WR1343 Das Ende der Templer

Geheime Geheimsache. Matthias von Hellfeld erzählt trotzdem.

Die passende Ausgabe “Eine Stunde History” läuft am 21. März 2022 auf DLFnova.

6 Gedanken zu „WR1343 Das Ende der Templer

  1. Andreas

    Hi,

    ich bin Freimaurer und hatte beim Anhören der Folge mehrere WTF?-Momente. Nur mal um das klarzustellen, bei uns ist weniger geheim als beim Geflügelzüchterverein. Viele Logen haben Gästeabende, an denen Interessierte willkommen sind. Es gibt auch nicht “die Freimaurer” als solches sondern verschiedene Logen mit unterschiedlichen Ausrichtungen. Ihnen allen gemeinsam ist, dass sie ganz normale Vereine sind, mit Schatzmeister, Vorstand und dem ganzen Rest. Es gibt Jahreshauptversammlungen, Satzungen usw. Sie sind zusammengesetzt aus Menschen aus allen Schichten, Herkünften und Berufen. Das ist sogar gewollt so. Das ist alles nicht geheim. Man trifft sich wöchentlich zum Gespräch oder zur “Arbeit”. Letzteres ist das einzige, was nur Mitgliedern vorbehalten ist – ich plaudere mal aus dem Nähkästchen: Nein! da wird nix schlimmes oder gar Verbotenes gemacht sondern es fällt in die Kategorie “einfach mal Ruhe haben”.

    Diese Verschlossenheit, die uns immer vorgeworfen wird kommt nur von außen. Wir machen halt nicht aktiv Werbung. Unser Markenkern ist Arbeit an sich Selbst (wir verwenden die Metapher “Arbeit am rauen Stein”) und zu versuchen unser Umfeld und die Welt im Sinne humanistischer Ideale zu einer besseren zu machen. Dabei agieren wir nicht zielgerichtet als Gruppe sondern jeder für sich individuell. Böse Zungen behaupten Freimaurerei sei eine Fliegenfalle für Idealisten.

    Leider gibts halt auch bei uns schwarze Schafe, vor allem dort wo die Logen keine große Streuung der Meinungsvielfalt aufweist und es eher zur Bildung von Interessengruppen kommt (Ja, alte weiße Männer mit Angst vor Gendern sind ganz gut vertreten). Da werden diese Möglichkeiten des Austauschs nicht genutzt um sich auch mal einen anderen Gesichtspunkt oder Meinung anzuhören sondern nur noch um die eigene zu bestätigen. Das ist aber nichts neues und auch nichts was ich aus anderen Vereinen nicht auch kenne. Eigentlich geht es um Toleranz und dem Austausch von Ansichten, die einem selbst nicht unbedingt gewogen sind.

    Unsere schlechte Publicity kommt auch aus der Zeit des Nationalsozialismus. Den Nazis war es suspekt, dass sich Menschen, die teilweise einen sehr ausgeprägten Hang zu Pazifismus und Humanismus pflegen regelmässig treffen. Carl von Ossietzky oder Kurt Tucholsky waren z. B. Freimaurer zu dieser Zeit. Da wurde einige Sagen, die heute noch im Umlauf sind, z. B. in dieser Podcastfolge, kultiviert. Freimaurer sind in fast allen totalitären Staaten verboten (Kuba ist da eine Ausnahme).
    Darum und wegen der offenen Anfeindung, die wir erleben, gerade von Rechts und von diversen Schwurblern, gehen viele von uns nicht offensiv mit ihrer Mitgliedschaft in einer Freimaurerloge hausieren. In diesem Kontext ist auch eines der wirklich wenigen Dinge über die wir nichts sagen dürfen verortet. Wir dürfen die Mitgliedschaft anderer im Bund nicht preis geben. Mit der eigenen können wir verfahren wie wir wollen.

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    1. Andreas

      Warum wird man, warum bist Du Freimaurer geworden?

      Ich bin eher so der Nerd mit Wissenschaftshintergrund. Eine Schwurbelkollegin hat seinerzeit was über Freimaurer und Intrigen und geheime Treffen vom Stapel gelassen und ich wollte da was mit Susbstanz entgegensetzen. Hab mich dann Informiert was das ist und mich in das Thema reingenerdet. Und dann auch Kontakt zu ner Loge mit eher atheistisch-, humanistischen Background, aufgenommen, die auch in den 20er und 30er Jahre des letzten Jahrhunderts aus meiner Sicht einen gute Figur gemacht hat.
      Hab da sehr aufgeschlossene Menschen getroffen, die auf meine Fragen eingegangen sind. Hab auch gefragt, ob ich meine Schwurbelkollegin mal mitnehmen darf, damit die mal sieht wie das wirklich läuft und sie waren auch da nicht unaufgeschlossen. – Treffen mit ihr hat aber nix gebracht, die Kollegin schwurbelt immer noch und glaubt, dass da nur eine Show exklusiv für sie aufgezogen wurde m(

