WR1114 Sprechgeröll

 

Darin die letzten Antworten auf Fragen nach Sommerhits, Hochsensibilität, Autarkie, Umsteigen, Schüchternheit, Schnalzen, Wartezimmerzeitschriften, Guten und bösen Menschen, Pflanzen, Abendhimmel und auf die obligatorische Höflichkeitsfrage von esureL.

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33 Gedanken zu „WR1114 Sprechgeröll

  1. Sensibilitätscoach

    Ferndiagnosen sind Unsinn und ich bin auch kein Psychologe ABER…
    als jemand der Holgi seit Blue Moon-Zeiten regelmäßig hört, würde ich auch klar behaupten, dass er definitiv nicht sensibel – geschweige denn Hochsensibel – im Sinne der Fragestellung ist.

    Antworten
  2. Hannah

    Hallo ihr beiden,

    – ich würde Holgi nicht als hochsensibel einschätzen.
    – Alex’ Definition von Hochsensibilität finde ich total einleuchtend. Das erklärt auch, warum sie so allumfassend ist und sich nicht auf z. B. ein Sinnesorgan beschränkt. Ich habe auch hohe Wert für Offenheit für neue Erfahrungen und Neurotizismus (aber definitiv kein ADHS). Diese Kombination empfinde ich manchmal als sehr kräfteraubend und blockierend, hilft mir aber auch bei meinem Job an der Uni.

    Danke für die lustige Sendung – weiter so!
    Liebe Grüße,
    Hannah

    Antworten
    1. Alexandra

      Danke für den Zuspruch. Wenn man es mit diesem Modell (Big Five) abbildet, hat auch die Tatsache Platz, dass sowohl intro- als auch extrovertierte Menschen sich als hochsensibel beschreiben.

  3. Tanja

    Noch eine (medizinische) Perspektive auf den mir so unsäglichen Begriff der Hochsensibilität: Migräne – das hat mir Mal eine Neurologin erklärt und ist für mich eines der wichtigsten Erkenntnisse über mich und meine Gesundheit – sorgt für ähnliche “Symptome”: Geräusche gleichlaut hören (Kneipe, Party etc.), Überforderung/Überflutungsgefühl vor sehr vollen und hohen Regalen oder bei vielen Lichtern, intensive emotionale Re-aktionen (im Sinne von in Resonanz gehen) auf nearly everything….. Die Reitzfilter im Hirn funktionieren einfach nicht ‘nach Plan’, sondern sind sensibler gegenüber Reizen. Und: man kann Migräne auch ohne den klassischen Kopfschmerz haben.

    Antworten
    1. Alexandra

      Darüber hinaus frage ich mich, ob es wirklich Leute gibt, die in einer Kneipensituation ein ANGENEHMES Gespräch führen können. Ich finde die Behauptung, dass man als normal funktionierender Mensch störende Geräuschspuren rausfiltern können sollte, nämlich sehr gewagt. Der Hauptunterschied zwischen Person A und Person B (hochsensibel) scheint mir vielmehr zu sein, dass A nicht so stark auf diese Störungen reagiert und sich “nix denkt”, während die andere unruhig wird, die Situation mit ihrer Vorstellung von einem guten Gespräch vergleicht, sich aufregt, die Gesellschaft kritisiert, sich fragt ob sie wirklich die einzige ist die jetzt genervt ist. und dadurch das Gefühl insgesamt verstärkt. Das macht es ihr wiederum schwer, sich auf die “Redespur” des Gegenübers zu konzentrieren. Stattdessen drängen sich Gedanken auf wie “ORRR wie laut ist denn da wieder die Kaffeemaschine” und “muss diese grell gekleidete Frau jetzt auch noch so schrill lachen?” und “Was labert der Mann am Nebentisch denn für einen Stuss?” usw. Solchen Leuten kann Meditation helfen oder mit anderen Worten: lernen, nicht auf Reize zu reagieren, sie nicht “anzuspringen”, sich nicht mit ihnen zu identifizieren, sondern alles vorbei fließen zu lassen, sich durchlässig machen usw. Kein Quick Fix, sondern eine lebenslange Aufgabe. Aber besser, als sich mit “Hochsensibilität” selbst eine Behinderung zu verpassen.

