinnvoller. Die Mütter könnten anspruchsvoller Aufgaben im Beruf übernehmen und später auch leichter aus der Teilzeitfalle entkommen. Für die Väter würde es eine deutliche Steigerung der Lebensqualität bedeuten, wenn sie aus der Ernährerfalle entkommen.

    Eigentlich win-win für alle. Nur für so Anzugaffen wie Merz halt nicht.

    Ich fand auch, dass ihr euch da viel zu sehr von dem Spin der CDU habt einfangen lassen.

    Antworten
    1. holgi Beitragsautor

      Selbstverständlich sind die möglich. Du machst da einen Pars-pro-toto-Fehlschluss. Auch viele Einzelfälle taugen nicht, eine ganze Population zu beschreiben.

      Antworten
  4. Elena

    Hallo! Erstmal danke für den Podcast, insgesamt sehr interessant.

    Das Thema Teilzeit wurde meiner Meinung nach aber leider ein bisschen einseitig behandelt, insbesondere was den Aspekt als Kontrollinstrument angeht. Damit meine ich nicht unbedingt den Aspekt, dass Arbeitgeber damit weniger Kontrolle über ihre Arbeitnehmer haben, sondern dass hier indirekt Frauen ein Stück Unabhängigkeit genommen wird.
    Nach Zahlen des Statistischen Bundesamts arbeiten 49% der erwerbstätigen Frauen in Teilzeit. Mein Verständnis ist, dass der Grund hier für oft Kinderbetreuung, Altenpflege und das Führen des Haushalts sind (ist doof, dass es so ist, aber ist aber halt oft noch so). Eine Vollzeitstelle käme also für viele nicht in Frage. Mit einem Abschaffen der Teilzeit könnte es also passieren, dass Frauen hier aus dem Berufsleben gedrängt würden und sie damit ein Stück finanzielle Unabhängigkeit verlieren.
    Ich meine mich auch erinnern zu können, dass die Heritage Foundation Vorschläge hatte, durch selektive Anforderungen für Sozialleistungen ähnliche Ziele zu erreichen, allerdings kann ich gerade keine Quelle dazu finden.

    Auch das Framing, dass wir in Deutschland weniger arbeiten, finde ich problematisch. Wir haben zwar eine niedrigere durchschnittliche Wochenarbeitszeit (von Erwerbstätigen) als der europäische Durchschnitt, haben dafür aber eine höhere Erwerbstätigenquote. Ich konnte dazu leider keine Zahlen des selben Jahres finden, aber hier sind Quellen für 2024 und 2025:
    https://www.destatis.de/DE/Themen/Arbeit/Arbeitsmarkt/Qualitaet-Arbeit/Dimension-3/woechentliche-arbeitszeitl.html
    https://de.statista.com/statistik/daten/studie/249125/umfrage/erwerbstaetigenquote-in-den-eu-laendern/
    Multipliziert man die durchschnittliche Wochenarbeitszeit (von Erwerbstätigen) der Erwerbstätigenquote sollte man ja auf eine durchschnittliche Wochenarbeitszeit der Erwerbsfähigen kommen, und da lägen wir etwas über dem europäischen Durchschnitt.

    Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert