Beinahe-Monolog vom Altwerden (mit Toby Baier)

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25 Gedanken zu „Beinahe-Monolog vom Altwerden (mit Toby Baier)

  1. Sascha

    Hallo lieber Holgi,

    zunächst viele Grüße, alles Gute und ein großes DANKE für deinen großartigen Content. Ich höre dir seit einigen Jahren zu und es wird nie langweilig.

    Du befindest dich gerade in einem herausfordernden Lebensabschnitt mit der Situation deiner Eltern, und ich wünsche dir dafür ausreichend Kraft. Denk bitte auch an dich selbst, um neue Energie zu tanken.

    Für die anderen Hörer möchte ich gerne etwas ergänzen: Neben der sehr guten Idee, Vollmachten immer notariell beglaubigen zu lassen, ist auch das Thema rechtliche Betreuung wichtig. Es ist wichtig zu wissen, dass ein Amtsgericht immer zuerst nach einer ehrenamtlichen Lösung sucht und vorrangig verwandte Personen als Betreuer:innen einsetzt, wenn möglich. Nur wenn deutliche Hinweise vorliegen, dass man als Betreuer ungeeignet ist, wird davon abgewichen. Daher muss man sich in der Regel keine großen Sorgen machen, dass sofort professionelle rechtliche Betreuer eingesetzt werden. Man hört und liest ja häufig “Schauermärchen” über rechtliche Betreuung. Das auch dort die Welt nicht rosa ist, es zu Problemen kommen kann und leider auch schwarze Schafe ihr Unwesen treiben, darüber muss man sich nicht unterhalten.

    Liebe Grüße aus einem professionellen Betreuerbüro,
    der SashMo

    Antworten
    1. holgi Beitragsautor

      Mir geht es in erster Linie nicht um die schwarzen Schafe der Branche, sondern darum, dass es eine fremde Person wäre. Das würde ich unter keinen Umständen zulassen wollen.

    2. Abkueko

      @Holgi

      ich kann deine Befürchtung verstehen, die ist jedoch weitgehend unbegründet. Das zuständige Betreuungsgericht ist bestrebt immer ehrenamtliche Betreuer zu nehmen. Das sind meistens Angehörige. Im Bereich der Seniorenbetreuungen ist das der Standard. Gibt noch andere Ehrenamtliche Betreuer die aber vornehmlich genommen werden, wenn sich kein Angehöriger freiwillig meldet.
      Berufsbetreuer sind eigentlich eher für andere Fälle da. Die sind der Standard bei komplexeren Fällen. Also wenn nicht ganz so alte Menschen aufgrund einer Erkrankung Unterstützung benötigen (Psychosen, Intelligenzminderung). Oft gibt es da keine Angehörigen und wenn doch sind sie entweder ungeeignet oder nicht ausreichend. Gerade wenn es um Fragen der Unterbringung in Einrichtungen (Psychiatrien, Wohnheime) geht bzw. die Beantragung von entsprechenden Leistungen. Deshalb sind das oft auch Anwälte die das machen.

      Theoretisch ist deine Befürchtung gerechtfertigt, da es juristisch möglich ist als Angehöriger abgelehnt zu werden. Aber nicht weil es eine Konkurrenz gäbe. Die Ablehnung erfolgt nur wenn das Gericht zum Ergebnis kommt, dass du den Anforderungen nicht gerecht würdest. Bei der normalen Versorgung von Menschen in Altenheimen o.ä. ist das eigentlich nie ein Problem (außer wenn es der ebenfalls schon sehr gebrechliche Partner übernehmen möchte)

  2. Toby

    Hallo Holger,
    bezüglich rechtlicher Betreuung: neben den (frei)beruflichen Betreuer:innen gibt es Betreuungsvereine, die diese Dienstleistung anbieten. Diese sind an Organisationen wie z.B. das Deutsche Rote Kreuz angegliedert.

    Die dort angestellten Personen haben keinerlei Gewinninteresse an der Betreuung. Die werden gleich bezahlt, ob sie 10 oder 20 Personen betreuen, ob sie alle 3 Tage einen Antrag für finanzielle Hilfen ausfüllen oder einmal in Jahr einen Bericht schreiben.

    Manche Vereine vermitteln auch ehrenamtliche Betreuungen.

    Vielleicht ist das eine Möglichkeit für dich und deine Eltern, wenn eine Alternative zur aktuellen Situation gewünscht oder notwendig ist.