  4. tim

    Zur Frage der Bezeichnung von Pflanzen: Ich denke, wurde in der Frage die Reihenfolge vertauscht. Pflanzen hießen schon immer „Pflanzen“ (oder welchen Laut der Urmensch auch immer verwendet hat). Erst als die Menschen begannen, etwas mit den Pflanzen zu tun, benötigten sie ein Wort für diese Tätigkeit und nannten es „anpflanzen“.

    Mit anderen Worten: Pflanzen heißen nicht „Pflanzen“, weil sie angepflanzt werden. Vielmehr heißt Anpflanzen „Anpflanzen“, weil es mit Pflanzen gemacht wird.

    Antworten
    1. Norbert

      Nebenbei gesagt ist „Pflanze“ ein Lehnwort aus dem Lateinischen: „planta“. Das lateinische Wort ist entweder von Proto-Indoeuropäisch „*pléh₂-n̥t-eh₂“ oder *pl̥h₂nk/gteh₂ abgeleitet, und bezeichnete das Festtreten der Erde um einen frisch gepflanzten Setzling.
      Die Frage lässt sich nicht sinnvoll beantworten, weil die deutsche Sprache erheblich jünger ist, als die Einführung der Landwirtschaft hierzulande (ca. 1000 Jahre vs. 6000 Jahre, selbst das früheste rekonstruierte. Indoeuropäisch ist jünger)

  5. Andreas

    Zu Holgis Kommentar, zum Gebrauch des Ausdrucks „Ich habe realisiert“ und dass er diesen zum Kotzen findet, nicht weiter liest usw. ist wirklich Blödsinn. Auch die Bewertung des Ausdrucks, nur RTL II Zuschauer 😉 würden ihn verwenden, stellt mich wirklich vor ein Rätsel. Was ist an diesem Ausdruck den negativ oder unnormal, gar falsch? Ich kenne ihn in diesem Zusammenhang schon seit meiner Kindheit und habe kein RTL II geschaut und gucke es heutzutage übrigens auch nicht!🙄😂
    Selbst der Duden nennt die Bedeutung dieses Ausdrucks als Variante „(in einem Prozess der Bewusstmachung) erkennen, einsehen, begreifen“. Also lieber Holger da liegst du leider falsch. Dass es dir nicht gefällt ist eine andere Sache.

    Genauso die umgangssprachliche Verwendung „ich war gestern ganz emotional“ sollte jedem bekannt sein und was der Redner damit meint. Wirklich kein Ausdruck aus der Gosse, und dass man sonst auch Emotionen hat es auch jedem klar. „Ich hatte gestern Abend starke Gefühle!“ Kannst du innerhalb einer Romanze sagen, aber noch nicht zu deinem Kumpel wenn du sagst das du gestern Abend einen moralischen hattest. Neh lieber Holgi, einer deiner Podcasts heißt Realitätsabgleich, mach den auch mal für dich selber. Bei dir hat man immer mehr den Eindruck du lebst wirklich in einer Blase. Ansonsten weiter so.

    Antworten
  6. Mark

    Noch ein Sprechgeröll: “Ich bin eigentlich jemand, der gerne die Wrintheit hört” statt “Ich höre gerne die Wrintheit”.

    Antworten
    1. Alexandra

      Oder “Wer mich kennt, der weiß, dass ich eigentlich jemand bin, der gerne die Wrintheit hört.” ;’D

    2. Jens

      Mich kennt kaum einer und was ich jetzt sage, wissen nur sehr wenige, aber ich LIEBE die Wrintheit. Ihr zwei seid so unterschiedliche Persönlichkeiten, die sich aber wunderbar ergänzen und so unterhaltsam zwischen Tiefgang und Schwachsinn pendeln und mir dabei immer wieder einen neuen Blick auf mich und die Welt liefern, dass ich jetzt nicht mehr weiß, wie ich diesen Satz grammatikalisch sinnvoll beenden kann. Aber was ich eigentlich sagen will: Warum dauert es immer so lange? Ich höre ja einige eurer anderen Formate, die teilweise so viel Recherche und Vorbereitung erfordern, dass ich ganz ehrfürchtig werde, aber für die Wrintheit muss man doch nur ein paar Fragen raussuchen und den Rest erledigt Alexandras umfangreiche Bildung und Holgis Emotionalität (die mir jetzt gerade eine virtuelle Faust in die Fresse rammt). Also, ich wollte nur mal loswerden: Ich liebe euch und dieses Format. Bitte hört niemals auf damit!

