WR639 Der König von Moronien

 

Darin: Zahnprobleme – Versicherungen – Dog Whistle Journalism – Gehässigkeit – Politik – Jahresrückblick – Medien – Toby kommt nicht ins Fernsehen, war aber im Fernsehen – Weihnachtsessen – Gewichtskontrolle – Das Wetter

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63 Gedanken zu „WR639 Der König von Moronien

  1. Phil

    vielen Dank für den Rant, Holgi. Der sprach mir aus dem Herzen. Hat wirklich gut getan.
    (Ich hatte erst ein längeres Statement angedacht, um auf einzelne Punkte einzugehen, aber da fehlt mir grad die Eloquenz :D)

    Bin grad bei Min. 29, freue mich sehr auf den Rest. (Über 1 Std, yay!)
    Btw, gönne ich mir nebenbei nen 1,- Tetra Pak-Wein von Lidl.
    (achja, wann wird denn die Wrintheit voraussichtl. veröffentlicht? *erwartungsvollguck*)
    Grüße
    Phil

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  2. Tobias Migge

    Ich schreibe hier mal Möchtegern-Shownotes.

    Die Kalorienzähl-App, von der Toby sprach:
    https://play.google.com/store/apps/details?id=com.myfitnesspal.android&hl=de (Android)
    https://itunes.apple.com/de/app/myfitnesspal-kalorienzahler/id341232718?mt=8 (iOS)

    Wer mehr über das Buch „Fettlogik überwinden“ bzw. die Autorin wissen will:
    http://psychcast.de/pc018-fettlogik-ueberwinden-im-gespraech-mit-dr-nadja-hermann/
    http://www.psycho-talk.de/2016/07/10/psyt026-erzaehl-mir-nix-vom-essen/
    https://www.tobiasmigge.de/2016/10/11/063-fettlogik-%C3%BCberwinden/ #shamelesselfplug

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  3. Bernhard Kirsch

    Dieser Podcast hat die Schwelle leider überschritten, Holgi. Leider bist Du so langsam auf dem Niveau von „denen da“, „so Leuten“ und „diesem Gesindel“. Du verwendest inzwischen genau die Mittel Deiner Gegner. Du sähst Hass, drohst ernsthaft mit Gewalt und hast Dich nicht mehr im Griff. Und Tobi ist zwar wie immer etwas zahmer, bremst Dich aber nicht. Kann ich mir kaum noch anhören stellenweise. Ich bitte um Mäßigung. Bringt doch nix!

    Antworten
    1. holgi Beitragsautor

      Tja, da hast Du wohl Recht. Gelegentlich platzt halt auch mir mal der Kragen. Danke für die Erdung 🙂

      Aber wo habe ich ernsthaft mit Gewalt gedroht? O_o

  4. Bernhard Kirsch

    Du hast Leuten, die lediglich ihre Angst äußern, mit Nasenbeinbruch gedroht. Klang für mich zu ernst.
    Gruß
    Bern.

    Antworten
    1. Clemens

      Den Nasenbeinbruch sehe ich als eine Metapher. Er steht dafür, Menschen, die eben nur »ihre« Angst äußern, darauf hinzuweisen, dass sie ausschließlich bis zur eigenen Namenspitze denken, für die Ängste ihrer Mitmenschen oft nicht das geringste Gefühl aufzubringen in der Lage sind. Die Verkürzung der Nase durch Bruch derselben soll sie von wesentlichen Teilen ihrer Ängst befreien, natürlich nur im metaphorischen Sinne …

  5. Bernhard Kirsch

    Ja, _ziemlich_ unglücklich. „Merkste selbst, ne?“, um mal den großen Holgi zu zitieren. Früher wußte ich Deine berühmten Rants sehr zu schätzen, weil immer eine gesunde Selbst-Distanz und ein gesunder Humor spürbar war. Aber es wird jetzt deutlich zu aggro. Ihr seid übrigens _beide_ auf einem ziemlichen Holzweg, wenn ihr dauernd und ständig Nazis, AFD-Wähler, besorgte Bürger, Verschwörungstheoretiker und Momöpathiegläubige in einen Sack steckt und einfach nur noch draufhaut. Und Tobi macht mit seinen postfaktischen Trollvorschlägen (Homöopathie führt zu Unfruchtbarkeit…) noch die letzte Hoffnung auf Kommunikation mit dem Gegner zu Nichte. Das führt alles zu nix Gutem. Differenzierung ist angesagt!

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    1. holgi Beitragsautor

      Und wenn man nur lange genug differenziert, ist der Audi Q7 ein umweltfreundliches Auto und aus jedem Faschisten wird ein „ganz normaler, besorgter Bürger“.

  6. Bernhard Kirsch

    Clemens: Nur schade, daß die Nazis hinterher jede Gewaltandrohung auch immer nur als Metapher oder als Witz gemeint haben. Auf dieses Niveau darf man sich einfach nicht begeben! Und Holgi weiß das auch!

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    1. Clemens

      »Nazi« kann ich nicht mehr hören, bevorzuge mittlerweile »Faschisten« …

      Wir hatten hier erst kürzlich eine Wahl und im Vorfeld hatte ich mit zahlreichen Wählern des »freien« Kandidaten gesprochen, allesamt eher keine Faschisten, aber auch da fallen Worte der Vernunft auf unfruchtbaren Boden. Mittlerweile kompensiere ich die Hoffnungslosigkeit damit, dass ich mich als Rechtswähler präsentiere – was ich nicht bin und auch niemand annimmt (!!!) – und dafür Begründungen der absurdesten Art absondere. Damit bewegt man eher Räder in verstockten Gehirnen …

    2. Tarifkenner

      @Clemens
      Zwischen Nationalsozialismus und Faschismus besteht aber schon ein erheblicher und benennbarer Unterschied. Um es auf eine kurze Formel zu bringen: Für den Faschisten ist der Staat das Maß aller Dinge, für den Nationalsozialisten das Volk – verstanden als Ethnie, nicht als Demos. Die Judenverfolgung ist eine Hervorbringung des Nationalsozialismus, nicht des Faschismus.
      Bei Linken besteht die Tendenz die Begriffe synonym zu verwenden und „Faschismus“ zu bevorzugen, weil „Nationalsozialismus“ zu sehr an Sozialismus erinnert.

    3. Clemens

      @Tarifkenner Demnach ist Nationalsozialismus realistisch betrachtet eine Illusion, ging es dabei doch nie wirklich um das »Volk« – das wurde je nach Bedarf rücksichtslos für den Krieg verheizt –, sondern eher um ein Mittel zur Selbstbereicherung von ein paar wahnsinnigen Staatslenkern im völligen Kontrollverlust. Wie bezeichnet man das Regime einer Bande aus Räubern und Mördern korrekt …?!?

