WR1226 Fritte & Racklett

 

Darin Antworten auf Fragen nach: Hosenmode, Polnische Vorurteile, Kaugummi, Lego (ist böse), Strengstens, Soziologen, Schulwissen, Reifung, Erkenntnis, Kirchenmusik, Synchronstimmen, Camping, Bücher, Aha-Erlebnis und die obligatorische Höflichkeitsfrage von esureL.

 

Alexandra unterstützen? Hier entlang!

31 Gedanken zu „WR1226 Fritte & Racklett

    1. Galamaltut

      Die Geschäftspraktiken von Lego sind sicher nicht in Ordnung. In den Videos, die mir ich vom “Held der Steine” angesehen habe, wirkt er aber ehrlich gesagt schon ein bisschen wie ein Schreihals. Vieles, was er sagt, ist sicher nachvollziehbar, aber er scheint sich schon auch in seiner neu gefundenen Rolle zu gefallen. Wenn man das “Lego-Problem” etwas nüchterner angehen will, wäre es zum Beispiel sinnvoll, sich das im Kontext unseres gegenwärtigen Wirtschaftssystem, und was daran schlecht läuft, zu sehen. Die reine Konsumenten Perspektive von jedem, der sich freut, dass er 1000 weiße Steine für 33€ von einem anderen Hersteller erstehen kann, ist da genau so unreflektiert, wie Lego uneingeschränkt gut zu finden. Kann er ja machen, aber dann soll er sich vielleicht auch nicht zu großen Lego-Kritiker stilisieren; das ist dann doch eher eine Schnäppchenjägermentalität.

      Also: Lego-Kritik, sicher angebracht. Aber “Held der Steine” als großen Anti-Lego-Verfechter zu stilisieren – meh.

  1. Tobias Jakobi

    Geschichtslehrer hier. Das mit Leif Erikson und der “falschen Antwort” ist ne komplizierte Kiste. Ja, er war wahrscheinlich der erste aus Europa. Kolumbus ist deswegen der “Entdecker”, weil seit seiner Ankunft das Wissen um Amerika nicht mehr abbrach. Eriksons “Entdeckung” war für Europa ohne Konsequenzen.

    Generell: wenn mir jemand im Unterricht oder Test eine Antwort präsentiert, die ich nicht erwarte, die aber plausibel klingt, recherchiere ich das. Ich weiß, das Bild von Lehrkräften, insbesondere älteren, ist anders. Aber ich weiß doch ganz genau, dass ich vieles nicht weiß und bevor ich Mist erzähle, sag ich gerne meinen Schüler:innen “Wusste ich noch nicht, so noch nicht darüber nachgedacht” etc. Ich merke aber auch an den Reaktionen, dass einige Lehrkräfte das aber nicht so machen.

    Davon abgesehen ist Ambiguität und Perspektivwechsel eh ein primäres Lernziel in Geschichte. Vielen Schüler:innen ist doch total schnell klar zu machen, dass “Entdeckung” hier ein fragwürdiger Begriff ist – sobald man sie kurz die Perspektive der Indigenen einnehmen lässt und ihnen sagt “dieses Land wurde jetzt entdeckt”, dann kommt sofort der Einwand “aber wir leben doch schon ewig hier!”.

    Ich hoffe der Beitrag ist halbwegs sinnvoll und verständlich.

    Lieb Grüße an Holger, Alexandra und alle Hörer:innen von WRINT.

    Antworten
    1. Thomas Kieckbusch

      Hier auch ein Geschichtslehrer! Ich kann mich dem nur anschließen. Beim Thema Entdeckung Amerikas wissen meine Schüler:innen häufig schon, dass wohl “die Wikinger” zuerst da waren. Ich stelle aber auch nie die Frage “Wer war der Entdecker Amerikas?”. Wir reden bei Kolumbus, wie auch Tobias ja schon schrieb, über die Bedeutung für Europa, die Bedeutung und Veränderung von Wissen. Und dann stellt sich bei Kolumbus ja auch die Frage, ob er Amerika entdeckt hat? Ihm wird ja eine gewisse Rolle zugeschrieben und ich diskutiere gerne mit meinen 7. und 8.klässlern. ob diese Rolle richtig ist. Dann kam ja noch Amerigo Vespucci ins Spiel.
      Wenn jemand etwas schreibt, was ich erstmal nicht erwartet habe, recherchiere ich das auch.

