WR824 Zähnchenbutter

 

Darin Fragen zu Emoticons, Kurzarm-Pullovern, Langeweile, Architektur, Musik, Knäckebrot, Trollen, Fußgängerampeln, Tv-Formatentwicklung, Rassismus, First-World-Problems, Bikinis, Buchempfehlungen, Kindern, Arroganz, Erkenntnis, Männern und der obligatorischen Höflichkeitsfrage von esureL.

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37 Gedanken zu „WR824 Zähnchenbutter

    1. Alexandra

      Ja, die haben auch schon etliche Lesungen mit mir finanziert bzw. sie bezuschusst. 🙂
      Viele Schulen wissen gar nicht, dass es diese Fördermöglichkeiten gibt, weil die sog. „Dichterlesungen“ bei ihnen keine Tradition haben. Dabei gibt es außer dem Bödecker-Kreis noch viele andere Möglichkeiten, eine Lesung zu finanzieren, für meine Region z.B. „Bayern liest“.

  1. unterstrom

    Ein relativ banaler Grund, weswegen wir keine Jugendstilhäuser mehr bauen ist wohl, dass es einfach verflucht teuer ist so zu bauen wie früher. Vor allem jetzt, wo zumindest in Deutschland die Baukosten sehr hoch sind, weil die Baufirmen alle überlastet sind.

    Abgesehen davon läuft man auch Gefahr so eine Disneyland-Ästhetik zu schaffen. Wenn man moderne Häuser mit alter Optik ausstattet, sieht das schnell nach Luxus-Kitsch aus.

    Beim Neubau des Berliner Stadtschlosses wird ja sowas Ähnliches versucht und ich finde es ehrlich gesagt auch eher uncool und einfallslos.

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    1. Rene

      Herzliches Hallo an Holger, Alexandra und die Blog Besucher.

      zum Thema Bauen / Architektur/ Energie effizient
      An ein 6 Familien Haus aus dem Jahr 1904, Zwei Schallges Mauerwerk mit ca 65 m2 Wohnfläche in jeder Wohnung wurden 3 Wohnung mit ca 65 m2 nach dem KWF 55 Standard angebaut ( das Haus wurde sozusagen verlängert). Der Altbau hat im gleichem Züge moderne Dreifach verglaste Fenster mit einem gesamt Wärmedurchgangswert von 0,9 bekommen. Und eine gemeinsame Heizungsanlage für 9 Wohneinheiten.
      Die Mieter in dem Altbau zahlen 120 Euro Nebenkosten und bekommen im Schnitt ca 200-250 Euro jedes Jahr zurück erstattet (es hängt natürlich auch viel vom eigenem Wohlverhalten ab). Die Mieter in dem Neubau zahlen 100 Euro Nebenkosten und bekommen auch ca 200-250 jedes Jahr zurück.
      Altbau muss nicht unbedingt schlechter sein, was die Energie kosten angeht. Was viel gebracht hat sind die neuen Fenster und die Heizungsanlage um Energie kosten zu senken.
      Der Witz an der ganzen Sache ist…..2003 hat das Haus mit 6 Wohneinheiten als Beispiel (ohne genau zahlen mehr im Kopf zu haben) 5.000 m2 Gas Verbrauch und es wurden 10.000 Euro bezahlt.
      2016 mit 9 Wohneinheiten nach dem Anbau und Modernisierung des Altbaus wurde der Gas Verbrauch halbiert auf ca 2.500 m2 aber der Gasversorger bekommt immer noch 10.000 Euro durch den langsamen Preisanstieg über die Jahre. Ausgerechnet durch den Buchhalter.

      Halbwissen ohne Gewähr zum Jugendstil,
      Deutschland hatte mal ein Krieg gegen Frankreich gewonnen. Frankreich leistete Kompensationen Zahlung an Deutschland, es viel Geld vorhanden und es können „hübsche“ Häuser im Jugendstil gebaut werden.

