WR918 Frauenwahlrecht

 

Vor 100 Jahren wurde das Frauenwahlrecht eingeführt. Matthias von Hellfeld erzählt.

Die passende Ausgabe “Eine Stunde History” läuft am 4. März 2019 auf DLFnova.

10 Gedanken zu „WR918 Frauenwahlrecht

  1. marcel

    Vorbemerkung: Gleichberechtigung in allen Bereichen der Gesellschaft ist nach wie vor die große Gerechtigkeitsaufgabe unserer Gesellschaft, und wir sind noch lange nicht am Ziel. Nur dass da kein Zweifel aufkommt.

    Zwei Dinge: erstens, die ganzen Errungenschaften der Weimarer Republik, und der Weimarer Verfassung sind, wenn ich das hauptsächlich Verdienste der Sozialdemokratie. Das Zentrum und andere (aus damaliger Sicht) Mitte-Rechts Parteien bis hin zu Monarchisten haben daran nahezu keinen Anteil. Es war wirklich – vor allem gemessen an den Umständen – ein krasses Arbeitspaket das die SPD damals gestemmt bekommen hat, und wirklich erstaunlich dass dies (erstmal) umsetzbar war.

    Zweitens: Was ich interessant fand, und mir nicht klar war: Zumindest wenn man dem Wikipedia-Artikel(1) glauben darf, gab es schlicht – neben dem Fakt das Frauen kein Wahlrecht hatten – einfach bis 1919 in Deutschland insgesamt – also auch für viele Männer – kein Wahlrecht. Neben 100 Jahren Frauenwahlrecht gilt es also auch diese Tatsache zu feiern. (Und das ist ebenso beschämend, wenn man sich die internationale Entwicklung zu dieser Zeit anschaut.)

    (1) https://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_des_Wahlrechts_in_Deutschland

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    1. blub

      Im vorherigen Deutschen Kaiserreich gab es das allgemeine gleiche Wahlrecht für Männer über 25 _zum Reichstag_. Die Parlamente der Länder wurden nach eigenen Gesetzmäßigkeiten gewählt, in Preußen z.B. Dreiklassenwahlrecht.
      (Das ist an sich nicht ungewöhnliches, zum Landtag herscht ja idR auch ein anderes Wahlrecht als zum Bundestag)
      Das Rechte tatsächlich für _alle_ Männer gelten war ein relativ neues Konzept und an sich nicht deutlich älter als Frauenwahlrecht.

  2. Dave Remmel

    Ich kenne manche Frauen, die sich heute diskriminierende Kommentare anhören müssen, weil es eben ihr Traum ist Hausfrau und Mutter zu sein.
    Ich glaube, dass es viele Leute in die Hände der AfD treibt, dass wir in einer Gesellschaft leben, in welcher es nicht nachvollziehbar ist, dass sowas erstrebenswertes Lebensmodell sein kann.

    Klar, es war vielleicht nach Jahrtausenden von Patriarchalismus nötig, hier mal ins andere Extrem zu gehen, aber irgendwie sollten wir uns als Gesellschaft hier mal wieder etwas einorden und eine Mitte finden, welche beide Lebensmodelle unterstützt.

    Und natürlich, man gibt damit Freiheit auf. Das ist aber grundsätzlich der Fall wenn man sich dazu entscheidet, Kinder zu bekommen. Die Freiheit die man aufgibt ist primär finanzieller Natur. Was Zeit und Flexibilität angeht, gewinnt man viel (ich könnte mir das als Mann auch vorstellen) und mit moderneren Jobkonzepten, (Homeoffice etc.) sollte das eigentlich auch heute eher möglich sein, den Freiheitsverlust abzufedern – insbesondere wenn beide Partner bereit sind, hier Kompromisse zu machen

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    1. holgi Beitragsautor

      Das ist schade für die Frauen, die sich das anhören müssen, aber ganz sicher keine hinreichende Begründung dafür, Emanzipation als irgendwie gearteten Extremismus hinzustellen.

      Kinder sind ja nicht das Problem. Die Freiheit, die Frauen aufgeben, ist eine andere: Wenn die Frau 50 ist und sich ihr Leben lang auf die wirtschaftliche Absicherung durch den Mann gestützt hat, der sie aber für ne Jüngere verlässt, droht ihr die Altersarmut. Dafür kann sich jede Frau gerne entscheiden – ich unterstelle aber große Naivität, wenn sie gleichzeitig annimmt, ausgerechnet ihr würde sowas nicht passieren.
      Emanzipation bedeutet Aufklärung, bedeutet dass die Frau diese Entscheidung tatsächlich frei trifft und nicht, weil es Tradition ist, sie es also im Zweifelsfall nicht besser weiß oder es sich nicht besser vorstellen kann. Für Männer war es bisher sehr komfortabel, wenn die Frauen sich traditionsgerecht verhalten haben. Neuerdings müssen sie halt bessere Argumente bringen, als “das gehört so”, und ich unterstelle, dass viele von ihnen genau deshalb so vehement gegen die Aufklärung der Frauen durch sich selbst agitieren. Weil sie nämlich insgeheim wissen, dass sie in ihrer komfortablen Stellung infrage gestellt werden.

      (Wie ich das so schreibe, fällt mir auf, dass das so ähnlich auch auf Kopftuch tragende Musliminnen übertragbar ist.)

    2. blub

      Na klar ist das objektiv betrachtet dumm, aber Menschen haben nunmal ein Recht auf Dummheit.
      Man kann Menschen halt nicht vor sich selbst retten und man sollte die Entscheidungen die erwachsene Menschen für ihre eigenes Leben treffen respektieren.

      Um einen großartigen Film zu paraphrasieren: Man kann ihnen nur die Tür zeigen, durch gehen müssen sie schon selbst.

      (Der Unterschied zum Kopftuch ist wenn man mit ~53 entscheidet das man kein Bock mehr hat verliert man nicht was, aber ~25 Jahre kein eigenes Einkommen(etc.) bekommt man nicht so einfach zurück.)

    3. Dave Remmel

      @Holgi: Bin ja vollkommen bei Dir. Hab ja auch nicht gesagt, dass Emanzipation “Extremismus” ist – im Gegenteil.
      Aber es gibt nunmal Frauen (und Männer) die sich das wünschen (vielleicht auch nur eine Zeit lang), ob das nun in unser Weltbild passt, oder nicht. Und nicht alle diese Leute sind rückständige, konservative Dummerchen, die es nicht besser wissen.
      Es gibt eben nunmal verschiedene Lebensentwürfe…

      Emanzipation heißt Entscheidungsfreiheit. Und wir sind in der Gesellschaft sicher noch lange nicht da, dass Frauen frei entscheiden können, aber Emanzipation sollte imo intrinsisch motiviert sein sollte. Wenn man sie anderen aufzwingt, verliert sie ihre Wirkung und kehrt sich ins Gegenteil – und dann hängt man die Leute ab und sie wählen Naziparteien.

      Und ja, auch ich hatte an die Kopftuch-Debatte gedacht… Wir erreichen keine moslemische Frau, die durch ihren Mann unterdrückt wird durch Burka-, oder Kopftuchverbote.

      Es gibt meistens mehr als zwei Seiten auf denen man vom Pferd fallen kann…
      Ich bin nur für eine Horizonterweiterung – aber für alle.

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