    Das Betreuungsrecht ist übrigens vor einiger Zeit so geändert worden, dass “Wunsch und Wille” der Betreuten maßgeblich für das Handeln des Betreuers ist. Das hat also mit Vormundschaft (as in: da wird jemand bevormundet und zu etwas gezwungen) nichts zu tun, sondern Dinge werden nur getan, wenn die Betreuten es wollen (außer es geht um akute Selbst- oder Fremdgefährdung).

    Beste Grüße und viel Kraft dir.

    Antworten
    1. Sascha

      Hallo Toby,

      da sprichst du zwei wichtige Punkte an. Ein großer Vorteil eines Betreuungsvereins ist, dass die Mitarbeiter
      sich gegenseitig vertreten können. Bei Urlauben und Ausfällen steht immer ein Ansprechpartner zur Verfügung. Ein einzelner Betreuer ist zwar auch verpflichtet, eine Vertretung zu haben, aber es kommt sicher oft genug vor, dass einer im Urlaub und einer krank ist. Das ist bei wichtigen Ereignissen sehr hinderlich.

      Das Thema Gewinninteresse habe ich mir noch nicht richtig durch den Kopf gehen lassen. Spontan sehe ich das nicht als Vorteil, zumal Vereinsbetreuer sicher nicht besonders gut bezahlt und stark belastet sind. Betreuungsvereine werden immer weniger, weil immer weniger Menschen Betreuungen übernehmen wollen. Zu viel Verantwortung bei nicht so berauschenden Gehältern und viel Arbeit. Vielleicht gibt es regionale Unterschiede, aber in der Region (Ost)-Westfalen haben nicht nur Betreuungsvereine, sondern auch Einzelunternehmen immer weniger Kapazitäten. Wir haben viele Anfragen, können aber nicht mehr aufnehmen, ohne die Qualität zu gefährden. Wir haben schon mehrfach überlegt, die Unternehmung einzustellen. Mit unseren Qualifikationen könnten wir in einem Standardjob und Teilzeit mehr Geld verdienen. Das Geld ist sicher nicht der Hauptgrund, aber eine Selbständigkeit bietet Freiheiten, die viel wert sind. 🙂

      Was ein Betreuer verdient bzw. die Fallpauschalen kann man im VBVG nachsehen und für sich selbst beurteilen, ob man es des Geldes wegen machen würde. Am einfachsten nach der VBVG-Tabelle in der Suchmaschine der Wahl suchen.

      Die Änderung des Betreuungsrechts seit dem 01.01.2023 sehe ich sehr positiv, aus den von dir genannten Gründen. Eine Betreuung findet grundsätzlich freiwillig statt. Die Entmündigung gibt es zum Glück seit 1992 nicht mehr. Darüber hinaus ist man als Betreuer nun gezwungen, sich regelmäßig fortzubilden (was nicht günstig ist) und regelmäßig Kontakt zum Klienten zu halten. Unterm Strich ist es aufwändiger und teurer geworden, den Job auszuüben. Das führt einerseits zu steigender Qualität, aber auch dazu, dass immer mehr Betreuer das Handtuch werfen.

      Ich habe jetzt viel zu viel gequakt. 😀
      Hab eine wunderbare Woche und viele Grüße
      Sascha

  3. Marcel

    Wie sehr ich die Situation mit dem Geisterhaus fühle. Das von dir beschriebene das alles noch bewohnt wirkt aber vor allem das selbst ausräumen der Wohnung meines Vaters (für Entrümpler war kein Geld da) als er dann doch relativ spontan an seinem Krebsleiden verstarb war für mich komischer weise um ein 10faches schlimmer als der Tod an sich.

    Da tickt natürlich jeder anders, aber ich würde mit dem Schaden den ich mir da zugefügt habe heute lieber ein Kredit für den Entrümpler aufnehmen also so etwas nochmal je wieder selber machen zu müssen.

    Danke fürs Teilen deiner Gefühle, hat mir geholfen das ein wenig bei mir selber einzuordnen bzw. zu sehen das man mit solchen Gedanken nicht alleine ist.

    Antworten
  4. Frank Rehme

    Hallo Holgi

    Das habe ich auch schon alles hinter mir. Meine Eltern wollten nie eine Vollmacht und kamen von jetzt auf gleich ins Heim. Dann fing das Chaos an: Gericht, ich als Betreuer, Hausverkauf vom Gericht genehmigen lassen, zwischendurch stirbt mein Vater, auf Erbschein warten, da es lange dauert mein Privatvermögen samt ETF‘s aufgelöst. Dann Haus verkauft und meine Mutter in einer tollen Demenz WG in meiner Nähe untergebracht.

