WR1076 Das Ende der Antike

 

Das Ende des oströmischen Reiches gilt als das Ende der Antike – eingeleitet möglicherweise durch die eine oder andere Pandemie. Matthias von Hellfeld erzählt.

Die passende Ausgabe “Eine Stunde History” läuft am 1. Mai 2020 auf DLFnova.

6 Gedanken zu „WR1076 Das Ende der Antike

  1. Marcel

    Ostrom ist im 6./7. Jahrhundert nicht untergegangen, sondern hat bis 1453 weiter existiert.
    Matthias sagte zwar, dass Konstantinopel noch weiter eine christliche Metropole blieb, „inmitten der muslimischen Welt“, aber nach der Schilderung könnte man meinen, die Landkarte sähe schon im 7. Jahrhundert so aus wie 1453 (Konstantinopel eingeschlossen von muslimischen Reichen), was 800 Jahre Schrumpfung/Expansion und Einfluss des oströmischen/byzantinischen Reichs auch auf die westliche christliche Welt überspringt/nichtig macht.

    Dabei müsste doch gerade das oströmische/byzantinische Reich interessant sein, wenn es um den Übergang von Antike zu Mittelalter geht. Das Reich bestand kontinuierlich zwischen einem Zeitpunkt den man noch eindeutig Antike nennt und einem, den man eindeutig Mittelalter nennt.

    Gab es im Osten damit ein Ende der Antike, wie es den im Westen gab?
    Haben sich Westen und Osten parallel oder in verschiedene Richtungen entwickelt im Übergang zum Mittelalter?

    Da das Erbe/Prestige des römischen Reichs auch im Mittelalter noch wichtig blieb, finde ich komisch den östlichen Teil desselben ab einem bestimmten Datum für beendet zu erklären und dann einfach nicht mehr miteinzubeziehen.

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    1. Norbert

      Danke für beide Kommentare. Der „History of Byzantium“-Podcast ist echt empfehlenswert.

  2. Norbert

    Da mir Youtube heute ein Video How did Medieval People respond to the Black Death? vorgeschlagen hat, in dem eine auf das europäische Mittelalter spezialisierte Historikerin die verschiedenen Pestepedemien erläutert (mit Schwerpunkt auf den Schwarzen Tod im 14. Jh, die Justinianische Pest wird aber auch angeschnitten), will ich dann doch noch mal ein paar Zeilen schreiben.
    Holgis Teaser oben “Das Ende des oströmischen Reiches gilt als das Ende der Antike” ist sehr unglücklich gewählt. Ich möchte nur an WR584 – Die Schlacht von Mantzikert erinnern, in der Ihr Euch über den Abwehrkampf einer oströmischen Armee gegen türkische Invasoren im Jahr 1071 nahe der heutigen Grenze zwischen Türkei und Iran unterhalten habt. Ostrom überlebte nicht nur das Ende der Antike (wenn auch geschwächt und kleiner), es blieb bis ans Ende des 12. Jh. eine Großmacht, die diplomatisch und militärisch weit über ihre eigene Grenzen hinaus operieren konnte.