      Gruß Rene

  2. Walter

    Ich will ja nicht stänkern, aber Ihr äussert Euch zu etwas, von dem Ihr offenbar wenig Ahnung habt: Dem Kurzarmpullover.
    Der ist nicht schweisstreibender als in einem T-Shirt, da er in der Regel auch aus Baumwolle gefertigt ist. Nur sieht er halt adretter aus.
    Vor allem, wenn Frau sich zum Tragen eines weiteren weiblichen Kleidungsstücks, zum Beispiel einem Rock, hinreissen lässt.
    Leider scheint sichaber auch Letzterer nicht grosser Beliebtheit zu erfreuen, denn der knabenhafte Look aus T-shirt, Jeans und Sneakers
    scheint mir im Strassenbild dominierend.

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    1. Mona

      Um 2000 und bis vielleicht 2013 waren das echt immer Jeans und irgendein Oberteil (Ich ziehe mich noch so an, weil ich es so gewöhnt bin und mich nicht dran gewöhnen kann, Bein zu zeigen. Vielelicht habe zu dafür die falschen Proportionen). Ich sehe mittlerweile unglaublich oft Strumpfhose oder nackte Beine mit Rock oder Kleid, egal ob im Winter oder Sommer. Das, was man jetzt als Jeans ansieht bei Frauen, ist oft nur eine Leggings (sehr eng, sehr stretchy) im Vergleich zu früheren Jeans. Sneaker werden auch auch zu Kleidern und Röcken getragen. Ich glaube, die Mode hat sich allgemein in Richtung seeehr bequem entwickelt, deswegen die leggingsartigen Hosen und Röcke, weil sie nichts mit dem Körper machen, sich leicht anfühlen und jede Bewegung zulassen. Ich finde es sehr schwer zu diesem Bedürfnis Frauenschuhe zu finden. Es erklärt zumindest, dass jetzt auch die unter 20-Jährigen oft in (Glitzer)Birkenstocks rumlaufen, was aber an mir selbst nicht meinen Geschmack trifft. Wenn ich nichts Besseres finde, muss ich wohl weiter Sneaker oder Laufschuhe (auch nicht hübsch) anziehen.

  3. Venyo

    Zur Wrintheit-Elimination-Show: Sobald die Jury dann zu groß ist, wird daraus einfach eine eigene Elimination-Show in der Mitglieder der Jury eliminiert werden 😀

    Dann kann man immer schön abwechseln, sie wie der Batchelor und die Batchelorette.

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  4. nico

    Wobei das Interessante an dem Wort ‚Neger‘ und vielen anderen abwertenden Bezeichnungen fuer Minderheiten in unserer Gesellschaft doch die Frage ist, wodurch es ueberhaupt abwertende Bezeichnungen geworden sind.

    Die Antwort ist: dadurch, dass Menschen ein bis dahin neutrales, nicht wertendes Wort in einem negativen Kontext gebraucht haben. Wenn ‚Neger‘ das einzige Wort fuer Menschen dunkler Hauptfarbe ist (vor 200 Jahren zum Beispiel), und in der Gesellschaft Rassismus vorherrscht, dann bekommt es eine negative Konnotation. Wird die Gesellschaft liberaler braucht man ein neues, neutrales Wort, waehrend das alte Wort seine Bedeutung und Konnotation beibehaelt. Verwenden nun die verbleibenden Rassisten auch dieses neue Wort im Sinne einer Beleidigung, braucht man nach wenigen Jahren wieder ein neues Wort um sich nicht-wertend auszudruecken. Das fuehrt zu Sequenzen von Worten die der Reihe nach zuerst neutral und dann abwertend wurden. (Sehr schoen zu sehen auch bei sexuellen Orientierungen abseits von cis/hetero).

    Da also Worte ihre Bedeutung/Konnotation allein durch ihre Verwendung bekommen, frage ich mich manchmal ob es zielfuehrend ist Worte immer weiter auszuwechseln. Was wuerde passieren wenn im linken und akademischen Umfeld auf einem Wort beharrt wuerde? Wuerde es dann einen neutrale Bedeutung behalten? Vielleicht reicht neutral nicht, weil einzelne negative Verwendungen einen hoeheren Einfluss haben als einzelne neutrale. Im Amerikanischen und den Wort ’nigger‘ funktioniert es ja teilweise (in manchen Kreisen) dadurch, dass es von manchen Schwarzen selbst positiv verwendet wird.

