WR798 Alexander

 

Seit einigen Jahren sitzt ein Schnorrer auf der Treppe des Bahnhofs Tempelhof. Fast immer hält er einfach nur die Hand hin, aber gelegentlich redet er auch. Meistens kommen dann unzusammenhängende Sätze, die  an niemand spezielles gerichtet zu sein scheinen.

Ich habe mich dazugesetzt und mit ihm geredet. Sein Name ist Alexander.

17 Gedanken zu „WR798 Alexander

  1. Tom Kneit

    Hi!
    Das Interview zeigt v.a. die psychopathologischen Phänomene „Umständliches Denken“ und „Assoziative Lockerung“, beides sog. formale Denkstörungen. Die SEEWOLF-Studie (bitte googeln) hat Hinweise darauf gezeigt, dass Wohnungslosigkeit und psychische Erkrankungen leider häufig gleichzeitig vorkommen.
    CU

    Antworten
  2. Hegemoniekonsul

    Um Gottes Willen. Die Schilderungen aus seinem Leben bis zur ersten Hälfte des Beitrages sind ja ganz interessant, aber als Alexander dann anfängt übergangs- und zusammenhanglos über Weltpolitik, die Bibel, das heilige Land und Technologie zu schwadronieren, hört es wirklich auf bei mir. Ich verstehe absolut nicht, was er sagen möchte.

    Antworten
    1. Venyo

      Klar ist das frustierend, aber irgendwie liegt doch darin auch eine Erkenntnis – in der Wirrheit und der Tatsache, dass er nicht in der Lage ist seine Ansichten so auszuführen, dass du sie verstehst.

    2. blub

      So schliimm wars nicht, wenn man es in etwas bessere Grammatik setzt und ein paar Fremdwörter hinzufügt geht es irgendwo im Spektrum zwischen Welt und Cicero als „interessanter Debattenbeitrag“ durch.

  3. Donngal

    War zwar ganz spannend, teilweise naturgemäss etwas wirr. Als Reihe weiss ich nicht wie lange das spanned wäre. Kommt vielleicht auf die Gesprächspartner an.

    Ich konnte zum Beispiel bei den festen Plätzen nicht richtig folgen. Was meinte er?

    Antworten
    1. Timm A.

      Hallo, ich würde vermuten das Er mit den Plätzen meinte, das eine begrenzte anzahl von Positionen von immer den gleichen Obdachlosen besetzt wird um zu „betteln“ und jeder der zu viel an diesem Ort ist wird von denen die täglich dort sind vertieben. So habe ich es verstanden.

  4. Timm A.

    Hallo,

    ich fand diese Folge sehr interessant und würde mir öfters dieses format wünschen. Mit solchen Interviews gibt man den s.g. “ Penner “ eine Persönlichkeit und schafft es vlt ein Bewusstsein für solche Schicksale in der Gesellschaft zu wecken. Sprich vielleicht geht der eine oder andere nun nicht mehr stur an diesen Menschen vorbei ohne sie wahr zu nehmen.

    Antworten
  5. leisure

    Uff, die Schilderungen sind tatsächlich ziemlich wirr. Die meisten führen irgendwie auch nicht wirklich irgendwohin. Wenn’s ums Jobcenter geht, würde ich ja lieber wissen, wieso das mit der Tresenhilfe für ihn nicht klappt. Und was er insgesamt für Struggle mit dem Amt hat. Stattdessen folgt ein längerer Monolog darüber, dass die echten Punks heute auch nur kapitalistische Arschlöcher sind? Da steckt insgesamt sehr viel drin, aber irgendwie wirkte die Folge eher wie eine Abarbeitung eines Fragenkatalogs als wie ein Gespräch. Entsprechend wenig fällt hier (für mich) irgendwie raus.

    Was für mich allerdings interessant war: Was er erzählt ist teilweise etwas wirr, aber er ist nicht *verwirrt*. Er ist nur mittlerweile so lange in einer derartig anderen Lebensrealität, dass er ohne Probleme binnen Sekunden von Berlins schönen Ecken auf erwachsene Kinder in früheren Kinderwägen auf das heilige Land Israel schwenken kann. Wahrscheinlich eher, weil er viel mehr Vorwissen voraussetzt, als ich in meiner wohlbehüteten Blase von seiner Welt habe. Insofern auf der Metaebene trotzdem noch was gelernt/mitgenommen. 🙂

    Antworten
    1. holgi Beitragsautor

      Das istbdie Essenz aus über zwei Stunden Rohmaterial. Konsistenter habe ich es nicht hinbekommen.

  6. Simohn

    merkt man halt nicht, das mit den 2 Stunden Rohmaterial. Tönt wie 30 min, vllt hättest du es im Cast sagen müssen.

