WR420 Jamaika Mike

 

wrint_2014_zurperson_200Ende der 1990er Jahre erfüllt Mike sich seinen Traum und zieht nach Jamaika. Dort geht ihm schnell das Geld aus und er verdingt sich kurzfristig als Drogenkurier. Die Nummer ging schief.

Heute lebt er teilweise davon, seine Geschichte zu erzählen. Wenn ihr ihn für Vorträge oder Diskussionen, auch in kleinem Rahmen, buchen wollt, erreicht ihr ihn über seine Webseite. Dort könnt ihr auch sein Buch bestellen.

58 Gedanken zu „WR420 Jamaika Mike

  1. Julian

    Jamaika Mike ist ein toller Erzähler. Schönes Tempo, schöne Struktur. Hat mir extrem gut gefallen – aber erstmal fertig hören! 😉

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  2. Simon

    Sehr schöne und interessante Folge! Hat mich an das Buch „Mr Nice“ erinnert, aber irgendwie habe ich den Podcast mehr genossen. Hoffentlich findet Mike eine neue Anstellung. Scheint ja ein korrekter „Bursche“ zu sein. 🙂

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  3. Bernd

    Eine extrem interessante Folge! Mike kann wirklich gut und eingängig erzählen. Zum Glück hat Holgi sich zurückgehalten, Stichworte gegeben und ihn einfach erzählen lassen. Manch ein anderer Moderator hätte das Interview durch permanente Interventionen kaputt gemacht. Lob, Lob 🙂

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  4. Patrick

    das war einer der spannendsten und interessantesten Podcast Folgen die ich je gehört habe…..hab mir eben das Buch bestellt. danke Holgi !

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  5. Dumdi

    Sehr tolle Folge! Leider konnte ich dem ganzen jedoch teilweise nicht immer ganz folgen, Holgi hat ja auch ein paar mal nachgefragt um zum roten Faden zurück zu kommen. Glaub mit noch etwas mehr Ruhe und rotem Faden wäre es eine noch bessere 3++Std. Folge geworden. Andererseits war es so der perfekte Teaser für das Buch.
    Am Ende wird es irgendwie traurig wie es mit ihm weiter geht.

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    1. Jan

      Kann man schon schnell mit sympathisieren, aber am Ende ist er aber halt doch ein krimineller der andere Leute für einen eigenen Profit in den Knast hat gehen lassen.
      Super Podcast folge und grossartig erzählt.

    2. Been Told

      Kann da komplett zustimmen! Außer beim letzten Punkt. Ich finde es eigentlich ganz ok, wenn Leute, die mit Drogen großes Geld verdienen dann auch die Konsequenzen tragen. Ich könnte mir auch vorstellen, dass da nicht immer alles unblutig verlief. Hat das Geschäft ja so an sich.
      Wobei ich glaube, dass er wirtschaftlich und beruflich besser dar stünde, wenn er nicht Vater wäre. Das grenzt ihn sicher mehr ein, als seine Vergangenheit.
      Wäre er nicht Vater, könnte er einfach wieder nach Jamaika und fertig.

  6. matze

    Richtig spannende Folge. Vielen dank dafür. Mike hat eine durchaus spannende Lebensgeschichte. Wenn ich das Buch kaufen will, worüber kaufe ich es, damit möglichst viel bei ihm hängen bleibt?

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  7. Daniel

    Super Gesprächspartner und ein guter zurückhaltender Interview-Stil. Großes Lob… Ich habe schon lange nicht mehr so Aufmerksam zugehört. Weiter so! 🙂

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  8. Justin

    Super Folge! Wäre jetzt mal interessant, die Gegenseite zu hören. Ein Interview mit einem Drogenfahnder fehlt irgendwie noch in Holgis Sammlung, oder?

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  9. Chris

    Was lernen wir nun aus der Geschichte?

    Verbrechen kann sich eventuell doch lohnen?
    Kinder verleiten zu einem ruhigerem Leben?
    Oder am Auftragsmörder sollte man nicht sparen?