    4. Tarifkenner

      Naja, der Nationalsozialismus war und ist eine Ideologie, und Ideologien operieren meistens mit irgendwelchen kaum realisierbaren Zielen, die man dann auch als Illusionen bezeichnen kann. Trotzdem ist die Ideologie als solche durchaus existent und sie hatte das Ziel, das deutsche Herrenvolk / die arische Herrenrasse zur Weltherrschaft zu führen. Dass das im Ergebnis gründlich misslang und dass manche Nazis Selbstbereicherung betrieben haben, spricht ja erst einmal nicht dagegen, dass die Ideologie in sich eine gewisse Schlüssigkeit besessen hat.

      Im Übrigen: Wenn das Selbstbereicherung das Schlimmste der Nazis gewesen wäre, wäre der Menschheit vieles erspart geblieben.

    5. Clemens

      Als Halter von Hühner kann ich aber ein Lied davon singen, dass die Sache mit der »Herrenrasse« rein biologisch betrachtet schon nicht funktioniert. Man würde sich ins eigene Verderben züchten.

      Was mich an dieser ganzen NS-Zeit am meisten wurmt, ist, dass ich als ’72iger schulisch noch von Nazis erzogen wurde, dass man an so wichtiger Stelle nicht ordentlicher gekehrt hatte …

  7. Micha

    Hallo Holger,

    danke für die gute Sendung.

    Berliner Berg gibt es seit ca. einem Jahr und der Brauer ist Richie, ehemals Crew Republik. Sollte damit eigentlich genau dein Fall sein.
    Das Standardsortiment hast du auch bald in deiner Packstation. (Toby kann auch noch Nachschlag haben, sofern er denn mag)

    Viele Grüße
    Micha

    Antworten
  8. Marcel

    Thema Zahnversicherung. Ich mach es schon seit über 10 Jahren so das ich mir die Versicherung spare. Die kosten für 3. Zähne sind gar nicht so teuer, lässt man sie sich nicht beim örtlichen Zahnarzt machen. Mein Haus-Zahnarzt stellt nur noch den Heil und Kostenplan aus, mit dem geh ich dann in dieses Internet wo Zahnärzte in einem vorher festgelegten Radius um mich rum bieten können. Bei mir musste mal 3 Kronen gemacht werden gezahlt hab ich dann statt 1800€ Eigenanteil nur 450€. Vergleichen lohnt sich auch hier. 😉

    (Falls unerwünschte Werbung kann folgender Absatz ja rausgelöscht werden)
    Ich werf mein Heil und Kostenplan immer bei zahngebot.de ein.

    Antworten
    1. Bernhard K.

      Eine Versicherung macht nur Sinn, wenn der Schaden recht hoch ist und die Wahrscheinlichkeit, dass der Schaden eintritt recht gering.

      Hoher Schaden beginnt so bei einem halben Jahres-Netto-Gehalt. Geringe Wahrscheinlichkeit bedeutet , dass die meisten Versicherten nie einen Schadensfall haben. Es hängt vom Fahrstil ab, aber wenn man sich ein teures Auto kauft, rechnet sich eine Vollkasko gerade so eben. Diese Versicherung ist so an der Grenze.

      Das man irgendwann Zahnersatz braucht ist sehr wahrscheinlich. Die Kosten für sämtlichen Zahnersatz, den man im Leben braucht sind viel geringer als ein teures Auto. Die Krankenkassen zahlen derzeit noch die volle Arbeitsleistung des Arztes.

      Versicherung gegen geringe Kosten bei hoher Wahrscheinlich sind wie Sparverträge. Da aber der Kapitalmarkt derzeit nicht viel einfährt, ist es rausgeschmissenes Geld.

    2. Mark

      Ergänzung: Man sollte auch die Frage in Betracht ziehen, ob man sich den Schadensfall leisten kann.

      Habe ich mein Luxusauto bezahlt (und nicht geleast) kann ich es mir i.d.R. leisten, es komplett zu Schrott zu fahren. Das ist natürlich ärgerlich, bringt mich aber in keine Not. (Wer sich nicht ärgern möchte, kann ja trotzdem VK machen.)
      Eine Haftpflicht-Versicherung hingegen (egal ob Kfz oder nicht) deckt Risiken ab, mit denen jeder normale Mensch sonst sein Leben lang ruiniert ist (10 Mio Euro und mehr).

      „Versicherung gegen geringe Kosten bei hoher Wahrscheinlich sind wie Sparverträge.“
      Sehr schön gesagt. Wenn viele Versicherte den Schaden haben, ist der Versicherungsbeitrag fast nur eine Ratenzahlung – bei der man den Profit der Versicherung natürlich mitbezahlt.

    3. Jan

      Die Einteilung in Versicherung und und Sparvertrag macht Sinn.

      Ih denke bei den Beiträgen immer ein wenig an die Wahrscheinlichkeitsrechnung in der Schule zurück: „Lohnt sich das Spiel bei Gewinnwahrscheinlichkeit X“. Und bei Versicherungen dürfte immer ein Nein dabei rauskommen.
      Auszahlungen der Versicherung = Einzahlungen (minus) Verwaltungsaufwand (minus) Gewinn der Versicherung
      Oder so ähnlich.

      Versichern sollte man also nur die großen Schäden. Heißt das auch, dass man sich immer mehr Versicherungen sparen kann, wenn man entsprechend Cash auf dem Konto hat?

  9. Mokkel

    Es gibt da eine schwedische „Spezialität“ die sich Surströmming nennt. Das ist vergammelnder Fisch in der Dose. Damit sollte es ein Leichtes sein, ein Funkzeug zu entführen. Allerdings nur wenn die Besatzung nicht gerade aus Skandinaviern besteht, die an den Gestank gewöhnt sind.

    Und Holgi, bitte denk an deinen Blutdruck.

    Antworten
    1. Mokkel

      Danke für den Terror-Hinweis. Dieser Umstand hat meinen Tag sehr erheitert.

      Der Chefkoch empfiehlt heute Surströmming gebettet auf Durian.

  10. Tristan A. Kellermann

    Ein Q7 ist allein schon deswegen umweltfreundlich, weil er aussieht wie ein Altglascontainer.

    Aber das ist nicht das Problem. Problematisch ist die zu differenzierende Klientel. Da sind auf der einen Seite die Tunesier, die sich als Antänzer, Handyräuber und Frauenbelästiger profilieren. Da sage ich dann als Pegidanazi, dass man den Tunesier sofort aus dem Land jagen soll. Holgi gibt aber zu bedenken, dass nur eine sehr begrenzte Anzahl von Tunesiern in Deutschland kriminell oder mit staatsfeindlichen Absichten unterwegs sind. Das wäre dann eine Differenzierung der Tunesier, die auf die Schnelle nicht von der Hand zu weisen ist.
    Auf der anderen Seite sagt der Holgi, dass alle deutschen Aborigines, die sich sich unwohl fühlen, angesichts der ungelösten Probleme, die eine Fluchtbewegung in einer gewissen Höhe in das Stammesgebiete der indigenen Bevölkerung hervorrufen, irgendwie böse Leute sind, auf die man nicht hören muss. Weil kennse einen, kennse alle. Und wer von den so definierten Brownies sich muckt, kriegt ein Kantholz zwischen die Ohren.
    Versteht mich nicht falsch, ich überfahre SS-Sturmtruppler ebenso gerne mit einem T34, wie jeder andere anständige Christenmensch auch, aber man sollte vorher entweder auf beiden Seiten genau hinschauen oder eben nicht weinen, wenn auch der vermeintliche Gegner seine eigenen Mäßstäbe anlegt.