      In meinem 2. Fach bin ich Religionslehrer. In Bremen haben wir staatlichen Religionsunterricht, in dem alle Religionen und Weltanschauungen zusammen unterrichtet werden. Hier ist es noch viel spannender. Hier muss man zum einen verschiedene religiöse Ansichten einbringen, gleichzeitig als real darstellen und mit einem historischen Kontext verknüpfen. Jesus kann im Christentum Sohn Gottes sein. Im Islam wäre das eine unmögliche Vorstellung, dass Gott einen Sohn hat. Aber Sohn ist hier vielleicht nur ein Wort, das etwas beschreibt, was wir uns im Rahmen göttlicher Schöpfung nicht vorstellen können. Und so können wir im einen Klassenraum sitzen, verschiedene Ansichten der eigenen Wahrheit haben und bleiben im Dialog. Bei einer Prüfung wäre dann eben die Frage nach der Bedeutung von Jesus im Christentum und der Bedeutung von Jesus im Islam und im Judentum. Dann kann man doch wieder ganz klar über 3 verschiedene Ansichten sprechen.

      Bei Twitter im #Twitterlehrerzimmer gab es kürzlich eine riesige Diskussion über Mathe trifft. Hier ging es um Fragen nach der “richtigen Vermittlung” von Wissen in Mathe in der Grundschule. Bei Multiplikationen kann man die Zahlen ja tauschen. 3*4 ist das gleiche wie 4*3. Es wurden Fotos von Mathearbeiten gepostet, in denen die Schüler:innen 4 Hände, die 3 Finger hochhalten, in eine Rechnung übertragen sollten. Hier wäre aber nur 4*3 die richtige Antwort. Wer 3*4 schrieb hat es als Fehler angerechnet bekommen. Hier steht wohl der didaktische Weg der Lehrkraft über den mathematischen Regeln.

  2. Laura

    Hallo ihr zwei,

    Lehrerin hier. Ich kann nicht für alle meine Kolleg:innen sprechen, aber ich lasse mich gern belehren. Wenn ein Kind etwas besser weiß als ich, lasse ich die Antwort NATÜRLICH gelten & freu mich, dass ich wieder was gelernt hab.

    Liebe Grüße!

    Antworten
  3. Marco Richter

    Tut mir leid aber ich verstehe Holgers Aussage bezüglich des deutschen Kabarett nicht. Bei deutschen Standup-Vomidians (ursprünglich n Schreibfehler, welchen ich allerdings äußerst passend finde) ist es tatsächlich Gang und Gebe Randhruppen zu thematisieren, da bin ich bei Holger. Allerdings gerade im Bereich Kabarett sehe ich nen anderen Trend. Shows wie “Die Anstalt”, “Extra 3”, “heute Show” und auch Leute wie Böhmermann schießen nahezu ausschließlich gegen Politiker, Manager, Verschwörungstheoretikern und andere Promis. Warum denkt ihr, in Deutschland wäre es typisch, nach unten zu treten?

    Antworten
    1. holgi Beitragsautor

      Das liegt vor allem wohl daran, dass ich “echtes” Kabarett überhaupt nicht auf dem Schirm habe, wenn ich über diese Art der Unterhaltung rede, weil die mich meistens sehr langweilt (vermutlich habe ich mich noch nicht von Dieter Hildebrandt erholt). Außer Böhmermann – aber der fällt für mich nicht in diese Kategorie, sondern ist irgendetwas anderes. Was denen aber allen gemein ist, ist dass sie nicht wirklich Massenphänomene sind. Der Humor der deutschen Masse tritt nach unten und seine Bühnenausprägung ist deutsche Vodemie 😀

    2. Michael

      Beim Hören dieses Teils ist mir auch direkt Bill Burr eingefallen – wenn sich einer über Randgruppen lustig macht, dann der.
      Und was ist mit America’s got Talent? Muss man ja nur mal bei Youtube suchen, und sehen, welche Auftritte da wie übertragen werden…
      Und zu guter Letzt: DIe Vorlage der Sch’tis (aus dem Film Willkommen bei den Sch’tis) haben doch auch eine reale Vorlage? So wie wir uns über Ostfriesen / Österrreicher / Bayern / Preußen lustig machen, scheinen sich doch auch die Franzosen über andere Bevölkerungsteile lustig zu machen?

