WR284 Zum Thema Politik (-Lehrer)

 

wrint_2014_zumthema_200Thomas ist Politiklehrer an einer Berufsoberschule in Bayern und wir haben ein wenig über Politik, politische Philosophie, Politikunterricht und den Lehrerberuf geplaudert. Dabei habe ich einige Stichworte aufgeschrieben: Wahlsysteme, das Bundesverfassungsgericht, EinheitsparteienSchulformen, das Bafög, den Beutelsbacher Konsens, die eristische Dialektik, MINT-Fächer, den Mindestlohn, Überhangmandate, Hare-Niemeyer, die Paulskirche, die Revolution von 1848, den Rechtsstaat, den Souverän, Bismarcks Sozialversicherung, Lenin, Stalin, Marx, Locke, Hobbes, Platon, die Technokratie, die Theokratie, Feuerbach, Hegel, Cicero, die Mischverfassungen, Thomas von AquinScholastik, Aristoteles, Luther, Zwingli, Calvin, Machiavelli, Hume, den Konservatismus, die protestantische Ethik, Montesquieu, Gewaltenteilung, Rousseau, die Romantiker und die Basisdemokratie.

33 Gedanken zu „WR284 Zum Thema Politik (-Lehrer)

  1. ich ich ich

    Korrekturen:
    – Nicht Rousseu, sondern Montesquieu stellt gegen Ende seines pol. Hauptwerks (“De l’esprit des lois”) Gedanken über den Einfluss des Klimas auf verschiedene Völker an.
    – Er meint nicht David Hume, sondern Edmund Burke, als Gegenspieler der frz. Revolution und Begründer des Konservatismus (“Reflections on the Revolution in France”, 1790, http://de.wikipedia.org/wiki/Edmund_Burke)
    – Rawls hat nicht den Minimalstaat propagiert, sondern Robert Nozick (in “Anarchy, State and Utopia”, http://en.wikipedia.org/wiki/Anarchy,_State,_and_Utopia)

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    1. holgi Beitragsautor

      Ich fänd’s ja prima, die Geschichte der politischen Philosophie mal detailliert erzählt zu bekommen. Kannst Du das oder weißt Du jemanden, der das kann?

    2. Thomas

      Ich kann mich beim Rousseau da dunkel dran erinnern. Aber das ist sehr lange her und anekdotisch.

      Arghl. Burke, ja. :/ Mea maxima culpa.

      Nuja, Nozick geht hinter Rawls noch weiter. Rawls meint schon, dass die Freiheit möglichst groß sein will. Aus meiner eher “linken” Sicht auf die Welt ist das, was er da vorschlägt schon ein Minimalstaat. Nozick geht da ins Extrem. Du hast aber generell recht.

    3. ich ich ich

      Sorry, grad erst wieder den Kommentarthread angeschaut..

      Nein, leider nicht (kenne keinen Experten). Ich habe nur angelesenes Hobbyisten-Wissen (ok, schon interessierter Hobbyist, aber nicht systematisch genug um selbst etwas dazu zu sagen). Wahrscheinlich ist jemand wie der Dr. Dings vom Soziopod am besten?

    4. ich ich ich

      @Thomas: Sorry für die Klugscheißerei, war nicht böse gemeint. 😉

  2. fischi

    Das war sehr erhellend. Vielen Dank.

    Den Ansatz, dass man Sozialpolitik nicht über Wirtschaftspolitik betreiben sollte, find ich hochspannend. Hab ich so bisher noch nie wahrgenommen.

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  3. Nils

    Was den angeblich so riesigen Bundestag angeht, den wir jetzt haben (“von 600 auf 700 angestiegen”):
    Wir haben 631 MdB, im letzten Bundestag hatten wir 622. Von 1990 bis 2002 hatten wir durchgängig über 660 Mitglieder. Kein Grund zur Aufregung also.

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    1. Thomas

      Achje, das ist wenn man Zahlen vorher net nachschaut. 🙂 Danke. Generell sind die Ausgleichsmandate aber dazu geeignet den Bundestag aufzublähen. Die Frage wäre da, ob das mit den vielen Kleinparteien zusammenhängt, die es gerade so nicht ins Parlament geschafft haben.

  4. Martin

    Endlich! Habe auf diese Sendung mit Spannung gewartet! 🙂
    Freu mich sehr!

    Liebe Grüße aus Berlin nach Berlin und Bayern!

    Martin

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  5. Dennis

    Hallo,

    Die Sendung hat mir gut gefallen. Das Thema Könnte ich mir auch gut als Kategorie vorstellen, so Politik für Anfänger mäßig. Ich musste nämlich wieder feststellen, das ich von Politik nicht wirklich ‘nen Plan habe.

    Gruß

    Dennis

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    1. Martin

      Die Idee hatte ich auch. Dachte aber, daß entwickelt sich von alleine.