    Antworten
  7. Johannes Burgel

    Erst hat mich die völlig wirre Denk- und Sprechweise erschreckt. Aber dann habe ich noch einen noch größeren Schrecken bekommen, als mir aufgefallen ist, dass Alexander es ja anscheinend immer noch schafft, Hartz 4 zu organisieren. Wir haben da draußen aber Leute, welche nicht mal mehr das schaffen. Wie muss es denen erst gehen?

    Aus Alexandes Aussagen habe ich kaum was mitgenommen, aber allein für diese Erkenntnis hat es sich schon gelohnt.

    Antworten
  8. David

    So wie wir ihn teilweise nicht verstehen, geht es dann auch anderen, von denen er etwas will. Ich meine damit Ämter. Und ich glaube, oftmals ist dann der Schluß „Hat doch alles keinen Zweck“ und manche Lage wird einfach noch schlimmer, bis hin zu Obdachlosigkeit. Hier jetzt in diesem Fall jetzt wohl derzeit nicht, aber die Aussage bezüglich Schulausbildung war auch so holprig. Zack ging dann nicht, und dann hatte er nicht mal einen Hauptschulabschluß. Wurde anscheinend akzeptiert, kann man nix mehr machen, bleibt jetzt so?
    Ich weiß aber auch nicht, wie man solchen Leuten helfen soll (allgemein, jetzt nicht speziell dieser Fall). Allgemeine Betreuung, damit er auf einer „Linie“ (nicht falsch verstehen!) bleibt und sich nicht beim ersten Problem wieder vom Ziel abbringen läßt? Dazu fehlen ganz sicher Tausende Sozialarbeiter, die ja nur „Kosten“ verursachen…
    Und wie die Ellenbogen-Gesellschaft sich aber aktuell eher entwickelt, wird es eher noch schlimmer. Wie viele Leute sollen noch auf der Strecke bleiben?

    Antworten
    1. knut

      “ …
      Und wie die Ellenbogen-Gesellschaft sich aber aktuell eher entwickelt, wird es eher noch schlimmer. Wie viele Leute sollen noch auf der Strecke bleiben?“

      Hier bitte:

      „Die BAG Wohnungslosenhilfe (BAG W) hat am 14. Nov. 2017 ihre aktuelle Schätzung zur Zahl der wohnungslosen Menschen in Deutschland vorgelegt: In 2016 waren demnach ca. 860.000 Menschen in Deutschland ohne Wohnung – seit 2014 ist dies ein Anstieg um ca. 150 %.

      Die BAG W prognostiziert von 2017 bis 2018 einen weiteren Zuwachs um ca. 350.000 auf dann ca. 1,2 Millionen wohnungslose Menschen. Das wäre eine weitere Steigerung um ca. 40%. ..“ (www.bagw.de)

  9. Tarifkenner

    Auch ich fand die Folge – bei aller dem Inhalt geschuldeten Beklemmung – hoch interessant. Vielen Dank. Gerade der Vergleich mit dem Gesprächspartner Andy aus WR 411 (war das der Protopilot?) brachte zusätzliche Erkenntnis, von daher hielte ich so eine Reihe für einen großen Gewinn.
    Beklemmend fand ich an Alexanders Erzählungen diese Konstruktion eines bürokratischen Systems, das an seinem Elend schuld ist. Man gewinnt z.B. den Eindruck, dass seiner Beschäftigung als Tresenkraft das Fehlen eines Kassenscheins entgegenstünde. Deshalb sei das „nicht genehmigt worden“, so als wäre der Schein eine staatlich gesetzte Beschäftigungsvoraussetzung, was natürlich nicht der Fall ist. Bestimmt ist es menschlich, für sein Unglück externe Verursacher zu suchen. Und es ist in meinen Augen auch besser, dass Alexander diese Schuld bei einer imaginierten Überregulierung sucht, als wenn er seine Lage auf die individuelle Boshaftigkeit einzelner Mitmenschen, z.B. der Sachbearbeiter zurückführte. Trotzdem stelle ich mir es schrecklich vor, mir so eine Fremdbestimmtheit in Gedanken selbst errichten zu müssen.

    Antworten
  10. robert krininger

    Ganz gleich, ob wirr oder unverständlich, ich find es gut, dass jemand Alexander überhaupt mal die Möglichkeit gibt über die Sicht auf SEINE Welt zu berichten!
    Im übrigen, wenn ich mir das Geschwafel von so manchem Politiker anhöre und dann nochmal nachdenke, WAS meinte der jetzt? Nur, da ist es Kalkül.

    Antworten
  11. Inside-Man

    Es war eine sehr interessante Folge. Da staunt man manchmal was so jemand zu erzählen hat, und über welche Themen er sich Gedanken macht… Ich finde es gut, das er einmal seine Geschichte erzählen konnte.

    Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.