WR682 Das Alhambra-Edikt

 

Im Jahr 1492 unterzeichnet das Spanische Königshaus das Alhambra-Edikt und läutete damit die Vertreibung der Juden aus Spanien ein. Matthias von Hellfeld erzählt.

Die passende Ausgabe “Eine Stunde History” läuft am 2. April 2017 auf DRadio Wissen.

7 Gedanken zu „WR682 Das Alhambra-Edikt

  1. Ivan Dolvich

    Servus,
    wieder mal eine schöne Folge, die ich gerne höre, allerdings ein kleiner Kritikpunkt bzgl. Rittern in Plattenrüstung auf Pferden. Unbeweglich waren die sicher nicht, das ist leider ein recht gängiges Vorurteil. Hier ein kleines Demonstrationsvideo: https://www.youtube.com/watch?v=qzTwBQniLSc
    Sicher waren Menschen in Vollplattenrüstung nicht so beweglich wie solche ohne, aber unbeweglich sicher nicht (mussten auch nicht mit Kränen in die Sättel gehoben werden ;)).
    Zumindest die Rüstungen für den Krieg boten einen guten Mix aus Schutz und Bewegungsfreiheit (Speziell für Turniere angefertigte Rüstungen mögen eine andere Sache sein)
    Ansonsten weiter so

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  2. Norbert

    Ein interessantes Thema, aber es wäre nett, wenn sich Mathias das nächste Mal ein klein wenig besser vorbereitet 😉

    Die Araber haben den größten Teil Spaniens erobert – einschließlich Kataloniens und Navarras, und selbst Gebiete im äußersten Süden Frankreiches (bis Narbonne und Umgebung). Nur im äußersten Norden, in Asturien konnte möglicherweise ein schmaler Küstenstreifen seine Unabhängigkeit bewahren (wobei sich die mageren Quellen auch anders lesen lassen). Hier eine Karte für das Jahr 750: https://commons.wikimedia.org/wiki/Category:Kingdom_of_Asturias#/media/File:Map_Iberian_Peninsula_750-en.svg

    Die Gründe für die schnelle Ausbreitung des Islams sind zumindest zu nennenswerten Teilen bekannt. Ein wesentlicher Punkt dürften die ständigen Römisch-Persischen Kriege sein, deren letzter (603–628) beide Großmächte so sehr schwächte, daß sie der vier Jahre nach Friedensschluß einsetzenden Islamische Expansion kaum noch etwas entgegensetzen konnten.
    https://de.wikipedia.org/wiki/Islamische_Expansion#Gr.C3.BCnde_f.C3.BCr_den_Fall_Persiens_und_f.C3.BCr_die_ostr.C3.B6mischen_Gebietsverluste

    Zum Thema „Verbreitung des Christentums in der Antike“ möchte ich nur auf die aus Nordafrika stammenden Päpste Viktor I. (189-199), Miltiades (310-314) und Gelasius I. (492-496) verweisen. Im 7. Jh. war das Christentum im Römischen Reich und seinen Nachfolgestaaten nicht nur die offizielle sondern auch tatsächlich die bei weitem dominierende Religion.

    Und ich werde wohl nie verstehen, warum ständig über die eintägige Schlacht von Tours und Poitiers 732 mit ihren 30.000 Beteiligten geredet wird, aber die ein Jahr dauernde Belagerung von Konstantinopel 717/718 mit 300.000 Kämpfern ständig unter den Tisch fällt. Wobei letztere durch die vollständige Vernichtung der arabischen Flotte wahrscheinlich mehr dazu beigetragen hat, den Vormarsch des Islams zu stoppen, als der Sieg über eine auf Plünderungszug befindliche Armee im Westen.

    Thema Postwesen: Das römische Postwesen wurde im Westgotischen Reich bis 711 fortgeführt, und danach von den Arabern übernommen. Dort kam es erst mit der Entstehung der Taifa-Reiche im 11. Jh. zum Erliegen. Thurn und Taxis hatten also keine grandiose, neue Idee eingeführt, sondern nur ein altbewährtes System wiederbelebt (zumal ähnliche Systeme zu unterschiedlichsten Zeiten in den verschiedensten Teilen der Welt in Gebrauch waren).

    Ich könnte noch ein wenig weiter machen, aber es wird langsam spät…

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    1. Matthias von Hellfeld

      Nur mal eine Frage: Was wäre passiert, wenn die von Ihnen die als nicht so wichtig erachtete Schlacht bei Tours und Poitier nicht von Karl Martell und den – wie es ein Chronist geschrieben hat – Europäern gewonnen worden wäre …

    2. Norbert

      Das läßt sich schlecht sagen, da die Geschichte nun mal anders verlaufen ist. Ich vermute aber, daß es keinen großen Unterschied gemacht hätte.

