WR1184 Ein CEA für Deutschland

 

Mit Rüdiger Bachmann und Christan Bayer. Darin: Impfstoffeinkauf als europatriotische Aufgabe – Die heißlaufende US-Wirtschaft und die alten Gesetze der Ökonomie – Was von Joe Biden ökomonisch zu erwarten ist – Ein Council of Economic Advisers für Deutschland – Eine Hörerfrage zu Superreichen.

39 Gedanken zu „WR1184 Ein CEA für Deutschland

  1. Hannes

    Zwei Anmerkungen zu der Aussage dass Deutschland sogar die USA bei den Coronatoten proportional überholt.
    1.) Das Durchschnittsalter in den USA ist geringer als in Deutschland. Das müsste man neben der Bevölkerungsgröße mit einbeziehen.
    2.) Die Corona-Politik in den USA hängt in der Realität viel weniger am Präsidenten als wahrgenommen. Vieles wird auf Staatsebene entschieden

    Deswegen würde ich argumentieren, dass die alterskorrigierte Infektionssterblichkeit in beiden Ländern am Ende etwa gleich sein dürfte. Außerdem denke ich dass der Einfluss der Politik dabei geringer ist als man annimmt. Wenn dann kommt es insgesamt wahrscheinlich auf Grundsatzentscheidungen wie “wir ersticken es von Anfang an im Keim” oder “wir finden einen Umgang damit” an. Und dabei haben die USA und Deutschland den gleichen Weg gewählt.

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    1. Dr. Thomas Uttich

      Hallo,

      Der Fakt stimmt leider nicht. Hier hat Holger vertan. Ihr könnt Euch Ländervergleiche sehr gut auf:
      https://ourworldindata.org/coronavirus visualisieren.
      Gemäß dieser Quelle sind Stand 27. Januar 2021 in den USA 1284/Millionen Menschen an Corona gestorben in Deutschland 639/Millionen.

      Liebe Grüße
      Thomas

    2. David

      Ich glaube das ist ein Zeitfenster-Problem.
      Wenn wir uns nur auf die 2. Welle ab einem bestimmten Zeitpunkt konzentrieren, liegen wir gleichauf, auf die Bevölkerungszahl hoch/runter gerechnet.

      In der Gesamtsumme seit Anfang an aber nicht. Da ist USA doppelt so hoch. aber in der gleichen Liga wie Spanien, Italien, UK, Frankreich…
      https://www.worldometers.info/coronavirus/#countries
      Hier kann man ja nach Death/1M sortieren…

  2. Marcel

    Danke für die Sendung.
    Die Gedanken zu Milliardären fand ich erstmal einleuchtend.

    Interessant war aber, dass viele der Rechtfertigungen, warum jemand mehr Geld verdient auch auf Altenpfleger zutreffen:
    – Verbringt viel Zeit für den Beruf: Check. Bis zu 12-Tage am Stück mit Wechsel-/Wochenendschichten und vielen Überstunden.
    – Bringen Mehrwert für Gesellschaft, über das eigene Leben hinaus: Check. Je Schicht direkt für bis zu 15 Leute + Angehörige. Die Betreuung der Alten allein durch Angehörige würde die Wirtschaft auch massiv bremsen.
    – Trägt Verantwortung: Check. Pro Schicht für bis zu 15 Leuten. Teilweise mit Leben-oder-Tod-Entscheidungen.
    – Hohes persönliches Risiko: Check. Der Rücken und die Psyche hält das oft nicht bis 67 aus.

    Die Pflegenden hätten sich auch einfachere Berufe suchen können.
    Was übersehe ich?

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    1. Axel

      Ein Argument von Frank Knight, welches in der Sendung nicht angesprochen wurde: es gibt einen Unterschied zwischen Risiken und Unsicherheiten (uncertainty). Systematische Risiken werden eingepreist, können aber einberechnet werden. Unsicherheiten sind Risiken, die schwer einzuschätzen sind. Das sind die Branchen wo man nicht weiß, wie groß die Wahrscheinlichkeit ist, dass sie eintreten. Deswegen werfen neuartige Biotechnologien mehr Gewinne ab als Versicherungen ab, obwohl beide mit Unsicherheiten arbeiten.