      Ich glaube nicht, dass diese Lust, andere zu erniedrigen bzw. sich an der Erniedriegung anderer zu “ergötzen” was speziell deutsches ist.

      Und zu guter Letzt macht ihr das doch ein paar Minuten früher auch – bei euch sind’s Leute, die kein Französisch sprechen.
      Und warum soll das nur bei ausgesuchten Sprachen peinlich sein?
      “Phobos-Grunt” spricht jeder falsch als “Grant” aus – obwohl diese Raumsonde als russische eben einen russischen Namen hat (“grunt” heißt auf russisch Boden und wird wie deutsch “Grund” ausgesprochen…).

      Fragen über Fragen …

  4. Katharina

    Ich bin Chemielehrerin und habe genau das Problem, dass ihr am Beispiel Geschichte beschreibt, als Dauerzustand in meinem Unterricht. Bei uns ist es sogar im Lehrplan vorgesehen, dass in jedem Schuljahr neue Erkenntnisse vermittelt werden, die die bereits Gelernten als falsch erscheinen lassen – Bsp. Atombau. Ich muss dafür rein wissenschaftlich betrachtet jeden Tag falsche Inhalte unterrichten, um die Komplexität in Grenzen zu halten. Gleichzeitig weiß ich, dass im nächsten Schuljahr durch neu erworbenes Wissen komplexere Inhalte erarbeitet werden, die sich nicht mit den ursprünglichen vereinbaren lassen.
    Für mich funktioniert hier die historische Didaktik am besten: man lehrt nicht, wie die Dinge IN WIRKLICHKEIT sind, sondern wie sie zu einem Gewissen Zeitpunkt mit Hilfe der damals zur Verfügung stehenden Mittel erklärt werden konnten. Fortschritt ermöglicht dann differenzierte Theorien, aber DIE WAHRHEIT werden wir nie herausfinden.
    Liebe Grüße 🙂

    Antworten
    1. Tobias Jakobi

      Ich fand damals unseren Chemielehrer erfrischend ehrlich was das Atommodell angeht. Er hat uns in der 8./9. das Bohrsche Modell (das mit den Elektronen-Schalen) erklärt und meinte ganz offen: “Das ist fachlich falsch, aber richtig genug, damit ihr in den nächsten Jahren alles versteht. Wer es bis zur 12. Klasse packt, bekommt das richtige Modell erklärt”. Das ist dann das Orbitalmodell.

    2. knaguun

      Ich musste bei der Diskussion zu veraltetem Wissen im ersten Moment auch direkt an die Atommodelle aus dem Chemieunterricht denken. Ich weiß noch, dass mir bis zum Physik-LK mindestens drei verschiedene Atom-Modell detaillierter begegnet sind (Rutherford, Bohr, im Physikunterricht in der 13 dann das Quantephysikalische) und weitere zumindest mal dem Namen nach fielen (Dalton, Thomson). Die Lehrenden haben das auch jeweils immer transparent gemacht und gesagt, dass das nicht die ganze “Wahrheit” ist. Ich bin kein Naturwissenschaftler, hatte das aber auch nie als “wahr oder falsch” verstanden, sondern als verschiedene Kenntnisstände zur verschiedenen Zeiten, bzw. Vereinfachungen zu Lehrzwecken. Der Name “-modell” sagt das ja auch schon. Ähnlich, wie man in Mathe auch lange gesagt bekommt, dass man keine Wurzel aus negativen Zahlen ziehen kann um dann in der Oberstufe den komplexen Zahlen zu begegnen. Oder wie man lange die Prinzipien der newtonschen Mechanik lernt, um dann später im Physik-LK die spezielle Relativitätstheorie für Spezialfälle vermittelt zu bekommen.

      Insofern bin ich nicht sicher, ob das ein gutes Beispiel für “falsches” Schulwissen ist. Ich erinnere mich auch daran, dass mein Physik-Lehrer ein, zwei mal sagte, er habe vor 10 Jahren noch dies und jenes vermittelt, aber inzwischen habe sich da der Kenntnisstand geändert. Fand ich sehr gut.