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    1. Roland

      Diese Geschichte ist wohl keine zum was draus lernen…und dazu noch keine mit Happy End…

  10. Roland

    Voodoo Priester, Kokain Kartelle, Rastamänner, Scotland Yard, hat zwar nix mit Agenten zu tun, aber ich hatte während des Hörens die ganze Zeit „Live and Let Die“ von den Wings im Kopf….übrigens einer der besten Bonds (meine bescheidene Meinung :-).

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  11. Niklas

    Auch ich habe fasziniert zugehört, doch wundert mich die ausbleibende kritische Auseinandersetzung.

    Mike hat die soziale Not der Kuriere ausgenutzt und diese kriminalisiert. Mit dem Vertrieb von harten Drogen schadete er unserer Gesellschaft. Es wird sogar noch der Freundin eine Mitschuld an der Zerstörung seines Lebenstraums gegeben. Das Gegenteil sollte der Fall sein, sie hat ihre kriminelle Geschichte aufgearbeitet. Mike hat sein Leben unter Ausnutzung der Schwachen geführt.

    Ich hätte mir mehr Reflektion im Podcast über die negativen Folgen Mikes Handelns gewünscht. Dass sein Handeln gefühlt bagatellisiert wird und das Mitgefühl für ihn überwiegt, empfinde ich als falsch.

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    1. Andreas

      Ich stimme Niklas voll zu. Das Gespräch ist sehr interessant und er schafft es auch schnell Sympathien zu wecken aber objektiv betrachtet ist er an seinem Schicksal selber Schuld. Auch dass er es jetzt schwer hat, hat er nur seinen Entscheidungen in der Vergangenheit zu verdanken. Alles was man tut hat Konsequenzen. Und ich habe nicht ein Wort der Reue gehört. Beklagt wird nur, dass die Gesellschaft so dumm ist, sein Handeln zu kriminalisieren. Und seine Exfreundin hat halt einfach nur keine Ehre. Die nette anekdotische Erzählweise lässt einen auch gleich die lockeren, korrupten Polizisten herbeisehnen. Viel besser, als unsere humorlosen Beamten. Und der Strafvollzug bringt ja eh nichts. Wozu also der Aufwand? Dann noch der Teil, als der freche Besitzer des Grundstücks für seine vermutlich berechtigten Forderungen eine Kugel in den Kopf bekommen hat. Ist halt Jamaika, man. Ein wenig mehr kontroverses Nachfragen, hätte ich mir jedenfalls auch gewünscht.

    2. Been Told

      Sehe ich auch so, Niklas. Ja, er hat seine Strafe abgesessen. Aber dass man die Ex, die nach ihrem Auffliegen mit den Behörden kooperierte, (zumindest angedeutet) als falsche Schlange darstellt, fand ich schon ziemlich grenzwertig. Klar, für Mike war das scheiße.
      Aber muss man jemanden dafür in die Pfanne hauen, dass sie aus einer Verbrecherin zu einer „Helferin“ der Behörden wurde? Finde ich nicht.
      Ich hätte mir auch einen kritischeren Umgang mit dem Thema Handel mit harten Drogen gewünscht.

      Interessant war es aber allemal. Ich glaube nicht, dass ich je so einen tiefen und ehrlichen Blick in die Drogendealer-Szene gehört habe.

    3. Hans

      Nicht Mike hat der Gesellschaft geschadet, sondern die Gesellschaft schadet den Menschen mit ihrer Drogenpolitik und ihrer Produktion von Armut.

  12. Roland

    @Andreas
    Ehrlich gesagt, ging’s mir ähnlich wie dir, aber Holgi lässt die Leute in „Zur Person“ eben nur reden. So ist das Format eben aufgebaut (siehe die Islamwissenschaflerin). Das hat ja auch seinen besonderen Reiz. Hätte ich mich mit Mike persönlich unterhalten, hätte ich da sicher auch mal nachgehakt, aber das würde ja nicht aufgenommen und veröffentlicht (und wenn, dann könnte man’s sicher nicht mal fünf Minuten anhören, ohne genervt zu sein). Es geht eben um „die Person“, wie denkt sie/er, warum, wie rechtfertigt er/sie sein Weltbild etc. etc…Kann man ne Menge draus lernen, auch wenn man dem Gesagten konträr gegenübersteht.

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    1. Peter St.