      Die arabische Strategie gegen ebenbürtige Gegner bestand damals im Wesentlichen darin, gegnerische Gebiete zu überfallen und auszuplündern, und sich danach möglichst schnell wieder zurückzuziehen. Und genau in dieser Situation scheint Karl Martell sie gestört zu haben. Die Araber waren nach der erfolgreichen Stürmung Tours auf dem Rückweg und darauf bedacht, ihren mit Beute beladenen Tross zu decken – was ihnen auch unter schweren Verlusten gelang. Der Tross erreichte Spanien ohne weitere Zwischenfälle. Karl hingegen war nur mit einem Teil seiner Truppen unterwegs, und musste mehrere Tage auf Verstärkung warten, ehe er die Schlacht wagen konnte. Die Schlacht selbst musste am späten Abend abgebrochen werden, und als die Franken am nächsten Morgen wieder aufmarschierten hatte sich der Gegner längst, wenn auch etwas ungeordnet, zurückgezogen.

      Mit 20.000 Kämpfern war die arabische Armee zwar von beachtlicher Größe, aber für Plünderungszüge nicht ungewöhnlich. Auch mag der Feldzug nach Tours besonders weit in den Norden gereicht haben, aber er war halt nicht der einzige in dieser Zeit. Das Frankenreich musste sich im 8.Jh immer wieder mit Einfällen der Araber auseinandersetzen. 725 plünderten die Araber z.B. Autun (70km vor Dijon). Andereseits hatte Herzog Eudo von Aquitanien 721 in der Schlacht von Toulouse bereits bewiesen, daß man die Araber schlagen konnte. Der permanente Kriegszustand endete erst, nachdem die Araber um 760 wieder aus Südfrankreich verdrängt werden konnten (bzw mit Bildung der Spanische Mark ab 785).

      Die Schlacht bei Tours und Poitier war nur eine von vielen mit wechselndem Glück geführten Schlachten. Unter diesen Schlachten wird es nicht so sehr die eine Entscheidende gegeben haben, eher haben die Franken in der Summe aus Siegen und Niederlagen die Oberhand behalten. Und letztlich war der Druck im Südwesten Europas wesentlich geringer, als an anderen Fronten der Islamischen Expansion, und daher auch einfacher abzuwehren.

      Man könnte auch fragen was gewesen wäre, wenn Herzog Eudo 721 gegen die Araber verloren hätte. Wären diese 725 vielleicht nicht nach Autun, sondern gegen Tours marschiert? Hätte Karl Martell sie da schon schlagen können, oder benötigte er die Zeit, die ihm Eudo erkauft hatte? Schließlich war er in der Zeit noch mit Kriegen im Osten des Reiches beschäftigt. Oder was wäre gewesen, wenn er 737 mit der Belagerung von Narbonne erfolgreich gewesen wäre? Wäre die islamische Herrschaft in Spanien dann früher zusammengebrochen? Und hätte ein früheres Ende des Islams in Spanien Folgen auf dem Balkan gehabt?

    3. Norbert

      Und noch ein Nachtrag 🙂

      Interessant wäre vielleicht die Frage: Was wäre, wenn Karl in der Schlacht gefallen wäre? Also 9 Jahre früher? Hätte sich sein jüngerer Sohn Pippin (und Vater Karl des Großen) mit 18 genauso gegen seinen Bruder Karlmann durchsetzen können, wie er es dann später tat? Der Streit um die Nachfolge dauerte auch so schon über 5 Jahre.

      Ich glaube aber nicht, daß die Araber besonders davon provitiert hätten. Zum einen stellte das zunehmend unabhängig agierende Asturien eine ständige Gefahr in ihrem Rücken dar, die vor einer Expansion nach Norden hätte neutralisiert werden müssen. Zum anderen erlaubte das Lehenssystem des Frankenreichs den lokalen Herrschern eine relativ große Autonomie, so daß diese auch im Falle von Thronwirren handlungsfähig blieben. Und einige dieser Fürsten waren durchaus in der Lage, ähnlich schlagkräftige Armeen aufzustellen wie jene, mit der Karl bei Tours und Poitier siegte (und gerade die Fürsten im Süden des Frankenreichs nutzten diese auch, um ihre Interessen gegen König und Hausmeier durchzusetzen).

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