    3. holgi Beitragsautor

      Das Bohrsche hatte ich in der Chemie-Nachprüfung und weil das nicht im Klassenbuch stand, hatte ich das nicht gelernt und bin deshalb nicht versetzt worden 😆

    4. Nobel klingendwollener Unterschichlter

      Gute Sendung,

      Als Schweizer muss ich Anmerken dass wir wir wirklich Raclee sagen, ohne das T 😉
      Müsste mit der Französischen betonung auch korrekt sein und nicht ein lokaler Sprachauswuchs.

      LG

  5. Titus von Unhold

    Es gibt Kombiwitze für Alexandra. ^^

    Abdul und Horst bauen zusammen ein Doppelhaus. Sagt Abdul beim Richtfest: “Mensch Horst, schönes Haus, aber es wird weniger Wert sein als meine Hälfte.”
    -“Warum?”
    “Du wohnst neben einem Türken, ich neben einem Arzt.”

    Antworten
  6. Donngal

    Wenn Lego neue Märkte erschließen will, frage ich mich warum nicht auch mal pferdesets für Jungen aufgelegt werden. Welchen Grund soll es haben dass ein Reiterhof Lila ist? Das ist völlig widersinnig.

    Meinem Sohn, der Reiter ist, fehlt das sehr, ein realistisches Pferdeset, statt dieser Lila Zuckerwatte Ponyhöfe.

    Antworten
  7. knaguun

    Lego muss ja auch verhindern, dass Spielzeug von Geschwistern nach genutzt werden kann. Wo kommen wir denn da hin, wenn ein Junge einfach weiter mit den Sachen der älteren Schwester oder Cousine weiterspielt, ohne dass Geld fließt? (Ist im Prinzip das, was Holger bzgl. stetigem Wachstum meinte; das ist ein Erklärungsansatz, der sehr oft greift.).

    Antworten
  8. Abkueko

    Was die 20-Jährigen und die belehrende Art angeht kann ich dies sehr gut nachvollziehen.
    Dieses Alter beinhaltet einen Rollenkonflikt. In Kindheit &Jugend war man es gewohnt keine Ahnung zu haben. Selbst wenn ich eine gute Idee hatte wurde die von Erwachsenen belächelt und ignoriert (vgl. fridays for future). Dann ist man irgendwann “erwachsen” und soll nun mehr oder minder alleine klarkommen. Das Bedürfnis dementsprechend ernst genommen zu werden ist da und wird oft genug nicht erfüllt. Der Versuch wen in Richtung unwissenden Kind abzuqualifizieren ist präsent. Vermutlich ist es einfach eine Überkompensation um gehört zu werden.
    Ich beobachte immer wieder, dass man meine Aussagen erheblich höher gewichtet als die deutlich jüngerer Menschen – selbst wenn die zum jeweiligen Thema besser aufgestellt sind.

    Antworten
  9. Boris

    Ich wollte nur kurz mitteilen, dass ich mich von dieser Folge außerordentlich unterhalten gefühlt habe, und das bei diesen Inzidenzen!
    Danke.

    Antworten
  10. Julia

    Hallo Holgi, kannst du sagen wie das japanische Kochbuch heißt :)? Hab es nicht auf deiner Amazon Liste gefunden.
    Liebe Grüße
    Julia

    Antworten
    1. holgi Beitragsautor

      Ohje… in welchem Zusammenhang hab ich das denn erwähnt gehabt?

    2. Boris

      Gemeint ist “Meine grüne japanische Küche” und der Vorgänger “Meine japanische Küche”, der Autor heißt Stevan Paul.

  11. Njorg

    Ich bin bekennender zerissene-jeans-Träger. Aber bei mir hatte das nie was mit Mode zu tun, sondern ist tatsächlich echte Abnutzung. Ich hab einfach nie eingesehen, eine Hose auszusortieren, die ihre Funktion noch erfüllt und gut passt – und ich bin gleichzeitig zu faul, die Hosen zu flicken.

    Antworten
  12. Alex

    Hi,

    LEGO “muß” dagegen vorgehen das Klemmbausteine als LEGO bezeichnet werden, da sonst der Name irgendwann rechtlich als Gattungsname eingestufft wird und der Markenschutz dadurch flöten geht.