      Herzliche Grüße
      ein Fan

    3. frater mosses von lobdenberg

      „… und jetzt ist das so, dass …“ …beispielsweise ich gerne die Wrintheit höre. Gestern in einem Vortrag über (mobile, in 60m Tiefe Photosynthese betreibende und ihren Winterspeck als Stärke in roten Steinen speichernde) Tiefseeriffe in der Arktis auf ARD Alpha in etwa jedem zweiten Satz.

  7. Sarah

    Liebe Alexandra, lieber Holgi,

    wenn wir von der selben Zeitschrift sprechen, so gibt es die”Wissenszeitschrift” P.M. noch. Mein Sohn (13 J.) hat diese im Abo, so dass sie uns regelmäßig ins Haus geflattert kommt.

    Danke für eine weitere kurzweilige Sendung. Ihr seid super!

    Antworten
    1. Alexandra

      Oh, dann war vermutlich so um 2009 rum die Existenz des Magazins kurz bedroht. Habe über “den Kurznachrichtendienst Twitter” davon erfahren und so abgespeichert, dass es das Magazin nicht mehr gibt.

  8. Rene

    Soweit ich weiß meint Offenheit bei den big 5 eher eine Aufgeschlossenheit für neue Erfahrungen. Und die big 5 reichen mMn nicht aus um Hochsenibilität zu erklären.
    Ich denke das ist eher eine Mischungaaus Prädisposition und Reaktion auf schwierige Lebesumstände (oft im Kindesalter) . Ich bin u.a. extrem sensibel in sozialen Kontakten. So sehe ich Menschen sofort an, wenn es ihnen schlecht geht, selbst wenn sie es verstecken wollen. Auch kleinste Veränderungen im Verhalten von engen Freunden/Partnerinnen nehme ich genau wahr. Und zwar weil es früher Sinn für mich gemacht hat, sensibel dafür zu sein. Ich wuchs in einer schwierigen Familie auf. Um damit fertig zu werden musste ich lernen auch nicht ausgesprochene Stimmungen sehr gut wahrzunehmen. Wer in seinem Leben einschneidende Situationen erlebt hat, die als unsicher empfunden wurden, kann darauf mit erhöhter Sensibilität reagieren. Hyper-arousal nennt der Fachmann das. Man ist ständig “auf der Hut”, was logischerweise oft dazu führt, dass die Wahrnehmung überreizt ist. Natürlich kenne ich Alexandra nicht und es steht mir nicht zu darüber zu urteilen, aber zumindest würde ich etwas in Richtung Hyper-arousal für möglich halten.
    jedenfalls kann man seine Wahrnehmung tatsächlich trainieren und man kann auch den Umgang damit trainieren. Früher wurde ich bspw von Gefühlen anderer öfter mal “geflutet”, aber ich habe gelernt innen und außen besser zu trennen.

    Komplexes Thema, ich könnte noch stundenlang weiterschwafeln. Aber ich belasse es mal dabei 🙂

    Antworten
    1. Alexandra

      Mit den “Big Five” wollte ich Hochsensibilität auch nicht erklären, sondern (an einem wissenschaftlich anerkannten Persönlichkeitsmodel) abbilden.
      Und die Aufgeschlossenheit für neue Erfahrungen geht natürlich mit “offenen Kanälen” einher. Wenn ich mich etwa für Kunst und Literatur interessiere, dann muss ich eine bestimmte Empfindsamkeit mitbringen, sonst sagen mir diese Dinge nichts. Ich muss auch ein Gespür haben für den Reichtum und die Nuancen einer außergewöhnlichen Erfahrung, sonst erleb ich innerlich nichts Besonderes, wenn ich z.B. eine Reise durch Indien mache. Und wer offen ist für alles (im Sinne von “aufgeschlossen”, der erlebt nicht nur Schönes. Scheuklappen bieten ja auch einen Schutz vor negativen Gefühlen.

      Mit deiner Theorie der schwieirgen Kindheit hast du sicher Recht! Solche Situationen “sensibilisieren” einen ja im wahrsten Sinne des Wortes. Aber während es Kinder gibt, die super resilient sind, und sowas auch wegstecken können ohne einen psychischen Schaden davonzutragen, haben andere ihr ganzes Leben lang mit den Folgen zu kämpfen – und da können die Gründe auch biologischer Natur sein (Gene, Nervensystem, usw.)

