WR760 Das Kyoto-Protokoll

 

Am 11. Dezember 1997 wurde das Das Protokoll von Kyoto zum Rahmenübereinkommen der Vereinten Nationen über Klimaänderungen verabschiedet. Matthias von Hellfeld erzählt.

4 Gedanken zu „WR760 Das Kyoto-Protokoll

  1. carina

    Was ich nur schwer begreifen kann: Wieso wird nicht mehr über den Konsum von tierischen Erzeugnissen gesprochen? Die Zahlen, über die ich immer wieder stolpere, sagen, dass die Tierhaltung weltweit einen größeren Beitrag zum Klimawandel leistet, als der Transportsektor.
    Ich habe den Eindruck, dass Leute auf diesen Befund unfassbar empfindlich reagieren. Was ist es an unserer Ernährung, das uns so triggert, dass die Diskussion über Alternativen zur Katastrophe wird (zB der Veggie-Day, der den Grünen mal so ziemlich das Genick gebrochen hat).
    Zumal das ja ein Bereich ist, in dem wirklich jeder_r Einzelne graduell anpassen kann, wie der eigene Beitrag ausfällt, im Zweifelsfallauch wirklich ohne sich ein Bein auszureißen.

    Antworten
    1. Venyo

      Ich glaube Menschen reagieren immer dann empfindlich bei so Sachen, wenn sie in ihrer eigenen Lebensweise angegriffen werden. Wenn man sagt: „Wir brauchen Elektroautos“ dann ändert das wenig an meinem Lebenswandel. Wenn man sagt „Wir müssen weniger Fleisch essen“ dann wird das je nach Formulierung und Interpretation des Empfänger schnell zu „DU musst weniger Fleisch essen! DU bist das Problem! ICH bin besser als DU, weil ich Veganer bin“. Also „DU musst DEIN Leben ändern, sonst bist du ein schlechter Mensch!“

      Beim PKW werden auch schnell Leute sehr empfindlich, aber nicht wenn man ihnen ihren Diesel durch ein E-Auto ersetzen will, sondern wenn man ihnen das geliebte Auto wegnehmen möchte in dem man sagt „Wir müssen weg vom Individualverkehr und mehr auf öffentliche Verkehrsmittel setzen“

      Ich sehe das immer bei der Diskussion Eigenheim vs. Mieten. Jeder 2. Eigenheimbesitzer fühlt sich in seiner Ehre gekränkt, wenn man darauf hinweisst dass in bestimmten Situationen mieten finanziell besser ist. Die Leute lesen da irgendwie immer raus „DU MACHST ES FALSCH!!!!“

    2. Mithrandir

      Weil diese Themen nicht rational angegangen werden, sondern emotional.
      Meine Eltern erzählen mir immer noch, wie es früher war (beide sind in den 30er Jahren gebotren9.
      Da gab es einmal pro woche Fleisch. Und mittlerweile hat man sich durch Arbeit, Schweiß und Verzicht so weit hochgearbeitet, bzw. „das Land so weit vorangebracht“, dass man sich jederzeit Fleisch leisten kann.
      Das selbe gilt für das Auto. Es handelt sich einfach um ein Statussymbol, mit dem man zeigen kann (auch sich selbst), dass man es zu etwas gebracht hat.
      Mein Schwiegervater kommt aus dem Osten. Nach der Wende hat der sich gleich mal einen Passat mit allem Fitz und Fatz und chipgetuned geholt, weil er jahrelang darauf verzichten musste, aber gesehen hat, was möglich ist.
      WEnn du solchen Menschen jetzt aufdoktrinierst 8das ist z. B. der Veggie Day oder das verbot für Verbrennungsmotoren), dann fühlen die sich um ihre Arbeit betrogen. „Da kommen dann solche Rotzlöffel, die nie was geleistet haben und nehmen uns unsere libesten sachen weg.“
      Bisher hat es halt auch niemand geschafft, fleischarmes Essen wirklich als erstrebenswert fürs Leben zu verkaufen.
      Genauso beim E-Auto. Das einzige E-AUto, das als Statussymbol dient ist der Tesla, den sich aber nur wenige leisten können. Und die „alten“ Hersteller machen noch kein echtes Marketing für E-Mobilität.
      Das ist alles nur ein Feigenblatt, was aktuell passiert.
      Ich bin überzeugter Smart Fahrer hatte mir vor 5 Jahren überlegt auch einen E-Smart zu kaufen. Ich wäre sogar bereit und in der Lage einen erheblichen Preis für das E zu zahlen. Aber das Teil war damals etwa doppelt so teuer wie der Dieselsmart, den ich letztendlich genommen habe (15k€ gegen 30k€). On top kam noch die Batteriemiete, die mehr kostete als ich an Sprit verfahre. Und der Strom den ich ja trotzdem noch bezahlen muss ist das Sahnehäubchen.
      Selbst mit der E-Autoprämie lockt man da keine Katze hinter dem Ofen hervor.
      Letztendlich ist der Sprit tatsächlich immer noch viel zu billig. Und unsere Flexibiltät ist uns viel zu wichtig und dann kommt noch das Statussymbol dazu.
      Zumal unsere Generation voraussichtlich von den Problemen des Klimawandels nicht wirklich schwer getroffen werden wird. Meine Kinder vielleicht ein bisschen. Deren Kinder womöglich schon eher, aber bis dahin bin ich nicht mehr da und es ist schwer das emotional zu erfassen.
      Ich bin tatsächlich auch für eine umweltfreunbdlichere Politik, aber die gefühlte Panik, die verbreitet wird, hilft niemandem. Die Menschen flüchten sich in Gefahrensituationen lieber in die Arme der Mutter, die die Gefahr zwar nicht besietigen kann, aber tröstende Worte hat.