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    1. Tarifkenner

      @nico: Ungefähr so, wie Du das beschreibst, lief es ja mit dem Begriff „schwul“: Der war vor ein paar Jahrzehnten auch noch klar negativ besetzt – zumindest in der Hetero-Mehrheitsgesellschaft. Er kommt ja auch von „schwül“ wie „warm“, und „warmer Bruder“ dürfte auch heute noch beleidigend empfunden werden. Ich kann mich noch gut erinnern, wie schwer es Heteros, die Schwule nicht diskriminieren wollten, fiel, den Begriff „schwul“ in den Mund zu nehmen. Und die Juden haben sich ihre Bezeichnung regelrecht wieder zurückerobert. Die Nazis haben den Begriff so sehr herabsetzend gebraucht, dass die nicht-jüdischen Deutschen, die die Naziverbrechen aufarbeiten wollten, sich lange Zeit nicht trauten, den Begriff „Juden“ zu verwenden, sondern z.B. von „jüdischen Mitbürgern“ sprachen.
      Ich denke, dass nur die Gruppe der Verfolgten oder Diskriminierten entscheiden darf, welcher Begriff so sehr belastet ist, dass sie ihn nie wieder hören will, und welcher es wert ist, behalten und kraftvoll-neu positiv besetzt zu werden. Mir als Weißem steht es nicht zu, den Schwarzen zu erklären, wie sie genannt werden möchten. Ich versuche auch nicht, Frauen den alten Begriff „Weiber“ wieder schmackhaft zu machen, obwohl auch „Weib“ ursprünglich ein völlig neutraler Begriff war, der dem Begriff „Mann“ entsprach, während die „Frau“ das Gegenstück zum „Herrn“ war.
      Ein bisschen Zweifel möchte ich anmelden, wenn man Menschen, die jeweils ein weißes und ein schwarzes Elternteil haben, – wie zu Beispiel Barack Obama – als „schwarz“ bezeichnet. Das fordern viele Antirassisten. Da frage ich mich schon, ob man damit nicht den Rassismus fortführt, der schon früher behauptete, „weiß“ sei nur der Mensch, der ausschließlich von Weißen abstamme, jede „Mischung“ sei jedenfalls näher an schwarz als an weiß dran.

  5. dasholzspatel

    Sehr geehrte Alexandra, sehr geehrter Holger.

    Endlich das Thema Architektur und endlich schreib ich auch meinen ersten Kommentar hier.
    Eigentlich wollte ich schon immer mal anfragen ob Holger mal ein Architekturspezial macht.

    Ich selbst bin angehender Architekt im April meinen Master in Weimar abgeschlossen. Und selbst habe ich schon in einem Archibüro gearbeitet, die genau solche uninspirierten Schießschartenfenster planen. Schlichtweg, es wird halt noch immer als legitim angesehen eine ruhige Fassade zu entwerfen die sich nicht geschossweise unterscheidet.
    Die Neubausiedlungen sehen aber auch überall gleich aus, da die »99% »uninspiriert«/schlecht und 1% gut- Aufteilung auch bei Architektur zutrifft. Und diese Regel auf die internationale Architekturszene angewendet zählt Deutschland eher zu den 99%.

    Es passiert leider kaum Spannendes. Die Trends, bzw worauf die jungen Architekten /Studenten abfahren, kommt zb aus Paris. Dort angetrieben durch Studio Moto und Bruther die einen filigranen Brutalismus vertreten. Aus Brüssel kommt der Trend des Improvisierten getrieben von de vylder vinck taillieu architekten und Office Geers van Severen. Wobei das Improvisierte um die 2000er sehr in Holland vertreten war. Leitfigur ist da noch immer Dem Kohlhaas, den die meisten Archistudenten als Abgesandten ansehen. Und Natürlich sind die Schweizer, die im Gegensatz zu Deutschland in ihren Architekturwettbewerben auch jungen Büros die möglichkeit geben. Im Alpenstaat sind noch immer Herzog de Meuron und ihre materialornamentale Postmoderne hipp. Caruso St John und ihrer » novelty is nonsens« Ansatz. Valerio Olgiati als Intellektueller Querkopf der sich der zeitgenössischen Maxime der Referenziellen Architektur entziehen möchte (was er meiner Meinung aber nicht schafft).
    Und zwei meiner Lieblingsbüros
    – Lütjens Padmanabhan, die mit einer Ernstehaftigkeit eine wohndurchdachten Architektur vertreten die Mahnmal an Trash erinnert
    – das Genfer Büro Made in (SARL), a space odyssee architecture

