WR357 Der Sozialstatus (Exkurs Soziologie III)

 

wrint_politik_300Lehrer Thomas Brandt erteilt mir Politikunterricht. Auch die siebente Stunde gehört zu unserem soziologischen Exkurs. Ich lerne den Sozialstatus kennen.

Ausführliche Shownotes und Flattr-Buttons gibt’s in Thomas‘ Blog.

Auch diese Folge ist von minderer Klangqualität. Ab der übernächsten wird sich das bessern. Bitte entschuldigt.

15 Gedanken zu „WR357 Der Sozialstatus (Exkurs Soziologie III)

    1. Thomas

      Nachdem die Sinus Milieus Hedonisten als Menschen mit progressiver Einstellung, aber niedrigem Einkommen (und damit meist auch Bildung) definieren, sind sie das, was landläufig gern als „Assi“ bezeichnet wird. Ich glaube das Problem ist nicht die Definition sondern, dass diese Menschen als „Assis“ gesehen werden. Es ist vollkommen legitim ein spaßorientierter Mensch mit niedriger bis mittlerer Bildung zu sein. Es ist die Ansicht, dass diese Menschen keinen Wert für die Gesellschaft haben, die zum Hedonismus führt. Denn dieser übermäßige Betonung von „Spaß“ oder einfachem Genuss ist doch nur das Pfeifen im Walde also eine Gegenreaktion auf eine Gesellschaft, die ihnen zeigt, dass ein „guter Mensch“ Individualist und hochproduktiv ist. Für beides fehlt hier das Vermögen und im Zweifel die Bildung, also wird mit einer primitiveren Version gegenreagiert.

      Wenn du meinst, dass es auch Hedonisten mit hohem Einkommen und Bildungsniveau gibt, dann liegt das daran, dass deren „Spaß“ einen anderen Anspruch verbreitet und sie dadurch zu ökologisch-aktiven oder gar Performern werden.

      Wie immer: alles eine Frage der Sichtweise.

  1. David

    Mein Problem mit den Sinus Milieus (und den diversen Ausdifferenzierungen etc davon – Ich könnte dir zum Spaß beispielsweise SinusMilieus alter Bevölkerungsgruppen aus einem Seminar letztes Jahr zukommen lassen) ist, dass ich sie mittlerweile häufiger als Marketing-Instrument zur Werbeoptimierung und Zielgruppenanalyse für Produkte erlebe, als Erklärungsmodelle für die soziostrukturellen Zusammenhänge in unserer Gesellschaft… Irgendwie fühlt sich das immer etwas schmuddelig an.
    Als ehemaliger Student der Uni Siegen bin ich natürlich auch mit Geisslers Modell vertraut, ich glaube allerdings dass deine Ausführungen gut zeigen, dass es in den 70ern ein spannendes Erklärungsmodell war, an dem danach permanent rumgeschraubt wurde, um es irgendwie aktuell zu halten und das Bild – mit dem man Herrn Prof Geissler bis heute verbindet – nicht zu beschädigen.
    Als deskriptives Modell finde ich daher erstaunlicherweise auch heute noch Bourdieus Ansatz am einleuchtendsten und „erklärendsten“, beispielsweise auch warum der Wechsel zwischen sozialen Schichten um einiges schwieriger ist als man sich das vorstellt. Oberschichtshabitus kann man sich eben nicht anheiraten… Aber dazu verweise Ich dann auch lieber auf Alexandras Podcastfolge 🙂

    Antworten
  2. Rico

    Ich denke es ist selbsverständlich aber wer mehr über Sozialtheorien erfahren möchte sollte den Soziopod zum Thema anhören. Dort wird es wirklich gut und ausführlich erklärt.

    Antworten
    1. Thomas

      Das kann ich nur unterstützen. Vor allem, weil dort auch sämtliche Implikationen der Theorien diskutiert werden. Wir stellen ja eigentlich nur dar.

  3. Sebastian

    Ich musste nur den Namen „Nadine“ hören uns wusste gleich genau, welcher Typ Person nun beschrieben wird (und hatte Recht). An Holgers Lachen, als der Name genannt wurde, konnte man gut hören, dass er genau das Gleiche gedacht hat. So haben eben auch Namen ihren klischeehaften Sozialstatus…

    Antworten
  4. MichaeL

    „Denn dieser übermäßige Betonung von “Spaß” oder einfachem Genuss ist doch nur das Pfeifen im Walde also eine Gegenreaktion auf eine Gesellschaft, die ihnen zeigt, dass ein “guter Mensch” Individualist und hochproduktiv ist.“ – Thomas
    Ja , und in dem es nicht in die eine Extreme der intellektuellen Selbstkasteiung geht verfällt es aber leider in die Aufgabe an einen fatalistischen und schlechten Hedonismus.
    Wichtig finde ich zudem noch den Unterschied von einem sog. Lifestyle-Hedonismus (eine Art ideologischer Lustgewinn durch sublimieren) und dem lediglichen Lustgewinn durch Gegenreaktion, wo gesellschaftliche Verwertung/Ablehnung in Lust umschlägt.
    Demnach folge ich hier ein paar Komentatoren und finde ähnlich den Hedonismus, nach erstem Reinhören, zu regressiv.