    3. carina

      Danke für Eure Antworten, ich kann dem, was Ihr sagt auf jeden Fall folgen, denke aber, dass es durchaus auch einen emotionalen Zugang zu weniger klimaschädlichem Verhalten geben kann, zB wenn man stolz auf eine gute Entscheidung ist oder wenn man seine Liebe zu ganz konkreten Leuten aus jüngeren Generationen damit ausdrückt. Oder eben auch, wenn man das gute Fahrgefühl eines neuen Elektroautos oder ein leckeres veganes Essen genießt. Insofern stimmt sicher auch Deine Einschätzung, Mithrandir, dass es bisher nicht (oder nicht ausreichend) gelint, diese positiven Zugänge sichtbar zu machen.

      Ich hoffe, dass es da auch einen Wandel über’s Alter geben wird, dass jüngere Leute sich eher darauf einlassen können, auch mal Gewohnheiten und alte Statussymbole loszulassen, weil eben ihr Wertesystem stärker auf die Umwelt hin ausgerichtet ist.
      Andererseits haben wir ja schon auch dieses Demographieproblem, das heißt, wenn wir (als Gesellschaft) die Älteren nicht mitnehmen, dann wird’s lange dauern.

      Und auch die politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sind natürlich mitunter zum Weglaufen, bei den aktuellen Debatten um Kohle und Diesel frage ich mich, ob den Leuten irgendwie nicht ganz klar ist, dass diese Entscheidungen weit über ihre eigenen Interessen hinausweisen. Und dass wir in 30 Jahren echt keinen Blumentopf gewonnen haben werden, weil wir 2018 so geile Beschäftigungszahlen in der Automobilindustrie hatten, dass denen ja kein wirtschaftlicher Schaden zuzumuten war.

      Ich bleibe allerdings dabei, dass der Diskurs über Ernährung und Klima unfassbar viel zu kurz kommt. Ich sehe ein, dass es politisch nicht opportun ist, da große Forderungen zu stellen und dass man das insofern den äußeren Rändern der grünen Hinterbänkler überlässt, denke aber, dass dan halt der Rest der Gesellschaft ran muss. Und es gäbe ja auch Forderungen, die dem Omni/Allesesser nicht direkt ans Bein pinkeln, wie wäre es mit Mehrwertsteuersenkungen auf Lebensmittel mit einer guten CO2-Bilanz oder eine Kennzeichnung über den ökologischen Fußabdruck auf Lebensmitteln? Könnte man ja mal so als Maximalforderung in den Raum stellen. Kommt dann auch ohne den bösen Vegan-Trigger aus 🙂

      Danke jedenfalls für Eure Gedanken zum Thema, ist ein hilfreicher Einblick!

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