WR375 Malte Welding III

 

wrint_2014_zurperson_200Dieses Jahr gab’s nichtmal Alkohol. Stattdessen haben Malte und ich wieder mal über diejenigen Dinge geredet, über die wir immer reden. Zwischendurch hatten wir Kekse und Husten.

31 Gedanken zu „WR375 Malte Welding III

  1. malte

    Hier das Zitat aus der FAZ: „Der Berliner Autor Malte Welding hat seine Erfahrungen mit seinem Kind jüngst auf einen vermeintlich einfachen Nenner gebracht: Da selbst in China die Geburtenrate höher sei als in Deutschland, könne man nur behaupten, die deutsche Politik betreibe eine „Kein-Kind-Politik“. Doch lässt sich Mutlosigkeit tatsächlich in eine so verknappte Klage ummünzen? Politiker leiden heute selbst darunter, dass ihre Ideen und ihr Handeln wirkungslos verpuffen. Unternehmen haben erkannt, dass es ihnen nicht allzu gut tut, wenn sie Mitarbeiter, die Zeit für Familie einfordern, einfach aussortieren. Wofür ist die niedrige Geburtenzahl nun eigentlich das Symptom? Wer ist anzuklagen – die Politik, die Unternehmer, das Schicksal oder doch man selbst?“

    http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/beruf-und-familie-ihr-wollt-kinder-dann-kriegt-sie-doch-12741057-p3.html

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  2. Christian

    Debatten übers Kinder kriegen machen mich immer latent wütend. Es ist nämlich fast nie eine Debatte über Familienförderung sondern immer eine Debatte über die Förderung bestimmter Familien. Also nicht die Debatte über „Deutsche bekommen zu wenige Kinder“ sondern „bestimmte Deutsche bekommen zu wenige Kinder“.

    Da gibt es dann auch ein paar Begrifflichkeiten, wo bei mir immer die Alarmglocken klingeln, z.B. wenn Kinder als „Karrierekiller“ bezeichnet werden. Damit das stimmt muss man nämlich erst einmal in der sozialen Hierarchie weit genug oben sein um sowas wie eine Karriere potenziell haben zu können.

    Maltes Argumentation zieht dann auch gleich Legionen von Akademikern, von Doktoren und Professoren und gar gleich den kompletten akademischen Mittelbau als Beispiel heran um die Säumnisse der deutschen Familienpolitik zu beschreiben.

    Damit entpuppt sich das ganze leider nur als elitäres Argument warum es bestimmten Kreisen einfacher gemacht werden soll. Dabei gibt es selbst nur eine Ebene weiter unten ein viel konkreteres Problem, nämlich dass man zwei Einkommen benötigt um Kinder zu haben. Das ein Elternteil zu Hause bleiben kann um Kinder zu hüten – auch wenn es Einschränkungen bedeutet – ist heute ein Luxus der nur bestimmten Kreisen vorbehalten ist.

    Gerade da ihr euch vorher so ausgiebig über die Lässlichkeiten der Presse unterhalten habt und über den Trend das Journalisten nur aus der eigenen Lebenswirklichkeit berichten hätte ich mir da jetzt mehr erwartet als „Akademiker in Berlin Prenzlauer Berg brauchen 24 Stunden Kinderbetreuung und die 32 Stunden Woche, damit nicht einer zu Hause bleiben muss“

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  3. Christian

    Ihr redet dann ja sogar über Akademiker als „beide Akademiker, absolute Wunschfamilie“. Finde ich sehr sehr schade, dass es hier letztlich doch nur um einen akademischen Standesdünkel geht. Es kriegen halt doch nicht zu wenig Deutsche Kinder sondern wieder nur die falschen.

    Anders gesagt, was nützt es uns eine andere Familienpolitik zu haben, wenn sie wieder nur einem elitären Zirkel nützt.

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  4. Christian

    Sorry für den Spam. Ich habe aber noch was zu eurem Thema über Drehbuchschreiben und die Autorenszene in den USA. Insbesondere zu Malte’s Ungläubigem „Der schreibt was und schmeisst es dann weg!“

    Das muss so.