    Wiki dazu: “Für ein Unternehmen kann es wirtschaftliche Nachteile mit sich bringen, wenn ein von ihm gehaltener Produktname durch den allgemeinen Sprachgebrauch zu einem Gattungsnamen wird, da nach Ablauf der Markenschutzfrist eine Verlängerung des Markenschutzes verweigert werden kann, wenn der Markenname zu einem allgemein verbreiteten Gattungsbegriff geworden ist.”

    https://de.wikipedia.org/wiki/Gattungsname

    Ob das wirklich nötig ist, soll jeder für sich entscheiden, LEGO findet “ja”.

    Antworten
    1. Njorg

      Die Frage ist dabei natürlich, wie man dabei vorgeht. Man kann natürlich im Grunde harmlose Klemmbaustein-Nerds mit Abmahnungen und Klagedrohungen überziehen.
      Oder man könnte sie auch freundlich anschreiben und eben den Sachverhalt erklären, den du gerade erklärt hast, mit der Bitte, die allgemeine Nutzung von “Lego” zu unterlassen. Und wenn es wieder vorkommt, kann man ja etwas deutlicher werden und auf die Möglichkeit juristischer Schritte hinweisen.

  13. der Ralf

    Thema Schule:
    In der Grundschule wurde meinen Kindern das Gegenteil von Geschmacksrichtungen beigebracht, also süß ist das Gegenteil von salzig usw. oder so ähnlich
    Ich hatte ihnen dann zuhause an Beispielen erklärt, das dies so nicht richtig ist z.b. weil sich Gegensätze “neutralisieren” (chemisch, Säure und Laugen) bzw. es einen klaren Verlauf vom einem zum anderen gibt (von Heiß zu Kalt). Für Geschmack gibt es das nicht, wie wir anhand von Experimenten dann gemeinsam “erforscht” haben.
    Außer der Behauptung das süß/salzig/bitter/sauer irgendwie gegenteilig sind gibt es keine Möglichkeit das irgendwie festzulegen.
    Das Gegenteil von salzig ist nicht salzig bzw. die Abwesenheit von Salz.
    In den schriftlichen Tests haben sie das dann auch so hingeschrieben, was dann als falsch bewertet wurde. Der Ältere hat das dann auch hinterfragt worauf ich dann auch noch mal ein Gespräch mit der Lehrkraft hatte. Sinngemäß ging es um das sture Auswendiglernen und Grundlagen von Gegenteilen, wofür das Beispiel eben etwas “unglücklich” war (die anderen behandelten Beispiele waren ja auch richtiger z.b. heiß/kalt, hell/dunkel). Am Ergebnis wurde aber nichts geändert.
    Beim Jüngeren (gleiche Lehrkraft, gleicher Test) gab es dann nur noch einen schriftlichen Kommentar und einen “Gnadenpunkt”…

    Lektion die meine Kinder gelernt haben:
    – durch wissenschaftliches Vorgehen und Experimente kann man interessante Dinge herausfinden und nachweisen
    – Manchmal lernt man in der Schule Dinge, die so vereinfacht und/oder aus dem Kontext gerissen sind, das diese eigentlich falsch sind.
    – Manchmal muss man für die Schule Dinge auswendig lernen und wiedergeben, obwohl man weiß das diese falsch/nicht ganz richtig/vereinfacht sind. Zumindest wenn man gute Noten haben will.
    – Das mir persönlich Wissen wichtiger ist als gute Noten 🙂

    Antworten
    1. Eule

      “Manchmal lernt man in der Schule Dinge, die so vereinfacht und/oder aus dem Kontext gerissen sind, das diese eigentlich falsch sind.”

      Diese Dinge dienen dann dazu, ein bestimmtes Grundverständnis zu etablieren, auf dem dann später aufgebaut wird wenn das Kind es mit weiteren Kenntnissen verknüpfen oder abstraktere Sachverhalte besser erfassen kann.

    2. der Ralf

      “Diese Dinge dienen dann dazu, ein bestimmtes Grundverständnis zu etablieren, auf dem dann später aufgebaut wird wenn das Kind es mit weiteren Kenntnissen verknüpfen oder abstraktere Sachverhalte besser erfassen kann.”

      Kommt darauf an. Bei komplexeren Themen wie z.b. Mathematik oder Physik, die thematisch tatsächlich aufeinander aufbauen, gebe ich dir recht. Da braucht es vereinfachte Bilder um ein Grundverständnis auszubauen. Da entstehen m.M.n. auch nicht so viele falsche Kenntnisse die später wieder mühsam berichtigt werden müssten.

