WR724 Bestattung

 

Eric Wrede hat nach einigen Jahren in der Medienwelt beschlossen, dass es für ihn sinnvoller ist, Bestatter zu sein. Seine Firma „Lebensnah“ bietet individuelle Bestattungen an, was reichlich das Gegenteil von dem ist, was ich bisher von dieser Branche gewohnt war und aus ihr gehört hatte.
Knapp  zwei Stunden haben wir neben einem Sarg gesessen und hauptsächlich über die Dinge geredet, die passieren, nachdem ein Mensch gestorben ist.

 

Eric macht auch einen eigenen Podcast: The End.

37 Gedanken zu „WR724 Bestattung

  1. Manka

    Vielen Dank auch von mir. Schöner Einblick und schön das es Veränderung in der Sterbekultur gibt.

    Meine Eltern haben als Alternative für sich gewählt ihre Körper Medizinstudenten zur Verfügung zu stellen.

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  2. Michael

    Auch ich will mich für die Sendung bedanken, vor allem mit dem Hintergrund eines sehr kürzlichen nahen Todesfalls und der bevorstehenden Beerdigung. Der Fall als solcher trat sehr plötzlich ein.

    Ergänzen möchte ich aber, dass hier auf dem Lande (Stadt mit ca. 15000 Einwohner) sich der bestattet schon sehr viel Zeit für die Hinterbliebenen nimmt. Dabei wird sehr viel Wert auf die Grabstätte (inkl. Gang zur Grabstelle), sowie die Auswahl des Grabsteins vor Ort beim Steinmetz genommen wird. Ebenso werden alle Wege rund um bestehende Verpflichtungen des Toten (Mietverträge, Telefonverträge, usw. ) angeboten. So ein Service kann die Trauernden enorm erleichtern, weil die Bürokratie auch davor kein Halten macht.

    Nach all der möglichen Dienstleistung bleibt aber eins, die Leere. Diese kann nur Familie und Freunde füllen. Diese kann einem auch Eric abnehmen.

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  3. baffi

    Ich finde es immer wieder erfrischend festzustellen, dass es noch ein paar Menschen gibt, die es vermögen aus ihrem Beruf eine Berufung zu machen. Danke für die interessanten Informationen und die angenehm unaufgeregte Weise der Darbietung. Ich werde gleich mal die erste Folge von „the end“ hören.

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  4. Turtle

    Sehr tolle Sendung.
    Ich war bisher nur bei 3 Beerdigungen, darunter meine beiden Großmütter, die sehr unterschiedlich abliefen, was vor allem mit der familiären Situation zu tun hatte. Beide Omas sind nicht unerwartet gestorben, insofern war es kein Schock. Ich kann vor unterschreiben, wenn Eric sagt wie wichtig es ist, mit dem/der Verstorbenen aber auch mit den nahen Angehörigen im Reinen zu sein. Sonst kann so eine Beerdigung bzw. Trauerfeier sehr hässlich enden.
    Leider war es mir aus diversen Gründen nicht möglich meine Omas nochmal zu sehen, was mich allerdings verwunderte, dass meine Mutter (sie hat innerhalb 24h meine Oma nochmal gesehen) meinte sie würde das nicht nochmal machen.

    Auch was die Begleitung angeht von Menschen die sterbenskrank sind, stimmt. In meiner Verwandtschaft gab es so einen Fall. Die Tochter meiner Cousine hatte unheilbaren Krebs und hatte sich gewünscht, dass sie zu hause stirbt (wenn sie denn schon sterben muss). Ihre Familie und HOMe (Hospiz ohne Mauern) beim Uniklinikum München haben ihr das ermöglicht.
    Bei ihr war auch die Bestattung nicht so traditionell. Es gab einen großen Trauergottesdienst (bei dem nicht nur geheult sondern auch viel gelacht und gesungen wurde). Die Urne wurde dann im engen Familienkreis beigesetzt. Und anschließend hat die Familie dort ein Picknick dort veranstaltet. Es gibt einen Dokufilm über sie, ich glaube bei Youtube ist er noch zu finden „Noch einmal Sommer für Wenke“.

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    1. Markus

      Ich denke es ist bei jedem Menach verschieden, ob er den verstorbenen noch mal sehen will. Daher verstehe ich es sehr gut, dass deine Mitter dies nicht noch einmal tun möchte.