    Antworten
  11. Stefan

    Mal ein paar Gedanken zum Thema Geflüchtete. Gleich vorweg, ich vermute, dass ich mit meinen Standpunkten bei Holgi teilweise als Schnullernazi laufe. Zumindest ist das mein Gefühl, wenn ich Holgi und Tobi in Podcasts diskutieren höre. Ich finde Holgi macht es sich bei der Thematik (ich denke unbeabsichtigt) immer recht einfach, indem er vorwiegend extreme indiskutable Standpunkte der Gegenseite thematisiert. Ein Interview/Gespräch mit einem intelligenten Gegner der (ich nenne es einfach mal) Merkel’schen Politik fände ich sehr interessant. Und ja, ich meine es gibt intelligente Gegner dieser Politik.

    Mal ein ganz konkreter Einzelaspekt, den ich zumindest widersprüchlich finde. Wenn kriminelle Asoziale Flüchtlinge angreifen, wird das rechten Politikern (spätestens ab CSU) zur Last gelegt (Stichwort: Zündler). Ich behaupte nicht, dass man das nicht zu recht tut, aber wirklich belegt ist es meines Wissen nicht.
    Wenn man hingegen nahelegt, dass Merkel in gewisser Weise auch Verantwortung für die ins Land gekommenen Menschen trägt (z.B. in Zusammenhang mit dem Mord in Freiburg), dann ist das gleichzeitig die größte Sauerei. Obwohl man ja sagen muß, dass das relativ klare Fakten sind (Täter wäre ohne Merkel nicht im Land).
    Ich vermute ich mache mir hier irgendwas zu einfach, aber dann klärt mich bitte auf.

    Antworten
    1. David-Alex

      Ich glaube schon, dass viele der potentiellen Täter auch ohne Merkel im Land wären. Warum auch nicht? Täter sind erst mal Menschen, und die haben nach GG 16a die Möglichkeit, bei uns Schutz zu suchen. Ob nun mit Frau Merkel als Kanzlerin oder ohne spielt dabei keine Rolle. Auch ein AfD Kanzler dürfte daran im Grunde genommen nicht so einfach etwas ändern. Ja, jetzt kommt wieder die Drittländerdebatte etc, aber Fakt ist, dass Menschen in Deutschland einen Asylantrag stellen dürfen oder auch auf viele andere Weisen die Möglichkeit haben, in unser Land zu kommen. Wenn der IS oder auch irgendwelche Einzeltäter vorhaben, ihren Unmut in Deutschland auszulassen finden die sicherlich einen Weg, in unser Land zu kommen (einfach in ein Land im Schengener-Abkommen und schon ist man ohne weitere Grenzkontrollen hier).
      Des weiteren…die Alternative zu Merkel ist eben nicht „nur“ was rechteres, sondern, wie in den 67 Jahren Bundesrepublik deutlich wird, eher was linkeres von der SPD. Und unter denen wäre wohl auch keine aggressive Grenzschließung beschlossen worden. Wer also sagt „Ohne Merkel wäre das nicht passiert“ bzw „Merkel muss weg“ meint somit oft nur „Wir brauchen wen rechteren/konservativeren“.

      Den Unterschied zwischen den „Schuldzuweisungen“ sehe ich darin, dass „Merkel“ (Und alle zahlreiche andere Politiker) Menschen hier Schutz bieten, ohne ihnen eine besondere Wertigkeit zuzusprechen oder den Deutschen abzusprechen. Keiner sagt „Ja, Geflüchtete, kommt, bringt eure Kultur mit und macht was ihr wollt“. Auch wenn es den Vorwurf gibt – es ist nicht so. Dann an wenigen Einzeltätern unter Hundertausenden Menschen festzumachen, dass nun eine Person (Merkel) durch ihre Politik oder/und ihre Reden daran Schuld sein soll, dass dieser Mensch zum Täter wurde, erschließt sich nicht.
      Wenn eine Partei aber so tut, als ob man mehr als nur hinterfragen müsste, warum bestimmte Ethnien in unserem Land sind und dass das mit ihnen als Regierungspartei nicht so wäre und man da nun endlich was drann ändern muss unterstützt dies genau das Klientel, dass es (leider so oder so, ob mit Merkel oder ohne, ob mit AfD oder ohne, ob jetzt oder 1992) in Deutschland gibt und bestätigt es darin, nun doch auf eigene Faust etwas unternehmen zu „dürfen“, da man ja eh Rückendeckung aus der Politik hat und man die gewünschte Politik hier nur mit anderen Mitteln durchsetzt.

    2. Tarifkenner

      @Stefan
      Das Argument „Merkel ist für den Mord in Freiburg verantwortlich, weil ohne sie der Täter nicht im Land wäre“ ist m.E. wenig durchdacht. Typ-I-Diabetiker starben vor der Therapierbarkeit der Krankheit in der Regel vor Erreichen des Erwachsenenalters. Will man jetzt wirklich sagen, dass die Mediziner, die die Therapie gegen Diabetes Typ I entwickelt haben, für alle Straftaten volljähriger Typ-I-Diabetiker verantwortlich sind, denn ohne sie wären die Straftäter schon nicht mehr am Leben?
      Die Drahtzieher des 11. September 2001 studierten an deutschen Hochschulen. Ich habe damals nie gehört, dass man deshalb die Aufnahme ausländischer (und/oder muslimischer und/oder männlicher) Studenten als Fehler bezeichnet hätte.
      Was man m.E. diskutieren könnte, ist ob die Disfunktionalitäten, die bei Ausländer-, Strafverfolgungs- und Sicherheitsbehörden aufgetreten zu sein *scheinen*, nicht auch ein Größenordnungsproblem waren, das man besser hätte managen können.

    3. holgi Beitragsautor

      „Typ-I-Diabetiker starben vor der Therapierbarkeit der Krankheit in der Regel vor Erreichen des Erwachsenenalters. Will man jetzt wirklich sagen, dass die Mediziner, die die Therapie gegen Diabetes Typ I entwickelt haben, für alle Straftaten volljähriger Typ-I-Diabetiker verantwortlich sind, denn ohne sie wären die Straftäter schon nicht mehr am Leben?“

      Sehr schöner Vergleich. Den klau ich dir 😀

    4. Fabian

      @Stefan
      „intelligenten Gegner der (ich nenne es einfach mal) Merkel’schen Politik“
      Diese findest Du zu Hauf bei den Flüchtlingshelfern.