  9. njorg

    Zum Ausspruch “Was macht es/das mit dir?”:
    Ich kann die Assoziation von Alexandra gut nachvollziehen, finde aber schon, dass die Wendung ihre Berechtigung hat.
    Klar will man nicht, das etwas was mit einem macht, aber es gehört nunmal zur Erfahrungswelt von vielen Menschen, dass sie ab und zu diese Passivität erleben. Dass einem etwas widerfährt, dem man emotional ausgesetzt ist und das einen verändert, ohne dass man darüber bewusst oder gar viel reflektiert hätte.
    Der Extremfall des Widerfahrnisses dürfte das Trauma sein und da ist man ja so derart ausgeliefert, dass es ja erst viel Arbeit braucht, um das Erlebnis in seine eigene Persönlichkeit zu integrieren (um hier mal schlechtinformierten Psycholgenkauderwelsch von mir zu geben).

    Antworten
    1. Alexandra

      Ich bin ganz deiner Meinung, njorg!
      In den von dir genannten Fällen ist der Ausdruck wirklich passend. Daher auch meine gewagte Assoziation mit sexuellem Missbrauch. Man kann fragen: “Was macht es mit einem, wenn man als Kind den Krieg erlebt?” oder meinetwegen auch “Was macht Fame mit dir?” – da finden tatschächlich unvorhergesehene und unbeabsichtigte Prozesse statt, die teilweise auch die Persönlichkeit in unerwünschter Weise verändern.
      Hier jedoch ein paar echte Beispiele aus dem Alltag, wo der Ausdruck total daneben benutzt wird.
      “Was hat das Buch mit dir gemacht?” statt “Wie hat dir das Buch gefallen?”
      “Was hat das Thema mit dir gemacht?” statt “Welche neuen Erkenntnisse haben sich aus deiner Recherche ergeben?”
      “Das Outfit macht was mit dir, oder?” statt “Fühlst du dich wohl in deinem neuen Kleid?”

    2. njorg

      Bei den genannten Beispielen stimme ich dir zu, Alexandra. Ich kann mir zwar auch Situationen vorstellen, in denen es dann doch wieder passt, aber dann muss es wirklich ein ganz besonderer Ausnahmefall sein. Es gibt z.B. schon einige wenige Bücher (3 vielleicht), von denen ich sagen würde, dass sie wirklich etwas mit mir gemacht haben.
      Was mir auch gerade aufgefallen ist: es ist ein riesiger Unterschied, ob man die Wendung als eine Frage an jemand anderen richtet, oder ob man das von sich aus über sich selbst sagt. In einer Frage engt die Wendung ein bzw. bläht die Bedeutung auf und blendet mögliche Nuancen aus. Bei einer Aussage über sich selbst kann es eine bewusst gesetzte Betonung sein.

  10. Andy

    Ich beschäftige mich schon länger mit dem Thema Hochsensibilität. Und mir geht ebenfalls die Begriffsbezeichnung und der Umgang vieler Menschen die sehr sensibel sind gehörig auf den Sack. Ich war letztes Jahr über mehrere Wochenenden auf einem Seminar mit dem Thema “Umgang mit HSP” in der Akademie eines Psychosomatischen Klinikverbundes und wir haben uns dort viel mit dem Thema beschäftigt, schwerpunktmäßig vor allem aber auch damit, wie man damit umgehen kann. Ergo waren an diesem Wochenende ausschließlich Leuten die eben nicht damit umgehen können. Davor habe ich schon eine ganze Hand voll Bücher gelesen und oft die selben Erfahrungen gemacht wie Alexandra beschrieben hat. Da ihr in diesem Podcast relativ offen über eure Gefühlswelt sprecht, kann ich sagen, dass ich hmm… oft eine starke Verbundenheit zu Alexandras Aussagen und Empfindungen spüre. Sie widerspiegelt mir oft genau mein Leben, das verblüfft mich immer wieder. Und das, obwohl ich hier geboren bin, in der Mittelschicht groß geworden bin, männlich bin, etwas jünger bin, schlechtere Schulbildung habe und in einem komplett anderen Bereich arbeite. Es sind also Charakterzüge die uns verbinden.

