WR1202 Fukushima

 

Vor zehn Jahren ist den Japanern das KKW in Fukushima um die Ohren geflogen. Matthias von Hellfeld erzählt.

Zum Weiterhören: Der Resonator-Podcast über Kernkraftwerke, Wrint1157 über Endlagersuche, Die Wochendämmerung mit Claudia Kemfert zur Energiewende.

Die passende Ausgabe “Eine Stunde History” läuft am 8. März 2021 auf DLFnova.

7 Gedanken zu „WR1202 Fukushima

  1. hilti

    Das Problem an Fukushima war nicht, dass Deiche gebrochen sind sondern, dass die “Deiche” (Tsunamischutzmauern) nicht hoch genug war. Die hatten untersucht wie hoch Tsunamis dort in der Vergangenheit waren und dementsprechend die Höhe der Tsunamischutzmauer dimensioniert. Nur sind sie dabei anscheinend nicht besonders sorgfältig vorgegangnen. Nach dem Tsunami, der Fukushima überschwemmt hat haben sie 150-160 Jahre alte Markierungen in der Gegend gefunden auf denen sinngemäß draufstand “soweit ist das Wasser gekommen”. Und da ist dann das eigentlich Problem bzw der eigentliche Skandal, dass sie entweder wider besseren Wissens (um Geld zu sparen) die Schutzmauer nicht hoch genug gemacht haben oder, dass sie für die Erkundung von Tsunamihöhen der Vergangenheit nicht genug Geld ausgegeben haben.

    Die reine Zahl der Störfälle an sich sagt übrigens nicht viel aus. Da ist es schon wichtig auf die Kategorie zu gucken.

    Matthias verschätzt sich bei der Solarenergie. So ein Stadiondach Bei Einfamilien- und Reihenhäusern reicht die Dachfälche, damit da mehr Strom rausfällt als dort verbraucht wird. Wobei auch Solarthermie eigentlich in unseren Breiten sehr sinnvoll ist. Zumindest für Warmwasser. Für Heizung ist natürlich schwieriger. Wenn man sich da keinen riesigen Saisonspeicher ins Haus bauen will, dann geht das nicht.

    Die Atomkraftwerke sind in Deutschland dort gebaut worden wo es Kühlmöglichkeiten gab und wo die Verbraucher nicht weit entfernt sind damit die Netzverluste nicht zu groß sind. Guck Dir mal an wo die Dinger sind und was sich dann in 50 km Radius drumrum befindet. Meistens sind die Abnehmer weniger als 50km von den AKWs entfernt.

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    1. hilti

      Die genauen Details waren mir selbst nicht mehr bewusst und ich bin nach Lektüre von https://www.heise.de/hintergrund/Atomkraft-10-Jahre-Super-GAU-von-Fukushima-und-Deutschlands-Kehrtwendewende-5072422.html?seite=6#nav_versch%C3%A4tzter__0 wieder so entsetzt wie damals.

      Zitat:
      Vor der Katastrophe habe Tepco geschätzt, dass der Wasserstand in Fukushima Daiichi höchstens auf 6,1 Meter ansteigt. Die Zahl scheint laut Synolakis und Kanoğlu auf der Annahme von Erdbeben der Magnitude 7,5 zu basieren, obwohl bereits Erdbeben der Magnitude 8,6 entlang der betreffenden Küste aufgezeichnet worden waren. Während der Katastrophe 2011 erreichten die Tsunamiwellen in Fukushimi Daiichi jedoch eine Höhe von schätzungsweise 13 Meter.

      Ergänzend dazu noch aus der Wikipedia:
      Ab 15:35 Uhr trafen am Kraftwerk Tsunamiwellen mit einer Höhe von ungefähr 13 bis 15 Metern ein. Laut IAEO war Fukushima I nicht an das vorhandene Tsunami-Warnsystem angeschlossen, sodass das Bedienpersonal keine frühzeitige Warnung erhielt, während die NISA von einer Alarmierung unmittelbar nach dem Erdbeben spricht. Für den meerseitigen Teil des Geländes existierte nur eine 5,70 Meter hohe Schutzmauer; vorgeschrieben waren lediglich 3,12 Meter. Die 10 Meter über dem Meeresspiegel gelegenen Reaktorblöcke 1 bis 4 wurden bis zu 5 Meter tief überschwemmt; die drei Meter höher erbauten Blöcke 5 und 6 bis zu einem Meter.

