WR957 Der CSD

 

Im Juni 1969 begann in einer Bar in der New Yorker Christopher Street der sogenannte Stonewall-Aufstand. Matthias von Hellfeld erzählt.

Die passende Ausgabe “Eine Stunde History” läuft am 24. Juni 2019 auf DLFnova.

7 Gedanken zu „WR957 Der CSD

  1. Martin

    Ihr habt Frauen / Lesben nahezu komplett totgeschwiegen und die ganze Zeit Homosexuelle mit Schwulen gleich gesetzt. Erst wollte ich einen garstigen Kommentar schreiben, aber nun überwiegt das ehrliche Interesse: Was ist mit Lesben? Wurden sie auch verfolgt, diskriminiert, in eklige Spielunken gedrängt? Gab es eine gemeinsame Homosexuellen-Szene und -Bewegung oder waren die getrennt? Oder waren Frauen auch damals so ignoriert, dass man sie nichtmal verfolgen wollte?

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  2. Karla

    Mir ist auch aufgefallen dass ihr anfangs LGBTI gesagt habt, aber dann hauptsächlich auf schwule Männer eingegangen seid, was mich ein bisschen gestört hat weil gerade bei den Stonewall riots eben nicht nur Schwule Männer (und Drag queens) sondern auch Transfrauen ( zB. Marsha P. Johnson und Sylvia Rivera wobei es auch im nachhinein schwierig ist herauszufinden welches Label sie damals(primär) nutzten um ihre Identität zu beschreiben) dabei waren. Danach redet ihr auch nur noch über die Homosexuellen und wenn ihr beispiele auf die Verfolgung bzw Diskriminierung gegen Homosexuelle eingeht sind es Männer.

    Ich verstehe dass es kompliziert ist immer LGBTQIA+ oder andere Akronyme zu verwenden und es ist einfacher nur auf eine Gruppe (die Homosexuellen Männer) und ihre Diskrimkienierung einzugehen, gerade weil es rechtlich einfacher ist aufzuzeigen ( §175 etc.).

    Bei Lesbischen/Bisexuellen Frauen zB wird es komplizierter Quellen zu finden, so gab es in Österreich § 129 I b der Homosexualität (nicht nur männliche) unter Strafe stellte, soweit ich weiß wurde er 1942 in der Rechstsprechung ähnlich wie §175 nur noch bei Männern angewandt.

    Ihr hättet aber auch auf das Deutsche “Transsexuellen Gestetz” und die Vorraussetzungen für eine ofizielle Vornamensänderung bzw änderung der “Geschlechtszugehörigkeit” eingehen können. https://www.gesetze-im-internet.de/tsg/__1.html.

    Oder auf die Geschichte Intergeschlechtlicher Personen bzw seit wann es erst die Möglichkeit gibt nicht nur männlich bzw weiblich in Deutschalnd die Geburtsurkunde eintragen zulassen.

    Oder mehr auf dei Gesellschaftliche Situatiion von LGBTQIA* Personen eingehen können.

    ich würde mich freuen wenn ihr bei der nächsten CSD oder generellen LGBTQIA* Themen Folge nicht nur auf Homosexuelle Männer eingeht.