    Nun, letztlich kann ich eure Frage gar nicht beantworten. Zuallererst war für mich klar, dass Holgi keine Hochsensible Person ist. Wenn ich aber darüber nachdenke wie unterschiedlich die Charaktere der Leute in diesem Seminar waren, dann könnte es schon durchaus sein dass er die Kriterien für eine HSP erfüllt. Letztendlich gibt es eben doch keine belegbaren Nachweise, für eine tiefere Sensitivität, sondern es gibt eben Selbsteinschätzungsbögen. Das Forschungsgebiet der Hochsensibilität hat es auch sehr wichtig nicht als Krankheit deklariert zu werden, wodurch wohl das Wort Diagnostik fehl am Platz ist. Trotzdem hängt eine Diagnose(?) HSP wohl immer mit Leid zusammen und ist ein Schritt von vielen im normalen medizinischen Werdegang. Wer keine Schwierigkeiten hat, braucht sich auch nicht damit zu beschäftigen.
    @Holgi, wenn du wirklich wissen willst ob du sensibler als andere Menschen bist, dann schaue dir deine Eltern an. Hochsensibilität hat einen großen Teil Vererbung.

    Für mich persönlich erklärt die Hochsensibilität viel, aber nicht alles. Ich habe geradezu auf die Korrelation zu AD(H)S gewartet, danke! Ich beschäftige mich gerade sehr viel mit AD(H)S, nachdem mich eine Fachfrau nach kurzer Zeit darüber informiert hat dass sie bei mir aus ihrer Erfahrung sehr viele Parallelen zu anderen Menschen mit AD(H)S sieht. Darauf bin ich vorher noch gar nicht gekommen. 🙂

    Danke für diesen Podcast, höre ihn sehr gerne.
    Grüße aus Augsburg
    Andy

    Antworten
  11. fasdaff

    Einerseits höre ich euch ja gerne zu, wenn ihr über Sprache redet. Und gerade Holgis Ansichten zu Kanak Sprak fand ich als Linguist sehr begrüßenswert. Wenn es um Bedeutung geht, liegt ihr beiden meiner Meinung nach aber meistens daneben. Semantik funktioniert halt nicht so, dass man irgendwie interpretiert, was man meint, was ein Wort bedeutet. “Spracharbeiter:innen” neigen aus meiner Sicht manchmal zu einem verklärenden und zu wenig distanzierten Sprachbegriff.

    Antworten
  12. Dave Remmel

    Hab mich auch lange als HSP gesehen… Hab mich nie so bezeichnet, ein wissenschaftliches Buch, das ich dazu gelesen habe, hat aber geholfen…
    War jetzt mal beim Psychologen wegen etwas anderen und nunja… ADS… Erstmal eine krasse Erkenntnis mit Anfang 40.

    Antworten
    1. Andy

      Hi Dave,

      das klingt interessant für mich. Hast du Lust mit im Kontakt ein bisschen darüber zu reden?

  13. Abkueko

    Als Psychologe werde ich mit Hochsensibilität immer wieder konfrontiert. Die meisten “Tests” lassen den Schluss “Hochsensibel ist, wer sich als hochsensibel sieht” zu. Denn das ganze Konzept beruht auf der subjektiven Annahme die eigene Sensibilität weiche erheblich vom gesellschaftlich Üblichen ab. Für viele der sich so betiteltenden Personen gilt das nur in der Selbstwahrnehmung. Gerne mit der Annahme man sei nun besonders toll (vgl. hochbegabt). Bei vielen Tests ist jeder Mensch dessen Gefühlswelt von der eines Steins divergiert hochsensibel.

    Das Konstrukt der Sensibilität ist schon reichlich unpräzise. Alexandras Definition dürfte dem aber halbwegs nahekommen. Neurotizismus ist zumindest ein wichtiger Faktor. Der Rest lässt sich vermutlich nicht mehr durch die Big-Five, sondern eher durch Persönlichkeitsstile erklären.

    Zur Frage ob Holgi hochsensibel ist: Ich sehe keine Anhaltspunkte. Probleme mit Reizüberflutung können mit unzähligen Konstrukten, Syndromen etc in Verbindung stehen. Hochsensibilität wäre da noch das Entfernteste. Es kann AD(H)S sein – oder eben auch nicht. Allerdings wäre zunächst die Frage ob Holgi selbst da überhaupt so extrem vom üblichen Maß abweicht (oder nur seine Hürde dann die Situation zu verlassen niedriger ist).