      Macht wirklich Spaß Euch beiden zu zuhören! 🙂

    2. Helena

      Ohoo, bitte bitte bitte mehr davon! Wir haben sonst zur Philosophie auch den Soziopod, zur Naturwissenschaft Holgi & Mr. Freistetter. Wenn Ihr das irgendwie regelmäßig machen könntet, wäre das echt genial. Evtl. wirklich geschichtlich beginnend die politischen Systeme mit Vor- und Nachteilen um dann irgendwann in den aktuellen Politiksystemen der verschiedenen Länder anzukommen.
      *schmacht* *bettel* bidddääää 🙂

    3. Romconstruct

      Dem schließe ich mich an.
      Habe damals auf dem Gymnasium (Abi 2000 NRW) auch nicht viel über Politik gelernt.
      Teils aus Desinteresse meinerseits aber zum Großteil auch weil man in Politik (aka SoWi), Deutsch, Englisch, Geschichte und Erdkunde zu 80% (gefühlt 99%) eh nur das dritte Reich behandelt hat.

      Somit habe ich in dem Podcast in 2 Std. mehr gelernt als zuvor in X Jahren Schule.
      So kommt es mir zumindest vor.

      Danke also an Thomas und Holgi für die tolle Sendung und gerne mehr davon.

    4. Abkueko

      Würde mir auch eine Weiterführung wünschen.
      Die Sendung war ganz nett, aber ich hätte da gern noch viele weitere Stunden zugehört. Gerne auch über andere Themen als die reine Politikgeschichte. Größere Politikthemen (wie z.B. das Wahlrecht) oder meinetwegen auch Bildungspolitik.

      Ist angenehm zuzuhören und man lernt was. Danke für die Folge!

  6. Roland

    Tolle Sendung mit einem sehr angenehmen Gesprächspartner. Zur Ehrenrettung Rosseaus muss ich aber noch anmerken, dass nicht er die These mit den Temperamenten der Südländer hatte, die aufgrund des warmen Klimas faul wären und deshalb durch Despotie zur Arbeit gezwungen werden müssten, sondern Montesquieu. Die Schilderung des Naturzustands des Menschen durch Rousseau war -bestimmt wegen der begrenzten Zeit- auch nicht ganz korrekt dargestellt. Rousseau stellte sich den Menschen im Naturzustand als Wesen vor, das keine Vorstellung von Gut und Böse hat und mit dem kleinstmöglichen Schaden für Andere für sein Überleben sorgt, In einer Gesellschaft fängt er dann an sich selbst durch die Augen anderer Menschen und damit in Konkurrenz zu zu ihnen sehen, womit das “Unheil” seinen Lauf nimmt. Diesen Umstand möchte Rousseau mit seinem Gesellchaftsvertrag auflösen, weil durch die absolute Gleichheit aller Bürger kein Konkurrenzdenken mehr Enstehen kann. Insbesondere durch die Idee der Auflösung der Rollen von Herrscher und Beherrschten ein sehr interessantes Konzept , mit dem man sich sich mal beschäftigen kann, wenn man mal Zeit und Muße hat, sicherlich auch mit Schattenseiten, wie Thomas ja schon ausgeführt hat.

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    1. Thomas

      Also das mit dem Montesquieu muss ich echt mal nachlesen, wenn ich Zeit habe. Ich weiß, dass ich den auch mal in den Fingern hatte, ist aber ewig her.

      Deine Darstellung zeigt aber auch, dass Rousseau eine romantische und positive Vorstellung des Menschen im Naturzustand hat. Der Gesellschaftsvertrag zwingt dann aber auch jeden in eine absolut gleiche Rolle und Menschen sind nunmal verschieden und damit auch ihre Interessen. Und die Frage ist ja, was passiert wenn tatsächlich jemand gegen das Gemeinwohl entscheidet.

  7. das-pearl

    unser mathe/physik-lehrer im beruflichen gymnasium sagte damals in der ersten stunde: “sie sind hier weil sie wollen.”

    bis jetzt (muss noch ne stunde) wars sehr interessant

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    1. Thomas

      Das ist ja Quatsch. Du bist da, weil die sozioökonomischen Bedingungen dich dazu zwingen möglichst viel sozialen Status anzuhäufen und ein Abi ist nichts anderes.

  8. stefen

    Interessante Sendung. Vor allem hat sie mir gezeigt, dass es nicht leicht ist Politik wirklich zu verstehen, die Struktur der Demokratie Deutschlands, der Weg eines Gesetzes vom Entwurf bis zur ~Validation (mir fällt gerade kein besseres Wort ein), das Wahlrecht. Diese blöden Überhangmandate, dass muss ich immer wieder nachlesen, es bleibt einfach nicht hängen. 🙁

    Genial fand ich eine Bemerkung von dir, Thomas, zu deinem Unterricht, und zwar die, dass du mit deinen Schülern politische Vorgänge nachspielen lâsst, sie die Rollen von Bundesrat, Bundestag, Regierung usw. einnehmen lässt. Ich bin mir sicher, dass bei einer solchen Simulation viel mehr hängen bleibt als bei einem Frontalunterricht oder durch Lesen. Ich habe zwei Tage nach Hören dieses Podcasts schon wieder viel vergessen, aber wenigstens Lust bekommen, mehr über Politik (im Allgemeinen) zu lesen.