      Ich bin immer wieder erstaunt darüber, dass man A) meint, die „Asylkritiker“ seinen sachlich und B) die, die mit den Geflüchteten solidarisch sind, seinen mit der „Merkel’schen Politik“ einverstanden.

      Generell steckt bei jedem dahinter die Wertung, egal ob man sich über diese Politik wohlwollend oder „kritisch“ äußert, diese sei human.
      Ich kann aber beim besten Willen nichts humanes an der Flüchtlingsbekämpfungspolitik unserer Regierung erkennen.

      Nur weil es eine große Minderheit gibt, die eine noch asozialere Politik fordert, als es die Regierung unter Einhaltung der Gesetze liefern kann, heißt das doch nicht, dass ihre Politik nicht asozial sei.
      Entschuldige bitte die Wortwahl, aber ich denke, in diesem Punkt ist eine gewisse Deutlichkeit notwendig.

      Gruß
      Fabian

    5. Stefan

      @Tarifkenner
      Der Typ-1-Diabetiker-Vergleich passt aus meiner Sicht nicht. Der würde dann passen, wenn man zufällig Menschen aus z.B. einem Land nimmt. Aber letztes und dieses Jahr war klar, dass an der deutschen Grenze nicht kontrolliert wird und im Prinzip jeder ungestört passieren kann.
      So etwas wird dann nicht nur von Menschen genutzt die vor Krieg fliehen. Der mutmaßliche Freiburger Täter scheint dafür auch ein passendes Beispiel. Er war nicht gerade geflüchtet sondern schon vor einiger Zeit und hatte in Griechenland nach derzeitigen Stand eine Straftat begangen. Er wurde vorzeitig entlassen und sollte sich eigentlich monatlich bei der Polizei melden. Stattdessen ist er nach Deutschland gekommen.

      Insbesondere aus den nordafrikanischen Ländern kommen überproportional viele Straftäter. In diesen Ländern gibt es für viele keinen Fluchtgrund, d.h. es kommen eben jene die andere Absichten als Sicherheit verfolgen.

    6. Tarifkenner

      @Stefan

      >>Aber letztes und dieses Jahr war klar, dass an der deutschen Grenze nicht kontrolliert wird und im Prinzip jeder ungestört passieren kann.

      An der deutsch-österreichischen Grenzen finden seit 1997 keine Grenzkontrollen statt (Schengener Ankommen). Also müsstest Du eigentlich Helmut Kohl für die Einwanderung des Freiburger Täters verantwortlich machen.

      Ja, es kamen 2015 auch viele Menschen nach Deutschland, die weder politisch verfolgt waren noch vor einem Bürgerkrieg flohen. Das können Straftäter sein, die vor ihrer strafrechtlichen Verantwortung fliehen, aber natürlich auch sog. Wirtschaftsflüchtlinge. Wenn in dieser Gruppe der „Migranten mit schlechter Bleibeperspektive“ tatsächlich so viele Straftäter waren, dass in der Gesamtgruppe der Eingereisten der Anteil der Straftäter signifikant höher war als in der deutschen Bevölkerung, würde ich Dir Recht geben, dass man von einer gewissen Mitverantwortung der Politik sprechen könnte. Ob das tatsächlich so ist, halte ich aber nach derzeitigem Kenntnisstand nicht für ein >>relativ klares Faktum.<<

  12. wirrbel

    Danke für eine weitere schöne Sendung!

    Zu der „Betet nicht für X“ Sache. Ich bin protestantisch sozialisiert (wenn ich auch wie die meisten fast nur zu Hochzeiten und Beerdigungen in die Kirche gehe) und zahle Kirchensteuer. Ich schicke das vorweg, weil ich klarstellen will, dass ich nun wirklich kein militanter Atheist mit Sendungsbewusstsein bin (das bin ich vielleicht wenn ich mich über Homöopathie aufrege, aber das ist ein anderes Thema). Was mich an „Pray for Berlin“ oder „Pray for Paris“ aufrufen stört?

    Zum einen, dass ich Religion für eine Privatsache halte und ein solcher Slogan eben nie integrativ sein kann, da er in seinem Kern genau das Thema zitiert, was auch in der meisten Hetze der Hebel ist um die Bevölkerung gegeneinander aufzubringen. Mit diesem Slogan ist auch niemandem geholfen. Er lässt uns zurück als Personen, die machtlos sind und keinen Einfluss auf das Weltgeschehen haben. Es ist auch nicht so, dass man diesen hashtag nun als spirituelles Innehalten umdeuten kann, wie ihr das in der Sendung versucht habt zu deuten. In den USA bin ich dieser Floskel auch oft im Alltag begegnet, und meist war daran geknüpft die stumme Überzeugung, durch das Gebet genug geholfen zu haben, genau dann wenn Taten wichtig gewesen wären. Das öffentliche anpreisen der Gebete wird dann zur Rechtfertigung, dem Nachbarn keine Sozialfürsorge angedeien zu lassen. Glücklicherweise haben wir nun dieses Problem in Deutschland nicht, aber Grund genug solchen Floskeln kritisch gegenüberzustehen.

    Jedenfalls wollte ich das hier mal kommentieren, weil Holgis Rant es so dargestellt hat, als sei jeder der mit „#prayforberlin“ nicht happy ist, ein kleiner nörgelnder Richard Dawkins ist. Und so ists halt wirklich nicht.

    Antworten
    1. Fabian

      Hi @wirrbel!

      Da sich Holgi manchmal in seinen Podcasts so aufregt, gerne leitet er das auch explizit ein „da rege ich mich schon wieder auf“, hoffe ich, dass er mir das in seiner Kommentarspalte ebenso zugesteht.

      Eigentlich wollte ich einen separaten Post schreiben, jedoch dient mir dein Kommentar gut als Aufhänger.

      Ich stimme Dir zu, dass Religion Weltanschauungen Privatsache ist.
      Jedoch scheint es so zu sein, dass Religiöse ihre Religiosität frei nach außen tragen dürfen und die Nichtreligiosität der Agnostiker/Atheisten hingegen als Missionierung umgedeutet wird. Im Kern trifft die Aussage „Religion ist Privatsache“ irgendwie nicht auf die Religiösen zu, alle Nicht-Religiösen müssen sich aber daran halten.
      Damit meine ich nicht jeden einzelnen Gläubigen, das kann ich auch gar nicht, sondern den öffentlichen Diskurs.