    Ich höre mir den Podcast gerade noch mal an. Ein paar Dinge sind da schon durcheinandergekommen:
    Justinians Restauratio Imperii wurde im wesentlichen von den Generälen Belisarius und Narses erreicht, die ihre Erfolge teils mit erstaunlich kleinen Heeren erreicht haben (Rückeroberung Nordafrikas: 15000-20000 Mann, Rückeroberung Siziliens und Süditaliens mit Rom: ca. 8000 Mann). Die Belastung für den Staatshaushalt war sicher nicht gering, aber doch überschaubar. Das Problem waren eher die entäuschenden Steuereinnahmen und Bevölkerungsstatistiken der zurückgewonnenen Gebieten (die nordafrikanischen Kornkammern mal ausgenommen) – nachdem da mehrmals die Völkerwanderung drübergerollt war, gab es nicht mehr viel zu holen.
    Die Justinianische Pest traf die Römer und ihre Nachbarn gleichermaßen. Dadurch hatte sie außenpolitischen keine nachteiligen Folgen. Genau genommen zwang sie sogar die Perser, einen zwei Jahre zuvor begonnenen Krieg mit Ostrom abzubrechen. Der Bevölkerungsschwund führte aber zum Zusammenbruch der letzten spätantiken Städte im Osten, die bis dahin noch so funktionierten, wie wir es im Gesschichtsunterricht über die hiesigen antiken Städte gelernt haben.
    Ein Teil der erwähnten Ereignisse haben nichts mit Kaiser Justinian (527–565), sondern mit Kaiser Herakleios (610–641) zu tun, es kommt aber so rüber, als wenn es noch zu Justinians Regierungszeit geschehen wäre. 603 begann der letzte und verheerendste Persisch-Römische Krieg. Nach und nach eroberten die Perser Syrien, Ägypten und Kleinasien, bis sie 626 vor den Toren Konstantinopel standen. Formal konnte Ostrom den Krieg 630 mit einem Friedensvertrag siegreich beenden, und die verlorenen Gebiete zurückgewinnen. Allerdings war Rom durch den langen Krieg sehr geschwächt, konnte nur wenige Truppen zur Sicherung der zurückgewonnen Gebiete entbehren, die Perser zogen nur langsam ab, und in der Situation tauchten plötzlich die Araber auf. Sie stießen in ein Gebiet vor, das nur schlecht verteidigt waren und dessen Bevölkerung nach zwei Jahrzehnten Krieg und Besatzung nicht mehr allzuviel Loyalität gegenüber den römischen Behörden aufbrachte. Die Pest mag da auch eine Rolle gespielt haben, aber die anfänglichen Erfolge der islamischen Expansion lassen sich auch anders erklären.

    Es kommt der Eindruck auf, daß Ihr Ereignisse

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    1. hilti

      Ergänzend dazu noch. Ostrom und die Perser haben sich gegenseitig so sehr geschwächt, dass beide den arabischen Eroberern und damit der Ausvbreitung des Islam nicht viel entgegensetzen konnten.

  3. Daniel

    Hallo,
    ich muss das Format mal hart kritisieren.
    Gerade in der Folge war er wieder deutlich, dass der Titel einer Folge nur der Aufhänger ist, um wild und kreuz und quer durch die Jahrhunderte und Jahrtausende zu springen. Kein Gedanke wird mal länger ausformuliert. Ihr hüpft von einem Versatzstück zum nächsten. Die Justianische Pest ist der Aufhänger, um die mittelalterliche Städtestruktur anzureißen. Das Ende der Antike wird eigentlich garnicht diskutiert. Nur das danach mal Mittelalter war, Karl der Große und Deutsches Kaiserreich und so. Später noch rumänischer Spargelstecher und Donald Trump. Die Uni in Wittenberg wurde 150 Jahre nach dem Schwarzen Tod gegründet, nicht weil sich zu der Zeit Sachsen als Territorialstaat ausgebildet hat und die ihre Beamten selber ausbilden wollten, sondern damit die nicht mehr nach Italien reisen mussten und die Pest einschleppen konnten, klaro.
    Aber was hat das mit der Lebenswelt im 5., 6. oder 7. Jahrhundert in Italien, Kleinasien und Persien zu tun? Darüber hätte ich gerne was gehört, als ich die Episode runtergeladen habe. Das hätte man in 30 Minuten auch gut hinbekommen, ohne dass das nur was für Historiker-Fachidioten sondern auch für interessierte Laien gewesen wäre. So war mein Erkenntnisgewinn (mal wieder) Null.

    Übrigens, das ist nicht nur in der Episode so, ich erinnere mich noch mit Grauen an die Episode über den Tod von Danton, in der es dann auch nur über Napoleon ging.

    MfG Daniel

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