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  9. Simon

    Sehr schöne Sendung, Euch beiden kann man sehr gut zuhören. Über Thomas’ Stimme habe ich mich im Bluemoon auch immer gefreut.

    Es wäre toll, wenn Ihr das regelmäßig, strukturiert und themenorientiert durchzieht.

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  10. robert

    Bin ich der Einzige, der folgende Fehler bemerkt hat? :

    1. Was Thomas ein “einfaches Gesetz” nannte, heißt in Wirklichkeit “Einspruchsgesetz”.
    2. Bei Einspruchsgesetzen kann der Bundestag einen Einspruch des Bundestages mit einfacher Mehrheit zurückweisen. Erhebt der Bundesrat den Einspruch mit 2/3-Mehrheit, so kann der Bundestag diesen nur mit 2/3-Mehrheit zurückweisen. _DAS_ war der Grund für die Neuwahl 2005 – Schröder hatte zwar eine einfache Mehrheit im Bundestag, nicht aber die 2/3-Mehrheit.

    Nachzulesen auch hier:

    https://de.wikipedia.org/wiki/Einspruchsgesetz

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    1. Thomas

      Das zweite habe ich nicht immer auf dem Schirm. Muss das nochmal nachsehen. Danke!
      Wegen dem Namen: die existieren beide. Je nachdem, welche Materialien du fragst heißt das mal so mal so. Einspruchsgesetz ist wissenschaftlicher, einfaches Gesetz didaktischer.

  11. robert

    Verflixt – in meinem vorherigen Kommentar meinte ich natürlich :

    “Bei Einspruchsgesetzen kann der Bundestag einen Einspruch des BundesRATES mit einfacher Mehrheit zurückweisen.”

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  12. nykon

    Guter Podcast. Ich war auch in München auf der BOS (mein erster Schulabschluss war auch einer dieser ominösen Hauptschulabschlüsse).
    Die meisten Absolventen lassen sich wohl mit ‘nie wieder’ zitieren. Angeblich sind BOS Absolventen aber an Unis ‘gern gesehen’. Allerdings sei auch erwähnt das der BOS Stoff noch nach Gymi LK strukturiert, daher -angeblich- das schwerste Abitur derzeit, obendrauf zum Zeitmangel. Aber es schaffen viele, auch wenn viele danach Urlaub oder Antidepressiva brauchen (bei mir wars zwischenzeitlich letzteres).
    Fürn Studium hats gereicht.

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  13. robert

    Hi Thomas,

    nochmal ergänzend zu deiner Antwort:

    Ich finde halt “einfaches Gesetz” auch “didaktisch”, wie du das nanntest, nicht optimal. Und zwar aus dem Grund, daß der Begriff “einfaches Gesetz” auch oft als Gegenpol zum “verfassungsändernden Gesetz” verwendet wird. Vielleicht hast du das auch verwechselt? Ich habe in einem “früheren Leben” mal ein paar Semester Jura studiert, und wenn ich mich noch richtig an meine Vorlesungen im Öffentlichen Recht erinnere, dann wurden diese Begriffe immer nur so verwendet, wie ich sie beschrieben habe. Vielleicht schlägst du das ja auch nochmal nach; ich lasse mich natürlich auch immer gerne eines Besseren belehren 🙂

    Ansonsten: Tolle Sendung, hab ich noch gar nicht gesagt!

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  14. André

    Also ab dem “positiven Menschenbild” habt ihr mich etwas verloren. Das ist ein sehr schwammiger Begriff. Ich glaube auch über ein positives Menschenbild zu verfügen, das allerdings Egoismus mit einschließt. Was ihr mit dem Begriff meint, ist wohl sowas wie Handeln im Interesse des Gemeinwohls. Um mit der beispielhaften Kritik dieser Definition anzufangen: Die ersten Gegenargumente, die Thomas gibt, bezogen sich auf die Nichtbereitschaft zu freiwilligem Umweltschutz (Fastfood, Autofahren). Gerade hier würde ich aber in Frage stellen, ob Umweltschutz zwangsläufig dem Gemeinwohl dient. In vollem Umfang kommt man da eigentlich erst hin, wenn man von einer ethischen Verantwortung für zukünftige Generationen und die Natur ausgeht. Die allgemeine Kritik der Defintion ist, dass das Gemeinwohl für ein Individuum (oder eine Gemeinschaft) gar nicht bestimmbar ist aufgrund eines natürlichen Informationsdefizits. Schon, wenn wir nur den Mehrheitswillen einer Gemeinschaft heranziehen, ist es äußerst komplex, diesen zu ermitteln. Das, was für eine Gemeinschaft “am Besten” ist, ist vermutlich unbestimmbar. Mir ist aber bewusst, dass diese Verkürzung verbreitet ist.

    Kurz zum Begriff der Gleichheit, der wird von Marx durchaus differenziert diskutiert. Ich verweise auf die Kritik des Gothaer Programms, wo er auch die Losung: “Jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seinen Bedürfnissen!” aufgreift. Wohlgemerkt nicht “Jeder leistet das gleiche, jeder bekommt das gleiche.”

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