      Ähm ich, ich war wohl der einzigste Lifezuhörer(Mikell hat von mir aus telefoniert) . Hab bisschen gezockt nebenher(eigentlich lautlos). Unser Wuffi bellt ja auch irgendwann mal rein… Ich hoffe es hat trotzdem allen gut gefallen. Erstaunt hat mich Holger mit seiner zurückhaltenden Art. Gerade bei diesem Thema plaudert er ja gern aus dem Nähkästchen….

      Nach Hinnerk Weiler der 2. beste Podcast finde ich.

  13. Feuerwasser

    Schöne Folge. Vielen Dank dafür.

    Und zu der allgemeinen Kritik:

    Ich denke man kann es auch mal dem Publikum überlassen individuell für sich zu reflektieren und ein Urteil für sich daraus abzuleiten. Das kann man mündigen Menschen ruhig zutrauen. 🙂

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  14. Christian

    Hallo Holger,

    großes Tennis. Nicht nur, dass Mikes Geschichte eine großartige ist. Mit ihm hast Du praktisch das perfekte Gegenüber bekommen. Dass Du „so wenig“ sprichts, ist ein gutes Zeichen dafür, dass in dieser Sendung wirklich alles stimmt.

    Danke, ich bin lange nicht mehr so lange so gut unterhalten worden.

    Genug geschleimt. Mehr davon. Hast ja ab Oktober mehr Zeit 😉

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  15. HerrTaschenbier

    So so, noch während ich diese spannende Folge höre, sehe ich Tweets von Holgi aus England… Ein Schelm wer böses dabei denkt ;-).

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  16. Jamaika-Mike

    Lieber Holger, liebe Zuhörer,

    ich möchte mich ganz herzlich bei euch allen für eure Kommentare bedanken. Natürlich auch bei Holger Klein und Peter Stübner, die das Interview erst möglich gemacht haben.

    Auch wenn es vielleicht im Interview nicht so rüber gekommen ist; natürlich bereue ich meinen Schritt vor 15 Jahren, mich auf den Deal eingelassen zu haben.
    Ich habe gegen ein bestehendes Gesetz verstoßen (auch wenn mir das nicht unbedingt gefallen muß)und saß zu Recht im Gefängnis. Klar, ich habe einen Fehler gemacht, dafür aber auch meine Strafe abgesessen und muß mit den Nachwirkungen leben.
    Viele Leute fragen mich immer wieder nach den moralischen Gesichtspunkten. Dazu kann ich nur folgendes erwiedern. Zur damaligen Zeit wurden etwa 100 Kilogramm Kokain täglich in London konsumiert. Es bestand sozusagen ein Markt, der wenn nicht von uns, dann eben von anderen Organisationen abgedeckt worden wäre. Also einfach zu sagen, ich mache das nicht und dann kommen zumindest ein paar Kilos weniger in London an, hätte nicht funktioniert. Doch der Hauptbeweggrund war ein anderer; wenn man 8500 Kilometer von zu Hause entfernt ist, nirgendwo mehr Geld auftreiben kann und nichts mehr zu kauen hat, dann stellt sich der moralische Aspekt ganz schnell in den Hintergrund.
    Ich wünsche Euch allen eine erfolgreiche und stressfrei Woche

    Nuff respect

    Michael Weigelt

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    1. kai

      Es bestand sozusagen ein Markt, der wenn nicht von uns, dann eben von anderen Organisationen abgedeckt worden wäre.“ – Das Argument ist natürlich Blödsinn.

      wenn man 8500 Kilometer von zu Hause entfernt ist, nirgendwo mehr Geld auftreiben kann und nichts mehr zu kauen hat, dann stellt sich der moralische Aspekt ganz schnell in den Hintergrund“ – „Man“ Wäre bei mir und vielen anderen nicht so und das ist auch gut so.

      Verstehen kann ich vieles respektieren nicht alles und wenn du verstündest was ich verstehen muss, dann wüsstest du wie sehr ich gerade um Höflichkeit ringe.
      Was ich aber respektieren kann, ist eine gut erzählte Geschichte.
      Danke dafür und eine entspannte Woche.