    2. Martino

      Du übersiehst das wesentliche Argument:

      Altenpfleger sind Angestellte in einer sicheren Branche.
      Das Argument lautet jedoch, dass man die Aussicht auf (extrem) hohe Einkommen erhalten muss, wenn man Menschen dazu bringen will, in riskanten Branchen ein Unternehmen aufzubauen.

      oder anderes gesagt: Für Marc Zuckerberg hat sich die Entwicklung seines Social Networks in seiner Studenten-Bude gelohnt, aber für die Entwickler von Myspace eben nicht.

    3. Dave Remmel

      @Martino:
      Naja, MySpace ist am Ende für 35 Millionen über die Ladentheke gegangen…
      Ist zwar jetzt nicht in der Liga von Facebook, aber reicht dafür, dass man nicht mehr arbeiten muss…

      lg, Dave

  3. martin

    Danke für die Sendung, die war richtig gut. Die Impfstoffgeschichte hat mich wirklich abgeholt – die Argumente waren genau meine Ansicht, und ich hab mich schon gefragt ob ich der einzige bin, der das Thema so sieht. Insofern muss ich nun weder Wutbürger noch Politiker werden, und mein confirmation bias wurde auch getriggert. Der leichte Ralf-Möller-Akzent von Rüdiger ist ebenfalls sehr charmant. Freue mich auf die Vermögensteuersendung – bitte berücksichtigt, dass wir diese Art Umverteilung mit breiter gesellschaftlicher Zustimmung bis in die Kohl-Ära hinein hatten. Die Konzepte und Voraussetzungen müssen nicht visionär neu erdacht werden – das ist kein so dickes Brett, das kann man sicherlich auch im Merkelstyle “auf Sicht” einführen.

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    1. hilti

      Passend dazu ein lesenswertes Interview mit AstraZenecas CEO in La Repubblica:
      https://www.repubblica.it/cronaca/2021/01/26/news/interview_pascal_soriot_ceo_astrazeneca_coronavirus_covid_vaccines-284349628/

      Er redet über die Probleme, die AstraZeneca dabei hatte die Produktion anzufahren und in großem Maßstab auszuweiten und wieso sie derzeit nicht so viel liefern können wie ursprünglich zugesagt. Und Zitat:
      “We had to change all of these. Then we had to do what we call technology transfer. So we go to each partner and we train them on the process. We train them on how to manufacture. And then, you know, some people are new to this process. It’s like they learn the process. They don’t know how to make the vaccine and they’re not as efficient as others”.

      Entsprechend ausgebildetes Personal ist ein Faktor, an den ihr und ich nicht gedacht haben. Komplett neu aus dem Boden gestampfte Fabriken nutzen keinem ohne Arbeiter, die Wissen wie man die Anlagen bedient und die entsprechenden Prozesse fahren können.

      Und nochwas:
      “Now, let me give you another number. Our total capacity globally now is about 100 million doses a month. From February onwards we are able to make 100 million doses a month, that’s not small. Most vaccines have 100 million doses a year, that already takes us on a 1,2 billion pace per year. We are going to keep growing. Of course, we are ramping up production and Europe is getting 17 percent of this global production in February for a population that is 5 percent of the world population. Now, from the beginning we took very seriously the approach that Europe took, which we thought was fair and we all took. In fact, the US didn’t say that Europe said that. Europe said the vaccine is common good and everybody needs to get access at the same time globally. That’s what we are doing. Europe is getting 17 percent of our global supply for a month for 5 percent of the world population. The problem is: 100 million doses is a lot, but we have 7,5 billion people in the world”.

      “Europe said the vaccine is common good and everybody needs to get access at the same time globally.” Uff, da macht sich Europa wieder schön unglaubwürdig wenn auf einmal von Exportbeschränkungen geredet wird.