    Die Vergleiche zwischen den USA und Deutschland scheitern oft an so Kleinigkeiten, wie dieser. In den USA gilt ein Comedy-Programm, dass auf CD oder DVD erschienen ist, als verbrannt und wird nicht mehr gespielt, weil kennt ja jeder. Im Gegenteil die Veröffentlichung ist normalerweise erst am Ende der Tour und gleichzeitig Start eines neuen frischen Programms. Kaum ein Komiker in den USA würde eine CD rausbringen und mit dem Programm nochmal zwei Jahre auf Tournee gehen. Deutsche Komiker machen das ständig.

    Ich empfehle euch – – insbesondere aber Malte falls er es noch nicht kennt – WTF den Podcast von Marc Maron. Maron, der in den USA selbst eher als „gescheiterter“ Komiker gilt interviewt dort Autoren, Komiker, Musiker und Künstler und fragt sie insbesondere auch über den Prozess aus mit dem sie ihre Kunst erschaffen. Marion tut das so gut und clever, dass der Podcast alleine ausgereicht hat um seine Karriere neu zu starten und ihn zu einem gefragten Interviewer zu machen. Dabei bekommt einen sehr tiefen und wertvollen Einblick in die Art und Weise, wie das amerikanische Mediengeschäft auf der kreativen Ebene arbeitet und auch wie die Künstler das Handwerk und das Geschäft gelernt haben.

    Wer wirklich wissen will, wie das US-Showgeschäft funktioniert insbesondere auf der kreativen Schiene und was die USA dabei von z.B. Deutschland unterscheidet, der sollte sich da mal reinhören.

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  5. David

    Meine These zur Wirkmächtigkeit christlicher Einflüsse auf die Politik in Deutschland ist, dass sich der Rückzug aus der Religion sich nicht in der politischen Elite widerspiegelt. Während die Kirchenaustritte sich in der Gesamtbevölkerung mehren, kommen viele Politiker aus einer bürgerlichen Schicht, in der Kirche, Gemeinde und zugehöriger Klüngel immer noch immens wichtig ist und dies auch während ihrer politischen Sozialisierung war. Ich denke, dass daraus eine Wahrnehmungsdivergenz darauf entsteht, welche Bedeutung kirchliche Arbeit noch heute auf unsere Gesellschaft hat.

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  6. malte

    @Christian
    Danke für deinen Einwand.
    Ich bedauere, dass das im Podcast nicht rüberkommt, denn gerade das, was du sagst, ist ein wichtiger Punkt im Buch, hier mal eine Passage dazu:
    „(…) Wenn du also Geld hast, ist das Kindeswohl nicht gar so wichtig. Wäre der Gesetzgeber – so beknackt es immer noch wäre – wirklich davon überzeugt, dass ältere Eltern dem Kindeswohl schaden – würde er dann nicht künstliche Befruchtungen für Ältere verbieten? Ist die Idee am Ende nicht eher: Wer es sich nicht leisten kann, sein Kind künstlich zu bekommen, der kann es auch nicht versorgen, also lohnt sich das Kind nicht?
    Wer darin eine Parallele zur sozialen Diskriminierung durch das Elterngeld sieht, der sieht ganz richtig. Auch der Staat hat Wunschkinder. Kinder reicher Eltern wünscht er sich. Der Trend geht auch im Sozialen hin zur Selektion. Es gibt gesellschaftliche Wunschkinder und dann die, die besser niemals geboren werden sollten. Kinder von Armen, Kinder von Fremden.
    Susanne Schultz, Mitarbeiterin des Vereins „Gen-ethisches Netzwerk“ (GeN), schreibt auf der Homepage von GeN, es werde nicht etwa ein allgemeines Bevölkerungswachstum angestrebt, sondern ein Wachstum „innerhalb der sozialen Schichten, deren Nachwuchs als besonders wertvolles ‚Humankapital‘ eingeschätzt wird.““
    Wenn ich bezogen auf meine lesbischen Bekannten, für dich ich gespendet habe, sage, es handele sich um eine „absolute Wunschfamilie“, dann bezieht das genau darauf. Eigentlich sind sie vom sonstigen Status her als Eltern gewünscht, sie haben allerdings die falsche sexuelle Orientierung.
    Daher heißt ein Kapitel auch: „Zu alt, zu jung, zu homosexuelll und zu arm“.