    2. thehardertheycome

      Deine Räuberpistolen zu hören fand ich recht lustig. Allerdings nur so lange, bis mir wieder einfiel wofür die kolumbianische Koks-Mafia alles verantwortlich ist. Es mag Situationen geben, wo man das ausblendet und nur an sich denkt, aber die vollen Sympathiepunkte gibt es dafür nicht.

      Was mir auch etwas unangenehm auffiel ist der Versuch deinen Koksschmuggel ins Fahrwasser von weichen Drogen zu bringen. Das Vorwort in deinem Buch stammt von Howard Marks, dein Name lässt eher Marihuana Assoziationen zu, im Podcast träumst du von legalem Grashandel … Ist das Zufall oder Intention?

      Trotz der Kritik – viel Glück!

  17. Bernhard K.

    Für mich bisher der „heißeste“ Podcast von Holger. Aber ich bin ja noch nicht lange Hörer hier. Man gewann tiefe Einblicke in die Holgers moralischen Abgründe. Ob man ihm wirklich noch Spenden anvertrauen soll? Wer weiß, wo er das Geld investiert?

    Für mich brachte der Podcast eine wesentliche Erkenntnis: Wenn man alle Drogen legalisieren würde und alle Grenzen öffnen würde, wäre mit einem Schlag 80 Prozent der Kriminalität weltweit verschwunden.

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  18. Feuerwasser

    Ich glaube ja nicht, das eine Legalisierung von harten Drogen alles lösen würde. Hört man ja immer wieder von einigen Gestalten. Das beste Argument ist dann dabei, dass ganz ganz früher die Menschheit auch schon Drogen konsumiert hätte und es damals auch legal war und den Leuten ja auch nix weiter passiert ist.
    Stimmt natürlich nicht. Auch damals gab es keinen unbeschränkten Zugang. Es gab Schamanen oder „Medizinmänner“ die Anlassbezogen kleine Mengen ausgegeben haben, damit die Stammesmitglieder mit ihren Ahnen in Kontakt treten konnten oder mit den Geistern wichtige Dinge klären konnten.
    Wenn heute jemand harte Drogen nimmt, dann meistens weil diese Person dann schon ein großes Problem im Leben hat und mit dieser Droge zumindest Zeitweise der Realität entfliehen kann. Realitätsflucht ist ein ganz anderer Grund für Drogen und das geht oft nicht gut aus. Portugal macht es da ganz gut. Keine Strafen mehr für Besitz und Konsum, jedoch wird einem zwangsweise Hilfe angeboten wenn der Konsum bekannt wird.
    Aber einfach alles zu legalisieren würde es für viele Menschen noch schlimmer machen.
    Alkohol ist auch legal und nicht verboten. Es gibt also keinen Reiz des Verbotenen. Und was passiert? Die mehreren zehntausend Tote pro Jahr, die direkt oder an den weiteren Folgen von Alkoholmissbrauch sterben, hat die breite Masse längst akzeptiert. Den Fehler sollte man nicht ein zweites Mal machen.

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    1. holgi Beitragsautor

      „Aber einfach alles zu legalisieren würde es für viele Menschen noch schlimmer machen.“

      Das ist Unsinn.

    2. Feuerwasser

      Das ist kein Argument.
      Zudem reiß bitte nichts aus dem Zusammenhang.

      Und wenn es wirklich Unsinn wäre, dann würde man sich in einschlägigen Kreisen auch nicht für die „Liberalisierung“ statt der „Legalisierung“ von harten Drogen einsetzen.

    3. Andreas

      @ Holgi

      Jetzt spekulieren zwar beide Seiten aber ich glaube er hat Recht. Es scheint mir hier sehr davon abzuhängen, ob man Drogenerfahrungen gemacht hat oder nicht. Bei einer Freigabe, würde es Leuten, die Drogen konsumieren und die an den Umständen leiden sicherlich besser gehen. Es würde aber auch mehr Konsumenten geben. Ich habe zb nie Kontakt mit Drogen gehabt und ich denke, dass dies anders gewesen wäre, wenn sie legal zu beschaffen gewesen wären. Kontakt zu süchtig machenden Substanzen empfinde ich nicht als etwas, was man mal gemacht haben müsste. Ich empfinde die Verbote rückblickend als Schutz. Das besonders restriktive Gebiete auch mehr Drogentote hervorbringen, kann genauso gut daran liegen, dass es einfach per se in diesem Gebiet mehr Konsumenten gibt oder wahrscheinlicher, dass man an der Art der Bestrafung Änderungen vornehmen müsste. Das Beispiel Portugal scheint mir hier sehr vernünftig. Zwangsberatung für Konsumenten. Die Bestrafung für die Vertriebsseite, könnte dagegen ruhig noch ein wenig verschärft werden.