    Antworten
  14. Till Raßbach

    Hallo ihr beiden. Den Holgi habe ich – seit ich ihn als Chaosradiomoderator kenne – schon öfter mal mit ADS typischem Eigenschaften erlebt.
    Für mich heißt der Effekt, den ihr beschreibt,„Reizfilterschwäche“ und hat trotz patologisierender Bezeichnung durchaus auch Vorteile im Alltag.
    Liebe Grüße
    Till

    Antworten
  15. Marie

    Neuere Erkenntnisse zeigen wohl, dass Hochsensibilität eine generelle Persönlichkeitsdimension ist. D.h. es keine „Zweiteilung“ im Sinne von hochsensibel/nicht hochsensibel gibt, sondern sich die Versuchspersonen entlang eines „Kontinuums“ von hochsensibel, mittlere Sensibilität und niedrige Sensibilität verteilten.

    https://www.nature.com/articles/s41398-017-0090-6#Tab4

    Hochsensible unterschieden sich dabei vor allem bei den Neurotizismuswerten. Diesbezüglich kann ich aufgrund eigener Erfahrung bestätigen, dass diese durch Therapie verbessert wird, man also „stabiler“ werden kann.

    Da es ein Kontinuum zu sein scheint, scheint es mir grds schwierig, Personen als hochsensibel oder nicht hochsensibel einzustufen. Ich verstehe das so, dass im Grunde jeder, zumindest im Bereich von mittlerer Sensibilität, auch gewisse hochsensible Eigenschaften hat bzw haben kann. Es scheint eine ganz normale Persönlichkeitseigenschaft zu sein, die nur mehr oder weniger ausgeprägt sein kann, wie andere Persönlichkeitsdimensionen (des Big 5) auch.

    Antworten
  16. Peter

    Danke euch für diese nette und lustige Folge! Hochsensibilität hin oder her, ich finde euch zusammen immer sehr erfrischend und meistens lerne ich auch noch was.
    (Mit Toby geht’s ja nur noch um Reichen-Probleme wie Brot und Gartenhäuschen.)

    Antworten
  17. Stefan aus Nürnberg

    Holgi, falls Du irgendwas haben könntest, dann ist es eine mehr oder minder ausgeprägte Form von AD(H)S.

    Kurzer Disclaimer vorab, bei mir wurde vor 2 Jahren eine leichte Form von AD(H)S im Erwachsenenalter diagnostiziert, nachdem unsere Tochter eine ADHS-Diagnose erhalten hatte. Daher habe ich mich ziemlich stark in die Thematik eingelesen, um zu verstehen, wie meine Tochter (und ich) funktionieren.

    Deine Schwierigkeit, in Bars die Stimmen rauszufiltern, also die oft zitierte Aufmerksamkeitsstörung, ist aber nur ein Indiz dafür. Ebenfalls dafür spricht Deine reduzierte Impulskontrolle (Fahrräder, Kameras, Essen, der frühere Drogenkonsum, …), die oft wechselnden Interessen und der damit verbundene Hyperfokus auf das jeweilige Thema. Dein ausgeprägtes Gerechtigkeitsempfinden ist auch noch so eine Sache, die oft bei Menschen mit AD(H)S auftritt. Ich weiß nicht, wie Du in größeren Menschengruppen funkionierst, aber 1-zu-1-Gespräche liegen AD(H)Sler wesentlich mehr und Du hast letztendlich ja Deinen Beruf daraus gemacht.

    Inwiefern es einen persönlich einschränkt oder nicht, kann man nur selber merken. Gerade Menschen mit leichteren Formen von AD(H)S entwickeln im Verlauf ihres Lebens aber selbstständig Coping-Mechanismen, die Krankheit fällt insgesamt nicht auf und kleinere krankheitsbedingte Fehlleistungen werden gerne als Charakterschwäche abgetan.

    Es ist eine sehr vielschichtige Krankheit mit einer langen Liste an Eigenschaften und es hat unserer Familie sehr geholfen, auf die vielen kleinen Puzzle-Stücke aufmerksam gemacht zu werden, die wir bislang übersehen hatten.

    P.S:

    Falls Du daran interessiert bist, eine Diagnose machen zu lassen, und Du bis jetzt noch keine Berufsunfähigkeitsversicherung bzw. eine Risiko-Lebensversicherung hast, solltest Du unbedingt vorher überlegen, ob Du so eine Versicherung abschließen willst, weil man da sonst teilweise heftige Zuschläge zahlen muss.