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    1. Donngal

      Was meiner Meinung nach auch immer zu kurz kommt ist, dass es auch Mütter und Väter gibt, die gar keine Karrierre wollen. Ich selbst bin zufrieden wenn ich als einfacher Angestellter ausreichend viel verdiene, ich weiss, dass ich für eine „Karierre“ deutlich mehr arbeiten müsste, als ich es mit zwei Kindern verantworten kann. Schon jetzt sehe ich, wenn ich Glück habe, meinen Sohn in der Woche eine Stunde am Tag im wachen Zustand. Würde ich mit Ambitionen eine Karierre aufbauen, hätte ich gar keine Zeit mehr für ihn.

      Und warum muss meine Frau sich dafür rechtfertigen, dass sie sich bewusst gegen das arbeiten entscheidet? Warum kommt immer die Frage „Und wann gehst du wieder arbeiten?“ Erstmal nicht. Wir können uns das leisten, weil wir privilegiert sind. Aber ein (relativ) großer Haushalt mit zwei Kleinkindern und einem Hund (Mein Gott bin ich spiessig) macht definitiv ausreichend Arbeit für eine Person, die nebenher nichts anderes mehr arbeitet. Und das obwohl eines der Kinder halbtags die Kita aufsucht. Ich frage mich zum Beispiel auch, ob es nur ein Zufall ist, dass gerade das Kind in der Kita das durch willkürliche Beissattacken auffällt, eins der Kinder ist, bei denen beide Eltern Vollzeit arbeiten gehen, seit das Kind ein Jahr alt ist. Ich bin kein Freund davon, weil eben unsere Erzieher unzureichend ausgebildet sind. Warum man Erzieher werden kann ohne Pädagogik studiert zu haben, verstehe ich nicht. Warum Erzieher nicht ordentlich bezahlt werden verstehe ich aber auch nicht.

      Oh Gott soviele Fässer die ich hier aufmache. Aber das Thema beschäftigt mich doch sehr. Ich teile eure Meinung also nicht umfassend, mag aber die Art wie ihr sie äussert. Die Podcasts mit Malte sind echt jedes Jahr ein toller Jahresabschluss!

  7. malte

    @David
    Wenn du es noch nicht kennst, dann schau dir „Talking funny“ an. Ricky Gervais im Gespräch mit Jerry Seinfeld, Chris Rock und Louis CK. Louis CK hat es auch schon einmal in seiner Gedenkrede für George Carlin gesagt, dass er diese Vorgehensweise von Carlin gelernt hat. Seinfeld widerspricht ihm vehement, seiner Meinung nach wollen Zuschauer „Greatest Hits“ sehen.
    Allerdings hat auch Seinfeld Anfang des Jahrtausends mit großer Geste sein altes Material „beerdigt“, es gibt auch dazu ein Video, wo wirklich eine Beerdigung inszeniert wird. Das war allerdings nicht nach einem Jahr, sondern nach einem guten Jahrzehnt.

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  8. Gunnar

    Ich fand dje Folge etwas anstrengend als es fast eine Stunde ums Kinder kriegen und Kinder haben ging …. bin ja Single.

    Sonst fand ich es ganz gut.

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    1. Chris

      Ging mir auch so.
      Leider kaum Themen des Jahres 2014 aufgegriffen.
      Gut Pegida war klar, das ist einfach extrem aktuell.
      Man hätte ja noch einen Boulevardteil, wer starb 2014, mitnehmen können. Waren in meiner Wahrnehmung sehr viele.^^

  9. Pascal

    Wie erwartet wieder eine tolle Sendung mit Malte – schade, dass diese Sendungen so eine Seltenheit sind 😉 Auch als (noch) kinderloser Single-Mann kann man sich ja durchaus für das Thema Kinder/Erziehung/Familienpolitik begeistern.

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  10. Michael

    Super Podcast,

    Danke an Holger und Malte Welding für den Podcast. Gerade Malte Weldings Aussagen zu Partnerschaft und Kindern kann ich teilen. Außerdem, sorry wenn das jetzt platt klingt, erinnert mich seine Stimme in bizarrer Weise an Herrn von Bödefeld aus der deutschen Sesamstraße. 😀