    2. morrrk

      Die von Dir angesprochene Reportage kenne ich aus dem Fernsehen, ist mittlerweile tatsächlich auch auf YouTube gelandet: https://youtu.be/SDyGdFZNv3g Wahnsinnig beeindruckende Dokumentation, die ebenso wie dieses Gespräch hier (Dank an die Beteiligten!) zeigt, dass man im „Falschen“ (= die Tatsache, dass jemand stirbt) trotzdem noch so viel Richtiges tun kann. Allein die Präsenz der Thematik bewirkt etwas, vermute ich ganz stark.

  5. njorg

    Danke für diesen Podcast. Wir Jungvolk werden doch erstaunlich selten auf das Thema gestoßen, auch wenn Beerdigungen immer mal wieder stattfinden. Wobei ich doch den Eindruck habe, dass die Offenheit in den letzten 20 Jahren wieder zugenommen hat – kann aber natürlich auch meine Filterblase sein.

    Bei aller Befürwortung für individuelle Arten der Bestattung, finde ich doch am Friedhof schön, dass das etwas Kollektives hat. Hier liegen die Menschen gemeinsam, egal ob arm oder reich, ob Freund oder Feind. Genauso kommen hier alle Menschen hin und begegnen sich friedlich und respektvoll – sowohl alle, die den einen lieb(t)en, als auch alle, die dort einen Lieben liegen haben. Um religionswissenschaftlichen Sprech anzuwenden: es wird sozusagen kollektive Würdigung, Respekt und Gedenken performiert.
    Aber vielleicht ist das auch ein sehr religiöser Gedanke? Als Theologe bin ich da natürlich vorbelastet. Und natürlich darf das nicht von berechtigter Kritik an festgefahrenen Strukturen abhalten.

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  6. simohn

    Danke für das Interessante Gespräch.

    Nur das aprupte Holgi Ende hat mich wieder verstört. Ich fand die Schlussfrage „Haben wir noch was vergessen“ viel schöner.

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    1. Markus

      Stimmt, das hat mir früher auch gut gefallen… und bevor ich es vergesse… 😉
      Vielen Dank für dieses tolle und interessante Gespräch.

    2. Alex

      Ja, das stört mich leider schon eine Weile, auch beim Geschichtsunterricht. Eigentlich sollte bei einem Podcast die Zeit dafür da sein gut aus dem Gespräch raus zu führen und keinen „full-stop“ hinzulegen.

    3. holgi Beitragsautor

      Es ist oft so, dass die Gespräche nach hinten raus ausfransen. Darum schneide ich dir häufig dort ab, wo es noch Sinn ergibt. Aber vielleicht habt ihr recht und ich sollte die Frage nach dem vergessenen Thema einfach wieder reinnehmen.

  7. Volker

    Vielen Dank für diese tolle Folge. Sehr spannender Einblick, der anregt über sich und das Leben nachzudenken.
    Ich selbst hab vor einem Jahr am Tag meiner Hochzeit meine Oma „verloren“ und vor 12 Jahren meinen Vater. Was ich spannend fand, als ich mich selbst beim trauern beobachtete, dass ich selbst gar nicht so traurig war und gleichzeitig das Gefühl hatte „Mist, ich werde meiner Rolle als Angehöriger nicht gerecht. Von mir wird gerade ein Tränendrama erwartet, dass ich nicht liefern kann.“ Bei Trauerfeiern jüngerer Menschen in meinem Alter oder auch bei der Beerdigung der Mutter einer Freundin war ich viel ergriffener. Das ist wohl ähnlich, wie ihr das im Podcast beschrieben habt.

    Danke!
    Genießt das Leben

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  8. Jan

    Also wenn das Altenheim einfach nen Leichen Transport bestellt ohne die Hinterbliebenden zu fragen, musste die nicht dann die Rechnung bezahlen?

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  9. Marc

    Vielen Dank Eric und Holger für diesen wirklich sehr interessanten Podcast. Selten hat mich ein Podcast zu einem für mich nicht alltäglichen Thema derart gefesselt.

    Sehr interessant finde ich auch den Unterschied alleine zwischen Deutschland und der Schweiz bezüglich der Bestattungskultur. In der Schweiz ist es gerade eben Ausdruck der Menschenwürde, dass der Verstorbene oder die Angehörigen selbst darüber entscheiden, was sie mit der Urne und der Asche passiert. Ein Verstreuen der Asche in der Natur ist zwar nicht üblich aber ausserhalb von Gewässern ohne Genehmigung möglich und im See nach kurzer Rücksprache mit der Behörde.