    Gerichtlich bestellter Betreuer sein bedeutet, dass du exakte Buchführung machst und sehr viel Papierkram machst Jede Woche kommen Rechnungen und Schreiben, deren Abarbeitung bei Ausgaben du dem Gericht nachweisen muss.

    Alles nur, weil ich keine Vollmacht hatte.

    Was habe ich gelernt: ich habe sofort eine Vollmacht beim Notar für meine Kinder ausstellen lassen. Hast du das auch erledigt?

    Lieben Gruß Frank

    Antworten
    1. Sascha

      @Holgi: Das was Frank Rehme sagt + Betreuungsverfügung. Dort kannst du festlegen, wer Betreuer werden soll aber vor allem auch wer NICHT. Das könnte u.U. auch sehr wichtig sein. 😉

  5. Marc

    Holgi, du hast dieses Jahr schon so brilliante Interviews gemacht, deine Hörer wirst du auch auf ein paar Wochen Pause nicht verlieren.
    Und dann so ein tolles Gespräch, beidseits.
    Ich fühl da viel mit, gerade das Thema Haus ausräumen, da könnt ich auch viel mit reden… ich habs nicht geschafft so viel zu reduzieren, bei mir steht noch ein ganzer Schrank voll mit Kram meines Vaters (und manches hätte man lieber nicht gefunden).
    Viele können mit dem Song Geisterhaus der Toten Hosen was anfangen, mir geht’s nicht so, aber vielleicht nimmt dich das ein Stück mit – mir geht es zumindest so, dass es mit Musik oft besser geht.
    VLG
    Marc

    Antworten
  6. Gordon

    Danke Holger!!

    Deine Offenheit hilft sehr. Da waren so viel gute und plastische Tipps und Infos dabei!

    Das Thema Vollmacht wird sehr unterschätzt und die Investition in notarielle Beratung und Handhabung kann sehr hilfreich sein. Egal wie, es ist wichtig, sich damit rechtzeitig auseinanderzusetzen. Und wenn es nur dafür ist, selber besser vorbereitet zu sein. Es ist kompliziert genug und wird noch schwerer, wenn man im Akutfall „zum ersten Mal davon hört“.

    Bei Immobilien-Eigentum ist eventuell auch das Thema Schenkung eine Option. Geht das gleiche Problem mit der Verwaltung/dem Verkauf des Hauses von unterschiedlicher Seite an. Und es braucht das Vertrauen untereinander. Aber nach 10 Jahren wäre eine potenzielle Erbschaftssteuer (he nach Wert) vermieden. Andererseits kann sich die Vermietung/der Verkauf des Hauses zwiaxhenzeitlich auf die eigene Steuererklärung auswirken. Da wird dann auch Steuerberatung wichtig. Bei Selbstständigkeit sind ggf. KV- und weitere Kosten zu berücksichtigen, da sich die Mieteinnahmen als Teuerungsfaktor auswirken können. Auch hier gilt, frühzeitig damit beschäftigen hilft besonnenen Entscheidungen.

    Thema Pflegeheim: Sehr schön, daß Du eine gute Lösung für Deine Eltern (aber auch Dich) gefunden hast!
    In BaWü wurde leider die Option Doppelzimmer verboten. Bei aller gut gemeinter Intention der initiierenden Grünen-Politikerin, aus schlechter privater Erfahrung heraus, wurden Fehler gemacht und zB Ausnahmeregelungen (zB für Ehepaare) leider nicht berücksichtigt.
    Rund um die Pflege und die Heime gäbe es noch viel zu unken, aber lassen wir das.

    Viel wichtiger – es gibt tatsächlich doch eine brauchbare Sache, die die Ferengi in den letzten Jahren hinbekommen haben… die „Pflege-Bahr“
    Das entscheidende Stichwort ist hierbei: gesundheitsprüfungsFREI !!
    Ja, man muss 5 Jahre einzahlen, bevor man etwas rausbekommt, aber das kann sich dann schnell rechnen.
    Entscheidend ist das Timing. Nicht zu früh starten, aber sobald klar wird, daß zB eine Demenz oder eine andere langfristige Degeneration auftritt, schnell ins Handeln kommen. Ein Restrisiko bleibt immer, klar. Auch hier hilft Beratung/Kundigmachen und durchrechnen. Es geht, wie so oft, um das Optimieren der Wahrscheinlichkeiten.