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  11. Sebastian

    Ich kann Maltes Einstellung ja nachvollziehen es jedem potenziellem Elternpaar zu wünschen ein Kind zu bekommen und das auch fördern zu wollen, aber bei der Altersdiskussion kann ich nicht mitgehen. Ich finde schon das es da eine Grenze gibt (die ich für mich jetzt nicht hart definiert habe) bei der es vielleicht für die potenziellen Eltern noch immer toll wäre, aber wo ich das für die Kinder einfach nicht mehr gut heiße. Ich denke zwar das auch ältere Eltern gut mit Kindern umgehen können und dass das für die Kinder kein Nachteil sein muss, aber es ist doch eine Tatsache das ein Kind dessen Eltern z.B. bei der Geburt 50 wären einfach sehr früh ohne Eltern bzw. Großeltern der eigenen Kinder dastehen wird und auch diesen Punkt sollte man bedenken, zumal ja auch eventuelle Tanten, Onkel etc. nicht jünger sein dürften. Sicher kann ein 20-30 jähriger Mensch den Verlust der Eltern verkraften, aber es wird garantiert etwas im Leben fehlen und viele Dinge die andere im Umfeld mit ihren Eltern noch teilen können werden einem immer verwehrt sein.

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  12. Jan

    Toller Podcast. Kompliment an beide! Holgis Podcasts regen mich immer zum nachdenken an. Und machen dadurch schlauer. Danke!

    Und ein Thema, das mir auf der Seele lastet wurde auch angesprochen und sehr schön durchrudert: Das Thema Kinderwunsch und künstliche Befruchtung. Meine Frau und ich mussten auch medizinische Hilfe bei der Zeugung unserer Tochter in Anspruch nehmen. Das war weiss Gott kein leichter Schritt und noch weniger eine schöne Prozedur oder Zeit in unserem Leben. Im Gegenteil – das war alles ziemlich schrecklich und mit viel Kummer, Angst und Ungewissheit verbunden. Insofern kann ich die Aussage nur noch mal unterschreiben: Niemand macht sowas freiwillig. Es gibt meist medizinische Gründe dafür… das in den Medien und Köpfen bestehende Bild von der Karrierefrau dass die Frauen halt erst Karriere machen wollen und danach die eingefrorenen Eier bequem später ausbrüten ist totaler bullshit. Die meisten Paare wünschen sich einfach nur ein Kind und stoßen auf sehr viel Unverständnis in der Gesellschaft.
    Wir hatten das Glück dass die Behandlung geklappt hat und wir mit einer kleinen Tochter beschenkt wurden. Ich staune heute noch über dieses Wunder der Medizin und des Lebens und wünsche das jedem Paar egal ob Homo oder hetero.
    Wer tatsächlich behauptet auf diese Art gezeugte Kinder wären Frankensteins oder keine Menschen, der hat A) keine Ahnung und B)sollte von Jesus mit der Peitsche eins in die Fresse bekommen.

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  13. Marqueee

    Nicht, dass es von besonderer Wichtigkeit wäre, im Gegenteil lieber Malte, aber das anfangs der Folge Jerry Seinfeld zugeschriebene Zitat über die Film-/TV-Branche „Nobody knows anything“ stammt von Drehbuch-Kollegen William Goldman.

    Ich hätte nicht gesondert auf die Belanglosigkeit hingewiesen, bestünde nicht die Möglichkeit, dass du dessen extrem lesenswertes und unterhaltsames Buch „Das Hollywood-Geschäft“ (Adventures in the Sreen Trade) noch nicht kennen solltest. Ich würde zur Lektüre raten. Unterhaltsamer und mit schärferem Blick hat bisher noch niemand über diese Branche geschrieben. Schon gar nicht aus der Innenperspektive – der Mann hat immerhin einen Drehbuchoskar.

    Ansonsten: Dank für die kurzweilige und interessante Folge, die besten Wünsche fürs neue Jahr, etc…
    Torsten

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    1. malte

      Lieber Torsten, danke für den Hinweis, das Buch kenne ich allerdings schon – es ist erstaunlich viel gleich geblieben. Ich meine auch, gesagt zu haben, dass Seinfeld auf diesem Zitat basierend sagt, dann könne man auch die Autoren machen lassen, aber vielleicht habe ich das verschlampt.

  14. Marqueee

    Hallo Malte,

    durchaus auch denkbar, dass ich beim Bratkartoffel-Machen den Zusatz überhört habe. Was das „gleich geblieben“ betrifft: ja, ich weiß. Ich bestreite teile meines Lebensunterhalts ebenfalls in diesem Metier.

    Best,
    T.

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    1. Robert K.

      Gibt es dieses Jahr wieder ein Malte-Weihnachtsgespräch?
      War für mich letztes Jahr eines der schönsten Geschenke…

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