      Alleine die Erwähnung dass im Falle eines politisch-religiös motivierten Anschlags, ein Gebetsaufruf seltsam erscheint, reicht dafür bereits aus. (Im Falle Berlins ist das noch nicht raus, im Falle Paris oder Brüssel war es genau so.
      Für diese Beliebigkeit gibt es sogar bereits T-Shirts: https://onsizzle.com/i/pray-for-orlando-shooting-location-customizable-led-erlando-ni-speed-1217134 😉 )

      Der Widerspruch „Im Falle eines Anschlags im Namen einer Religion hilft noch mehr Religion“ ist nicht das einzige was mich so stört. Allein die normative Haltung, einfach so „jeden“ zum Gebet auffordern zu können, finde ich anmaßend. In einem Land, in dem die halbe Bevölkerung nicht konfessionell gebunden ist und ein viertel Atheist, wird dieser Umstand ignoriert. Ähnlich wie, wenn man Gott sagt, aber nicht zugeben will, dass der christliche Gott gemeint ist und somit (gezielt) andere Konfessionellen und Konfessionslosen übergeht.
      (Ein öffentlicher Trauergottesdienst für mutmaßliche Atheisten ist in meinen Augen ebenso eine Geringschätzung ihrer Weltanschauungen.)
      Nun hat Toby das zwar nicht als Aufforderung verstanden, jedoch ist die Phrase im Imperativ verfasst. In sofern finde ich es mutig, dass Holgi meint zu wissen, wie jeder Rezipient und jeder Poster/Sharer diesen Aufruf versteht. Vielleicht aber meint er auch nur zu wissen, wie man diesen Post zu verstehen hat und andere liegen dann einfach falsch.

      Auch finde ich es sportlich, dass er Leuten wie mir die notwendige Bösartigkeit und Niedertracht unterstellt nur um mir den Vorsatz des „falsch lesen wollen“ andichten zu können. Mal abgesehen davon, dass es Holgi schwer fallen dürfte seine Lesart zu generalisieren, allein die Argumente fehlen, dachte ich er kennt die Heuristik „Unterstelle nie Vorsatz, wenn Dummheit ausreicht“.

      Ich finde das Argument, dass die Phrase metaphorisch gemeint sein kann zumindest für so plausibel, dass ich sie nicht vom Tisch wischen kann. Jedoch denke ich, dass jeder der die Phrase postet, liest und teilt, das verschieden versteht. Ein Religiöser wird sie wohl so verstehen, wie ich sie verstanden habe, ein „Aber“-Atheist wie unser Holgi, wird sie eben so verstehen, wie er es tat.

      Aber selbst im Falle einer Metapher bleibt der Kritikpunkt gültig. In diesem Falle wurde eben eine unpassende Metapher verwendet.
      Gegenbeispiel: Seit Monaten herrschen in Aleppo unhaltbare Zustände. Mehr als Anteilnahme können wir verwöhnten Luxusmaden auch nicht bieten. Hier heißt der Hashtag aber nicht #PrayForAleppo, sondern #DontForgettAleppo. In diesem Falle aber interpretiere ich das schon als Aufforderung.
      Warum dann nicht #SupportForBerlin oder #StrongTogether? Das ändert die Welt genauso wenig wie der nunmehr abgedroschene PrayForXY, kommt aber ohne Imperativ und ohne Widerspruch aus.

      Versteht mich nicht falsch, ich gestehe jedem zu so zu trauern, wie er es für richtig hält. Es steht jedem frei sich für ein Weltbild zu entscheiden oder sich seines zu basteln, wie auch ich mir die Freiheit nahm. Was aber Holgi so an Gehässigkeit stört (und mich auch) stört mich an der Einfalt und Oberflächlichkeit.
      Einfalt, die bei jeder Gelegenheit in Wut umschlägt.
      Da wird man schon zum neuen, radikalen, militanten Atheisten, wenn man nur einen Widerspruch aufzeigt. Und nun komme ich auch wieder zu deinem Post @wirrbel.

      Ich finde es schade, dass die Erzählung der vermeintlichen Militanz der Atheisten auch bei reflektierten Personen wie Holgi, Toby, Dir und ich meine auch bei Alexandra zu fruchten scheint.
      Wenn die Daisch im Nahen Osten marodieren, hat das nichts mit dem Islam zutun. Bringen Evangelikale Ärzte um, weil sie Abtreibungen durchführen, hat das nichts mit dem Christentum zutun. Versucht die LRA im Kongo einen christlichen Gottesstaat aufzubauen und rekrutiert dafür Kindersoldaten, ebenso wenig. Treiben Buddhisten Muslime durch die Straßen und erschlagen sie oder verüben radikale Juden Anschläge auf muslimische Siedlungen weil das ihr heiliges Land sei, hat auch dies nichts mit ihrer Weltanschauung zutun.
      Argumentiert man sachlich, wenn auch zu weilen gezielt forsch (siehe Dawkins) ist man gleich militant. Tritt man für eine Gleichberechtigung aller Weltanschauungen und Lebensentwürfe ein, ist man radikal. Ist man gegen ungerechtfertigte Privilegien bestimmter weltanschaulicher Gruppen und damit (teils explizit gewollte) Übervorteilung anderer Gruppen, gilt das heute seltsamerweise als „neu“.
      Wenn in Hessen der Bischof meint, er setze den neuen hessischen Lehrplan in den staatlich finanzierten kirchlichen Schulen einfach nicht um, erweckt das keinen Anstoß. Zeigt man aber einen Widerspruch auf, ist man gehässig und militant.

      Ich wundere mich stark darüber, dass solche Doppelstandards nicht auffallen.
      Und ja, sowas regt mich auf.

      Gruß
      Fabian

    2. Tarifkenner

      @Fabian. Vielleicht doch ein bisschen mehr Gelassenheit?
      Religion ist Privatsache, insofern jedem selbst überlassen bleibt, ob er religiös sein möchte oder nicht. Das bedeutet aber nicht, dass man Religion nur im Privaten – im stillen Kämmerlein – leben dürfe, es gehört gerade zur Religionsfreiheit, dass man seine Religion auch in der Öffentlichkeit leben darf – zum Beispiel in Form einer Prozession oder eines Werbens um neue Mitglieder in der Fußgängerzone.

      Es ist daher das gute Recht eines jeden, seine Mitmenschen zum Gebet aufzurufen, wie es natürlich auch Dein gutes Recht ist, dies als anmaßend zu empfinden. Das muss man in einer freien Gesellschaft einfach aushalten.

      Nur mal so interessehalber gefragt: Regst Du dich über die im süddeutschen / alpenländischen Raum noch sehr kurrenten religiösen Gruß- und Dankesformeln (Grüß Gott, Grüezi, Adieu, Ade, Vergelt’s Gott) auch so auf?