    Antworten
  18. Leo

    Hallo,
    also für mich seid ihr beide- und die Katha auch gleich mit- schon lange Schwestern und Brüder im weiten Feld der “Neurountypischen”, genauer gesagt desjenigen weiten Feldes, das sich ADHS-Asperger-Spektrum nennt.
    Niemand braucht eine Pathologisierung ohne Leidensdruck, und sofern ihr den (zur Zeit) nicht habt, braucht ihr auch keine Syndromstempel aus Diagnosekriteriumskatalogen.
    Aber.
    Ihr seid beide besondere Menschen, so wie viele, viele andere. Extrem coole Säue! Bin ich auch, selbes “Spektrum”. Herrlich unklar, ich weiß! Das darf aber auch so sein, weil sich beliebig Subtypen definieren lassen, “den” ADHSler, “die” Aspergerin gibt es so auch nicht.
    Im Gegensatz zu euch bin ich aber kein cooler Podcaster, sondern ne ziemlich arme Sau, die mit 44 Jahren immer noch nicht ihre Qualitäten ins Leben integriert bekommen hat. Ich habe leider früh mein Anderssein ungut kompensiert, und das ist mein eigentlicher Dachschaden: die sogenannte Komorbidität in Form einer leichten Persönlichkeitsstörung, das war dann meine Diagnose 2.
    Ich bekam damals in der 2. Psychotherapiestunde gesagt, was ich da vortrüge, klinge ja sehr nach ADHS. Ich hab bloss abgewunken und gedacht “so leicht wird’s wohl nicht werden, mich zu entschlüsseln”. War’s dann aber leider doch. Der helle Wahnsinn!
    Ihr ahnt nicht, wie verbreitet dieses Ding ist. 5% der Schulkinder kann man diagnostizieren, weil es eindeutig ist, da kann man locker nochmal 5 draufschlagen für Leute, due auch in die Richtung tendieren, vom Neurotyp her.
    Ich gehör zu den 10% der interessanten, geilen Leute, und ihr beiden auch. Basta!
    Wenn ihr Fragen habt zu euch selber, kann es lohnen, bei den Praktikern nachzugucken, die trockene Wikipedia-Beschreibung hatte mir jedenfalls keinen Wiedererkennungswert gebracht, es waren dann erst die lebensnahen Beispiele zB von Adhs Deutschland e.V., da is mir gleich die Kinnlade runtergeklappt. Traf fast alles zu, nur die Reizfilterschwäche nicht, oder jedenfalls nicht in der Art wie Christopher Lauer es berichtet hat oder wie in Holgis Beispiel mit dem Gespräch am Nebentisch. Das habe ich in der Form nicht. Bin dann halt n anderer Sub-Subtyp. Bei mir funktioniert Ritalin und Co nich, aber für viele ist es eine große Hilfe…
    Egal, bleibt wie ihr seid, danke für die Folge, sorry wegen des späten Kommentardatums, aber ich hab’s nicht so mit der rechtzeitigen Erledigung von To-Dos, hihihi. Gute Nacht!

    Antworten
  19. Martin

    Noch zum Thema “Menschen sind nicht böse sondern dumm”

    Da kenne ich eine schöne Definition von Osho:
    “Der Mensch handelt entweder aus Liebe oder aus Angst”

    Insofern würde ich sagen dass Menschen Ihre Angst nicht reflektieren und daher dumm handeln.

    Antworten
  20. Leo

    “Der Mensch handelt entweder aus Liebe oder aus Angst”
    Stimmt! Aber: Das ist mir zu komplex ausgedrückt. Liebe? Was soll das sein?

    “Ich will das fressen”, “das will mich fressen” – das sind die zwei Grundmotivatoren. Gutes und schlechtes Gefühl.
    Wer in unserer friedlichen Gesellschaft sich von der Angst leiten läßt, ist im Schnellen Denken verblieben, und damit unzivilisiert. Also in der Tat nicht “böse”, sondern nur primitiv.
    Unreflektierte Angst, ja, ganz genau.

    Antworten
  21. Martin

    “alle leute mitspielen weil sie denken dass es richtig sein wird, weil es fühlt sich ja richtig an, weil das andere was sich richtig anfühlt, muss ich mir zu stark herleiten als dass es sich richtig anfühlen würde”

    könnt ihr mir das nochmal erklären bitte 😀

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