    Deinen Eltern, Dir und Deiner Family alles erdenklich Gute und alle nötige Kraft!

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  7. Chris

    Hallo!
    Ich fand die Folge sehr interessant. Habe mich allerdings bzgl. der Veräußerung des Hauses gefragt: Kann man es nicht per Schenkung einfach überschreiben lassen. Dann muss der Erlös auch nicht mit genutzt werden für die Unterbringungskosten?
    Vielleicht ist das aber auch nicht so einfach.
    Beste Grüße!

    Antworten
    1. Claudia

      @Chris. So einfach ist das nicht. Wenn Holgjs Eltern ihm jetzt die Immobilie schenken und in zwei Jahren ist die restliche Kohle fürs Pflegeheim alle dann kommt das Sozialamt auf Holgj zu und kehrt die Schenkung wieder um. Die hätte vor mehr als 10 Jahren verschenkt werden müssen, dass das nicht mehr geht.

  8. Regine

    Lieber Holger,
    unregelmäßig lausche ich Dir gerne zu, habe mich aber bislang noch nie bemüssigt gefühlt zu reagieren. Aber Dinge ändern sich … . Sollte Dein Herz wirklich daran hängen das Haus zu behalten, um in einigen Jahren wieder nach B zu ziehen, gibt es doch div. gangbare Möglichkeiten. Wenn Du magst gib mir Info, dann gebe ich Dir Telnr.
    Fühle Dich ganz fest gedrückt !
    R.

    Antworten
  9. Ju

    Vielen Dank für diese Folge! Wir wünschen dir und deinen Eltern alles alles Gute und denken an euch, hab einen erholsamen Urlaub! Danke auch für die wichtigen Denkanstöße und Infos! <3

    Antworten
  10. Abkueko

    Noch ein Hinweis zum Thema “Makler”:
    Du hast meine ich aufgeführt der Makler würde sich um allerhand Dinge kümmern wie die finanzielle Lage abklären. Wir haben gerade ein Haus gekauft. Der Makler hat da überhaupt nichts abgeklärt, noch nicht mal danach gefragt.
    Der hat die Hausbesichtigung gemacht und beim Preis die Gebote angenommen und sie den Verkäufern übermittelt. Ob wir das bezahlen können wurde nie geprüft. Wie will der das auch prüfen?

    Antworten
    1. Steffi

      Selbstverständlich ist es möglich dass der Makler prüft ob der Käufer das Haus bezahlen kann. Dazu muss eine Finanzierungsbestätigung der finanzierenden Bank vorgelegt werden, und die wird natürlich auch überprüft.
      Wenn euer Makler das nicht getan hat, dann hat er (wie leider viele in der Branche) seinen Job nicht richtig gemacht.
      Gut dass es für euch trotzdem geklappt hat.

  11. Anonym

    Hallo Holgi, ich kann gut nachvollziehen wie Dich das mitnimmt… und vor allem auch wie es Dich vorher schon mitgenommen hat Deine Eltern zu besuchen. Mein Vater ist schon vor einigen Jahren gestorben, dementsprechend war ich als einziger Sohn quasi “Der Mann für alles” wenn es um irgendwas kompliziertes ging, und da meine Schwestern extrem zerstritten sind auch für alles was Finanzen und Behörden angeht, damit die eine der anderen nichts vorwerfen konnte. No pressure…