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  10. andreas

    Gutes Thema.
    Wen es interessiert,hier ein link zu einer podcast Episode die das Thema ebenfalls augegriffen hat und iteressante Informationen liefert.

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  11. Markus

    Hallo Holgi und Eric,

    sehr beeindruckendes Gespräch. Was mich noch interessieren würde. Wie findet man Bestatter außerhalb von Berlin, die ähnlich wie du, Eric, arbeiten?
    Aus eigener Erfahrung kenne ich nur die „andere“ Variante, die sehr konservativ an die Trauerbegleitung herangeht.

    Danke
    Markus

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  12. Claudia

    Vielen Dank für diesen bewegenden Podcast.
    Als vor 5Jahren meine Oma verstorben ist, habe ich meine Mutter auf einigen Wegen begleitet und sie hat sich auch einige der angesprochenen Fragen (wo ist sie jetzt, liegt sie noch kühl oder wurde sie schon kremiert) gestellt, das Institut hat jedoch keiner von uns dazu befragt. Wir habe eine für uns gute Trauerfeier ohne Rede aber mit individueller Musik gehabt, die auch positive Rückmeldung der anderen Trauernden erzeugte. Insgesamt fand ich den Rahmen insbesondere das zeitliche Limit in der Kapelle aber doch recht beengend.
    Herzlichen Dank für viele neue Gedankenanstöße, ich hoffe bei Bedarf auch in Sachsen eine vergleichbare Trauerbegleitung wie die von Eric zu finden…
    Claudia

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  13. Ben

    Danke Holgi für deine wahnsinnig witzige und dabei doch intellektuelle Art über den Tellerrand zu schauen. Für viele ist dieses Thema tabu und du machst daraus einen unerreichbar tollen Podcast ! Wäre ich eine Frau, ich hätte von dir Kinder eingefordert, so kann ich neidvoll weiterhin nur einer der größten Bewunderer und Fans bleiben 😉

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  14. spaTzenTisch

    Was mich am meisten freut: neue Ideen in der Sterbekultur zeigen, dass Spiritualität manchmal ein Bedürfnis ist, und auch ab von Religion und Esoterik funktioniert. War vor zwei Monaten auf einer Exkursion in einem Kinderhospiz und total begeistert von der Atmosphäre dort und den Ideen kultur- und religionsübergreifend mit dem Thema Tod und Sterben umzugehen.

    Vielen Dank euch beiden!

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  15. Anne

    Danke für die gelungene Sendung zu dem ungewöhnlichen Thema! Habe sehr viele Denkanstöße mitgenommen, auch wenn das Thema gerade (ein Glück) bei mir nicht aktuell ist.

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  16. anonym

    Hallo,

    danke für einen sehr informativen, teilweise aber auch erschütternden Podcast. Da macht man sich doch gleich Gedanken darüber, was mit den eigenen Eltern oder einem selbst passieren soll/dürfte/könnte….

    Und zum Thema „absurde Geschichten über die Schweiz“: es ist doch nicht zwingend nötig, den Leichnam in die Schweiz zu bringen?
    Es gibt Partnerunternehmen in D, die die Einäscherung durchführen. Die Urne bleibt dann so lange zu Hause, bis sich die Familie verabschiedet hat, dann kann die Urne in die Schweiz gebracht und dort die Bestattung erfolgen… wie lange man für den Abschied braucht, bleibt der Familie selbst überlassen…

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  17. das-pearl

    Sehr bewegend, hatte mehrmals pippi in den augen beim zuhören. Musste mehrmals an meine verstorbenen angehörigen denken. Und konnte mich auch viel mitfreuen, von den fällen wo erik vonsprach. Werds mir bei gelegenheit wieder anhören….

    Vielen dank.

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  18. sWen

    Hallo Holger,
    Hallo Eric,
    vielen Dank für die vielen Informationen und Hintergrundinformationen, die ihr mir mit dieser Folge gegeben hat. Ich bin etwas geschockt, was hinter den Kulissen so alles abgeht.

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  19. Matthias

    Danke Holger und auch an Eric für den wirklich guten und Hörenswerten Podcast.
    Ich hatte erst ein „komisches Gefühl“ ob ich diese Folge hören sollte, hab’s aber nach den fast 2h nicht bereut. Im Gegenteil, es war sehr hörenswert und ich werde u.a. diese Folge gerne weiter empfehlen.

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  20. Wilhelm

    Also ich muss hier mal ein paar Worte trotz des kirchenhassenden Holger Klein schreiben.