  4. hilti

    600 Millionen Dosen mal 60 € pro Dosis sind nicht 3,6 Mrd sondern 36 Mrd. Ein nicht unwesentlicher Unterschied.

    Tradeoff bei der Idee von 6 Impfstoffen jeweils 600 Mio Dosen zu bestellen wäre, dass man dem Rest der Welt kaum Kapazitäten übriglässt. Quasi der analog zu Trump EU first. Denn in solchem Maße kann man die Impfstoffproduktion nur steigern bzw beschleunigen wenn man woanders was wegnimmt. In einem halben Jahr kann man nur begrenznt neue Fabriken aus dem Boden stampfen und ausrüsten. Und auch die Produktion der benötigten Rohstoffe kann nur in gewissem Rahmen gesteigert werden. Man will ja schließlich nicht, dass die Produzenten aufhören beispielsweise Masernimpfstoffe für Afrika zu produzieren, weil die EU sie mit Geld zuscheißt.

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    1. Roland

      Eben. Daher entspannt euch Leute, das mit dem Impfen wird schon noch klappen. Abgesehen davon ist das ne weltweite Pandemie und Israel und auch uns nützt‘s auch nur begrenzt wenn die nationale Bevölkerung durchgeimpft ist und der Rest der Welt noch nicht. Ist schließlich ne globale Krise.

    2. Boethi

      Die Steuer auf seine Eigentumswohnung, nach der Holgi fragt, gibt es bereits. Sie heißt Grundsteuer. Die gehört zu den sog. vermögensbezogenen Steuern, die – anders als eine allgemeine Vermögensteuer – nicht das gesamte Vermögen einer Person berücksichtigen sondern nur Teile davon. Gleiches gilt auch für Kfz- und Hundesteuer.

    3. Simon

      Mich hat das auch gewundert, dass das so stark auf einem nationalen Level diskutiert wurde. Ich würde mir eigentlich wünschen, dass das 2022/21 auf einem internationalen Level gelöst wird, z.B. über die WHO/UNO. Also erstmal der Kauf und die gerechte Verteilung. Dazu ist es Prinzip auch durch Zusammenarbeit von EU, USA, China etc. möglich in Zusammenarbeit mit den Firmen die Produktion hochzufahren. Wenn das schon zu utopisch klingt, könnte man das wenigstens in der EU klären und dann Kooperationspartner weltweit suchen.

    4. Moss the TeXie

      Zum Argument, dass man dem Rest der Welt kaum Kapazitäten übriglasse: Falls man nach so einer Aktion tatsächlich mit 3,6 Milliarden Impfdosen da steht, kann man erstmal die Deutschen mit je zwei Dosen versorgen (bei 100% Impfquote ~170 Millionen Dosen). Bleiben ~3,4 Mia Dosen, davon wird soviel wie noch nötig in Europa verteilt (meinetwegen gegen Geld, damit die gerade amtierende schwarze Null nen Steifen kriegt), und der Rest, wahrscheinlich immer noch deutlich >2 Mia Dosen, geht als Spende an jedes sinnvoll belieferbare Entwicklungsland, das Impfstoff braucht.

      Und jetzt nennt mich einen unrealistischen Sozialromantiker.

    5. hilti

      Auf keinen Fall Moss. Aber die momentane Aufregung geht ja darum, dass wir JETZT zu wenig Dosen haben. Und so sympathisch ich finde was Du schreibst, auch da läufts ja auf erst wir und dann vielleicht der Afrikaner hinaus.

  5. Nico

    Wäre es in Deutschland nicht sinnvoll wenn ein CEA über die Ressorts verteilt wäre? Man stelle sich vor das jedes Ressort zwei Ökonomen bestimmt, welche auch dem Ressort entsprechende Kenntnisse haben (Gesundheitsökonom, Energieökonom, etc.). Diese sind erst einmal beratend innerhalb der Ressorts tätig, aber noch viel wichtiger, sie fungieren abstimmend über Ressort/Ministerumsgrenzen hinweg. Das CEA ist dann die Summe aller dieser Ökonomen. Damit könnten auch in Koalitionen unterschiedliche ökonomische Sichtweisen besser vertreten werden.

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  6. Mario

    Hallo,

    wenn die Politik wirklich Angst vor der Art und Weise der Berichterstattung von großen Medienhäusern haben muss – läuft dann nicht etwas daneben?
    Oder muss das so sein?
    Irgendwas war da mit dem Brexit und den Medien. Hatten wir alles schon mal so ähnlich (aber nur ähnlich).