    Mit Ausnahme von Herzog de Meuron sind das aber alle exquisite Architekturbüros die meist nie mehr als 30 Leute beschäftigen. Sie produzieren architektonische Pralinen und sind teilweise selbst in der Architektenschaft nur den Jungen, noch am Architekturdiskurs interessierten Menschen bekannt. Deutschland ist durch seine Grösse deutlich von Büros wie GMP „Architekten“ (HBF und BER In Berlin) oder Chipperfield (Neues Museum, James-Simon-Galerie auf der Museumsinsel) geprägt. Firmen die Architektur produzieren. So Pralinenmanufakturen gibt es dennoch auch in D: Bundschuh aus Berlin, Thomas Kröger aus Berlin, Robertneun aus Berlin (Lokdepot Berlin), Amunt aus Aachen. Wir hoffen mal auf Andreas Reckwitz Vorhersage der Zersplitterung ins Singuläre.

    Man merkt ich liebe Architektur.

    Liebe Grüsse Michael ( bei Rückfragen @dasholzspatel auf tw)

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    1. K. Lotz

      Danke für die Hinweise zu Architektur Büros. Über deren Projekte könnte ich mich länger auslassen, wäre aber sehr subjektiv.

      Was mir auffiel war allerdings, das die „hippen“ französich-belgischen Büros ziemlich schlechte Webseiten haben. Umständliche Navigation, wenig Bilder … Wenn ich Auftraggeber wäre und nach Büros suche, möchte ich eigentlich nicht mit Grundrissen oder Scribbles gelangweilt werden, sondern coolen Scheiss sehen. Kann ich nicht nachvollziehen, wie man sich so schlecht präsentiert.

      Pralinen vs Architektur Firmen: ich finde die Größe eines Büros hat wenig über die Qualität der Projekte zu sagen. Aber das mag aus Studentenperspektive anders aussehen, wo die Avantgarde gefeiert wird, während die Realität eher Chipperfields sauber-solide Arbeiten braucht. Solange das nicht in den eintönigen Lochfassaden des Berliner Regierungsviertels endet, kann ich damit besser leben als mit dem Betonbunker von Bundschuh am Rosa-Luxemburg Platz.

  6. Haiko

    Das mit der unterschiedlichen Akzeptanz am sichtbaren Anteil der Haut im Schwimmbad und in der Öffentlichkeit ist mir auch schon aufgefallen. Alexandras Überlegung mit Unterwäsche im Schwimmbad war mir neu, obwohl sie eigentlich naheliegend ist. Ich hätte mir gewünscht daß die Theorie von den sozialen Regeln weiter ausgeführt wird, aber die Sendung war auch so gut.

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  7. Tobias

    Zum Thema schießschartenartige Fenster vor allem an Bürogebäuden: Das liegt wohl daran, dass es EU-Normen für die Größe von Arbeitsplätzen gibt. Die Breite der Fenster ist so gewählt, dass mit wenig Aufwand aus einem Zweierbüro ein Vierer- oder Sechserbüro machen kann. Dadurch ist das Gebäude für mehr Mieter oder Käufer interessant als „unflexiblere“ Gebäude. Die Information kommt von einem ehemaligen Kollegen, der für die Firma den Bau der Firmenzentrale begleitet hat.

    Gruß
    Tobias

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    1. morrrk

      Zeitlos indeed! Das Solo-Album von Mark Hollis (1998) ging dann noch in eine ähnliche Richtung, ebenfalls hörenswert.

      @holgi
      Zur „Band-schließt-sich-mit-Heroin-ein-und-nimmt-Album-auf“-Anekdote — zumindest der Kopf der Band hatte mit Heroin wohl nichts am Hut:
      „Were the anti-heroin songs inspired by personal experience? “No, not at all. But, you know, I met people who got totally fucked up on it.. Within rock music there’s so much fucking glorification of it, and it is a wicked, horrible thing, you know?”
      (http://www.snowinberlin.com/markhollis.html)

  8. David

    Schön, daß der Name Schießscharten-Architektur von mehreren Leuten verwendet wird, die sehe ich auch als häßlich an. Vielleicht ändert es sich, wenn es dann ganze Viertel damit gibt, daß es dann wieder durch eine Art „Ordnung“ ein passendes Gesamtbild ergibt. Jetzt, wo es noch relativ wenige solcher Gebäude (über die Stadt verteilt) gibt, ist es einfach häßlich.
    Und ja, bitte mach mal was zu Architektur.