    4. Been Told

      @holgi

      Da stimme ich dir nicht zu. Als es in den USA die Prohibition gab, haben weniger Leute Alkohol getrunken. Die Folgen waren teilweise zwar schlimmer als vor der Prohibition, aber Logik diktiert, dass weniger Leute Alkohol konsumiert haben. Das Nicht jeder, der gerne Drogen oder Alkohol probieren möchte, möchte es so sehr, dass er bereit wäre, das Gesetz dafür zu brechen.
      Ist es legal, gibt es diese Barriere nicht.

      Die Idee mit Rezepten von Ärzten, die einem den Kauf von harten Drogen erlauben, sehe ich nicht als machbar an. Sachen wie Kokain oder Heroin haben meines Wissens keine gesundheitlich positive Wirkung – im Gegensatz zu Gras. Welche Grundlagen hätten Ärzte, so etwas zu verschreiben?

    5. holgi Beitragsautor

      Vor 100 Jahren haben die Menschen in den USA in anderen Verhältnissen gelebt. Daraus abzuleiten, dass es heutzutage in der Bundesrepublik genauso sei, halte ich für intellektuell unredlich. Wenn schon, dann nimm den Vergleich mit Portugal, denn die haben den Anstand gehabt, es wenigstens mal zu probieren. Hier gibt es ein paar Zahlen, die deine Vermutung widerlegen:

      Zwischen 2001 und 2007 stieg in Portugal die Lebenszeitprävalenz („hat jemals im Leben konsumiert“) für alle psychoaktiven Substanzen um 4,4 Prozentpunkte an, und zwar von 7,6 % auf 12,0 %. Dies kann einerseits als probierlustige Reaktion auf die als Freigabe empfundene Entkriminalisierung zurückgeführt werden. Autoren wie Caitlin Hughes und Alex Stevens, die die Effekte der Neuausrichtung in Portugal untersucht haben, weisen darauf hin, dass auch in den Nachbarländern Spanien und Italien die Lebenszeitprävalenz in diesem Zeitraum angestiegen ist.

    6. Feuerwasser

      @ Holgi

      Jetzt kommt wieder einer der legendären Beiträge für die du mich so magst.

      Da kann ich als Biologe auch gern wissenschaftlich argumentieren. Es gibt herrliche Studien mit Tieren zum Thema Drogen und deren Wirkungen.
      Stellt sich raus: Bei vielen Substanzen gibt es genetische Voreinstellungen für die Wirkungen und Anfälligkeit für Abhängigkeiten. Mäusen und Ratten wurde dabei die Dosierung selbst überlassen. Die Tiere, die einfach von Geburt an mehr Rezeptoren für entsprechende Substanzen aufwiesen, wurden deutlich eher und stärker abhängig, als andere Tiere. Bei bestimmten Drogen lag die Rate bei 20 %. Bedeutet also im Tierversuch haben 20 % der Tiere für bestimmte Drogen einfach wegen ihrer genetischen Ausstattung verloren. Und wenn es beim Menschen ähnlich ist, dann sehe ich keinen Grund warum man 20 % massiv gefährden sollte. Dass man den Konsum und den Besitz nicht bestrafen sollte, darüber sind wir uns einig.

      Du bist aber auf dem Holzweg wenn du glaubst, dass intelligente, aufgeklärte und glückliche Menschen Drogen zur Bereicherung einfach so nehmen könnten ohne sich zu gefährden. Jeder Mensch ist anders und deine persönlichen Erfahrungen sind kein Spiegel der Gesellschaft. Die Menschen sind nicht frei in ihren Entscheidungen und nicht frei in ihrem Drogenkonsum. Drogen werden allzu oft nicht als Ergänzung, sondern als Kompensation für Stress und Probleme konsumiert. Und das ist einfach gefährlich. Ärzte, die genauer als der Durchschnitt über Medikamente und Drogen Bescheid wissen können auch abhängig werden, wenn sie irgendwas brauchen um ihre 32 Stunden Bereitschaft durchzuhalten.
      Bei Drogen hört es einfach auf. Wir haben bis zu 200 000 Tode jedes Jahr was Tabak und Alkohol angeht.