    Was die Impfstoffherstellung angeht, habe ich diverse Wutanfälle bezüglich der blauäugigen Diskussion gehabt. Einiges wurde hier schon in den Kommentaren angemerkt.
    Arbeitskräfte (selbe Diskussion bei den anzulernenden Intensiv-Pflegekräften), Produktionskapazitäten, die man nur bedingt umverteilen kann, Geschäftspartner, …
    “Einfach aus dem Boden stampfen.”
    Hat einer von euch dreien jemals irgend ein Bauvorhaben nur ansatzweise geplant und die Ausführung bis zur Fertigstellung überwacht?
    Oder gar daran handwerklich mitgewirkt?
    Es geht um Impfstoffherstellung. Da kann man keine Wellblechhalle auf dem Mitarbeiterparkplatz aufstellen und Maschinen reinstellen.
    Das beginnt mit Genehmigungen.
    Es gibt zudem gewisse hygienische Ansprüche. Das Zeug wird verimpft!
    Die Anlagen müssen auch erst einmal hergestellt werden. Wohl eher bei einem Sondermaschinenbau als “mal eben bei Amazon klicken” und nach Anleitung zusammenschrauben. “Massenware” ist so eine Anlage nicht.

    Selbiges gilt für die Glasfläschchen. Mehr als Ausfahren kann man eine Produktionsstraße nicht.
    Die Mitarbeiter werden dann schon wissen, wie schnell sie können, bis die Fehlerquote zu hoch wird. Die Werksleitung ebenfalls.
    Das Umrüsten einer vorhandenen geeigneten(!) Produktionsstraße braucht auch Zeit und Material. Und es gehen wieder andere Kapazitäten verloren.

    Ja, da hätte eher bestellen insoweit geholfen, dass man eher die Herstellungskapazitäten an die Grenze fährt.
    Die Risikobewertung überlasse ich dann mal Menschen, die sich damit auskennen.

    Einigen Menschen fehlt bezüglich praktischer Dinge (Wie funktioniert eine Produktion? Wie baut man eine Produktion auf? Warum braucht man da eine Qualitätssicherung?) mal eine gehörige Einnordung.
    Die “ich klick mir das mal eben”-Mentalität, in der alles immer verfügbar scheint und Lieferzeiten von 5 Tagen zu Beschwerden beim Logistikunternehmen führen scheint da eine gewisse Rolle zu spielen.

    Viele Grüße

    Mario

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    1. Felix

      Hallo,

      Ich möchte mich dem anschließen. Beruflich kenne ich Leute aus dem Bauprojektbereich, die mit medizinischen Anlagen zu tun haben. Das ist alles extrem spezialisiert. Es kann durchaus sein, dass es für einzelne Gewerke effektiv nur 1-2 Dienstleister gibt z.B. sind die Böden aufgrund der Hygieneanforderungen eine eigene Welt….mit entsprechend wenig Firmen, die auch ohne Corona eher Zuviel als zu wenig zu tun haben.

      MfG

      Felix

    2. Hannes

      Bezüglich der Diskussion um die Impfstoffe ging es mir (mit etwas weniger pulsierender Halsschlagader) genauso wie dir. “Schuster bleib bei deinen Leisten” dachte ich mir – “Es wird Gründe geben, die ihr drei mangels Fachwissen nicht kennt, warum das etwas dauert”. Die ständige Diskussion darüber was deutsche Politiker einfach nur hätten machen müssen – obwohl die Impfstoffbeschaffung europäisch geregelt war – hat bei mir nicht unbedingt zur Vertrauensbildung beigetragen.

      Den Gedanken, den die drei nicht ausgesprochen haben der aber daraus folgt, dass die Menge an Impfstoff nunmal zu Anfang sehr begrenzt ist, ist: Mehr Geld drauf werfen – wie gefordert – führt nicht zu mehr Impfstoff sondern führt eigentlich nur zu einem Wettkampf zwischen reichen Entitäten wer den wenigen Impfstoff als erstes bekommt.