    Aber ich finde, das aktuelle Problem ist eher aktuell, daß nicht in die Höhe gebaut wird. (wegen Traufhöhe etc). Es entstehen langweilige 5 Geschösser, die jetzt schon von höheren Gebäuden umringt sind. Ja baut die doch gleich doppelt und dreimal so hoch, dann ist der Platz viel besser ausgenutzt. Das wird uns in 30-50 Jahren so sehr auf die Füße fallen….
    Ich finde es allemal besser, einige wenige hohe Häuser, umringt von Park, zu bauen – anstatt die Blöcke dicht an dicht zu bauen – das erzeugt viel mehr Nähe imo. Anstatt zb das Tempelhofer Flughafengelände einfallslos zu bebauen (ja, steht derzeit nicht zur Debatte), baut doch da lieber 10 verschiedene „Wolkenkratzer“ (mit 50++ Stockwerken oder so) hin, mit Abständen von 200m voneinander) und macht ringsherum einen Landschaftspark, der weiterhin für alle Erholung ist, dann haben wir alle was davon. Der Platz kann weiter genutzt werden – und es entstehen 10.000 Wohnungen…
    Meine Meinung! 😀 Ich finde den Abschluß immer schön lustig, leider oft von Leuten garniert mit „das wird man doch noch sagen dürfen“.

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    1. K. Lotz

      Es gibt sicherlich Gegenden, wo eine Bauhöhe von mehr als fünf Stockwerken sinnvoll ist und gut passt. Allerdings muss man feststellen, das die Nachkriegsmoderne kaum positive Beispiele dafür hervorgebracht hat und dementsprechend die Öffentlichkeit dieses Bautypologie ablehnt.

      Ich persönlich halte die Bauhöhe der Gründerzeitbauten für sympathischer und menschlicher. Eltern können ihre Kinder beim Spielen auf dem Hof sehen und man kennt seine Nachbarn zumindest vom sehen. In dem 11-Stöcker in dem ich aufgewachsen bin war das nicht der Fall.

      Ein weiteres Problem sind (habe ich gehört) die Baukosten. Man kann zwar mehr Wohnungen auf der selben Fläche errichten, aber der qm Preis wird durch die Mehraufwände (Kräne, Konstruktion mit entsprechender Statik) nicht geringer. Da in den meisten Städten günstige Wohnungen benötigt werden, wäre höher bauen also keine Lösung. Falls jemand mehr Wissen dazu hat, bitte hier schreiben.

      Im Fall von Berlin ist es wohl so, das es eigentlich genug ausgewiesenes Bauland gibt, um ca. 150.000 Wohnungen zu errichten (in normaler Bauhöhe). Problem ist aber, das nicht gebaut wird, weil die Eigentümer lieber warten mit Bodenspekulation Gewinn zu machen. 2017 wurden wohl 18 Milliarden Euro in Berliner Immos investiert (Gebäude+Flächen). Aber nur 1 Milliarde davon wurden für den Bau von Gebäuden ausgegeben. Dh. die Bauhöhe ist nicht wirklich das Problem.

    2. David

      150.000 Wohnungen reichen bei der aktuellen Zuzugsrate wie lange?
      10 Jahre? Und dann ist alles Bauland voll?
      Genau das meinte ich ja, daß uns das später (20y+) noch auf die Füße fallen wird. Denn dann werden diese neu gebauten Häuser – und erst recht nicht die Jugendstil-Altbauten – bestimmt nicht weggerissen, um mal höhere Häuser zu bauen.

    3. Christine

      WIMRE ist es so, dass man bei einem Gebäude mit mehr als fünf Etagen einen Aufzug einbauen muss, was die Kosten explodieren lässt. Und für jede Wohneinheit müssen XX PKW-Stellplätze nachgewiesen werden. Auch teuer.

      Ich habe eine zeitlang in einem recht frei stehenden Hochhaus gewohnt. Die schaffen leider ihr eigenes Microklima – nicht nur gesellschaftlich, sondern auch meteorologisch gesehen: Der Wind pfeift immer sehr schrecklich um die Ecken und auf einem hoch gelegenen Balkon will man dann auch nicht sein, weil es zu viel Thermik gibt.