      Zum Argument, es sei widersinnig, auf einen Anschlags im Namen einer Religion mit noch mehr Religion zu reagieren: Ein religiöser Mensch, der seine sieben Zwetschgen einigermaßen beieinander hat, wird es so sehen: Wer mit einer Religion, die Mord verbietet, einen Massenmord zu rechtfertigen versucht, missbraucht die Religion – so wie einer, der sich mit Arzneimitteln das Leben zu nehmen versucht, die Arzneimittel missbraucht. Und ja: Gegen die Schäden, die Arzneimittelmissbrauch verursacht, können richtig eingesetzte Medikamente (also „noch mehr Arzneimittel“) helfen.

    3. Fabian

      @Tarifkenner
      Vielleicht doch ein bisschen mehr Gelassenheit?
      Stimmt. Sonst ist man gleich wieder militant. 😉

      Das bedeutet aber nicht, dass man Religion nur im Privaten – im stillen Kämmerlein – leben dürfe
      Richtig. Aber wenn man damit nach außen drängt und es somit zum Thema macht, warum darf man sich zu diesem Thema nicht äußern? Weil es nicht gefällig ist?

      Es ist daher das gute Recht eines jeden, seine Mitmenschen zum Gebet aufzurufen, wie es natürlich auch Dein gutes Recht ist, dies als anmaßend zu empfinden.
      Komisch. Im Podcast ging es noch darum, dass ich dieses Recht nicht habe. Es ging darum, dass dies kein Aufruf zum Gebet war und ich die Interpretation bewusst falsch auslegte um diese vermeintliche Anmaßung anzuklagen.

      Nur mal so interessehalber gefragt: Regst Du dich über die im süddeutschen / alpenländischen Raum noch sehr kurrenten religiösen Gruß- und Dankesformeln (Grüß Gott, Grüezi, Adieu, Ade, Vergelt’s Gott) auch so auf?
      Nope. Aber ich benenne diese Albernheit als solche.
      Klar könnte man sich über die nahe liegende Lesart aufregen, dass ich, um „meinen Schöpfer“ zu grüßen, erst vor ihn treten muss, aber darum geht es mir nicht. Ich habe mich auch nicht über „PrayFor“ aufgeregt. Sowas amüsiert mich höchstens.
      Was mich stört ist, dass niemanden (oder den meisten, auch den Reflektierten) die Widersprüche oder Widersinnigkeit auffallen.
      Was ich nervt und worüber ich mich aufrege ist, dass ich angefeindet werde, weil ich diese benenne.

      missbraucht die Religion
      Das ist zwar ein völlig anderes Thema, aber auch hierbei liegt ein grober Fehler vor.
      Es gibt keinen „rechtmäßigen Gebrauch“ von Religionen und folglich auch keinen Missbrauch.
      Jede Weltsicht und jede Interpretation alter Mythen und Texte ist gleich legitim.
      Generell gilt, es gibt keine legitimen oder illegitimen Ideologien.
      Wir sollten soweit sein, dass alle akzeptieren, dass Moral nicht von Gott gesandt, sondern evolutionär entstanden ist und Ethik zwischenmenschlich Tag für Tag neu verhandelt wird. So lange wir die „guten“ Seiten einer Religion akzeptieren und für von Gott gegeben halten, so lange müssen wir nun mal auch die „schlechten“ Seiten als göttlich erachten und akzeptieren.

      Der kategorische Unterschied zwischen Medizin und Religion sollte ohnehin klar sein.

      Gruß
      Fabian

    4. Tarifkenner

      @Fabian
      >>Komisch. Im Podcast ging es noch darum, dass ich dieses Recht nicht habe [pray-for-xy als anmaßend zu empfinden]. Es ging darum, dass dies kein Aufruf zum Gebet war und ich die Interpretation bewusst falsch auslegte um diese vermeintliche Anmaßung anzuklagen. <<
      Ich aber sage Dir: Du hast dieses Recht. Keineswegs möchte ich mir alles, was Holger und Tobias in der Sendung sagen, zu eigen machen – zumal gerade in dieser Passage die Vorwürfe auch ziemlich verschieden waren. Holgers Position, dass alle Pray-for-XY-daneben-Finder diesen Hashtag bewusst fehlinterpretieren , finde ich auch etwas zu weit gehend.
      Tobias wandte sich dagegen gegen das Argument: "Ohne Gebete hätte es diesen Anschlag nicht gegeben." Klar: Auch das ist von der Meinungsfreiheit gedeckt. Aber ich teile Tobias' Ansicht, dass man damit den Anschlag zur Atheismus-Werbung instrumentalisiert. Menschen, die mit ihrem eigenen Leben nichts besseres anzufangen wissen, als anderen das Leben zu nehmen, wird es immer geben. Sollte die Religion einmal wegfallen, machen sie es halt im Namen der Rasse, der Klasse oder des Nationalstaats.
      Wenn ich Dich richtig verstehe, findest Du ja den allgemeinen Gebetsaufruf auch einfach deshalb unpassend, weil viele Menschen nicht gläubig sind. Ich habe Tobias nicht so verstanden, dass er das kritisieren wollte.

    5. Tarifkenner

      @Fabian
      >>Es gibt keinen „rechtmäßigen Gebrauch“ von Religionen und folglich auch keinen Missbrauch.<>zwischenmenschlich Tag für Tag neu verhandelt<<, manche sind auch so elementar, dass sie in Gesetzen niedergelegt sind, und dazu gehört unzweifelhaft das Tötungsverbot. Wer die Religion, die auszuüben er berechtigt ist, argumentativ einsetzt, um andere in ihrem Lebensrecht zu verletzen, missbraucht sie. Religion entbindet nicht von der Pflicht, die Rechte seiner Mitmenschen zu respektieren.

      Religiös: Alle Religionen – auch der Islam – verbieten es, seine Mitmenschen zu ermorden. Natürlich wimmelt es in der Glaubensgeschichte von Beispielen, dass man religiöse Texte unterschiedlich interpretieren kann. Man sollte aber auch anerkennen, dass mindestens 99,99 % der Theologen aller Religionen unterschreiben, dass ihre jeweilige Religion Morde wie den des Breitscheidplatzes verbietet. Da hört dann die Interpretationsfreiheit auf.

    6. Fabian

      @Tarifkenner
      Ich denke, da sind wir beim Punkt.
      Bitte was ist „Atheismus-Werbung“?

      „Wenn ich Dich richtig verstehe, findest Du ja den allgemeinen Gebetsaufruf auch einfach deshalb unpassend, weil viele Menschen nicht gläubig sind.“

      Ja, auch.
      Es sind halt verschiedene Punkte.
      Das eine ist die Normativität der (christlichen) Religiosität.
      Das andere ist der benannte intrinsische Widerspruch.
      Das dritte ist die allergische Reaktion auf die Benennung des Widerspruches.

      Das sind nun mal drei Baustellen.