  2. Amsel

    Photovoltaikanlagen sorgen übrigens für ein stabileres Netz.
    Sie brauchen kein Wasser. KKWs (und Kohlekraftwerke) hingegen brauchen Kühlwasser welches im Sommer knapp wird.
    Außerdem ist Tagsüber die Nachfrage nach Strom größer als Nachts.
    Natürlich ist eine 100% Versorgung vielleicht nicht soooo einfach möglich, klar das ist schwieriger. Nur was viele nicht verstehen (wollen) ist das kleine Solaranteile sogar die Versorgungssicherheit verbessern.

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  3. Christopher

    Hallo Holger und Matthias,

    wollte nur kurz korrigieren, eines der beiden KKW der DDR, welche Matthias angesprochen hatte, stand in “Rheinsberg” (nicht “Rheinberg”) was nördlich von Berlin nahe dem großen Stechlinsee liegt. Also nicht bei Potsdam, was bekanntlich südlich der Hauptstadt liegt.

    Es wurde tatsächlich von 1966 bis 1990 “kommerziell” betrieben (soweit man das in der DDR kommerziell nennen konnte).

    Beste Grüße und danke für die informative und unterhaltsame Folge.

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  4. Florian Blümm

    8:40 Der Entsorgungsfonds ist nicht für den Rückbau, sondern wirklich nur für die Entsorgung. Der Rückbau wird direkt von den Betreibern getragen. Das heißt von den 24,1 Milliarden Euro bleibt vermutlich noch was übrig. Selbst die Anti-AKWler vom BUND kommen im Worst Case auf 20,5 Milliarden Euro Entsorgungskosten.

    9:10 Tiefengeologische Endlager haben wir schon gut 40 in Deutschland. Und die müssen viel viel viel länger als eine Million Jahre dicht halten, nämlich bis in alle Ewigkeit. Die Halbwertszeit von radiotoxischen Abfällen ist ein Segen gegenüber chemotoxischen Abfällen. Toxischer Problemmüll ist kein einzigartiges Problem der Kernkraft, mengenmäßig ganz im Gegenteil, siehe weltgrößtes Endlager Herfa-Neurode.

    19:40 Strom über weite Strecken transportieren ist auch so sauteuer wie das Speichern von Strom. Deswegen hat man das auch schon immer vermieden. Kraftwerke stehen immer nahe von Industrie oder Ballungszentren. Erneuerbare sind leider wegen Standortfaktoren meistens weiter weg, was die Systemkosten erhöht. Aber über Systemkosten zu Backup, Regelenergie, Überproduktion usw. wird ja eh geschwiegen.

    22:00 Rostende Fässer sind keine Gefahr. Die Korrosion der Transportbehälter ist geplant. Der Müll soll vom Wirtsgestein umschlossen werden.

    22:20 Der Endlager-Prototyp, der Naturreaktor Oklo hielt rund 2 Milliarden Jahre dicht. Und das hat kein Ingenieur geplant und der lag mitten im Grundwasser. 1 Million Jahre sind weniger als ein 1 Promille davon. Die Brennstäbe sind außerdem nach rund 250.000 Jahren zurück auf der Radioaktivität von Uranerz.

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  5. Hendrik

    18:40 Mich wundert die Aussage, dass von kleinen Dachflächen nicht “vernünftig warmes Wasser hergestellt” wird.
    Wir haben hier nicht mal 10m² (4x 2,3m²) Solarthermie auf dem Dach und bei Sonne wird das Wasser im Pufferspeicher auf 80°C geheizt.. ich empfinde die Fläche als durchaus klein und die damit erreichte Temparatur als absolut ausreichend.. da muss man schon mit dem Mischer “jonglieren”, wenn man mal lauwarmes Wasser haben will.. meist verbrennt man sich erstmal die Flossen 🙂

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