      Wenn es alle Länder so gemacht hätten wie Israel, hätten davon aber nicht alle am Ende die Verfügbarkeit wie Israel jetzt gehabt. Wenn man das weiterdenkt kommt man da auch zu einem Solidaritätsfrage.

    3. kilosierra

      Volle Zustimmung. Ich habe mich während der ganzen Diskussion an zahlreiche Telefonate mit Kunden erinnert, die sich mit dem Satz “Es ist mir völlig egal was die physikalischen oder chemischen Gleichungen sagen, ich will das Produkt aber morgen haben!” zusammenfassen lassen. Grundsätzlich hatte ich während der gesamten Folge den Eindruck einer deutlichen Realitätsferne der beiden. Klar wäre es eine gute Idee, wenn sich die Regierung von Ökonomen beraten lässt. Genauso gut wäre es aber, wenn sie sich von Medizinern, Ingenieuren, Pädagogen, Psychologen, Soziologen…. beraten lässt. Und am Ende läuft es dann doch wieder darauf hinaus, dass jemand eine politische Entscheidung treffen, vertreten und durchsetzen muss. Wie funktionieren denn gut laufende Projekte in der Industrie am besten? Wenn auf Kunden und Lieferantenseite fachlich kompetente, erfahrene und engagierte Leute sitzen, die alle notwendigen Werkzeuge zur Verfügung gestellt bekommen und intensiv miteinander in Austausch stehen. Wie lief das Projektcontrolling des Gesundheitsministeriums beim Aufbau der Impfstofffertigung? Wie hat der Auftraggeber entschieden, als der Lieferant mitteilte, dass die Glasfläschchen nicht lieferbar waren? etc. pp. Einfach den Vertrag durchfaxen und darin die Liefertermin anmarkern reicht halt nicht.
      Und noch eine Randbemerkung: Diesen Schuh müssen sich auch die Journalisten anziehen. Die öffentliche Wahrnehmung, dass Industrieprojekte mit “ich klick mir das mal eben” zu lösen sind kommt in meinem Eindruck sehr stark durch die journalistische Begleitung zu Stande. Über die Lieferprobleme bei Halbleitern für die Automobilindustrie wird schon fast gehässig berichtet. Das die anderen Industrien ggf. vor ähnlichen Problemen stehen ¯\_(ツ)_/¯

      VG, kilosierra

  7. Karlagao

    Die Impfstoffproduktion wie sie hier vorgeschlagen wird, finde ich nicht ganz plausibel. Bei dem Modell von Herrn Bachmann machen die Hersteller wahrscheinlich viel mehr Profit, als bei einer bedarfsgerechten Produktion. Der Vorteil davon soll sein, dass evtl. mehr Impstoff zur Verfügung steht. Er nennt das Verstaatlichung oder Vergesellschaftung. Das ist es auch, aber eine Vergesellschftung der Verluste, die dazu noch ungerecht in der Bevölkerung verteilt werden. Egal wie es dann mit der Produktion bzw. mit der Krise läuft werden Profite auf Kosten der Gesellschaft privatisiert. Das ist auf jeden Fall nicht gerecht und ob es effektiv ist bin ich mir auch nicht sicher. Wahrscheinlich ist es sowohl effektiver, als auch gerechter, wenn der Impfstoff gar nicht unter diesen Bedingungen entwickelt und produziert wird. Am besten wird die Entwicklung, Produktion und Distribution schon nach Regeln der WHO weltweit oder zumindest auf europäischer Ebene reguliert. Ich würde der Politik deshalb nicht vorwerfen, dass sie keinen möglichst ausgefuchsten aber ungerechten Vertrag ausgehandelt hat, sondern, dass die Politik nicht die richtigen Rahmenbedingungen geschaffen hat. Wenn Gesundheit unser Maß ist, muss soviel Impfstoff so schenll wie möglich produziert werden. Wenn nur ein Impfstoff erfolgreich ist, muss eben dieser Impfstoff von allen Herstellern so schnell wie möglich produziert werden. Im Modell von Bachmann und Bayer hängt Gesundheit immer davon ab, ob ein möglichst guter Kaufvertrag abgeschlossen wurde. Ein Kaufvertrag, dessen Qualität dann auch immer nur in der Nachbetrachtung von Ökonomen beurteilt werden kann. Ich glaube, dass mit den hier gemachten Vorschlägen gar keine gute Regulierung bzw. Gesundheitspolitik möglich ist, sondern bestenfalls ein Glücksspiel wird, bei dem man manchmal gewinnt und manchmal verliert (also Leute sterben).

