WR795 Das Massaker von My Lai

 

Vietnamkrieg: Am 16. März 1968 massakrierten US-Soldaten Frauen und Kinder im vietnamesischen Dorf My Lai. Matthias von Hellfeld erzählt.

Dazu passt: WR673 Agent Orange im Vietnamkrieg und WR541 Boat People.

„Gleichzeitig antwortet mehr als jeder Zweite auf die Frage, ob Vorfahren unter den Opfern des Zweiten Weltkriegs waren, mit Ja.“ (Berliner Zeitung vom 13.2.2018)

Die passende Ausgabe „Eine Stunde History“ läuft am 12.3.2018 auf DLFnova.

12 Gedanken zu „WR795 Das Massaker von My Lai

  1. TImo

    hallo holger

    die Annahme, dass die Welt immer gewalttätiger wird stimmt nicht. Die Statistik spricht dafür, dass die ganze Welt immer friedlcher, gebildeter, reicher und demokratischer wird.

    Hier Graph der Toten in Kriegen (incl ISIS), Seite 2: https://stevenpinker.com/files/pinker/files/has_the_decline_of_violence_reversed_since_the_better_angels_of_our_nature_was_written_2017.pdf

    Hier eine Seite die Graphen für alle Lebensbereiche darstellt: https://ourworldindata.org
    Ist vieleicht auch ein Thema für die Wochendämmerung

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    1. Norbert

      Du hast schon gesehen, daß „Battle Deaths“ an dem Diagramm steht? Da sind die Opfer von My Lai nicht mit drin. Die stecken wahrscheinlich im Diagramm auf Seite 4 – „Genocide deaths“. Man beachte auch, wie sich die Skala der Y-Achse ändert.

    2. mithrandir

      Das hat eben auch mit den Nachrichten zu tun. Was Holgi immer sagt. Schlimme Dinge weichen von der Norm mehr ab als gute, deswegen werden Sie höher bewertet.
      Interessant in diesem Zusammenhang sind immer wieder die Vorträge von Hans Rossling und seiner Plattform: https://www.gapminder.org/
      Nach seinem Tod von seinen Kindern und der Stiftung weiter betrieben.
      Macht mal den Test: http://forms.gapminder.org/s3/test-2018

  2. knut

    „Die Menschheit als Ganzes hat nichts dazugelernt“

    Einspruch!: „Die Menschheit als Ganzes“ zettelt keine Kriege an, das tun regelmäßig nur eine kleine Clique Idioten bzw deren Steigbügelhalter, entweder aus Geldgier oder aus ideologischen Gründen. Wobei die Übergänge da gern auch fliessend sein dürften. Ausführen dürfen das dann Leute, die mit falsch verstandenem Korpsgeist oder aus fehlenden Lebensperspektiven in das Gefüge aus Befehl und Gehorsam eingebunden sind. Paar kriegsgeile Irre werden sicherlich auch mit dabei sein.

    Was ich mich in Bezug auf Deutschland immer frage: Wieso waren es ausgerechnet Angehörige der 68er Generation, die damals GEGEN den Krieg auf die Strassen gegangen sind, die deutsche Soldaten erstmals seit dem Ende des 2. Weltkriegs in einen völkerrechtswidrigen Krieg geschickt haben und das mit zunehmender Leichtigkeit immer wieder tun?

    Wieso wird heutzutage in der deutschen Politik quer durch alle Parteien mit Ausnahme der Linken in einer unerträglichen Weise weiterhin gegen geltendes Völkerrecht verstoßen, indem unter abenteuerlichen und an den Haaren herbeigezogenen Begründungen deutsche Soldaten als Kriegsgehilfen agieren, denn etwas anderes sind sie nicht?

    Man schaue sich gern mal bei Jung&Naiv die Bundespressekonferenzen an, wie dort laviert und rumgeeiert wird, nur um nicht zugeben zu müssen, dass die Türkei völkerrechtswidrig in Syrien eingefallen ist. Liegt das vielleicht daran, dass auch unsere Tornados, die dort angeblich nur schöne Landschaftsaufnahmen machen, völkerrechtswidrig im Luftraum eines souveränen Staates rumfliegen?

    Man erinnere sich an Herrn Georg Klein, der trotz Einwänden der Bomberpiloten auf der Bombardierung eines festgefahrenen Tanklasters in Afghanistan bestand, der zu dieser Zeit für niemanden eine Gefahr mehr darstellte, und damit rund 100 Menschen ermordet hat.
    Strafe? Fehlanzeige, nach einer vergleichsweise kurzen Empörungsphase redet niemand mehr davon, der brave Herr Klein wurde mittlerweile sogar zum Brigadegeneral befördert. Mord lohnt sich wieder in Deutschland.

    Und wie wird ein ganzes Volk zum Mittäter?

    Man schaue sich beinahe täglich unsere Qualitätsmedien an, wie dort in unerträglich einseitiger und tendenziöser „Berichterstattung“ Mörder und Kopfabschneider zu „Rebellen“ verklärt werden, weil man temporär mit diesen Typen den gleichen Feind zu haben vorgibt.

    Man schaue sich unsere Qualitätsmedien an, wie dort in unerträglicher Weise einem neuen Kalten Krieg gegen Russland das Wort geredet wird. Die Bezeichnung „Ostfront“ ist wieder salonfähig, ukrainische Faschisten sind unsere Freunde und wir müssen ihnen gegen den „Russen“ beistehen. Die Liste kann beliebig fortgesetzt werden.