  9. EC

    Daß heute alles nur gleich langweilige Schachtel-Rasterarchitektur ist, hat nach meinem unter anderem folgende Gründe:
    1. Die Verwendung von CAD-Software und entsprechenden Bibliotheken, wenn man’s sich einfach machen will, dann verwendet man nur die vorhandenen Software-Resourcen, denn eigene Kreativität kostet halt mehr Zeit.
    2. Die Art der Gestaltung von Bebauungsplänen. Die meisten Bauherren wollen aus Kostengründen möglichst viel umbauten Raum auf dem jeweiligen Grundstück unterbringen, das führt quasi zwangsläufig zum Würfel mit Flachdach.
    …so kommt’s mir jedenfalls vor…

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  10. Henry

    Wollte gerade empört schreiben, dass Alexandra DJ Koze falsch ausgesprochen hat. Musste allerdings lernen: Dem Künstler ist es egal ob Cosy , Kosse oder Kotze.

    Danke für die (indirekte) Erkenntnis und eine schöne runde Sendung!

    Antworten
  11. K. Lotz

    @David: Soweit ich weiß, geht man momentan von ca. 200.000 benötigten Wohnungen bis 2030 aus. Die Flächen, die ich erwähnte, sind nur die bisher als Bauland ausgewiesenen Flächen. Wieviel potentielles Bauland in Berlin dann noch vorhanden ist, kann ich nicht einschätzen.

    Ob Berlin zu diesem Zeitpunkt immer noch eine hohe Zuzugsquote hat, kann ich schwer sagen. Ich halte es nicht für unwahrscheinlich, das Berlin durch die hohen Mietkosten, den beschissenen Wohnungsmarkt und die zunehmende Verdichtung deutlich unattraktiver wird bzw. es bereits ist.

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  12. micha

    Bei rot die Straße überqueren:
    In Stuttgart hat ein Typ vom Ordnungsamt (oder war es ein Troll?) meine Frau ermahnt, dass er sie beim nächsten Mal deswegen anzeigen würde, was wie beim Auto bestraft würde (Geldstrafe, Punkte, Fahrverbot). Ja, Punkte und Fahrverbot bei einem Vergehen als Fußgänger. Finde ich krass, wenn das stimmt.

    Antworten
  13. Hendrik

    Hallo,

    eure Vermutung mit der Baugenehmigung ist richtig.
    Wenn Bauherr/Architekt versichern, dass man sich an einen vorhandenen Bebauungsplan hält, bekommt man die Baugenehmigung in sehr kurzer Zeit.
    Gibt es keinen Bebauungsplan, muss individuell bewertet werden, denn „der Neubau muss sich ins Ortsbild einfügen“.
    Bei uns hat sich deshalb die Baugenehmigung über viele Wochen hingezogen, erschwert wurde es noch durch Aussagen wie „Die Kollegin ist gerade 2 Wochen im Urlaub, danach bin ich 3 Wochen weg, aber wir müssen das beide gemeinsam prüfen“ *AAARGH* 🙂

    In der Nachbarschaft haben wir auch einen Neubau, auf der Südseite 2 Schießschartenfenster und auf der Nordseite die Terrasse und große Fenster.
    Am Hausstelltermin waren die Bauherren selbst nicht anwesend und durften sich am nächsten Tag Sprüche wie „Die haben euer Haus falsch herum aufgebaut!“ anhören 😀 😀

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  14. Torsten

    „Danke für die Hinweise zu Architektur Büros. Über deren Projekte könnte ich mich länger auslassen, wäre aber sehr subjektiv.“

    Ich sage Ebenfalls danke für den Hinweis zu den Architekturbüros und sogenannten Perlen. Über deren Projekte könnte ich mich als Bauphysiker auch objektiv auslassen. Leider sind manche Namen dann doch nur Schall und Rauch…

    Antworten
  15. Fabian

    Hallo zusammen,

    Zum Thema Lieblingsbuch:

    Bisher habe ich zwei Bücher, die mich sehr fasziniert haben.