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  8. Andreas Krämer

    Hallo Holgi,

    danke für den Podcast. Erst eine kurze Anmerkung ich find es schade, dass einer deiner Gäste das politische Hufeisen bedient und die Linkspartei mit der AfD gleichsetzt. (relativ am Anfang über die anderen beiden Oppositionsparteien brauchen wir nicht reden, mit den beiden will ich nichts zu tun haben). eine linke sozialdemokratische Partei mit Faschist*innen gleichzusetzen erschreckt mich.

    Zum Thema: Ich frage mich warum beim Impfstoff Unternehmen überhaupt daran verdienen müssen, soweit ich es bisher verstanden habe, wurden ein Großteil der Impfstoffentwicklung schon durch die Steuerzahler*innen finanziert, warum können wir dann nicht auch die Patente enteignen? Rechtlich wäre das durchaus möglich, dann hätten wir mitten Fabriken von BASF, Bayer, Merck und anderen durchaus die Werke um mehr Impfstoff zu produzieren. Ich finde es schade, dass das nicht in Erwägung gezogen wird. Natürlich bricht das mit der heiligen Kuh Eigentum und damit mit kapitalistischen Denken. Aber Kapitalismus wird uns halt bei den kommenden Krisen eh nicht helfen, wir können nicht aus der Klimakrise heraus wachsen.

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    1. Hannes

      Auch wenn ich die Anmerkung von Bachmann, dass man mit Linkspartei und AfD nichts zu tun haben will auch nicht besonders nachvollziehbar fand: Er hat die beiden nicht gleichgesetzt. Es kann für beide Parteien unterschiedliche Gründe geben mit ihnen nichts zu tun haben zu wollen.

      Aber das ist leider das Kreuz was die Linke seit Ewigkeiten mit sich rumträgt. Erst war sie indiskutabel weil SED-Nachfolgepartei, jetzt weil irgendwo in der Ecke gibt’s doch noch so drei Hansels die 2006 mal in nem Forumspost geschrieben haben, dass sie in Deutschland den Kommunismus einführen wollen.
      Mit der Realität hat beides nichts zu tun, aber es eignet sich prima um sich nicht mit den Themen und Positionen der Partei auseinandersetzen zu müssen.

    2. Boethi

      Ja, an der Stelle mit den beiden Oppositionsparteien habe ich auch etwas geschluckt, habe es aber, wie Hannes auch, nicht als Gleichsetzung empfunden, eher als unglücklich formuliert.
      Wirklich gewundert habe ich mich über die Aussage, die bereits halbtote AfD könnte durch ein schlechtes Impfmanagement wieder gestärkt werden. Das wäre dann der dritte Fehler, der diese Partei hätte wiederauferstehen lassen. Die ersten beiden seien die Fehler in der Finanz- und der Flüchtlingskrise gewesen. Was war denn bitte der Fehler, der in der Flüchtlingskrise begangen wurde und der die Nazis gestärkt hat? Dass sich Deutschland menschlich verhalten hat? Dass wir die Menschen nicht haben krepieren lassen und sie aufgenommen haben?

    3. Martino

      Enteignete Patente, die dann dem Staat gehören, sind aber leider noch kein Impfstoff.

      Es scheitert gerade nicht am Preis (weder den 12€ der EU, noch den 60€ aus Israel), sondern an Kapazitäten. Wenn weltweit Leute Schlange stünden, die den Impfstoff produzieren könnten, wenn man ihnen es nur erlauben würde, würde das sofort gemacht – wie z.B. bei Sanofi geschehen. Die waren bis vor kurzem ein direkter Konkurrent!
      In der aktuellen Situation die einzigen, die den Impfstoff produzieren können aus dem Spiel zu nehmen, halte ich für ziemlich unklug. Klar, man kann sie nach der Enteignung immer noch zwingen, “ihren” Impfstoff weiter zu produzieren.