      “Ja hey, Überraschung, es gibt doch eine Möglichkeit die Wurzel aus einer negativen Zahl zu ziehen.” Soviel gelerntes musste ich da nicht über den Haufen lernen. 🙂

      Anderes Beispiele war z.b. mit der “Entdeckung” Amerikas. Ohne Kontext und stark vereinfacht hat Kolumbus 1492 Amerika entdeckt. Die weißen Europäer haben dann da die Zivilisation eingeführt, damit fängt die Geschichte Amerikas an. So, ohne geschichtlichen Zusammenhang und Einordnung, hab ich das noch in der Schule gelernt.
      Darauf aufbauen und weiterentwickeln geht nur, wenn Mensch bereit ist dieses falsche Bild auch wieder zu verwerfen. Das es genügend gibt die dieses falsche Bild der “überlegenen weißen Rasse” in “Gods own Country” nicht in Frage stellen und daran festhalten ist ja durchaus ein Problem.

      Anderes Beispiel:
      Römisches Reich, wurde gegründet, expandierte, Julius war Cäsar, größte Ausdehnung, dann wurden die Römer dekadent, die(TM) Germanen machten sich auf die Völkerwanderung, eroberten Rom, fertig. Dazwischen noch ein paar Namen und Daten auswendig lernen, das ein oder andere Jahrhundert in einem Nebensatz erwähnen und gut.
      Dieses Bild, so stark vereinfacht das es schlicht falsch ist, steckt noch in vielen Köpfen drin: spätrömische Dekadenz (fett und bräsig auf ihren Liegen lümmelnd), wurde durch das eine einige Germanenvolk (alles blonde edle halbnackte Krieger) beendet.
      Ich behaupte: Jeder, der sich nicht für Geschichte interessiert und sich nur auf das in der Schule gelernte bezieht, geht davon aus das es ein “Volk der Germanen” gab. Mit allen Konsequenzen die dieses falsche in der Schule vermittelte Bild hat*.

      Mag ja sein das es bei der ein oder Vereinfachung darum geht ein Grundverständnis zu etablieren um dann darauf später aufzubauen. Aber nicht jeder ist bereit sich nach der Schulzeit noch weiterzubilden. Gerade auch bei Neben-Fächern wie Geschichte, die ja für ein Verständnis der Zusammenhänge, auch was z.b. Politik angeht, durchaus wichtig wären.
      Ich sehe da durchaus, auch im Alltag, gewisse Probleme wenn Menschen sich auf ihr Schulwissen beziehen das entweder veraltet oder in der “Aufbauphase” abgebrochen wurde.

      *Davon abgesehen das ja auch nicht alles was im Unterricht so besprochen wird zu 100% hängen bleibt. Oder wirklich jedes Detail jedes mal von der Lehrkraft auch erwähnt wird. Die Stoffauswahl an sich ist ja auch noch mal eine starke Vereinfachung.

  14. paceros

    Ich will nur mal ganz kurz widersprechen.
    Ich betrachte es als oberste Aufgabe bei der Erziehung meines Kindes, Widerspruch und Zweifel zu unterstützen.
    Ich sehe auch keinen Grunde, warum das nicht auch schon in einem sehr jungen Alter passieren sollte.

    Aus meinem liebsten Adorno Zitat “dass die Erziehung eine Erziehung zum Widerspruch und zum Widerstand ist”
    oder um es mit Deichkind zu sagen “Wer sagt denn das?”

    Antworten
    1. Donngal

      Definitiv, so halte ich das auch. Wenn das Kind in der Grundschule in einem Bild markieren soll wer “Anne” und wer “Max” ist, dann habe ich ihn darin unterstützt die Aufgabe als unlösbar zu markieren, denn alleine die Tatsache dass ein Kind lange Haare hat und ein Kleid trägt, ist nicht hinreichend um auf einen weiblichen Namen schließen zu können. Es wäre völlig okay, wenn “Max” ein Kleid trägt und lange Haare hat.

      Das mag auch ein bisschen Querulantentum sein, aber die Lehrmaterialien könnten sich auch einfach mal der modernen Realität anpassen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.