    Das erste ist “Die Entdeckung des Schattens” von Roberto Casati. Der Auto betrachtet das Thema aus verschiedene Blickwinkeln: philosophisch, wissenschaftlich und andere Weisen. Er wirft interessante Fragen auf wie etwa ob Dinge, die bereits im Schatten stehen selbst einen Schatten werfen können um nur ein Beispiel zu nennen.
    Auch wenn das Thema recht trocken erscheinen mag, liest sich das Buch sehr gut.

    Das zweite Buch ist “Teufelsköche” von Juan Moreno. In den einzelnen Kapiteln wird jemals ein Koch vorgestellt. Allerdings sind dies ganz unterschiedliche Personen von bekannten Stars wie Juan Amador bis zu einer Frau, die auf einer Müllkippe in Afrika aus fast nichts noch etwas zu essen für die dort lebenden Menschen zubereitet.
    Am Ende jedes Kapitels ist zudem ein Rezept eines Gerichts zum Nachkochen.

    Die Geschichten waren alle sehr fesselnd und ich hatte das Buch nach drei Tagen fertig.

    Vielleicht ist das ja was für die/den ein oder anderen von Euch.

    Antworten
  16. ion

    Das Dom-Römer-Projekt,
    aka: Neue Frankfurter Altstadt
    https://de.m.wikipedia.org/wiki/Dom-Römer-Projekt
    +
    ttt – titel thesen temperamente
    ab ca.15’44“ : :
    • Stahl, Beton, bodentiefe Fenster oder lieber Zuckergussfassade? – Was darf moderne Architektur heute?
    http://mediathek.daserste.de/ttt-titel-thesen-temperamente/Die-Sendung-vom-3-Juni-2018/Video?bcastId=431902&documentId=52895492

    Architektur ist eher kein Klein-Podcast-Thema, danke, ‚m-eine Meinung‘.
    : )

    Antworten
  17. Clemens Kramer

    Hallo Alexandra, Holger & Kommentatoren

    zur Architekturfrage „Warum baut man nicht mehr schöne Jugendstilhäuser?“ bzw. allgemeiner „Warum sind moderne Häuser so oft langweilig?“ meine These in Anlehnung an Kommunikationstheorie(n):
    Fassaden erzählen Geschichten > nicht alle Architekten sind gute Erzähler & viele Themen (Jugendstil, Historismus, (klassische) Moderne, Postmoderne, …) sind auserzählt. Dazu gesellt sich gerne eine Sprachlosigkeit, nicht zu wissen oder zu fragen, was der Planer mit der Fassade überhaupt sagen könnte außer: „Haus“ „zum Wohnen“ oder „zum Arbeiten“.

    Dabei braucht es für eine gute architektonische Erzählung viel mehr, als nur die grobe Skizze einer Kulisse, nämlich Protagonisten (Wer lebt in dem Haus? Alter? Persönlichkeit? Hobbys? Beruf? Status?), eine Dramaturgie (Wo geht es hinein/hinaus? Was findet drinnen/draußen statt? Welche Einblicke gibt es? Was bleibt verborgen?) und natürlich eine Kulisse, die erkennen lässt, dass sich der Planer mit diesen Fragen beschäftigt hat. So eine Erzählung ist immer ein Produkt ihrer Zeit, von daher denke ich, die ‚guten‘ architektonischen Erzählungen unserer Tage finden sich u.a. in den Beispielen, die dasholzspatel weiter oben gelistet hat (wenn man erst mal anfängt zu suchen, wird diese Liste noch viel viel länger).
    Die Attraktivität von Jugendstil (und Gründerzeit, etc. ) liegt dann meiner Meinung nach darin, dass man heute in dieser alten Architektur wenn schon nicht lesen so doch immerhin erkennen kann, dass eine ausdifferenzierte Erzählung drin steckt.