    Eric sprach u.a. von einem Innovationsgefälle Nord-Süd und begründete dies u.a. mit Trauergruppen. Das mag sein, dass das formal so ist und ich finde auch gut, dass es das gibt. Ich kann mir aber gut vorstellen, dass eben nicht nur (wie Holgi behauptet) an den Traditionen gerüttelt wird und die kath. Kirche beharrlicher ist.
    Ich glaube, dass im Süden einfach noch ein gelebter Katholizismus da ist. Da wird Kirchweih gefeiert und die Kirche gehört zum Leben, genau wie deren Werte. Man ist dort noch eingebunden und hat vermutlich einfach einen anderen von außen unsichtbaren Trauerbegleitprozess.
    Ich kenne das aus meiner Erfahrung: Wenn bei uns nun jmd. in der Kirchgemeinde stirbt, ist es häufig kein unbekannter Mensch. Man kennt die Familie. Die Gemeindemitglieder melden sich, helfen (je nach Nähe mehr oder weniger), der Parrer führt min. 2 Gespräche und nimmt sich Zeit die Bestattung durchzugehen.
    Da die Kinder in der Regel Messdiender gewesen sind und häufig Erwachsene auch noch Messdiener sind, ist es ganz üblich, dass auch Beerdigungen ministriert werden. Dass Kinder Beerdigungen in Großstädten ministrieren ist unüblich, hat einfach damit zu tun, dass die Friedhöfe Zeiten vorgeben, bei denen die Kinder in der Schule sind.
    Da wo die Friedhöfe den Kirchen noch gehören und die Zeitfenster frei verfügbar sind, machen das auch Kinder und Jugendliche.
    Tod und das Sterben sind also nicht so ganz weit weg. Wenn ein 12 jähriger Junge am Kopfende des Sarges steht und an seinen Fußspitzen ein Sarg hinunter gelassen wird, ist das ein beeindruckender Moment, den er nicht so schnell vergisst. Und so ist und bleibt der Tod einfach ein Bestandteil des Lebens und eine Beerdigung ist nichts besonderes. Es ist einfach klar, dass das dazu gehört.

    Im Eichsfeld wird es wohl auch weniger von außen sichtbare Trauerarbeit geben, obwohl es in Niedersachsen ist.

    Ich bin mir nicht ganz sicher ob mein Punkt rüber gekommen ist, aber ich wollte vermitteln, dass Innovationen wie das was Holger „psycho-soziale Begleitung“ nennt, vielleicht schlicht nicht von dritten gemacht werden muss, da es selbstverständlich ist, dass der Trauernde nicht allein bleibt. In der Folge eben auch keine Angebote von Vereinen o.Ä. nötig sind. Es einfach selbstverständlicher und von außen unsichtbarer geschieht. Allein wenn ein Requium für einen Verstorbenen in der Gemeinde gefeiert wird, ist das ja schon ein Teil der Anteilnahme, oder wenn schlicht Messen für bestimmte Verstorbene aufgeopfert werden. Das kann ein Außensehender oder Kirche feindlich gesinnter Holger vielleicht nicht nachvollziehen. Aber den Menschen bedeutet das durchaus viel und ist ein wichtiger Teil des Abschiednehmens.

    R.I.P.; also requiescat in pace; ist nicht nur eine leere Wortgruppe.

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    1. holgi Beitragsautor

      Na, Du scheinst dir deiner Sache mit der Kirche ja sehr sicher zu sein, sonst würdest Du mich sicherlich nicht persönlich angreifen müssen.

      Warum ist es ausgerechnet bei euch Kirchenjüngern eigentlich immer direkt „Hass“, wenn man euren Verein in Frage stellt?

    2. Wilhelm

      Hey Holgi,

      naja ich greife dich nicht persönlich an. Ich schreibe nur wie Du bei mir ankommst. Ich höre Dich allerdings auch gern, weil ich meinen Horizont so mal erweitern kann.
      Man kann gegen Kirche sagen was man will, aber dass es Menschen auch einfach durch Äußeres und Riten Halt geben kann, ist wohl unbestritten.

  21. Hermann

    Danke für diese tolle Folge.
    Wie die Bestattungen dort sind weiß ich nicht, aber ich empfehle den Besuch des „Krematorium Berlin Baumschulenweg“ (zb beim Tag des Friedhofs) aus ästhetischen Gründen.
    Die Science-Fiction-Architektur war im Film „AEon Flux“ zu sehen (eine Google Bildersuche „Krematorium Berlin Baumschulenweg“ gibt schon einen guten Eindruck.)

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