    Ende 2022 ging es dann los, plötzlich und unerwartet… an Weihnachten war noch alles gut, Muttern zum Besuch abgeholt, alle tüchtig gegessen… ein paar Tage später dann Lungenentzündung, sie kommt ins Krankenhaus, hatte wohl Covid ohne es zu bemerken (Dank Impfung, die sie eigentlich nicht wollte…). Anfang Januar zurück nach Hause, endlich wieder alleine für sich sorgen (Ich will ja niemandem zur Last fallen…)… ein paar Tage später dann ein panischer Anruf der Putzfrau, sie ist die Treppe runtergestürzt, Platzwunde, alles voll Blut, aber sie will ja keinen Arzt. Trotzdem Krankenwagen rufen lassen (WTF, das sollte bei der Blutmenge selbstverständlich sein… alte Frauen, kann keiner verstehen). Im Krankenhaus wird dann klar wie massiv sie abgebaut hat, alleine geht es mit Anfang 80 einfach nicht mehr. Panisch Pflege zuhause organisiert weil Heim ja absolut nicht akzeptiert wird (die Schwestern beteiligen sich kaum bis gar nicht…). Endlich wieder zuhause, aber die Verwirrtheit nimmt eher zu, Treppensteigen geht auch nicht mehr, Schwester bestellt Treppenlift weil “Pflegeheim geht gar nicht, sieht man ja im Fernsehen!”. Die arme Pflegerin aus dem Ostblock ist zwar super, aber eine geistig verwirrte 80-jährige hat andere Vorstellungen (und ruft um 2 Uhr morgens die gesamte Verwandschaft an, erbost weil niemand ihr helfen will die Küche aufzuräumen…). Dann durch die ganzen Spritzen etc. eine Entzündung am Arm die eher schlimmer als besser wird, mittlerweile Ende Februar und noch weiter abgebaut, Sauerstoff benötigt, überfordert mit den 2 Tasten des Treppenlifts… effektiv fahre ich seit Silvester alle 2-3 Tage zu ihr um irgendwas zu regeln. Dann wieder ins Krankenhaus weil die Infektion nicht besser wird, da regelmäßig hin um sie zu versorgen (neue Wäsche, Getränke die sie unbedingt will aber doch ignoriert…), weiter abgebaut… langsam mit dem Gedanken vertraut machen “Das wird nichts mehr, wo will sie sterben”. Aber bevor man das organisiert kriegt kommt der Anruf vom Krankenhaus, keine 12 Stunden nachdem Du sie das letzte Mal besucht hast und angemeckert wurdest weil die Schwestern ja so böse sind etc… 4 Monate Dauerstress (während ich gleichzeitig Vollzeit gearbeitet habe… Danke an meine Kollegen und Vorgesetzten und ein Hoch auf das Homeoffice!!!) die mit Vertrauen in eine Pflegeeinrichtung nicht nötig gewesen wären.

    Wenigstens bleibt Dir der Alptraum namens “Testamentsvollstreckung” erspart, falls Du (IIRC) Einzelkind bist… Wenn ich damals schon gewusst hätte was ich heute weiß hätte ich DEN Scheiß sofort abgelehnt. Aber das ist eine andere Geschichte und soll an einem anderen Tag erzählt werden…

    Und ja, ich bin froh nicht an meinem Elternhaus vorbei fahren zu müssen, und es auch nicht geerbt zu haben… da stecken zu viele Erinnerungen drin, und zuviel angesammeltes von meinem Vater der nie was wegwerfen konnte. Oh, und Asbest… die 60er lassen grüßen 😉

    Antworten
  12. Paul

    Hallo Holgi,

    ich habe keine Ratschläge oder großartige Tipps. Ich habe nur die ganze Folge an meine eigene Geschichte gedacht und vor allem als du die emotionalen Moment allein im Haus beschrieben hast musste ich auch weinen.

    Ich wünsche dir viel Kraft und das du die kommende Zeit mit deinen Eltern intensiv genießen kannst.

    Viele Grüße Paul

    Antworten
  13. Magnus

    Ich kenne mich mit dem ganzen Thema (zum Glück) noch nicht aus, fand Holgis erzählen aber unglaublich bewegend. Ich höre dir schon seit fast 20 Jahren zu, bei allem was du so in dein Podcast-Mikro sprichst. Selten fand ich etwas so gut wie diese Folge. Danke dafür (und für alles davor und was noch kommt). Und ganz viel Kraft für die Zukunft!

    Antworten
  14. marc

    Hallo Holgi

    Das ist mehr eine Nachricht an Dich, du kannst sie aber auch als Kommentar veröffentlichen.