    zum städtebaulichen Aspekt:: Hier fielen schon die Stichworte ‚Perle‘ und ‚Praline‘. Etwas akademischer habe ich das anhand Camillo Sittes Buch „Der Städtebau nach seinen künstlerischen Grundsätzen“ beigebracht bekommen: Das Besondere wirkt nur besonders vor dem Gewöhnlichen. Das Monument braucht eine graue Masse, aus der es herausragen kann; wenn sich nur Monumente aneinander reihen, werden sie selber zur grauen Masse.
    Ich glaube, dass man diesen Aspekt nicht einfach bis auf die Fassade eines Hauses herunter skalieren kann. Es geht ja nicht darum, dass wir alle in Pralinen wohnen, die Frage nach langweiligen Häusern dreht sich mehr um den Kontrast zwischen gutem Brot und Labbertoast, um im Bild zu bleiben.
    Wozu das Bild der ‚grauen Masse‘ aber taugt, ist eine architektonische Lautstärke zu beschreiben:
    Viele Fassaden erzählen ihre Geschichte nicht einfach, sie schreien sie in die Welt hinaus. Meistens in den Fußgängerzonen, wo jedes bauliche Rufen zugleich Marktschreierei bedeutet. Hat ja auch alles seine Berechtigung (Handel, etc.). Genauso berechtigt ist es dann, es in den sogenannten Mischquartieren (Wohnen und Arbeiten) etwas ruhiger angehen zu lassen, bis man in reinen Wohnvierteln auch schon von ‚Schlafstadt‘ spricht.

    Dann kommen diese ganzen (schon genannten) pragmatischen Aspekte:
    Bauamt / CAD-Bibliotheken / Kosten / industrielle Bauverfahren… ‚Einfach‘ bauen sieht nicht nur ‚einfach‘ aus, es ist halt in allen Phasen der Planung und Ausführung einfacher. ABER: Das bedeutet lediglich, dass die an diesem Bau Beteiligten die Anstrengung scheuen, es weniger ‚einfach‘ zu machen.
    Gegenbeispiele finden sich nicht nur in den aktuellen „Perlen“, auch bei denkmalgerechter Sanierung wird qua Amtsvorgabe handwerklicher Mehraufwand betrieben, und dann gibt es auch Stuck, geschnitzte Fenster und Ornamentmalerei. Halt unter Zwang und zu Mehrkosten, aber es geht!
    (ökonomisch könnte man jetzt noch anschließen, wie das Einkommen der Hausbewohner im Verhältnis zu den Herstellungs- und Instandhaltungskosten des konkreten Hauses steht, und wahrscheinlich zu dem banalen Umkehrschluss kommen, dass die ‚langweiligen‘ Häuser halt grade so spannend wie die Gestaltungsmöglichkeiten in der Finanzplanung der Bewohner sind, aber das ist eher ein eigener Diskurs…)

    Zuletzt noch ein – vielleicht kontroverser – Gedanke, inspiriert von meiner bauplanerischen Tätigkeit:
    Es gibt ein Recht auf architektonische Hässlichkeit quasi als Teil der Meinungsfreiheit. Und wenn ein Bauherr einen palladianischen Säulenportikus vor sein Klinker-Einfamilienhaus setzen will, dann soll er das dürfen. Ich habe dann ja das Recht zu spotten …

    Gruß
    Clemens

    Antworten
  18. Podcarsten

    Zum Kurzarmpulli:
    ein Arbeitskollege hasst es, Langarm zu tragen, d.h. Kleidung am Unterarm. Deshalb hat er eine entsprechende Sammlung an Polundern, Poloshirts und Kurzarmpullis und er hat im Winter seine Langarmjacke nur so lange an, wie nötig.
    Ich persönlich nutze auch nur das modische Standardrepertoire (kurze oder lange Hose, T-Shirt oder Pulli/Hemd), da ich solch eine Vorliebe nicht habe. Bis ich meinen Kollegen kannte hatte ich auch wenig Verständnis für solche Sonderformen, nun bin ich dafür, dass immer alle Kombinationen angeboten werden sollten.

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  19. fillg1

    Hier ist ein ganzes Stadtviertel in dieser Schießschartenoptik http://www.deutsches-architektur-forum.de/forum/showthread.php?t=7642&page=57
    Warum will man da wohnen?
    Ganz einfach, die Lage ist zentral, es gibt viel Grün in der Nähe, Energiekosten sind kaum vorhanden und mal ganz ehrlich, wann sieht man seine Wohnung schon mal von aussen und bewundert die Fassade? 😉
    Es gibt ja auch Leute die gerne in Plattenbauten wohnen.

    Ach ja P.J. Harvey nicht zu kennen ist ein Sakrileg 🙁
    https://www.youtube.com/watch?v=uDD7Rzi-x7c
    https://www.youtube.com/watch?v=KCyHFQiSvVE man beachte den Textaussetzer bei 2:40 😉

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