WR1209 Bargeld ist eine Blase (Staatsschulden auch)

 

Mit Rüdiger Bachmann und Christan Bayer.

Diesmal mäandrieren wir uns vom Sachverständigenrat (ja, schonwieder, aus aktuellem Anlass) über Ordoliberalismus zu Blasen zu EZB-Konten für Privatleute, schauen auf den American Rescue Plan Act und Popeln für die Klassenkasse.

5 Gedanken zu „WR1209 Bargeld ist eine Blase (Staatsschulden auch)

  1. Franz Münchinger

    Warum genau ist denn der Wert von Gold nicht auch ein soziales Konstrukt? Vor allem im Vergleich zum Apfelbaum oder zur Wohnung?

    Liegt das nur an der Seltenheit bzw. dem Aufwand daran zu kommen oder dem tatsächlichen Nutzen z.B. für bestimmte industrielle Anwendungen?

    Oder ist es eine Hybrid aus beiden?

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    1. Stephan Rauh

      Interessante Frage. Über Jahrtausende wurde Gold zur Absicherung von Währungen verwendet. Und solange das so war, konnte man im Grunde genommen nichts Sinnvolles mit Gold anfangen. Die einzige Anwendung war die Verarbeitung zu Schmuck. Das hat ausgereicht, um eine sehr stabile Nachfrage nach Gold zu generieren – aber prinzipiell spricht nichts dagegen, dass Goldschmuck irgendwann aus der Mode kommt, und das macht deutlich, dass es sich um ein überwiegend soziales Konstrukt handelt.

      Das wird in der Statistik über die Goldnachfrage sehr deutlich (https://de.wikipedia.org/wiki/Gold/Tabellen_und_Grafiken?section=9#Angebot_und_Nachfrage). In den letzten 20 Jahren ist der Verbrauch von Gold in der Schmuckindustrie um 30% zurückgegangen.

      Der fundamentale Wert von Gold dürfte sich auf die Verwendung in der Industrie beschränken. Das sind gerade einmal 10% der jährlichen Goldnachfrage. Würden Investoren und Zentralbanken aufhören, Gold zu horten, fiele – wenn ich die Zahlen richtig interpretiere – fast die Hälfte der Nachfrage weg, und der Goldpreis würde dramatisch fallen.

      Dass es sich eher um ein soziales Konstrukt handelt, wird ja auch an den Kapriolen des Goldpreises deutlich: bei Krisen steigt der Goldpreis, oft um ein Mehrfaches, nur um nach der Krise wieder zu fallen.

      Bemerkenswert ist, dass während der ganzen Zeit, als es keine industriellen Anwendungen für Gold gab, niemand in Zweifel gezogen hat, dass Gold wertvoll ist. Die industriellen Anwendungen kamen – wenn man von Goldzähnen absieht – erst nach richtig in Fahrt, nachdem die Goldpreisbindung der Währungen aufgegeben wurden.

  2. jan

    Lars Feld ist u.a. Mitglied in der marktesoterischen Mont Pelerin Society und in der INSM.
    Hauptaufgabe dieses Netztwerkes ist der Kamf gegen den Sozialstaat und die Gewerkschaften.
    Neoliberaler und marktfundamentalistischer geht es garnicht.
    Er hat vorhergesagt das es nach Einführung des Mindestlohnes zu massiven Arbeitsplatzverlusten kommt.
    Die ersten Mitglieder der Mont Pelerin Society haben sich übrigens selbst den namen Neoliberale gegeben.

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  3. Maurice

    Musste jetzt einfach mal kommentieren: Ich habe sehr sehr viel Spaß an diesem Format!
    Freue mich immer schon, wenn ich nur sehe, dass eine neue Folge draußen ist.

    Bitte weitermachen! 😀

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  4. maggus

    Bis jetzt die beste Sendung. Beim Punkt Neoliberalismus sind allerdings Zweifel angebracht. Neoliberalismus war lange – wie jan schon kommentierte – eine Eigenbezeichnung und Kampfbegriff seit den 1930er Jahren. Gleichzeitig aber auch Wirtschaftstheorie, Weltanschauung, politische Theorie, Machtnetzwerk, Lobby, Wirtschaftspolitik etc. bis zum heutigen Tag und durchaus heterogen. Ab den 90er Jahren hat das die Forschung verstärkt herausgearbeitet. Weil das nicht selten in kritischer Absicht geschah, wurde der Begriff zum Allerweltskampfbegriff, das ist wohl richtig. Bis heute gibt es aber produktive wissenschafltiche Studien zu dem Begriff/Konzept, wie aktuell z.B. “Die politische Theorie des Neoliberalismus” von Thomas Biebricher aber auch wirtschaftwissenschafliche Untersuchungen zu neoliberaler Krisenregulation seit der Krise 2008. Nur weil ein Begriff auch als Kampfbegriff verwendet wird heißt das noch lange nicht, dass wir ihn nicht in der Wisschenschaft und anderen Dikussionszusammenhängen verwenden sollten. Mit dem Argument könnten wir auch einfach den Begriff Marxismus aus der Geschichte des 19. und des 20. Jahrhunderts streichen. Der ist zumindest toter als als der Neoliberalismus.

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