WR744a „Eine Stunde History“: Seine Thesen haben die Welt verändert

 

Es gibt nur wenige Ideen, die eine derart nachhaltige Wirkung entfaltet haben: Was als Reformversuch Luthers an der römischen Kirche begann, endete mit der Gründung einer eigenen christlichen Kirche. (DLFnova)

3 Gedanken zu „WR744a „Eine Stunde History“: Seine Thesen haben die Welt verändert

  1. Herr von Bödefeld

    Hm, entweder habe ich den Teil verpasst oder ihr habt gar nicht darüber gesprochen, dass Luther (angeblich?) Antisemit war. Da mir dieser Vorwurf oft begegnet hätte ich Hintergrund dazu interessant gefunden.

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    1. David-Alex

      Luthers Verhältnis zu den Juden muss meines Erachtens nicht in jeder Auseinandersetzung mit Luther und seiner Theologie vorkommen, vor allem nicht wenn es -wie hier in 1 Stunde History – zeitlich begrenzt ist und das Thema nicht „Luther“ sondern eher „Luthers Reformation“ lautet. Und dieses Thema wurde doch recht gut besprochen.
      Ich versuche trotzdem, eine kurze Antwort zu geben: Die Frage ist nicht so einfach mit Ja und Nein zu beantworten wie Stefan Wagner das tut. Man muss bei der Thematik zwischen einem jungen und einem alten Luther unterscheiden. Der junge Luther war zwar auch kein Förderer der jüdischen Religion, respektierte dieser aber vor allem unter dem Aspekt, dass sowohl Jesu Mutter Maria Jüdin war als auch Jesus selbst, was er auch in einer Schrift von 1523 „Dass Jesus Christus ein geborener Jude sei“, worin er , wie auch in anderen Schriften und Briefen, den Umgang von Christen mit Juden, kritisierte und vor allem gewalttätige Ausschreitungen verurteilte.
      Der alte Luther dagegen hat sich deutlich gegen die Juden gewandt, so 1543 mit der Schrift „Wider den Juden und ihren Lügen“. Womit diese Entwicklung zu begründen ist, ist nicht ganz klar. Eine vorherrschende Meinung ist, dass Luther gehofft bzw. fast erwartet hat, dass, wo er ja jetzt das rechte Christentum predigt, sich alle Juden zu Christus bekennen. Als dies Ausblieb sah er das als persönlichen Angriff und dann doch als Bestätigung aller Vorurteile und fing so an gegen diese zu „predigen“. Um das Bild dieses Luthers zu vervollständigen ist es aber notwendig zu betonen, dass Luther mit Voranschreiten „seiner“ Reformation und Ideen nicht nur den Juden gegenüber immer schärfer wurde, sondern allen, die nicht seiner Meinung waren. So wird das Jahr 1525 gemeinhin als das „Krisenjahr“ bezeichnet – Luther brach hier sowohl mit seiner monastischen Existenz, mit dem Humanisten Erasmus, mit der er sonst gerne und viel korrespondiert hat (Streitpunkt „der freie/unfreie Wille“) und mit den Bauern, die in seinen Aussagen die Rechtfertigung für Aufstände und ihn als Fürsprecher sahen. Und auch in den folgenden Jahren brach Luther mit zahlreichen seiner Vertrauten und Freunde, wollte nicht mit anderen Reformatoren an einem Tisch sitzen (und konnte nur zum Marburger Religionsgespräch geladen werden, weil ihm gesagt wurde, dass Huldrich Zwingli nicht käme – obwohl er doch eingeladen war. Als Luther dann auf Zwingli stieß nahm er zwar das Angebot an und man hatte sogar eine prägende theologische Debatte zwischen Reformierten und Lutheranern, aber begeistert war er definitiv nicht.) Wenn man das alles zusammen nimmt bleibt das Bild eines älter werdenden Mannes, der gegen fast alles gewettert hat, was nicht seine Meinung vertreten hat. Und das waren bei so einem Querkopf mit so speziellen Gedanken schon recht viele.
      Damit will ich auf keinen Fall Luther spätere, antisemitische Überzeugungen relativieren und wegreden, aber die Antwort auf Ja und Nein runterzubrechen reicht zu kurz.
      Daher finde ich es auch insgesamt falsch, von der Reformation immer nur als Tätigkeit Luthers zu sprechen und diesen so zu hypen, wie das zur Zeit passiert. Luther hat sicherlich gute Ideen gehabt und mit seiner Standhaftigkeit sehr viel erreicht. Aber er war auch nur ein Mensch mit Ecken, Kanten und Fehlern, die so manchem Mensch des Mittelalters anheim fielen. Die Reformation selbst ist aber mehr als nur Luther, ging von zahlreichen Personen, von zahlreichen Gebieten aus, war ein lange anhaltender und vielfältiger Begriff, der auch schon vor Luther begonnen hatte, auch wenn sich an seiner Person sicherlich viel festmachen lässt.

  2. Stefan Wagner

    Luther war nicht angeblich Antisemit, sondern Antisemit wie wenige vor oder nach ihm. Seinen Antisemitismus hat er in einem eigenen Buch ausgebreitet, „Von den Juden und ihren Lügen“.

    Letztes Jahr ist eine Neuauflage in aktuell verständlichem Deutsch erschienen, die beim HPD besprochen wurde, auch die Kommentare unter dem Artikel sind teilweise lesenswert.

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