      Haben sich diese Menschen freiwillig die Lichter ausgeknippst?

      Weil sie aufgeklärt und informiert waren haben sie die Wirkung des Alkohols und der Zigaretten lieber genommen als ein langes und gesundes Leben?

      Ich denke ein Suchtkranker, und das sind die allermeisten Raucher, treffen nach ein paar Monaten Sucht keine freien Entscheidungen mehr. Das ist so schön mit der kognitiven Dissonanz. Wir sehen nur gesunde und junge Raucher. Selbst alte Menschen sehen wir, die rauchen und denen es gut geht. Mein Opa ist 92 und hat bis vor 10 Jahren seit seiner Jugend geraucht. Am Ende eine Schachtel am Tag. Die sehen wir alle und jeder kennt so einen.
      Was wir nicht sehen sind die Anfang-Mitte 30 Jährigen mit Lungenkrebs im Endstadium, da die nicht mehr draußen rumlaufen, sondern auf Station liegen.

      Meine Freundin arbeitet in einer Urologiepraxis. Jeden Monat, im Schnitt 2 – 3 mal assistiert sie bei Blasenspiegelungen, bei denen ein Tumor gefunden wird. Rate mal ob sich dabei in den meisten Fällen um Raucher oder Nichtraucher handelt? Studien belegen da übrigens einen Zusammenhang.

      http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/blasenkrebs-rauchen-fuehrt-zu-aggressiveren-tumoren-a-877260.html

      Und warum gibt’s Zigaretten? Weil der Staat verdient und es zudem noch die Rentenkasse schont. Raucher sparen in der Summe der Gesellschaft kosten. Traurig aber wahr.

      Daher gehören alle Drogen gesellschaftlich geächtet. Geächtet, nicht bestraft.

      Meine Meinung, die ich im Gegensatz zu dir Holgi immer begründe und belege. Weißt du auch noch von unserer Waffendiskussion. Das hat auch nichts mit einem Ideologen zu tun, mit dem du nicht diskutieren könntest. Da verwechselst du dann was. Bis jetzt kamen nur noch keine sachlichen Argumente, auf die ich hätte reagieren können. So wie du jetzt auch keine Argumente bringst.

      Verwechsle nicht einen Protest gegen eine verfehlte Drogenpolitik dahingehend, dass man jetzt alles legalisieren muss, damit es besser geht. Dafür sehe ich nirgendwo Belege. Es gibt eher Belege, die zeigen, dass die Legalität OHNE KONTROLLE (nur darüber rede ich) die Situation verschlechtert. Es gibt oder gab in Südamerika einen Stamm, der wegen Missionierung die Kontrolle über seine Drogen verloren hat und vor die Hunde gegangen ist. Leider finde ich die Quelle nicht. War vor Jahren mal ein großes Thema. Wenn ich es finde liefere ich es noch nach.

    7. Feuerwasser

      @ Holgi

      Portugal ist kein Argument für deine Thesen. In Portugal lässt man die Menschen nicht alleine. Man ächtet dort Drogen und unternimmt was gegen diese.
      Du hast mir widersprochen und damit war deine Position „Volle Legalität ohne Einschränkungen und Kontrolle = Alles wird gut“.

      Oder meintest du was anderes?

    8. Feuerwasser

      @ Holgie

      Wow der Artikel zu den Kosten der Raucher ist von Gestern. Also hab ich was gelernt.

      Das wird zu keinem Umdenken führen, es wird weiterhin legal geraucht und die Gesellschaft belastet.

      Ist das nicht der Beweis dafür, dass selbst bei weichen Drogen die Theorie schon versagt?