  9. Jan

    “Die Bundeskanzlerin hat nichts mehr zu verlieren..” Mag sein. Sie hat aber auch niemanden mehr etwas anzubieten, und kann daher eher gar nichts mehr einfach so anordnen. Wenn sie die hier diskutierte Versicherungsbestellpolitik angeordnet hätte, dann hätten das doch Leute wie Spahn, Laschet, Merz, Söder oder auch Scholz einfach nicht mitgemacht. Und die Kanzlerin kann nichts machen und steht ähnlich hilflos da, wie nach den unsäglichen MInisterpräsidentinnenkonferenzen.

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  10. Dave Remmel

    Imo ist es ein Fehlschluss, dass die Unternehmen so viel verdienen “dürfen” weil sie auch ein gewisses Risiko eingegangen sind, oder besondere Fähigkeiten (Fußballspieler) haben…

    Das mag bis zu einem gewissen Grad korrekt sein, aber hat auch seine Grenzen. Das unternehmerische Risiko, irgendeine Online-Applikation zu basteln (Google) ist relativ gering sein… Und bei Dingen wie Fußball, Schauspielerei, oder Musik geht es nicht nur um Talent, sondern auch viel darum, einfach “Glück” zu haben… Zur richtigen Zeit am richtigen Ort.

    Weiter Punkt sind große Industrie-Giganten: Wie hoch ist das Risiko von einer Firma wie Amazon, in den TV-Markt einzusteigen (wie sie es vor ein paar Jahren gemacht haben) um damit NOCH mehr Geld zu verdienen…

    Imo sollte man das irgendwo limitieren. Denn ja, es ist okay, wenn es Millionäre gibt, aber ich frage mich auch, ob es wirklich Millardäre geben muss…

    Meine Idee: Progressive Besteuerung die bis 100% geht, so dass es sich ab einem gewissen Punkt nicht mehr lohnt, NOCH mehr Einkommen zu erzielen… Funktioniert natürlich nur, wenn das in globalem Maßstab geschieht…

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    1. Zecke

      Da liegt daran, dass die ökonomische Wissenschaft heute noch immer stark in der klassischen bzw. neoklassischen Wirtschaftstheorie verankert ist. Der Nationalstaat soll in diesem Zusammenhang wie ein guter Unternehmer agieren (gleichzeitig ist er in diesem Denken aber nie der bessere Unternehmer). Der Staat ist zwar nicht auf Profit im engeren Sinne aus, versucht aber auf durch sein Kaufverhalten die Impfdosen zu maximieren (um dadurch doch wieder seinen Profit zu maximieren, weil seine Arbeitskraft sowie seine Produktion dadurch erhalten bleiben bzw. weniger Schaden nehmen). Am Ende schadet das natürlich anderen Staaten, Bevölkerungen, Menschen usw. In vorherrschenden Paradigma profiteren aber immer alle, praktische als positiver Nebeneffekt des Wettbewerbs. Das ist genrell aber nicht zutreffend.

      Die Argumente der Ökonomen zeigen dann auch nochmal auf, wie stark wirtschaftsliberale Denkmuster mit dem Nationalstaat verwoben sind. Gerne wird das ja als Gegensatz dargestellt. Einerseits der liberalisierte Weltmarkt der eigentlich keine Nationen mehr braucht und auf der Seit der Nationalstaat, der dem noch etwas entgegensetzen kann. Im Prinzip sind das nur zwei Seiten derselben Medaille, die die Menschheit nicht weiter bringen.

  11. Martin Schröder

    Zur Diskussion über die Vermögenssteuer: Es ist interessant, wie wenig die beiden “Ökonomen” über Superreiche (>100M€ Vermögen) verstehen. Da von Mittelständlern zu faseln, ist ein Armutszeugnis (sic!).

    Die Quandts/Aldis/Lidls dieser Republik würde niemand vermissen und sie könnten auch problemlos mit einer relevanten Vermögenssteuer leben.

    Vielleicht zur nächsten Sendung Ulrike Herrmann einladen.

