WR1057 Eichmanns Flucht

 

Wenige Jahre nach dem zweiten Weltkrieg flieht Adolf Eichmann nach Argentinien. Matthias von Hellfeld erzählt.

Die passende Ausgabe “Eine Stunde History” läuft am 23. März 2020 auf DLFnova.

16 Gedanken zu „WR1057 Eichmanns Flucht

  1. Eric

    Da ja jetzt eh alle gelangweilt zu Hause sitzen, lege ich jedem, der mehr Aspekte zum Thema “Eichmann nach dem Krieg” in Erfahrung bringen möchte, Alternativlos Folge 26 ans Herz:
    https://alternativlos.org/26/
    Zu Gast ist Gaby Weber, die sehr viel mit Primärquellen gearbeitet hat und unter anderem das offizielle Entführungsnarrativ in Zweifel zieht.
    Alles in allem sehr erhellend.

    Antworten
    1. christian von praun

      @Eric, den Podcast habe ich auch fasziniert gehört – hatte aber immer wieder das Gefühl es rieche nach Aluhut. Wie seriös ist Frau Weber? Ich frage aus reinem Interesse

    2. fjoda

      @Titus Ich weiß nicht ob das Fefe-Siegel sie jetzt adelt oder ihr schadet… aber ja, man sollte ihre Forschung mit Vorsicht genießen. Sie recherchiert zwar viel und gerne, aber schleichen sich wohl recht viele Denkfehler ein, was sicherlich normal ist wenn man ohne journalistisches Netzwerk agiert, das einem gelegentlich Fehler und Kritik aufzeigt ohne dafür verteufelt zu werden.

    3. Opa Unger

      In der WRINT-Folge geht es ja hauptsächlich um die Flucht. Die Umstände der Entführung finde ich noch interessanter. Die konnten hier nur kurz angerissen werden. Sollten wir wirklich angesichts der fundierten Quellenangaben seit 2012 noch an der alten Version der Entführungsgeschichte festhalten?
      Auch ich habe gleich noch einmal die Alternativlos Folge 26 gehört. Sehr zu empfehlen ist auch das Buch: http://www.gabyweber.com/dwnld/ebooks/eichmannbuch.pdf
      Das kann man kostenfrei downloaden.

  2. Jesaya Yezin

    Eine tolle (sofern man das bei diesem Thema überhaupt sagen kann) Folge. Sehr informativ und ihr seid nicht abgeschweift. 😉

    1) Die Wikipedia und der zu dieser Folge gehörende “Eine Stunde History”-Beitrag sagt über ODESSA, dass es die eine, mächtige, weltumspannende Organisation, die alle Fäden in der Hand hielt und die Fluchten organisierte, nicht gegeben hat. Viel mehr habe es ein Netzwerk persönlicher Kontakte gegeben: “ich kenne einen, der einen kennt, der Papiere besorgen kann”.

    2) Ich nehme an, Matthias, du hast dich nur versprochen, als du meintest, viele Nazis seien über die Rattenlinien nach Südafrika (statt Südamerika) geflohen.

    Antworten
  3. Eric

    @Christian: Sie arbeitet als Journalistin und Korrespondentin u. a. für seriöse Medien, wie den öffentlich rechtlichen Rundfunk. Des Weiteren ist sie seit Jahren in Südamerika unterwegs und wendet viel eigene Zeit und Ressourcen für ihre Investigativrecherchen auf. Das zieht sich über Jahre und schließt Gerichtsverfahren mit ein.
    Auch in Bezug auf ihre Quellen ist sie transparent, daher scheint mir die von ihr konstruierte Faktenlage durchaus als plausibel. Meines Erachtens nach kennzeichnet sie ihre Hypothesen ausreichend als solche, gibt also zu, wenn sie Dinge nicht schlussendlich beweisen kann.
    Ihre Arbeit wurde wohl von einigen Medien in die Verschwörungsecke geschoben, aber das passiert schnell, wenn man kontroverse Themen beackert und von der offiziellen Darstellung abweicht.

    Antworten
    1. Dampier

      @Eric, gut zusammengefasst, danke. Kann ich so bestätigen. Gaby Weber leistet sehr wertvolle Arbeit, zB. auch über die Verwicklungen von Mercedes-Benz Argentina mit dem Folterregime, die haben ihre eigenen Gewerkschafter ans Messer der Folterknechte geliefert etc.
      Leider kommt sie manchmal etwas schrill rüber, wenn sie (berechtigt) wütend wird, aber das sollte man abstrahieren können.