      Kokain wurde in den 1920ern und 1930ern verboten, als man erkannt hat, dass nach direkter Überdosierung Menschen daran gestorben sind. Nur ein paar Tausend pro Jahr und pro Land. Heute wissen wir zusätzlich, dass rauchen tötet, was man damals nicht wusste. Aber Zigaretten gibt es ohne Rezept und Kontrolle. 150 000 Tote pro Jahr, auf die letzten Jahrzehnte gerechnet.

      Das zeigt doch, dass Drogen von den Menschen nicht gehandelt werden können. Selbst die weichen Drogen nicht. Wäre doch sehr geil wenn man Zigaretten einzeln auf Rezept bekommt. Für jedes Rezept zum Arzt, dann zur Apotheke. Die Preise so hoch, dass es ein richtig teures Genussmittel wird. Mit Alkohol genauso.
      Es spricht doch nichts dagegen. Bis auf die Dummheit der Leute, an der es dann wieder scheitern würde.

    9. Hans

      Nur mit Legalität von psychoaktiven Substanzen ist man überhaupt in der Lage Kontrolle herzustellen. Auf der Ebene der Drogenbenutzer wird das zumindest teilweise versucht. Auf der Ebene von Produktion und Verteilung passiert da allerdings wenig. Von dort kommen aber die schlimmsten Auswirkungen: Morde, Schädigung der Gesundheit, Menschenhandel etc.

    10. Leonard Fresenborg

      @Feuerwasser

      Im Kern ist doch die Hauptaussage Deines (sehr schön zu lesenden) Beitrags, dass Drogen gefährliches Teufelszeugs sind, mit dem kein Mensch sicher umgehen kann.

      Das hat aber doch Holgi nicht unbedingt bestritten. Die Frage ist ja immer: Was ist das kleinere Übel?

      Die von Dir erwähnten Tierversuche sind sicherlich interessant. Aber was soll uns das in dieser Frage weiterhelfen? Ein genetisch prädisponierter Mensch ist ja auch Heute schon benachteiligt, denn es gibt ja ein Angebot an Drogen. Qualitativ würde sich durch Legalisierungen nichts ändern, oder übersehe ich etwas?

      Bei der Interpretation von Tierversuchen bitte nie vergessen: „mice tell lies“

  19. Peter St.

    Die deutschen Gefängnisse entlang der Holland Grenze sind rappelvoll mit Drogendealern. Da sitzen nicht nur deutsche auch viele Dänen usw.. Viele Gefangene werden in JVAs verlegt die weiter im Landesinnere liegen. Ich finde damit sollte endlich mal Schluss sein! Was viele gar nicht Wissen auch in Deutschland haben teilweise 3. Welt Zustände in den JVAs. Wer einmal sein Toiletten Geschäft vor Zuschauern gemacht hat weis was ich meine. Die Beamten sind auch nicht immer gut gelaunt. Wenn man das ein paar Jahre mitgemacht hat, ist man nicht mehr der selbe.

    Mikell hat meiner Meinung nach viel zu viel Strafe bekommen, die Hälfte wäre schon zu viel gewesen. Er hat in Deutschland keine Geschäfte gemacht das muss man sich mal vorstellen!

    Schönen Tag.

    Peter St.

    Antworten
    1. Been Told

      Sehe ich völlig anders. Ob man Konsum bestrafen muss, weiß ich nicht. Ich denke eher nicht. Aber wer harte Drogen verbreitet, gehört ins Gefängnis. Mike ist nicht über die Holland Grenze mit 100 Gramm Hasch gefahren. Er hat Kiloweise harte Drogen verkauft und verkaufen lassen. Und das ist nur das, was wir aus dem Podcast erfahren haben.
      Nach meinem Verständnis der Verhältnisse (was sich zugegebenermaßen in Grenzen hält) ist es nicht unüblich, dass Leute dabei verletzt oder getötet werden. Natürlich erzählt man davon nicht in so einem Podcast – vor allem, wenn man nicht dafür verurteilt wurde.