    „Wenn du meinst, dass es auch Hedonisten mit hohem Einkommen und Bildungsniveau gibt, dann liegt das daran, dass deren “Spaß” einen anderen Anspruch verbreitet und sie dadurch zu ökologisch-aktiven oder gar Performern werden.“ – Thomas
    Da kann man auch viel drüber schreiben, nach meiner Wahrnehmung, vorallem stadtsoziologisch fällt einem da ein Bereich auf: eine Stadt, die nicht mehr für „einfache“ Menschen, sondern für die Events gemacht ist. Vom Hafengeburtstag [da denke ich an eine bestimmte Hafencity] über die Einfahrt diverser Kreuzer , die gefeiert werden: die Freßmeilen, Essen als Event für die, welche sich besonders düncken: vom Rive bis hin zum IndoChine: Essen als eine Weise, die feinen Unterschiede zu markieren und die eigene Besonderheit herauszustreichen, ohne dabei zu bemerken, wie läppisch diese Typen sich verhalten. Reflexartig, sei hierzu angemerkt, kommt bei solchen Themen dann häufig die Wendung vom kleinen Glück im stillen, das doch jeder brauche, und es wird nicht bemerkt, daß genau diese Mechanismen von Betrug im Kapitalismus dieses eingeforderte Glück gerade hintertreiben.

    So richtig Sozialwissenschaft sind die Sinus-Milieus ja auch nicht!

    Zu Bourdieu und der angesprochenen Kunst: Wird die bloße Funktionslosigkeit von Kunst propagiert, so ist das immer ein Stück Ideologie, und zwar die eines Bürgertums, welches von höheren Weihen faselt, um sich den eigenen Status zu bestätigen. Darin möchte ich Bourdieu recht geben. Gerade bei Bourdieu (und auch Foucault auf den er sich viel bezieht) geht es ja zuallerst um soziale Fragen und solche der Art und Weise des Funktionierens von Macht. Das finde ich dann meist sehr aufschlussreich.

    PS: In gewisser Weise gibt sich auch als ästhetischer Hedonismus unsere Lust am Hören hier zu erkennen.

    Antworten
  5. thf

    Ist Bourdieu tatsächlich Schulstoff in Bayern, oder hattest du den für die Sendung mit rein genommen?
    Ich habe, trotz verpflichtendem SoWi Zusatzkurs in der 13 erst im Studium von ihm resp. seinen Theorien gehört, und glaube, dass mir viel Verzweiflung erspart geblieben wäre, hätte ich mir Dinge vorher auf diese Weise erklären können.

    Bleibt nur eine Frage: Das klingt alles sehr plausibel, wo ist der Haken?

    Antworten
    1. David

      Ich bin da auch sehr erstaunt. Trotz Sozialwissenschaften und Pädagogik in der Oberstufe (NRW) konnte Ich mit dem Begriff der Soziologie zu Studienbeginn überhaupt nichts anfangen. „Sozialwissenschaften“ war meistens Grundlagen der Politik (Exekutive, Legislative, Judikative und ein bisschen Grundgesetz) so wie Ökonomie und „Pädagogik“ bestand überwiegend aus Auswendiglernen von Piagets Altersstufen der Entwicklung.

    2. Thomas

      Im Lehrplan steht in Gebiet 3 (das ich aus den Gründen, die ich auch mal genannt habe vorziehe) folgende Zielformulierung:

      Sozialstruktur und deren Entwicklung
      ▪ Demografischer Wandel
      ▪ Gesellschaftsmodelle (Schich-
      ten-, Klassen-, Milieutheorien
      etc.)
      ▪ Ungleichheit (Geschlecht, Her-
      kunft, etc.)

      Da steht „etc.“ also darf ich mir die Theorie aussuchen. Es steht also im Lehrplan und da nicht explizit die Theorien angegeben sind, mache ich halt diejenige, die plausibel erscheint.

      Der Haken? Es sind alles Theorien, die in ihren Randbereichen sicher Probleme erzeugen können und eine ideologische Basis haben. Es ist auch immer eine Vereinfachung dessen, was wirklich passiert. Aber jenseits dessen ist mir bisher keiner aufgefallen.

  6. Chris

    An der Stelle wollte ich erstmal nur loswerden, dass diese Folge wieder sehr interessant und unterhaltsam war, hoofe auf mehr Folgen mit unserem Politiklehrer! (Gruß aus Nürnberg)

    Und als kleines Offtopic:
    Da die Holgi-Hörer vermutlich größtenteils übernatürlichen Dingen auch eher skeptisch gegenüberstehen, empfehle ich an der Stelle einfach mal die Domian Folge vom 23.10 (äußerst amüsant), falls ihr auf Wrint schon mit allen Podcasts durch seit 😉

    Antworten
  7. chrysophylax

    Ich wollte nur mal loswerden, dass diese Sendereihe einfach großartig ist. Ich kann gar nicht so viel flattern wie ich begeistert bin. Mehr davon!

    Muss wirklich mal schauen ob es bei Thomas auch einen amazon-affiliate-link gibt, dann werde ich meine amazon-Einkäufe aufteilen und Thomas auch gelegentlich mal einen abgeben. Holgi wundert sich bestimmt schon was für eine krude Mischung aus seltsamem Geraffel da gelegentlich über seinen Affiliate-Link gekauft wird 😉

    chrysophylax.

    Antworten
  8. David

    Die Reihe wird von Folge zu Folge interessanter, aber…:
    Bitte bitte macht etwas an der Audio/Übertragungsqualität, diese Folge war richtig schlimm mit Audioaussetzern/Klongs, die ganze Wörter verschwinden lies. Holgi scheint sie gehört zu haben, weil er direkt drauf einging.
    Vielleicht bin ich aber auch nur besonders empfindlich/unfähig, ich habe auch oft tierische Probleme mit jemanden über Handy zu telefonieren, und verstehe oft nur wenig. Andere sehen das ja scheinbar nicht so, und telefonieren gern stundenlang (auch zu hause) damit – und ich häng an meinem schönen klaren ISDN….

    Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.