    Man schaue sich das alles an und dann stelle man sich als Gedankenexperiment vor, dass in 70 Jahren wieder ein paar Podcaster zusammensitzen und sich fragen, wie es zur jeweils letzten Katastrophe kommen konnte …

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  3. Mithrandir

    Ich finde es schade, dass man nicht auch ein bisschen über die Geschichte um das Photo von Kim Phuc eingegangen ist, das von der Presse schamlos ausgenutzt wurde. Nicht dass ich die Tat und das Grauen herunterspielen möchte,aber dass den Reportern damals die Fotos wichtiger waren als den Verletzten zu helfen, gehört auch zur Grausamkeit des Krieges
    http://www.zeithistorische-forschungen.de/2-2005/id%3D4632
    Noch viel schlimmer fand ich, dass MvH tatsächlich nicht mitbekommen hat, dass es kein amerikanischer Bomberpilot war, der den Angriff geflogen hatte. Die Story mit def Reue 7nd der Versöhnung war ein großer Fake.

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    1. mithrandir

      Vielleicht hast du mich falsch verstanden.
      Es geht darum, das du sagtest der amerikanische Pilot, der Trang Bang bombadierte sei Prediger geworden und fast geplagt von Schuldgefühlen.
      Tatsächlich war es ein südvietnamesischer Pilot, der die Bombe abwarf (das macht die Sache an sich nicht weniger schlimm, ganz klar.).
      Hier:
      http://www.zeithistorische-forschungen.de/2-2005/id%3D4632#pgfId-1033395
      Absatz: „5. „Hijacking the history“: Neue Narrative und Mythen“
      Letzter Absatz (13):
      „Nachdem auch Plummers ehemalige Vorgesetzte bestätigt hatten, dass dieser in keiner Weise an den Ereignissen von 1972 beteiligt gewesen war und sich darüber hinaus der südvietnamesische Pilot gemeldet hatte, sah sich Plummer gezwungen, seine Aussagen zu relativieren. Er habe die Attacke nicht angeordnet, sondern lediglich koordiniert. Gleichzeitig waren allerdings auch Archivdokumente aufgetaucht, die belegten, dass es in der Region um Trang Bang 1972 gar keine US-Berater mehr gegeben hatte. Plummers „Korrektur“ erschien auf einer Methodisten-Website, die dennoch grundsätzlich an Plummers Story festhielt, ließ sich mit ihr doch trefflich der christliche Mythos der Vergebung und Versöhnung transportieren.“

      Ich will weder den Vietnamkrieg noch die Grauen von Tran Bang oder My Lai schönreden, verteidigen oder was auch immer. Im Kern ist eure Doku richtig und gut, aber es ist halt ein Fehler drin, der meiner Meinung nach nicht passieren sollte. Aber selbst Guido Knopp hat ihn wohl gemacht.

      http://www.sueddeutsche.de/medien/bilder-geschichte-negativ-a-1.2451505-2
      Unter der Überschrift „Unstillbares Bedürfnis, der Zeit beim Heilen aller Wunden zur Hand zu gehen“
      „Offenbar gibt es ein unstillbares Bedürfnis, der Zeit beim Heilen aller Wunden zur Hand zu gehen. 1996 meldete sich bei einem Veteranentreffen der amerikanische Soldat John Plummer und erklärte, er sei es gewesen, der den Befehl zum Angriff auf Trang Bang gegeben habe………An dem Eingriff und seiner Planung waren nur Vietnamesen beteiligt; auch die Opfer waren Vietnamesen. Allerdings entsprach Plummers Selbstbezichtigung dem verbreiteten Bedürfnis nach Versöhnung. Nach Krieg und Leid und Tod war diese Sehnsucht so groß, dass das ZDF in einer Guido-Knopp-Sendung und in der Folge auch die Bild-Zeitung noch 1999, als der fromme Schwindel längst aufgeflogen war, die Legende weiterverbreiteten.“

      Mir war das sehr geläufig, dass du davon nichts wusstest hat mich gewundert.

    2. Tarifkenner

      @mithrandir und @morrrk
      Vielen Dank für diese wichtige Ergänzung. Den Schluss, den die Süddeutsche zieht „… es gab nichts zu versöhnen. John Plummer hatte mit dem Napalm-Einsatz am 8. Juni 1972 nichts zu tun“, halte ich aber für problematisch. M.E. hat jeder US-Soldat, der in Vietnam gekämpft hat, objektiv einen Beitrag dazu geleistet, dass der Vietnamkrieg 1972 nicht schon längst vorbei war. Ich empfinde es schon als Diskrepanz, dass man einerseits den „Buchhalter von Auschwitz“ im juristischen Sinn der Beihilfe am Mord von 300.000 Menschen schuldig spricht und andererseits zwischen einem US-Vietnam-Veteranen und einem Vietnamkriegsopfer sogar das Bedürfnis einer betont unjuristischen Versöhnung verneint. (Das soll jetzt natürlich nicht den Vietnamkrieg mit dem Holocaust vergleichen.)

  4. Matthias von Hellfeld

    Dabei war meine Company so stolz ihn für die ZDF-Reihe „100 Jahre 100 Bilder“ vor die Kamera bekommen zu haben…

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