      „Sollte die Religion einmal wegfallen, machen sie es halt im Namen der Rasse, der Klasse oder des Nationalstaats.“

      Richtig. Die Kirchen, nicht unbedingt die Religiösen, leiten aber ihren Rechtsanspruch davon ab, dass sie Quell und Hort von Ethik und Moral seien. Das aber stimmt nicht. Dennoch prägt genau dies unsere Gesellschaftsmodelle, egal ob religiös oder nicht.
      Aber eben dem, werden religiöse Ideologien genauso wenig gerecht, wie andere Ideologien. Das sage ich, obwohl ich ein Verfechter von Ideologien bin.

      Ich habe Tobias nicht so verstanden, dass er das kritisieren wollte.

      Ich auch nicht.

      Gruß
      Fabian

    7. Fabian

      @Tarifkenner

      manche sind auch so elementar, dass sie in Gesetzen niedergelegt sind

      Das ändert nichts an den Verhandlungen, siehe Todesstrafe und das ändert nichts an der evolutionären Prädisposition.

      Wer die Religion, die auszuüben er berechtigt ist, argumentativ einsetzt, um andere in ihrem Lebensrecht zu verletzen, missbraucht sie.

      Nope. Genauso wie deine Argumentation, ist auch seine/ihre Begründung nur konstruiert.
      So lange die Texte und die Liturgien es Erlauben, unabhängig jedweder autoritären Instanz, ist es innerhalb religiöser Argumentation legitim.
      Erlauben wir Religionen, erlauben wir jede Religion und deren Strömungen. That it’s.
      So lange ich als Moslem sagen kann, die Daisch handeln im Sinne des Islam falsch, so lange können die mit gleicher Legitimität sagen, ich handele falsch.
      So lange ich als Evangelikaler sagen kann, die Homosexualität oder das Abtreibung sei falsch, so lange können andere Christen sagen, ich liege falsch.
      Der argumentative Boden auf dem die jeweiligen Urteile fußen, ist der gleiche.
      Religion erlaubt sowas nun mal, das ist ihr Charakter. Wie sonst können die Päpste der jeweiligen Jahrhunderte, oder die verschiedenen Bischöfe zum gleichen Zeitpunkt zu grundverschiedenen Urteilen kommen?
      Wie kommt es sonst, dass die katholische Kirche in Deutschland das Eine und die gleiche Organisation in Polen das exakte Gegenteil sagt?

      Religion entbindet nicht von der Pflicht, die Rechte seiner Mitmenschen zu respektieren.

      Nur werden diese Rechte und auch die Pflichten zeit- und kontextanbhängig immer neu interpretiert.

      Religiös: Alle Religionen – auch der Islam – verbieten es, seine Mitmenschen zu ermorden.

      Nein. Nicht generell. Das ist kein kategorischer Imperativ. Das zeigt die Geschichte beispielsweise aller christlichen Strömungen.
      Das ist so gesehen falsch und war auch nicht in der Bibel kategorische untersagt. (Mal abgesehen dass, selbst wenn, es für mich persönlich dennoch kein Maßstab wäre und es dennoch Strömungen gegeben hätte, die das wieder anders ausgelegt hätten.)

      Natürlich wimmelt es in der Glaubensgeschichte von Beispielen, dass man religiöse Texte unterschiedlich interpretieren kann. Man sollte aber auch anerkennen, dass mindestens 99,99 % der Theologen aller Religionen unterschreiben, dass ihre jeweilige Religion Morde wie den des Breitscheidplatzes verbietet.

      Ein Hoch auf die Aufklärung und den Humanismus, wenn dem so sei.

      Gruß
      Fabian

    8. Tarifkenner

      @Fabian

      >>Bitte was ist „Atheismus-Werbung“?

      Ohne zu behaupten, dass diese Definition abschließend ist: Atheismus-Werbung betreibt, wer die Einschätzung verbreitet, dass es uns allen besser ginge, wenn keiner mehr an einen Gott glauben würde. Und das erfüllt m.E. die These „Ohne Gebete hätte es diesen Anschlag nicht gegeben.“ – eine These, die ich übrigens für so plausibel halte, wie die, dass man durch Yogurette zu einer schlanken, sportlichen, begehrenswerten Frau wird.

    9. Tarifkenner

      @Fabian

      Meiner These „Alle Religionen – auch der Islam – verbieten es, seine Mitmenschen zu ermorden.“

      widersprichst Du

      >> Nein. Nicht generell. Das ist kein kategorischer Imperativ. Das zeigt die Geschichte beispielsweise aller christlichen Strömungen.
      Das ist so gesehen falsch und war auch nicht in der Bibel kategorische untersagt.<<

      Doch, im fünften Gebot. Das würde mich schon interessieren, inwiefern die Geschichte beispielsweise aller (!) christlichen Strömungen zeigen soll, dass Mord nicht kategorial verboten ist. Ich hoffe, wir sind uns darüber einig, dass zum Beispiel die Hinrichtung eines zum Tode Verurteilten – auch wenn man wie ich die Todesstrafe strikt ablehnt – kein Mord ist.

      Meine Einschätzung, dass 99,99 % der Theologen aller Religionen unterschreiben, dass ihre jeweilige Religion Morde wie den des Breitscheidplatzes verbietet, scheinst Du zumindest anzuzweifeln. Ist Dir ein Theologe irgendeiner Religion bekannt, der sagt, dass seine Religion Morde wie die des Breitscheidplatzes erlaubt?

      Insgesamt scheinst Du mir ein Argumentationsmuster zu verfolgen, dass ich bei Religionskritikern häufiger feststelle:
      1) Die "Gelehrten" der Schriftreligionen gewinnen ihre Erkenntnisse überwiegend durch die Interpretation von Texten.
      2) Textinterpretation ist keine exakte Wissenschaft.
      3) Deshalb kann mit der Religion alles begründen.

      Den Thesen 1 und 2 stimme ich zu, die Schlussfolgerung 3 halte ich für falsch. Zu vielem – auch zu Grundsätzlichem kann man auf Grundlage der Bibel streiten, über manches dann eben doch nicht – und dazu gehört, dass Mord verboten ist.

  13. LB

    Inforadio hat mich am Tag nach dem Anschlag (mir fällt leider kein besseres Wort ein) am meisten enttäuscht. Erst gab es ein Interview mit einem Innenpolitiker, der relativ gelassen sagte, dass man zum jetztigen Zeitpunkt noch nichts zu den Hintergründen sagen kann und unklar ist, ob es ein Einzeltäter, ein Terroranschlag oder sonstwas ist, man kann nur ausschließen, dass es ein Unfall war.
    Danach kam eine Überleitung zum Sport-Reporter à la „Jetzt zum Sport, die Hertaner sind bestimmt alle ganz bedrückt“ Sport-Typ: „Ja, das Spiel am Wochenende wird sicher von dem schlimmen Terroranschlag am Breitscheidplatz überschattet werden.“
    Können Sport-Heinis nicht einfach mal die Fresse halten zu Themen, die nichts mit Sport zu tun haben?