  4. Tarifkenner

    Vielen Dank für die Sendung.
    An der Stelle, an der Holgi ungläubig fragt, ob Eichmann denn das alles alleine gemacht habe, ob er keinen Stab oder Mitarbeiter dazu gebraucht habe, musste ich mich schon wundern, dass MvH darauf beharrte, Eichmann habe das alles allein gemacht.
    Denn Holgi hat – wie so oft – Recht: Eichmann war Leiter eines Referats. Solche Arbeitseinheiten hatten im Reichssicherheitshauptamt (RSHA) normalerweise eine Größe von 5-7 Mitarbeiter. Eichmanns Referat hatte dagegen Dutzende Mitarbeiter und entsprach de facto einer Abteilung. Sieben von Eichmanns Mitarbeitern haben eigene Wikipedia-Einträge, u.a. Franz Novak, der für die Organisation der Eisenbahntransporte zuständig war. Die Vorstellung, Eichmann persönlich habe einzelne Züge von Griechenland nach Auschwitz organisiert, halte ich ehrlich gesagt für abwegig.
    Erschütternd und grotesk ist der österreichische Strafprozess gegen Franz Novak, der sich von dessen Verhaftung 1961 bis zum rechtskräftigen Urteil 1972 hinzog. Novak kam mit der Behauptung durch, er habe erst 1945 erfahren, dass die Juden in Auschwitz ermordet wurden (»Auschwitz war für mich nur ein Bahnhof«) und wurde nach einer Spezialvorschrift für Eisenbahner wegen vorsätzlicher Gefährdung (!) der Unversehrtheit von Passagieren bei einem Eisenbahntransport zu sieben Jahren Haft verurteilt, von denen er nur fünf absaß. Simon Wiesenthal rechnete aus, dass Novak für jedes seiner Opfer 3 Minuten und 20 Sekunden im Gefängnis war.

    https://de.wikipedia.org/wiki/Franz_Novak
    https://de.wikipedia.org/wiki/Eichmannreferat

    Antworten
    1. Matthias von Hellfeld

      Das war natürlich nicht so gemeint, dass er jede Anweisung und jede Umsetzung handgreiflich selbst gemacht hat, aber er war derjenige, der die wichtigen Besprechungen leitete und an Sitzungen der Konferenzen teilnahm, die den Holocaust “organisiert” haben.

  5. Roland

    Steile These das der Katholizismus die Leute immun gegen die Nazi Ideologie gemacht hat. Das Zentrum als mehrheitlich katholische Partei hat mitgeholfen Hitler erst an die Macht zu bringen. In Kroatien waren Mönche an der Judenvernichtung beteiligt. Und bis heute neigt die katholische Kirche dazu totalitäre Regime zu unterstützen.

    Antworten
    1. Matthias von Hellfeld

      Keineswegs steil. Es waren sehr viel mehr Katholiken als Protestanten bei “widerständigen” Aktionen gegen das NS-Regime. DAs ist unabhängig von der Haltung der “großen” Kirche…

  6. Roland

    Na ja alle Kommunisten waren im Widerstand und keiner würde behaupten diese Ideologie würde immun gegen den Nationalsozialismus oder unmenschliche Ideen machen.

    Antworten
  7. Jonas

    Ich habe meine soziologisch-historische Bachelorarbeit zu u.a. Eichmann geschrieben und war dafür auch im BND-Archiv, welches sich vor einiger Zeit noch in Pullach befand. Dazu folgendes:

    1. Der BND (damals Organisation Gehlen) wusste wohl schon seit 1952, wo Eichmann sich aufhielt. Das entsprechende Dokument habe ich sogar noch irgendwo digital rumliegen. Wenn ich mal aus meiner Arbeit zitieren darf:
    “seiner Familie nach Argentinien, am 24.06.1952, wurde der Organisation Gehlen gemeldet, dass „Standartenführer EICHMANN […] sich nicht in Ägypten, sondern unter dem Decknamen CLEMENS in Argentinien“ befände. Zudem sei die „Adresse von E. […] beim Chefredakteur der deutschen Zeitung in Argentinien „Der Weg“ bekannt“. Gemeint ist Eberhard Fritsch.
    Die Quelle hierzu ist im Archiv des Bundesnachrichtendienst die Signatur 100470 OT, falls das mal jemand einsehen möchte.
    2. Gaby Weber ist eine sehr wissbegierige und ordentliche Journalistin/Historikerin. Ich bin immer wieder überrascht, welche Details und v.a. Primärquellen sie ausgräbt. Ich kenne wenige Historiker im Bereich NS-Forschung, welche derart ins Detail von Primärquellen gehen (vielleicht noch Steffen Hänschen). Natürlich hat sie nicht immer Recht und man sollte niemals irgendwas als die absolute Wahrheit nehme. Ich selbst konnte aber die Erfahrung machen, dass der akademische Austausch mit Gaby funktionierte und sie auch auf Kritik eingeht – im Gegensatz z.B. zu Bettina Stangneth. Gaby Webers historische Arbeit schätze ich persönlich als deutlich besser als die von Bettina Stangneth ein.
    3. Die Aufarbeitung zu Eichmann und generell Nazis in Argentinien ist eine ganz eigene Geschichte. Die BND-Dokumente haben fast alle Schutzfristen, die aber gerade verfallen. Ich habe vor ca. 2 Jahren noch viele “frische” Dinge gefunden und ich persönlich denke, dass das Narrativ zu Eichmann und anderen Nazis in Südamerika / Argentinien nochmal beforscht und neu geschrieben werden sollte.
    4. Eine Art akademischer “Geheimtipp” ist für diesen Bereich nicht Frau Stangneths Buch, sondern die Arbeiten des Historikers Holger M. Meding, einem Fachman für Südamerika und Migration. Dieser Beschreibt die Umstände in Argentinien umfassender, beispielsweise bezogen auf die Zeitschrift “Der Weg”. Diese Literatur findet man auch in Stangneths Buch bei den Referenzen. Ein anderer Tipp sind Gaby Webers andere Arbeiten in diesem Bereich, z.B. über Mercedes Benz in Argentinien und die dort arbeitenden Nazis in den 50er Jahren.

    Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.