      Weil ich so netten Kontakt hatte kam ich über 2 Jahre immer wieder mal zu Gästeabenden vorbei. Weil die Welt ein Dorf ist habe ich so zufällig Leute, die ich schon länger aus anderen Kontexten kannte und sehr schätzte wieder getroffen, die sich dann als Freimaurer geoutet haben. Das und die Art des Austauschs hat mich dazu bewogen zu fragen ob ich aufgenomen werde. Das ist auch wichtig zu erwähnen. Wir werben nicht um Mitglieder, wenn uns jemand besuchen kommt drücken wir der Person auch kein Mitgliedsformular in die Hand oder reden auf sie ein mitzumachen. Die Person muss aktiv auf uns zu kommen, erst dann geht der Aufnahmeprozess los.

      Warum wir man Freimaurer? Das ist nicht zu beantworten, weil das alles sehr individuell abläuft. Da hat jeder andere Beweggründe.

    2. ABC

      Hi Andreas,

      Das mit dem “atheistisch-humanistischen” Weltbild der Loge klingt interessant. Mir war bisher nur bekannt, dass der Glaube an eine höhere Macht vorhanden sein sollte…
      Kannst/willst du mehr Infos geben zu deiner Loge? Wo findet man mehr raus?

  2. Michael Beer

    Hallo, danke für diese interessanten Podcasts!
    Eine Korrektur, weil Matthias das schon öfters so erwähnt hat: die Grenze zwischen West- und Ostfrankenreich bzw Frankreich und dem alten Reich verlief nie auch nur annähernd am Rhein: im Gegenteil: Frankreich wuchs an 1350 bis heute um gut ein Drittel nach Osten – im Norden verlief die Grenze mehr oder weniger an der Westgrenze Belgiens, westlich von Verdun, westlich vorbei an Besancon. Das Rhonetal war bis 1033 ein eigenständiges Königreich (Burgund bzw Arelat) und kann dann durch Erbschaft ans Reich. Damit verlief die Grenze in Süden westlich der Rhone, Dijon, Lyon und Marseille gehörten zum Reich. Und das über Jahrhunderte (vom 9. Bis ins 14. Jahrhundert) ziemlich stabil. Alle diese Teile waren bis ins 15./16. Jahrhundert NIE Teil Frankreichs gewesen. Wenn man sich das Mal auf einer Karte ansieht, kann man doch nicht ernsthaft vom Rhein auch nur als ungefährer Grenze zwischen Frankreich und dem Reich angeben?

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  3. Tarifkemmer

    Danke für die schöne Sendung.
    Bei dem Zusammenhang zwischen Templerorden und Illuminaten hat es Matthias von Hellfeld m.E. etwas aus der Kurve getragen. Es gab im 18. Jahrhundert eine dominante Strömung in der deutschen Freimaurerei namens “Strikte Observanz”, die behauptete, in Nachfolge der Templer zu stehen. Diese Behauptung hatte keine historische Grundlage. Als die “Strikte Observanz” zusammenbrach, geriet die Freimaurerei in Deutschland in eine Krise. Diese Krise versuchten die frisch gegründeten und aufklärungsfreundlichen Illuminaten auszunutzen, indem sie behaupteten, die Strikte Observanz sei in Wirklichkeit eine Verschwörung der Jesuiten, um gegen die Aufklärung zu agitieren und Deutschland zu rekatholisieren. Die Illuminaten boten sich als Gegenverschwörung gegen diese jesuitisch-freimaurerische Verschwörung an und warben um Freimaurer, die der Aufklärung nahe standen. Die Illuminaten waren also die Gegner derer, die sich zu Unrecht als die Nachfolger der Templer bezeichneten.
    Der Illuminatenorden bestand zwischen Gründung und Verbot nur 8 Jahre (1776-1784), in denen die führenden Mitglieder sich hauptsächlich herumgestritten haben. Kurz nach dem Verbot wurden die Illuminaten aus ihren Ämtern entfernt und teilweise ausgewiesen. Ihr Hauptaktionsgebiet war das Kurfürstentum Baiern. Vermutlich war es einer der harmlosesten Geheimbünde in der Menschheitsgeschichte. Zu seinem Ruf, ein weltbeherrschender und gewissenloser Geheimbund zu sein, kam er durch die nur 5 Jahre nach seinem Verbot ausgebrochene französische Revolution. Diese erschütterte Europa in seinen Grundfesten und viele glaubten diese Verwerfungen nur durch das einen Wirken eines Geheimbundes erklärbar.

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