    Antworten
  14. Wolfgang

    Danke für diese Worte!
    Und ich denke auch dass wir mittlerweile schon von AfD, oder bei uns, von der FPÖ regiert werden… Plattformen haben sie schon genug, egal in welchem Medien und zuhören tut ihnen auch jeder.
    Die restlichen Parteien sind die getriebenen und überschlagen sich mit Wahnsinns Aussagen, in Österreich ist das der Minister Kurz.
    Holger deine Reaktion kann ich extrem nachvollziehen und bin Froh dass es noch Leute gibt die sich noch darüber aufregen können und nicht schon abgestumpft sind!

    Euch beiden wünsche ich ein Frohes Fest, guten Rutsch ins neue Jahr!

    Schönes Grüße aus Österreich, aus dem Schönen Braunau am Inn und Danke für eure tolle Arbeit!

    Antworten
  15. Bernhard K.

    Seine politischen Gegner ganz schlimm ausschimpfen! Hilft bestimmt!
    Die kehren dann in sich und überdenken noch einmal ihre Ansichten.

    Antworten
    1. Fabian

      Sich zu positionieren heißt nicht immer, andere überzeugen zu wollen.
      Weiterhin denke ich kaum, dass diese Menschen zum „Überdenken ihrer Ansichten“ gebracht werden können, da diese weder intellektuell noch emotional erreichbar sind.

      Gruß
      Fabian

  16. Christof

    Ich gehoere auch zu den Menschen die per MyFitnessPal, Garmin Vivoactive HR und Waage abnehmen.

    Ich betreibe auch eine Menge Sport (Radeln), aber das alleine reicht nicht, man gleicht das recht schnell wieder aus.

    Taegliches Wiegen finde ich das wichtigste, am einfachsten mit einer Fitbit oder Withings Waage und der Trendweight Webseite ( http://trendweight.com/ ), welche die Schwankungen ausgleicht und einen Trend berechnet.

    Mittlerweile hatte ich mein Zielgewicht schon erreicht, bin dann aber durch Krankheit noch leichter geworden und benutze jetzt das gleiche System um wieder zuzunehmen.

    Antworten
  17. flyingtoaster

    Nachdem ich dreimal versucht haben eine Antwort auf den Rant zu schreiben, passt wohl ein Satz von Holgi aus der nachfolgenden Wrintheit am besten.

    „Wenn du nichts Nettes zu sagen hast, dann sag’s einfach nicht.“

    Ich glaube es würde allen besser gehen, wenn man aus politsch anders eingestellten Menschen nicht solche Monster machen würde.

    Antworten
    1. holgi Beitragsautor

      Ich mache nicht aus politisch anders eingestellten Menschen Monster, sondern aus Menschen, denen nichts besseres einfällt, als zu fordern, dass ihre Ressentiments und Menschenverachtung zu Politik werde.

    2. flyingtoaster

      Meine Anmerkung war nicht als Vorwurf gemeint, es tut mir leid, wenn es so gewirkt hat. Es ist eine Erfahrung, die mir selber seit längerer Zeit das Leben leichter macht.
      Meine politischen Ansichten werden fast täglich mit Fakten konfrontiert, die sie ins Wanken bringen müssten und genauso schnell habe ich es wieder vergessen.

      Die politische Einstellung von Menschen ist m.E. nicht viel mehr wert als die Lieblingsfarbe oder der Musikgeschmack und ich bin überzeugt, gäbe es die Gelegenheit, würden auch über die richtige Farbe erbitterte Kämpfe geführt werden können.

      Aber von einer Sache bin ich ziemlich überzeugt, niemand der psychisch gesund ist, agiert aus seiner Sicht böswillig.

      Menschen scheinen anfällig für Ingroup/Outgroup Konstellationen zu sein und die gilt es immer wieder zu hinterfragen.

  18. Jürgen

    Lieber Holgi, lieber Tobi,

    als treuer WRINT-Realitätsabgleich-Hörer möchte ich euch beiden ein schönes Weihnachtsfest wünschen. Ich bedanke mich für die immer unglaublich sympatische und oft auch sehr schmunzelige Art und Weise, wie ihr zwei euren Podcast präsentiert. Realitätsabgleichtag ist immer der Highlight-Tag auf dem Weg in die Arbeit.

    Weiterhin wünsche ich Euch auch einen guten Rusch und ein wunderbares neues Jahr 2017.

    Viele Grüße Jürgen

    Antworten
  19. holli

    Lach du nur über deb Fisch Holgi. Es kommt der Tag da greift dich einer mit einer Banane an und dann würdest du froh gewesen sein eine Dose Fisch gehabt zu haben ^^

    Antworten
  20. Eliandhra

    Hallo ihr beiden, danke für die neue Folge, ich freu mich jedes Mal, von euch zu hören!
    Zum Thema Motivation hab ich durch das Buch von Stephen Guise („Mini Habits“) gelernt, dass ich mich auf sie nicht verlassen sollte. Ich hab jahrelang geglaubt, ich bräuchte einfach nur Motivation, das könne doch nicht so schwer sein. Doch, ist es. Motivation ist ein flüchtiges Ding, das schon mit dem Absacken des Blutzuckerspiegels ins Wanken gebracht werden kann. Ich versuche nun, Gewohnheiten aufzubauen. Dazu brauche ich Disziplin, die ich auch nicht habe. Zumindest nicht, um aufzuspringen zu zu sagen: „ich mach jetzt ’ne halbe Stunde Bodyweight Training!“ Aber jeden Tag 30 Sekunden SitUps schaffe ich. Und wenn ich dann schon mal auf der Matte liege, mache ich meist auch mehr. Und wenn ich nicht mehr mache, habe ich immerhin 30 Sekunden mehr SitUps gemacht als an den Tagen, an denen ich nur auf der Couch gesessen habe – völlig ermattet von der Vorstellung von 30 Minuten Kraftraining. Ich habe keinen Vorschlag, welche Minigewohnheit für dich passen könnte, Holgi, das kann ich nicht einschätzen. Aber vielleicht ist es hilfreich zu wissen, dass du nicht durch die Motivationstür rein musst.

    So. Ich wünsche euch schöne Weihnachtstage. Ich werde auf dem 33C3 nach euch Ausschau halten.
    Ich freu mich auf weitere Folgen. Liebe Grüße, und falls ich euch beim Kongress nicht finde, schon mal einen guten Rutsch!

    Antworten
    1. Chris

      @Torsten:
      Ich glaube Tobi meine diese Kochbuch:
      „50 Great Curries of India“ von Camellia Panjabi
      Gibt es auch in deutscher Übersetzung. Der deutsche Titel ist „Indische Currys. Die 50 besten Originalrezepte aus allen Teilen des Landes“
      Ich habe die deutsche Ausgabe. Schon die Bilder alleine sind ein Hochgenuss. Die Rezepte natürlich auch.

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