  20. Jamaika-Mike

    Also was passiert, wenn man Drogen verbietet kann man ja lückenfrei nachlesen. Wie war das denn mit der Prohibition in Amerika? Erst dadurch ist doch die Mafia entstanden. Der normale Bürger denkt: „Och die Regierung verbietet das, na dann ist ja alles okay“. Wenn ich manche Artikel über Marihuana in renomierten Magazinen oder Zeitschriften lese, könnte ich kotzen. Da werden die Leute der Reihe nach verarscht. Mit Argumenten die zum Himmel schreien und schlichtweg falsch sind.
    Was die Legalisierung betrifft, so finde ich die Idee mit der Beratungsstelle gar nicht mal schlecht. Wenn man z.B. Kokain probieren will, muss man dort hin und wird über Wirkung, Nebeneffekte, gesundheitliche Risiken etc. pp. gründlich informiert. Hat man danach immer noch Bock, es zu probieren, dann geht man zu einer staatlichen Abnahmestelle und kriegt die Ware per Rezept oder ähnlichem. Man schlägt viele Fliegen mit dieser Klappe: Wegfall der Kriminalität, kontrollierter Anbau, der Staat verdient etliches an Steuern und der Normalbürger wird nicht gezwungen sich ins Drogenmilieu zu bewegen. Ausserdem finde ich, dass wenn etwas verboten ist, es wesentlich reizvoller für Menschen ist, dies zu probieren. Wir wissen (selbst die Weltgesundheitsbehörde) das der Konsum von Tabak und Alkohol wesentlich gefährlicher ist als Marihuana und trotzdem tun manche so, als ob der Teufel persönlich das Zeug angebaut hätte.
    Warum also nicht die ganzen Gelder und die Manpower nehmen und nach einer vernünftigen Lösung suchen.

    Have a nice day

    Antworten
    1. Been Told

      „Also was passiert, wenn man Drogen verbietet kann man ja lückenfrei nachlesen. Wie war das denn mit der Prohibition in Amerika? Erst dadurch ist doch die Mafia entstanden.“
      Das Argument hört man immer wieder und es funktioniert nicht.
      Warum ist in der Prohibition die Mafia entstanden?
      Alkoholgenuss war Jahrhunderte legal und wurde plötzlich verboten. Dadurch entstand ganz plötzlich ein riesiger Bedarf und Markt an Alkohol. Dann nahm alles seinen Lauf.
      Währen harte Drogen (außer Alkohol) Teil unserer Kultur und Gesellschaft, wäre das Vergleichbar. Aber zum Selbstverständnis unserer Gesellschaft gehört, dass harte Drogen schlecht und illegal sind.
      Harte Drogen haben keinen Platz in unseren Traditionen und Bräuchen.

      Deswegen ist dieses Argument nicht schlüssig, weil es zwei völlig unterschiedliche Dinge vergleicht.

    2. holgi Beitragsautor

      Äh, doch. Heroin und Kokain (MDMA glaube ich auch) waren nicht von Anfang an „harte Drogen“ und illegal.

      Ich denke ja, die beste Möglichkeit wäre, es mal auszuprobieren. Re-kriminalisieren kann man doch jederzeit.

  21. Brocho

    Eine ganz tolle Folge, unter vielen sehr guten Sendungen sticht diese noch bemerkenswert heraus.
    Das Gespräch führst Du toll und es gibt wenige Interviews, bei denen ich regelmäßig denke „DAS müsste er jetzt fragen“ – und dann machst Du das. Danke!

    Ich kann mich auch täuschen, aber gibt es eine Wrint-Sendung, in der Du weniger redest ;)?

    Antworten
  22. Insa

    Oh man, das war ein wirklich schönes Interview. Die Geschichte von Mike und wie er sie vorgetragen hat war bis auf die letze Minute höchst interessant. Bewerten möchte ich das was er getan hat gar nicht.
    Ich finde es einfach nur sehr spannend zu hören wie er es damals erlebt hat. Das Buch werde ich mir auf jeden Fall kaufen. Solche Geschichten die das Leben schreiben sind einfach noch 100 mal mitreißender als fiktive Romane etc.
    Großen Dank an dich Hogi, man hat gemerkt wie wohl sich Mike mit dir als Interviewpartner gefühlt hat.
    Mach weiter so.

    Antworten
  23. Christoph

    Für mich immer noch eine(s) der besten Geschichten/Interviews bei WRINT.
    Ich höre sie mir immer mal wieder an…Danke, Holgi!

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