    Wir haben eine gemeinsame Geschichte ohne eine gemeinsame Geschichte zu haben.
    Ich bin exakt 6 Monate älter als Du, geboren in Bergheim/Erft … wir kommen also aus der gleichen Ecke. Du bist über Umwege im Osten gelandet, ich im Süden, wir beide lachen gerne laut, wissen gutes Essen und Trinken zu schätzen, Menschen gehen uns schon auch öfter auf den Geist – leichte misanthropische Züge (so ich es richtig einschätze), wir beide haben ziemlich die gleiche Figur und auch den gleichen Ärger damit. Als ich vor ein paar Jahren das erst mal in Malcesine Urlaub gemacht habe, war es exakt die Woche, in der Du auch da warst und ab Donnerstags Masken wieder Pflicht wurden. Ich habe mich auch über die Schlangen an der Bahn zum Monte Baldo gewundert und am See sind wir uns spazierend begegnet (mit unseren Frauen) – ich habe aber vorgezogen, die Klappe zu halten, schließlich war Urlaub.
    Politisch sind wir ähnlich gestrickt – Neigung zur Ironie, schwarzem Humor und machmal auch Zynismus sind mir nicht ganz unbekannt – meine Frau sagte schon mal: wir seien Brüder im Geiste. Nur bin ich bedeutend optimistischer grundsätzlich und ich glaube auch, dass meine sehr große Resilienz mich vor vielen emotionalen Schräglagen bewahrt und ich zum Glück auch weit von depressiver Verstimmung oder gar Depressionen bin.

    Ich habe sehr intensiv Deinem Monolog gelauscht:
    Meine Eltern sind ein klein wenig jünger als Deine, ich sehe allerdings gleiches Schicksal am Horizont.
    Seit Jahren räumen sie immer mal wieder aus und geben mir und meinen Geschwistern Erinnerungsstücke mit wie unsere ersten Schuhe, die ersten Bilder … also Erinnerungen der Eltern an uns Kinder … ein sehr schräges Ritual mit der Begründung: dann müsst ihr nicht so viel ausräumen, wenn es so weit ist. 50 Jahre wurden sie von Hunden begleitet und nun ist der letzte Hund vor 14 Tagen verstorben und damit kommt die Befürchtung auf, dass es nun rapide bergab geht mit Körper und Geist, weil der Input und der Output fehlt, den beides Hunde einfordern. Gleichzeitig leben sie auf dem Land in einem kleinen Ort und wenn Autofahren nicht mehr geht, dann ist da Ende Gelände. Ich kann zwar auch von dort arbeiten – aber einen richtigen Umzug, wie du ihn gemacht hast, das ist eher unvorstellbar.
    An Deiner Erzählung und wie Dich das alles emotional mitgenommen hat, belastet und die Hilflosigkeit, die man als Kind hat, wenn die eigenen Eltern vor den eigenen Augen rapide abbauen, habe ich den eigenen Blick in die Glaskugel gesehen … mein Morgen.
    Mit jedem Tag, den ich mehr auf der Uhr des Lebens habe, werde ich emotionaler und ich habe meine Frau durch eine Krebserkrankung begleitet – habe also hautnah mitbekommen, wie es ist, wenn es den lieben nicht gut geht, sie vielleicht sogar das Ende vor Augen haben – nur bei den Eltern ist eben dieses Ende unausweichlich. Und es geht nur darum, den Weg dorthin ihnen so schön wie möglich zu gestalten – einen Abzweig gibt es nicht mehr. Zugleich merkst du, dass du immer noch das Kind bist, auch wenn die Rollen sich umgedreht haben.
    Es gibt glaube ich keinen richtigen Pfad, das schnelle altern der Eltern und damit den schnellen Abbau ihrer Fähigkeiten entspannt zu begleiten – dazu sehen wir auch zu sehr unsere eigene Zukunft.
    Dein Monolog war mir Anlass, nochmal genauer hinzusehen und zu überlegen, was dann ansteht – weniger das juristische, mehr der Umgang – und wie die emotionale Ausnahmesituation nicht zum Normalfall wird. Vermutlich macht jeder zumindest unbewusst die Rechnung auf: wie oft kann ich meine Eltern noch sehen (und warum war ich in der Vergangenheit nicht öfter da)?
    Meine Großmutter ist im Familienkreis bei meinen Eltern verstorben – die ganze Familie war samstags abends nochmals da und in der Nacht ist sie gestorben. So wünsche ich mir einen würdevollen Abschied vom Leben für Menschen und weiß zugleich, dass es vermutlich mit den eigenen Eltern nicht so gehen wird.

    Jetzt habe ich auch einen Monolog geschrieben – eigentlich wollte ich Dir nur sagen als ein Hörer, der bei Folge 350 eingestiegen ist: das war wahrscheinlich die beste Folge, die du je aufgenommen hast und Toby hat die den Platz gelassen, den du unbedingt brauchtest. Ich bin mir sicher, dass es vielen ähnlich geht wie Dir.

    Ich wünsche Deinen Eltern alles Gute und Dir einen Urlaub mit Deiner Familie, die Dich erholen lässt.

    Marc

    Antworten

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