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    1. Wolfgang

      Mir gefallen auch nicht die Angriffe der beiden Ökonomen auf vermeintliche Linke, die wohl witzig gemeint sind. Milton Friedmanns Auseinanderstzung mit Marx in Captialism and Freedom war zwar wenig informiert, inkonsistent und zuweilen auch gelogen, aber dennoch überzeugender als Bachmann.

    2. holgi Beitragsautor

      Magst Du das vielleicht ein wenig ausführen, Wolfgang? Dann hätten wir alle was davon…

  12. kreetrapper

    Ich fand es in der Impfstoffdiskussion etwas seltsam, dass da so stark über Merkel diskutiert wurde, ganz so als könnte sie ganz allein entscheiden, wie die EU ihre Impfstoffeinkäufe regelt. Da sind aber eben noch 26 andere Staaten, die vielleicht ganz anders denken. Oder war die Diskussion so gemeint, dass Deutschland den Impfstoff allein kaufen soll und die anderen EU-Staaten müssen dann eben sehen wo sie bleiben? So einen Impfstoffnationalismus will doch hoffentlich niemand. Es ist eh schon alles schwierig genug.

    Antworten
  13. Alex

    Die Annahme, dass mehr Impfstoffbestellung durch die Bundesregierung zu mehr verfügbaren Impfstoff in Deutschland führt ist mir nicht so ganz klar geworden. Wenn ich auf Grundlage der Theorie rationaler Entscheidung davon ausgehe, dass mit mehr Geld ein höherer Anreiz zu schnellerer Impfstoffproduktion geschaffen wird heißt das nicht notwendigerweise, dass die Firmen das auch wirklich schaffen im Januar mehr Impfstoff zu produzieren und zu liefern. Vielleich liefern sie aus der produzierten Gesamtmenge an Impstoff dann mehr nach Deutschland, was auch wieder problematisch ist. Mit ökonomischen Modellen kann ich das gar nicht nachweisen, aber mich würde schon genauer interessieren auf welcher Grundlage die Annahme basiert.

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  14. Alex

    Danke für die Sendung, ich höre euch sehr gerne zu.

    Jedoch schien mir Block über den Impfstoff nicht sehr informiert zu sein.
    1) Erst einmal war das Rechenbeispiel falsch (wie schon oben angemerkt): 600 Million * 60 € = 36 Milliarden € (nicht 3,6). Bei 6 bis 7 Impfstopfen hätte dann eine Vollbestellung schon ~250 Milliarden € gekostet. Diese Diskussion (zurecht) hätte ich gerne mitbekommen.
    2) Leider machen Christian und Rüdiger den selben Fehler, den Christian in der Folge vorher angemerkt hat: Ökonomen reden über ein Thema, von dem sie keine Ahnung haben. Christian und Rüdiger sind beides Makroökonomen aber eben keine Experten für Impfstofflogistik und -produktion. Aussagen wie “der Markt regelt das” oder “man hätte … und dann wäre schon” sind da etwas oberflächlich und wenig informiert.
    3) Was Volkswirte von Betriebswirten unterscheidet ist der Blick auf das gesamte System, nicht nur ein einzelnes Projekt oder Unternehmen. Jedoch habt ihr das in dieser Diskussion überhaupt nicht gemacht. Wenn die EU 7 Impfstoffe frühzeitig bestellt hätte mit jeweils 600 Million Dosen, wie hätten sich die Preise dieser Stoff entwickelt? Was ist mit Preisen anderer Medikamente? Wie schaut es mit der Verfügbarkeit für andere Länder aus? Wie mit anderen Medikamenten? Ist es wirklich so einfach, 4,2 Milliarden Impfdosen herzustellen?
    Ich will hier die EU nicht verteidigen, aber etwas mehr Geduld wäre auch nicht Fehl am Platz. Ja, das UK, die USA, und Israel haben zu einem früheren Zeitpunkt mehr von dem richtigen Impfstoff gekauft. Jedoch haben auch die nicht die “Vollversorgungsstrategie” gefahren, wie von Rüdiger und Christian vorgeschlagen. Und kein Ökonom (soweit ich mich erinnern kann) hat eine solche Strategie im letzten Sommer vorgeschlagen. Also etwas mehr Demut würde da dieser Diskussion schon gut tun.

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