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  3. Christian

    Daß wieder eine Zunahme Ablehnung und sogar Gewalt gegen Homosexuelle meßbar ist, dürfte (genau wie beim Antisemitismus) aber auch mit einem Erstarken des Islamismus zu tun haben, so unschön das ist. Das zu verschweigen ist letztlich leider Wasser auf die Mühlen von AfD und Co. Rechtes Gedankengut, das Abweichungen von starren traditionellen Normen verteufelt, kommt nicht nur bei Deutschstämmigen vor. Engstirnigkeit hat viele Gesichter. Man sollte auch nicht so engstirnig sein, Homophobie simpel als Synonym für Schwulenhaß aufzufassen. Das ist in der Realität sicher differenzierter. Manche ekeln sich einfach vor gewissen Sexualpraktiken, was genauso als emotionale Regung zu tolerieren ist wie gleichgeschlechtliches Lustempfinden. Sexuelle Lust und ihr Gegenstück sind eben vielfältig und individuell. Grobe Beleidigung und Gewalt sind generell abzulehnen, unabhängig vom Motiv. Das sollte man separieren. Es muß nicht jeder alles toll finden müssen, aber Ablehnung sollte zivilisiert und bestenfalls höflich und respektvoll ausgedrückt werden. Und auch der Glaube an die Monokausalität für eine sexuelle Neigung (immer angeboren, nie erworben, wie ihr das im Gespräch behandelt) greift zu kurz. Kulinarische Geschmäcker und allgemein ästhetische Zu- und Abneigungen können sich im Laufe des Lebens ändern und auf Peergroup wie kulturelle Einflüsse zurückgehen. Das Phänomen der kindlichen Prägung ist zudem bekannt und eigentlich unumstritten. Die Wirkung einer “Werbung” für eine bestimmte Vorliebe ist daher nicht grundsätzlich von der Hand zu weisen. Es hängt auch von den kulturellen Normen ab, wie offen Menschen für die Entwicklung und Entdeckung einer Lustform sind.

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    1. holgi Beitragsautor

      Es ist vielmehr Glaube, dass Homosexualität antrainiert sei wie Ekel. Und dieser Glaube wurzelt sehr tief. Und weil es bei Homosexualität nicht um Verhalten geht, sondern um Existenz, sollte sich jeder, der Ekel empfindet, zunächst mal fragen, wie er diesen Ekel überwinden kann, bevor er Menschen implizit die Existenzberechtigung abspricht. Die Homohasser stören sich ja beispielsweise nicht daran, wenn ein Mann und Frau beispielsweise Analverkehr haben – jedenfalls habe ich noch keine entsprechenden lautstarken Proteste oder wortreiche Rchtfertigungen dafür gehört, warum das schlimm sei.

      Dass man Homosexualität in Kinder einprägen kann, stimmt halt nicht. Weil es kein Verhalten ist, sondern ein Seinszustand.

  4. Christian

    @holgi Ich finde es etwas inkonsequent und logisch fragwürdig, Gefühle derselben Skala von ekelvoller Abneigung bis lustvoller Zuneigung gleichzeitig auf der einen Seite als überwindbar, antrainiert und auf der anderen als unüberwindbar, angeboren einzuordnen. Das läßt sich logisch nur auflösen, wenn man den Monokausalismus aufgibt und mehrere mögliche Gründe für alle Punkte auf der Skala annimmt. Woraus folgt, daß auch Homophobie in manchen Fällen angeboren, ein Seinszustand und unüberwindbar sein könnte und Homosexualität in manchen Fällen wiederum nicht. Es ist plausibel, hier von einer Diversität auszugehen. Welche wissenschaftlichen Erkennisse genau sollen das widerlegen?

    Daß Homohasser heterosexuellen Analverkehr als unproblematisch empfinden, ist nur geraten, oder? Gründe, das generell, unabhängig von den beteiligten Geschlechtern, eklig zu finden, kann man sich doch leicht denken. Ebenso beim Oralverkehr. Was ist so unwahrscheinlich an der These, daß manche Leute Homosexualität gerade deswegen als unsympathisch empfinden, weil sie eben solche Befriedigungstechniken widerlich finden? Manchen gelingt es dann besser, das als Privatangelegenheit der jeweiligen Personen zu ignorieren, anderen nicht.

    Und in Kinder kann man sehr wohl alles mögliche einprägen. Das ist doch eine Binsenweisheit der Psychologie. Warum sollten geschlechtliche Vorlieben davon ausgenommen sein? Ich bin ziemlich sicher, daß man auch noch im Erwachsenenalter an bestimmte Vorlieben und Abneigungen gewöhnt werden kann, sich Orientierungen ändern lassen (genau das wird ja kurioserweise auch genau jenen abgefordert, die als “homophob” bezeichnet und damit begrifflich als unfreiwillig Homosexualität verabscheuend eingeordnet werden). Die gesamte Sexualmoral ist ein kulturelles Artefakt, das Menschen beigebracht wird. Abweichungen von moralischen Konventionen finden zwar dennoch statt, aber die allgemeine Lenkwirkung ist doch kaum zu bestreiten.

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